Pferdefriedhof in der Namib

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Horse Graveyard / Pferdefriedhof In Namib @ Swakopmund


Ein Ort, der nicht ausgeschildert ist, aber Geschichte erzählt!

Es gibt Wüstenausflüge hier bei Swakopmund, bei denen man an einer alten, unscheinbaren Grabstelle vorbeikommt, kaum erkennbar, aber historisch bedeutend. Ich erinnere mich gut an einen Vortrag während meiner Reiseleiterausbildung, damals von Dr. Friedhelm von Ludwiger. Er sprach über diesen Ort, den sogenannten „Pferdefriedhof“, und warum dort tatsächlich über 1 500 Pferdeskelette mitten in der Wüste verstreut liegen.

Obwohl ich schon viele Jahre in Swakopmund lebe, wusste ich selbst nicht mehr genau, wo dieser Ort überhaupt liegt. Neulich, das Internet funktionierte nicht, im Büro ging nichts mehr, habe ich spontan die Gelegenheit genutzt und bin mit meinen Hunden losgezogen, einfach raus in die Dünen, mit dem Ziel, diese Gräber zu finden. Ich hatte keine Koordinaten, nur eine grobe Idee der Richtung.

Was ich nicht wusste: dass ich über 9 Kilometer durch die Dünen laufen würde, rauf, runter, immer weiter, und irgendwann dachte ich wirklich, ich finde sie nicht mehr. Plötzlich tauchte vor mir dieses lange, bleiche Riff aus Knochen auf, ganz woanders, als ich es in Erinnerung hatte.

Geärgert hat mich, dass es trotz Abgrenzung zum Schutz der dort brütenden Damara Seeschwalbe alte Autospuren in der Nähe zu sehen gab… na ja, das dicke Drahtseil der Absperrung war weggerostet, dann kann man ja wieder durchfahren… wurde ja alles „ohne Grund“ errichtet… Mein Sohn hätte mich in dem Moment wieder den Grummelmumpf genannt, aber den Respekt zur Natur hätte ich so manchem gern deutlicher mitgeteilt, als üblich.


Wie es dazu kam…

Als die südafrikanischen Unionstruppen 1914 im Auftrag der britischen Krone den Befehl bekamen, Deutsch Südwestafrika militärisch anzugreifen, kam es zunächst zu Spannungen im eigenen Land. Ein Teil der Truppen bestand aus burischen Einheiten, viele Buren sympathisierten eher mit den Deutschen, der Kaiser war ihnen ja gutgesinnt. Es kam zu einem kurzen Widerstand innerhalb Südafrikas, der erst niedergeschlagen werden musste, bevor der Feldzug Richtung Norden starten konnte.

Nach der Mobilmachung wurden über 30 000 Pferde über die Häfen von Walvis Bay und Swakopmund nach Südwestafrika verschifft. Die Unionstruppen waren beritten, Ziel war es, die zahlenmäßig unterlegene deutsche Schutztruppe schnell zurückzudrängen. Der Plan ging auf. Die Deutschen zogen sich zurück und kapitulierten im Juli 1915 bei Khorab im Norden.

Doch in der Region um Swakopmund kam es währenddessen zu einem gravierenden Zwischenfall. Viele der Pferde wurden krank. Die Diagnose: „Glanders“, auf Deutsch: „Rotz“. Eine hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit, gefährlich auch für Menschen, so gefährlich, dass sie sogar meldepflichtig war und als Biowaffe eingesetzt werden kann… Der Erreger heißt Burkholderia mallei – ein Bakterium, das auch auf den Menschen übertragbar ist und ohne Behandlung oft tödlich verläuft.

Die Ankunft des angeforderten Tierarztes verzögerte sich durch einen Schiffbruch um etwa zehn Tage, das war zu lang. Die Krankheit breitete sich ungehindert aus, und es musste dann schnell gehandelt werden.

Um die Seuche einzudämmen, wurden 1 695 Pferde und 944 Maultiere getötet, um die Ausbreitung zu stoppen. Ein offizielles Telegramm des südafrikanischen Verteidigungsministeriums vom 15. Mai 1916 bestätigt übrigens die Zahlen und den Hintergrund der Maßnahme. Kein Mythos, sondern dokumentierte Kolonialgeschichte, mitten in der Namib. Die Tiere wurden in die Dünen südlich der Swakop Mündung gebracht, etwa 4 bis 6 Kilometer entfernt, keine Ahnung, von wo man das messen soll, und dort erschossen, man finde die Löcher in den Schädeln noch heute! Man wählte damals wohl Stellen, an denen der Boden weich genug war, um sie notdürftig zu verscharren. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich denke, die wurden einfach reihenweise hingelegt.


Was man heute noch sieht…

Viele der Schädel zeigen noch deutlich Einschusslöcher. Zwischen den Knochen finden sich verrostete Hufeisenreste, manchmal sogar Halfter, alles Relikte, die phasenweise von den wandernden Dünen freigelegt und dann wieder verschluckt und konserviert werden.

Es ist ein stiller Ort, ohne Hinweistafel, ohne Denkmal. Aber wer dort steht, spürt etwas, oder bilde ich mir das nur ein…?

Zuletzt aktualisiert am 23. September 2025 durch Albert Voigts von Schütz

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