Scherenschnabel, der „Wasserpflüger“

You are here:
African skimmer flying low over calm water with its bill dipped below the surface, reflection visible

„Die sind doch total bescheuert. Kein Fisch schwimmt doch so hoch an der Oberfläche.“

Ich zeigte meiner Frau einige Bilder des Scherenschnabels, die ich auf der letzten Reise vom Boot aus auf dem Chobe-Fluss machen konnte. Übrigens ist die Art und Weise, wie man den Chobe-Fluss besucht, extrem ausschlaggebend für den Sichtungserfolg den man dort gern hätte.

African skimmer skimming the Chobe River, its longer lower mandible cutting a line through the water

Der Afrikanische Scherenschnabel jagt mit der unteren Schnabelhälfte im Wasser und schöpft damit blitzschnell kleine Fische heraus.

Der Chobe ist nämlich ein touristisch stark überlaufenes Gebiet und auf der Seite Kasanes tummeln sich gefühlt alle Touristen des südlichen Afrika. Wir gehen ja immer auf die gegenüberliegende Namibia-Seite, wo sich nur sehr wenige Lodges befinden. Hier nutze ich natürlich bevorzugt meinen Freund Peter Visagie, einen gebürtigen Katima-Mulilo-Mann, uns auf privaten Bootsfahrten an die Tierwelt heranzubringen.

„Ihr scheint euch ja wirklich sehr gut zu kennen“, meinte Sandra auf der letzten Tour, als sie mitbekam, wie Peter und ich uns mit Worten auseinandernahmen.

Es ist nämlich so, dass wir beide uns schon seit Jahren kennen, gleich alt sind und jeder so seine Vorstellungen von einer Bootsfahrt hat. Aber Peter weiß, was ich für meine Gäste will, und deswegen kann ich heute mit gutem Gewissen sagen: Meine Gäste haben auf dem Chobe das allerbeste Erlebnis!

Auch wenn Peter sich manchmal eine Zigarette anzündet und mich das doch irritiert. Aber egal. Wo ein Ying ist, ist auch ein Yang.

Vor vielen Jahren erzählte mir Mark Paxton, ein bekannter Naturschutzbeamter, der sich dann auf seinen alten Sitz am Okavango zurückzog und dort eine kleine Lodge betreibt, wie dumm die Scherenschnäbel eigentlich sind.

Es ist nämlich so, dass die Scherenschnäbel in unserem Frühling brüten, August bis November, und ihre Eier auf die Ufer-Sandbänke legen. Ist es nicht schon genug, dass die Eier regelmäßig von Nilwaranen geplündert werden und die Küken oft von Greifvögeln aufgegriffen werden?

Nein, es ist auch so, dass die starken Winde oft viel Sand über die Küken wehen.

Eigentlich müssten die Küken sich kurz mal aufrichten, wie so ein Husky im Schnee, und sich mal durchschütteln, damit könnte das Leben weitergehen. Aber die Küken lassen sich förmlich vom Sand bedecken und ersticken.
Kommt nicht so oft vor, aber trotzdem…. Schade!

Ein Ovambo-Arbeiter von mir sagte mal: „Wenn Du dumm bist, wirst Du leiden“… wie recht Kamati doch hat.

Was allerdings ziemlich cool ist, ist, dass die Scherenschnäbel während der Brutzeit immer gegen den Wind ihren Schnabel auf den Boden drücken. Wenn der Wind über sie hinüber pfeift, entstehen dadurch ganz interessante Muster, die radial von ihnen wegführen.

Es gibt also auch in der Vogelwelt Kunstwerke, auch wenn sie nicht mit Absicht entstehen.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Skimmers immer weniger werden. Ja, Skimmer im Englischen und im Afrikanischen noch ein schöneres Wort: „Waterploeër“, also Wasserpflüger. Tolle beschreibende Namen für diesen Vogel, der immer direkt über der Wasseroberfläche fliegt und seinen viel längeren Unterschnabel tief ins Wasser eintaucht.

Sobald ein Fisch gegen diesen Schnabel kommt, schnappt er sofort zu, beugt wie auf einem Feder-Gelenk den Kopf nach unten und schnappt sich den Fisch.

Richtig cool ist es, dass 2016 das erste Mal seit 73 Jahren die Scherenschnäbel in Südafrika gebrütet haben. Das heißt, sie verbreiten sich wieder etwas. Aber mehr als 10.000 Vögel gibt es auch heute auf der Welt wohl nicht von dieser Art.

Da Scherenschnäbel auf sehr flachen Sandinseln brüten und manchmal nicht höher als 50 cm über dem Wasserspiegel, kann es durchaus passieren, wenn ein großes Boot oder wenn man zu schnell mit dem Boot an diesen Inseln vorbeifährt, dass die Bugwellen über die Nester spülen und damit die Brut zerstören.

Dies soll eine Warnung, BITTE und ein Aufschrei sein an alle, die mit Booten an diesen Inseln vorbeifahren: Gebt Acht!

Wer also ein besonderes Interesse an Scherenschnäbeln hat, sollte eine Nordost-Safari bei uns buchen, in den Monaten Juli bis November, da wir hier diesen fantastischen Vogel regelmäßig sichten und wir auch den richtigen Bootsführer im richtigen Boot an der richtigen Stelle einsetzen und diese auch Rücksicht auf unsere Fotografen nehmen.

Denn ein gutes Bild von einem Scherenschnabel zu bekommen bedeutet: zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, nicht den Mut zu verlieren und immer wieder drauf halten mitziehen und abdrücken. … mit einer verdammt schnellen Verschlusszeit.

Und nein, mit dem Handy geht es nicht.

Wer also mit dem Handy fotografieren möchte, sollte, während wir Scherenschnäbel fotografieren, lieber einen Gin Tonic genießen und den Elefanten, Nilpferden, Büffeln und Pukus am Ufer zuschauen.

Den Scherenschnabel bei der Jagd zu sehen, braucht Zeit auf dem Wasser — auf unserer Birdingreise von der Namib bis zum Zambezi stehen dafür Bootssafaris auf Okavango, Zambezi und Chobe im Programm.

Zuletzt aktualisiert am 30. August 2026 durch Albert Voigts von Schütz

Neuste Beiträge
Neuste Kommentare
Zur Leaflove Mailingliste anmelden




Neuste Beiträge: