NamSwiss 2026
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Safari in die tiefe Kalahari und den Süden Namibias, 4. bis 24. September 2026
NamSwiss 2026 – in die tiefe Kalahari und den Süden Namibias
Ein Reisebericht von Albert Voigts von Schütz
Mehr zur Südtour finden Sie hier:
Die Reise durch die Augen eines Gastes:
4. September 2026 – Ankunft in Windhoek und Gocheganas
Erstaunlich früh kamen meine Gäste aus dem Flughafen. Normalerweise dauert die Abwicklung an der Passstelle relativ lange, diesmal ging es ruckzuck. Lernen unsere Beamten etwa etwas dazu? Das wäre doch mal was!
Nach einer kurzen Besorgung in Windhoek fuhren wir direkt weiter zur Gocheganas Lodge, die in dieser Gegend sicherlich ein Aushängeschild für Unterkünfte ist. Die Aussicht auf die Auasberge und die Akaziensavanne ist wunderbar, auch wenn die Landschaft zurzeit leider sehr trocken ist. In den vergangenen Monaten hat es hier nicht gut geregnet, und es wird sichtlich überweidet.
Schon auf der Hinfahrt konnten wir Giraffen, Wasserböcke und Zebras beobachten. Auf der mittäglichen Pirschfahrt wurde diese schöne Tierbeobachtung noch durch Elenantilopen ergänzt und als Sahnehäubchen durch einen richtig riesengroßen, fetten Breitmaulnashornbullen. Er urinierte nach hinten sprühend und markierte sein Gebiet vehement, auch indem er seinen Kot zertrat.
Der späte Nachmittag blieb zur freien Verfügung, nach einem Nachtflug auch dringend notwendig, egal, welche Sitzklasse man bucht.
Auch ornithologisch gab es einiges zu sehen. Eine Kurzhaubenlerche verwirrte mich zunächst durch ihre intensive rötliche Färbung und den schuppigen Rücken so sehr, dass ich sie beinahe für eine Klapperlerche hielt. Dazu kamen einige Trappen und die üblichen Buschfeldvögel wie Rotbauchwürger und Feueraugenbülbül sowie verschiedene Hornvogelarten, darunter Rotringtoko, Damaratoko und Fleckentoko.
5. September 2026 – Gocheganas und auf in die Kalahari
Um sieben Uhr, genau zum Sonnenaufgang, trafen wir uns zu einem morgendlichen Spaziergang. Das eintönige, hohle Hupen des Priritschnäppers begleitete uns, dazu die lauten Rufe der Rosenpapageien. In der Ferne rief tutend ein Felsentoko.
Tief unten im Tal standen Giraffen wie in einer Galerie aufgereiht, mit fantastischem Hintergrund und bei bestem Fotolicht. Oben am Sandstein- und Quarzithang zogen Elenantilopen, begleitet von einer Gruppe Kudus und einigen Gemsböcken. Hier und da stand ein Springbock.
Wir hatten viel Zeit für Vogelfotografie. Priritschnäpper, männlich mit Brustband, weiblich rostig, wurden fotografiert, und dann gelang auch noch eine wunderbare Sichtung einer Kapbeutelmeise.
Südgiraffe · Priritschnäpper · Rostbanderemomela · Kalahariheckensänger
Der Kalahariheckensänger begleitete uns mit seinem morgendlichen Gepiepe durch die jetzt blühende Akazienlandschaft. Hakendornakazien, Kerzenakazien und auch viele andere wie Kameldorn und Drüsenakazien blühen ausgerechnet in dieser schwierig trockenen Septemberzeit und bieten den Tieren damit einen wichtigen Nahrungsschub.
Mein Vater nannte das immer „Schokoladenzeit in der Dürre“.
„Interessant, wie die Natur eine Vorratskammer schafft für die Tiere, und das genau in der Zeit, wo sie es am meisten brauchen, dass sie noch einmal so einen richtig guten Energieschub bietet, indem die Akazien blühen.“
Auch die Kameldornakazien standen in voller Blüte. In dieser Gegend sieht man auf Giraffenkopfhöhe die Zweige bereits völlig abgefressen, denn hier gibt es ausgesprochen viele Giraffen.
In der Ferne sahen wir noch einige Zebras, Kopf runter, latsch, latsch, wie immer, bevor es zu einem deftigen Frühstück ging. Ich muss sagen: das beste Omelett seit Langem, dazu eine gute Obstplatte und sogar der Kommerzkaffee war erstaunlich gut. Normalerweise schmeckt der Lodge-Kaffee ja nicht … hier aber: Daumen hoch und gleich noch einen!
Die Kalahari anzubieten, ist für jemanden wie mich, einen echten Südwester, der die Kalahari sehr gut kennt, ein schwieriges Unterfangen.
Das riesengroße Kalahari-Becken reicht bis an die B1, die von Windhoek grob in Nord-Süd-Richtung durch Namibia verläuft. Damit ist es möglich, östlich der B1 eine der vielen Lodges in der Kalahari aufzusuchen.
Normalerweise entscheide ich mich für die Kalahari Red Dunes Lodge der Ondili Gruppe. Sie hat atemberaubend schöne Zimmer, ist nicht überlaufen und bietet am Nachmittag einen recht guten Game Drive. Auch die Unterkünfte von Intu Afrika sind in Ordnung, ebenso Bagatelle, für die wir uns diesmal entschieden hatten.
Der Grund war vor allem die Aussicht. Ich wollte meinen Gästen etwas Besonderes bieten und hatte außerdem Natur- und Tierfotografen dabei. Die Dune Chalets boten dafür hervorragende Möglichkeiten. Dazu gab es hier wohl die einzige realistische Chance, die Geparden wirklich gut zu fotografieren.
Allerdings ist das für mich immer ein kleiner Mogeleffekt. Die Geparden leben hier in einem riesigen Gehege, und das kommt dem Thema Zoo schon ziemlich nahe, eigentlich überhaupt nicht das, was ich verkaufen möchte. Fototechnisch kann man es aber vielleicht einmal in eine Reise hinein mogeln.
Auch Breitmaulnashörner gibt es im Wildareal von Bagatelle. In der Vergangenheit hatte ich dort bereits sehr gute Fotos von Breitmaulnashörnern in den Dünen machen können. Ich dachte, dass dies vor allem Franz, meinen Hauptfotografen, glücklich machen würde.
Trotzdem bleibt die Situation für mich schwierig. Die meisten Unterkünfte in der namibischen Kalahari bieten nicht das, was ich meinen Kunden eigentlich zeigen möchte: gute Löffelhund-Fotografie, ordentlich fotografierte Erdmännchen, schöne Spazierwege und die kleineren, echten Kalahari-Tiere.
Stattdessen liegt der Schwerpunkt sehr stark auf den größeren Tieren, und die Pirschfahrten sind teilweise ziemlich langweilig, da die Akzente der lokalen Guides völlig falsch gesetzt werden.
Trotzdem bauen wir die Kalahari in viele unserer Reisen ein, denn es gibt immer wieder gute Momente. Tatsache ist aber: Wer die Kalahari wirklich erleben möchte, muss tiefer in den Osten und in den südafrikanischen Teil fahren.
Am Nachmittag machten wir die obligatorische Pirschfahrt bei Bagatelle. Die Lodge selbst ist wirklich schön, das Essen sehr gut und das Personal ausgesprochen freundlich. Leider war der Himmel bedeckt, und es war für diese Jahreszeit noch ungewöhnlich kalt.
Als wir zu den Nashörnern kamen, stiegen wir aus und schauten sie uns an. Aber ganz ehrlich: Niemandem bereitete das wirklich Freude.
Am Wegesrand sahen wir Sabotalerchen, Strauße und Giraffen, die im Licht fantastisch zu fotografieren waren. Dazu einige farbige Springböcke, ein regelrechtes Kasperletheater, das manche Wildfarmen noch immer anbieten. Überbleibsel der Hysterie, farbig gezüchtete Tiere den Trophäenjägern anzubieten. Eigentlich pervers, so etwas.
Den Sundowner konnten wir dank unseres recht guten Guides Philipp trotzdem genießen, und anschließend erschienen alle freudig zum Abendessen.
6. September 2026 – Von der Kalahari in Richtung Kgalagadi
Mein treuer Guide Jonathan hilft zwischen seinen eigenen Reisen immer wieder auf Bagatelle aus. Er war zu dieser Zeit ebenfalls dort und sagte mir:
„Geh bloß früh morgens zu den Geparden. Nachmittags sind dort unheimlich viele Touristen.“
Also gingen wir vor dem Frühstück noch kurz zu den Geparden. Wie im Zoo machten wir die obligatorischen Fotos. Der Wow-Effekt blieb natürlich aus, weil die Tiere nicht wild waren.
Breitmaulnashorn · Gepard auf Bagatelle
Danach frühstückten wir herrlich, und die lange Fahrt nach Osten begann.
Je weiter wir nach Osten kamen, desto stärker veränderte sich die Landschaft. Die Vegetation wurde am Auob-Trockenfluss dichter und höher, und plötzlich sah ich am Wegesrand Baumhopfe fliegen. Natürlich hielt ich sofort an, stellte meine kleine Musikbox auf und rief sie.
Sie kamen tatsächlich näher, und es entwickelte sich eine wunderbare Fotosession mit den Baumhopfen, die auf und ab flogen und laut krächzten.
Irgendwie passte die Gegend auch zum Halsbandzwergfalken. Ich spielte seinen Ruf kurz ab, und tatsächlich kam einer herbeigeflogen. Erst setzte er sich weit entfernt, dann immer näher zu uns und ließ sich wunderbar fotografieren.
Franz schaute glücklich hinter seinem Riesenobjektiv hervor und sagte nur:
„Geil.“
Halsband-Zwergfalke · Erdmännchen
Am frühen Nachmittag erreichten wir die Kalahari Game Lodge. Die kleine Lodge liegt wunderbar abgelegen und ist mit ihren A-Frame-Bungalows sehr schön eingerichtet. Nach einem kurzen Spaziergang ging es auf die Nachmittagspirsch.
Auf dem Spaziergang entdeckten wir einen Perlkauz, Weißrückengeier und einige kleinere Vögel. Leider war die Gegend noch sehr trocken, weshalb das üppige Vogelleben ausblieb. Ein Wahlberg-Skink verkroch sich in der rauen Rinde einer Akazie.
Dafür gab es wunderschöne Springbock- und Gemsbockherden.
Zimmer der Kalahari Game Lodge · Weißkehlwaran · Springbock
Meine übliche kleine Predigt darüber, dass dieses Tier fälschlicherweise immer nur als „Oryx“ bezeichnet wird, war auch hier mal wieder fällig.
Bei uns in Namibia haben wir den Gemsbock. „Oryx“ bezeichnet nämlich lediglich die Gattung. Und da es in Afrika vier verschiedene Oryx-Arten gibt, sollte man bei der Namensgebung schon etwas genauer sein und möglichst bei der lokalen Bezeichnung bleiben.
Also: Gemsbock und nicht einfach Oryx.
Am Sundowner-Spot hörte ich plötzlich einen Rotohrsänger. Während den anderen bereits Gin Tonic gereicht wurde und eine wahnsinnig deftige Sundowner-Platte auf dem Tisch stand, die eher einem Abendessen als einem Snackteller glich, schlichen Franz und ich dem Rotohrsänger hinterher.
Ich stellte meinen kleinen Lautsprecher etwas lauter, und tatsächlich poppte er hoch oben auf dem Ast einer Hakendornakazie auf und zeigte sich laut fiepend wie ein kleiner Schauspieler.
Rotohrsänger · Hakendorn
Danach konnten wir entspannt die Sonne untergehen sehen.
7. September 2026 – Kgalagadi Transfrontier Park und !Xaus Lodge
Der Grenzübergang Richtung Mata Mata verlief zwar problemlos, dauerte aber ewig und drei Tage. Auf der südafrikanischen Seite mussten wir immer wieder Formulare ausfüllen, ich insbesondere für das Fahrzeug.
Eine gute Stunde später waren wir endlich durch.
Und jetzt konnten wir sagen: Wir sind dort. Dort, wo die Kalahari wirklich Kalahari ist.
In mir machte sich sofort ein wohltuendes Gefühl breit. Ich liebe diese Wildnis. Relativ unangetastet, und immer wieder gibt es Kleinigkeiten zu entdecken, vom Nagetier Erdhörnchen über das Raubtier Erdmännchen bis zur Fuchsmanguste.
Springbock · Gelbbauchgirlitz
Am Abend zuvor hatte ich übrigens auch einen Streifeniltis gesehen, natürlich ohne Gäste im Schlepptau. Is ja immer so! …
Und dann plötzlich: zwei Löwen.
Ich brüllte sofort nach hinten:
„Dach auf! Sofort!“
Die Löwen paarten sich. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Danach legten sie sich schlafen.
Zunächst teilten wir diese Beobachtung nur mit einem anderen Fahrzeug, später kamen noch zwei weitere hinzu. Es war also kein Massenauflauf, und wir hatten fantastische Möglichkeiten, die Löwen zu fotografieren.
Was für ein Erlebnis!
Auch die Geräuschkulisse während der Paarung war einzigartig. Der männliche Löwe hatte eine wunderschöne schwarze Mähne, die aussah, als wäre sie frisch gekämmt. Die Löwin war noch recht jung und schaute uns immer wieder verschwitzt und blinzelnd an.
Löwen im Kgalagadi
Auf der Weiterfahrt kam dann das nächste große Glück: ein Sekretär.
Im Kgalagadi Transfrontier Park sieht man tatsächlich relativ häufig Sekretäre. An diesem Tag sahen wir bestimmt vier. Aber dieser eine war besonders.
Er jagte direkt vor uns, und wir konnten beobachten, wie er frontal zuschlug, einer Maus den Schädel einschlug und die Beute anschließend direkt vor unseren Augen und natürlich Kameras verschlang.
Ich sagte zu Franz:
„Jetzt hast du, glaube ich, das Bild des Jahres gemacht, oder?“
Ich selbst hatte mich auf Video eingestellt und konnte mich nicht entscheiden, ob ich filmen oder fotografieren sollte.
Franz antwortete nur:
„Kann sein, ja. Kann sein.“
In einem ausgesprochen zufriedenen Ton, was mich als Guide natürlich unheimlich befriedigte.
Sekretär · Gleitaar · Weißrückengeier · Ohrengeier
Weiter ging die Fahrt. Wir sahen weitere interessante Vogelarten, Trappen, Strauße mit Küken, Riesentrappen und natürlich weitere Sekretäre. Auch Savannenlerchen und der Prärieschnäpper boten gute Hingucker.
Der Priritschnäpper kann entweder hupend rufen, fast wie ein Frosch, oder pfeifend wie eine Fahrradpumpe.
Savannenlerchen · Schwalbenschwanzspint · Grautoko
Gegen halb drei erreichten wir Kamqua. Hendrik, der Guide der !Xaus Lodge, empfing uns. Natürlich mussten wieder Formulare ausgefüllt werden, bevor es für ungefähr eine Stunde auf einer Jeep-Strecke tief hinein in die fantastische Kalahari-Wildnis ging.
Was für ein Gefühl, diese Dünenlandschaft zu durchqueren. Allein die Landschaft ist tiefgreifend unangetastet. Und allein dort zu sein, in einer Gegend, in der es sich anfühlt, als wäre nie ein Mensch gewesen, ist etwas ganz Besonderes, Märchenbuch oder so …
Am Wegesrand sahen wir Gemsböcke, Kühe mit kleinen Kälbern auf der Straße und jede Menge Löwenspuren.
Dann erreichten wir die !Xaus Lodge.
Auch sie ist im A-Frame-Bungalow-Stil gebaut, recht rustikal, komplett selbstversorgend und mit einem ganz eigenen Flair. Schaut man aus dem Hauptgebäude, blickt man weit in die Ferne auf eine gigantische Salzpfanne, die direkt vor der Lodge liegt. Unterhalb in der Salzpfanne befindet sich ein kleines Wasserloch.
!Xaus Lodge · Rote Kuhantilope · Weißflügeltrappe
Die Ruhe und Wildnis schaltet automatisch in mir einen Gang herunter.
Der Manager Anthony führte ein sehr sympathisches und ausführliches Einführungsgespräch. Er wollte zunächst gefühlt alles über uns wissen, bevor er uns die Geschichte der Lodge erzählte.
Die Lodge wurde für die lokale Gemeinschaft errichtet, für die San und die Mier der Gegend, die seit vielen Jahrhunderten hier leben und durch die Einrichtung des Nationalparks teilweise vertrieben wurden. Die Gemeinschaft hat heute das Recht, die Lodge zu ihrem eigenen Vorteil zu besitzen.
Auch auf dem Hinweg hatte ich bereits einen kleinen Naturmoment erlebt: An einer Wasserstelle entdeckte ich einen Fleckenuhu. Der lokale Guide war einfach daran vorbeigefahren. Gut, dass wir hinterherfuhren. Ich konnte anhalten und die Eule noch gut beobachten.
Auf der Lodge sahen wir außerdem Karasberg-Skinke mit ihrer kupferglänzenden Hautfarbe und teilweise gelblich gefärbten Lippen. Überall huschten Streifenmäuse herum.
Gemsbock mit Kälbern · Fleckenuhu · Karasberg-Skink
Nahrung für die nachtaktiven Tiere war also reichlich vorhanden.
Nach den vielen Spuren im Sand durfte die Nachtpirsch eigentlich nur erfolgreich werden. Schließlich gibt es in der Kalahari eine unglaubliche Vielfalt nachtaktiver Tiere, vom Erdferkel und Erdwolf über das Pangolin bis zur Braunen Hyäne, Springhasen und den verschiedenen Katzenarten.
Wir starteten also voller Erwartung.
Gleich zu Beginn sahen wir eine Schleiereule auf einem toten Stamm sitzen, mit einer riesengroßen Ratte in den Fängen.
Unser Lichtmann, ein gebürtiger San, brachte das Licht immer wieder auf die Eule und wieder weg. Für das Fotografieren war das natürlich eine Katastrophe.
Also musste ich irgendwann energisch sagen:
„Jetzt halt mal drauf, damit man das Tier fotografieren kann.“
So gelangen uns tatsächlich einige gute Fotos von der Schleiereule mit ihrer Ratte.
Bis heute frage ich mich, was für eine Ratte das war. Auf diese Distanz war das natürlich nicht zu erkennen.
Danach ging die Fahrt weiter. Wir sahen Springhasen, die wie kleine Kängurus durch die Landschaft hüpften. Sie gehören zu den Nagetieren, Rodentia, und nicht, wie der Name vermuten lässt, zu den Hasen, Lagomorpha.
Es ist wirklich ein lustiges Tier. Unglaublich wendig und schnell hüpfen sie durch die Gras- und Dünenlandschaft. Meine Schulfreunde aus den östlichen Farmen berichteten damals immer, auf Springhasenjagd gewesen zu sein … mit Scheinwerfer und zu Fuß, wohlbemerkt! Ich glaube jedoch, dass nie wirklich jemand einen Springhasen fangen konnte.
Dann kam eine Braune Hyäne.
Sie zog in erstaunlich gutem Tempo durch das Feld, Arsch runter, Schulter hoch und let’s go. Meine Kamera kam dabei an ihre Grenzen. Auf dieses braungraue, fast schwarze Tier war bei dem schlechten Licht nur schwer zu fokussieren. Der Scheinwerfer war hell, aber eben auch nicht hell genug.
Nichtsdestotrotz war es eine wunderbare Begegnung mit einem sehr seltenen Tier. Braune Hyänen sieht man schließlich nicht jeden Tag.
Schabrackenhyäne auf der Nachtpirsch
Wir sahen noch weitere Springhasen und hielten auch für ein Steinböckchen an, obwohl tagaktive Tiere während einer Nachtpirsch eigentlich nicht „zählen“.
Hier und da huschte eine Maus vorbei, die mich interessiert hätte, aber ich verstand natürlich, dass wir dafür nicht länger anhalten konnten.
Am Ende der Pirsch sahen wir noch einmal die Schleiereulen.
Und damit war es auch gut. Es wurde langsam kalt hinten auf dem Auto.
8. September 2026 – Wildnis, Löwen an der Lodge und das Traditional Village
Der Wake-up-Call war für 6:30 Uhr vorgesehen. Da mein Nachbar allerdings bereits um sechs Uhr lautstark geweckt wurde, war ich schon vorher wach.
Gott sei Dank hatte ich mir am Vorabend eine Thermoskanne Kaffee vorbereitet. So konnte ich den Kaffee noch schlaftrunken genießen, zog mit halber Kraft die Gardine auf und sah diese fantastische Landschaft vor mir.
Und diese Stille …
Plötzlich hörte ich den langen, gezogenen Pfiff und das Klappern der Ostklapperlerche. Tief unten im Tal rief laut der Rotohrsänger. Sonst hörte ich rein gar nichts.
Ich habe normalerweise einen Tinnitus im Ohr. Aber auch der schien heute, da es so ruhig in mir war, endlich einmal die Klappe zu halten, wenigstens für einen kurzen Moment.
Um sieben Uhr trafen wir uns zum morgendlichen Spaziergang. Uns wurden zahlreiche Spuren erklärt, vom Schabrackenschakal bis zur Ginsterkatze. Wir sprachen über die verschiedenen Gräser.
Für mich als Farmer ist diese Gegend nochmals um ein Ende schöner, weil man hier tatsächlich das Gefühl bekommt, dass es kaum menschlichen Einfluss gegeben hat: Die mehrjährigen Gräser sind den Pionier- und einjährigen Gräsern in der Menge überlegen.
Die Natur ist perfekt intakt, endlich Wildnis.
Die unterschiedlichen Gräser standen durcheinander: verschiedene Stipagrostis-Arten, Dünenhafer und andere typische Gräser dieser Landschaft. Sauergras kam nur in geringen Mengen vor. Da auf den Kalahari-Farmen das Feld mit Fleischschafen geknechtet und vergewaltigt wird, kenne ich dort Farmen, wo nur noch Sauergras, also Schmidtia kalahariensis, wächst.
Mir hätte eigentlich schon der frische morgendliche Duft gereicht, aber meinen Gästen wünschte ich schon etwas mehr …
Wir entdeckten eine Elefantenspitzmaus, deren genaue Art wir wegen ihrer versteckten Lebensweise nicht bestimmen konnten. Dazu kamen Geckos, Agamen und Eidechsen. Wir freuten uns über eine Savannenlerche, die hoch oben auf einem Baum sang, eine Kapbeutelmeise und auch ein Nest dieser Art, das aus Spinnweben gewebt wird und dehnbar ist, mit „falschem Eingang“, siehe meinen Blog dazu bitte:
Aptosimum procumbens · Bodenagame · Gefleckter Sandläufer
Danach gab es ein super, super, super deftiges Frühstück: ein gigantisches Omelett mit dicker Buren-Wurst, Boerewors, ist zwar meine, aber nicht jedermanns Sache, und dazu guten Kaffee.
So kann das Leben weitergehen.
Dann kam das absolute Highlight des Tages.
Als wir uns morgens sammelten, hieß es plötzlich aufgeregt, die Löwen seien in der Gegend und auf dem Weg zur Lodge.
Ich dachte zunächst:
Vielleicht wird es ja etwas damit, dass wir sie sehen.
Was ich nicht erwartet hatte: Die Löwen kamen direkt zur Lodge, also AN die Lodge ran!
Unmittelbar vor uns, ungefähr zwei Meter entfernt, tranken dann ein männlicher Löwe und seine Löwin aus der Vogeltränke.
Die Löwin war sichtlich nervös, knurrte gelegentlich und fletschte immer wieder die Zähne. Sie trank nur kurz.
Der Herr von und zu trank und trank und trank.
Ich orderte sofort das Personal an, meine Selbstfahrergruppe zu informieren, die gerade in der Gegend unterwegs war.
Gott sei Dank kamen sie noch rechtzeitig an und konnten die Löwen ebenfalls erleben.
Was für ein fantastischer Anblick, Löwen so hautnah zu erleben. Unfassbar, auch für mich, obwohl sie in der Tat anfassbar waren … naja …
Etwas später ging es zu einem Traditional Village, in dem die Menschen der Gegend ihre traditionelle Lebensweise zeigen. Auch hier geht es darum, der lokalen Gemeinschaft durch den Tourismus eine wirtschaftliche Perspektive und einen Nutzen aus der Wildnis zu geben.
Die !Xaus Lodge soll übrigens „Kaus“ ausgesprochen werden, da unsere Zungen eh nicht schnalzen können, so wie Deutsche kein Englisch und Franzosen sowieso kaum Fremdsprachen zum Ausdruck bringen können. Sie ist eine Community Lodge und kommt der Gemeinschaft zugute, auch wenn sie von einer unabhängigen Firma betrieben wird.
Ich persönlich interessiere mich besonders für die Mier und auch die San-Buschleute dieser Region, weil ich diese tiefe Verbundenheit mit der Natur und diese respektvolle Demut gegenüber der Landschaft aus der Gegend kenne, in der ich selbst aufgewachsen bin.
Es entwickelt sich über Generationen ein ganz besonderer Charakter, ein stark zynischer, harter Humor, wenn Menschen in solch extremen Landschaften leben und immer wieder mit Dürre und schwierigen Zeiten umgehen müssen.
So fallen mir jetzt grad zwei Sprichwörter ein:
„Mag die Voorspoed jou verveel“ (möge das Wohlergehen dich langweilen) wäre ein Abschiedsgruß.
„Ek is moeg gery“ (ich bin müde gefahren) wäre ein Ausdruck, um das allgemeine kaputte Gefühl und tiefe Müdigkeit auszudrücken.
Es sind gute Leute.
Das Traditional Village war natürlich ein kleines, eher schlicht schlechtes Theaterspielchen, wie fast alle diese Living Museums, aber ich habe es mir trotzdem gerne angesehen.
Ich quetschte zwar den Manager der Lodge, welcher wohl ein farbiger „Mier“ ist, soweit möglich aus, ich muss mich allerdings noch einmal genauer mit der Geschichte der Menschen dieser Gegend beschäftigen.
Auf dem Palisadenzaun rund um das Village sahen wir erneut Karasberg-Skinke (Trachylepis sparsa). Ein Rotohrsänger flötete fröhlich aus den Dreidornbüschen und ließ sich gut fotografieren. Dazu kamen ein Rotnackenfalke auf der Kameldornakazie und ein Silbersinghabicht im Sturzflug ins Gras. Konnten nie sehen, wat der so jefangen hat …
Rotohrsänger
Wir genossen die Erzählungen über die Menschen dieser Gegend unter einem grünen Kameldornbaum, gaben zwar eine Spende, kauften aber „jetzt erstmal nicht“ den Schmuck, welcher dort angeboten wurde …
9. September 2026 – Von !Xaus zurück Richtung Namibia
Wer die Kalahari besucht, muss wissen, dass man hier NICHT mit Tieren bombardiert wird, wie es beispielsweise im Etosha Nationalpark oder im Nordosten Namibias und in Botswana oft der Fall ist.
Die Kalahari kann auf langen Strecken sogar langweilig werden.
Nach unserer Abfahrt von !Xaus lagen die rund 90 Dünen bis zur Hauptstraße vor uns. Eine fantastisch schöne Strecke.
Und über jede Düne, die man überquert, hört man dieses erstaunte „Ah!“ und „Oh!“, wenn sich im Hintergrund wieder eine neue Dünenlandschaft oder ein neues Dünental öffnet.
Plötzlich sah ich eine Pfeifratte, eine Brant’s Whistling Rat, im Loch verschwinden.
Wir hielten gut 15 Minuten und warteten darauf, dass sie wieder herauskam.
In der Ferne entdeckte Franz schließlich tatsächlich eine andere.
Man muss wirklich Adleraugen haben, denn zunächst sah man nur den kleinen Kopf aus dem Bau schauen. Dann kam sie immer wieder heraus, biss ein Stück von einem dicken Zweig ab und trug ihn zurück in ihren Bau.
Leider war sie etwas zu weit entfernt, um fotografisch wirklich zu überzeugen.
Brants-Pfeifratte · Erdmännchen · Elenantilope · Aptosimum lineare
Trotzdem war es interessant, und Pfeifratten standen schließlich ohnehin auf unserem Programm.
Eigentlich hatte ich im Auob noch gute Tierbeobachtungen erwartet. Aber wie es manchmal so ist: Das Wetter hatte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Es hatte guten Winterregen gegeben. Das Gras war überall an der Basis noch grün, und bei morgendlichen Spaziergängen sah man Tautropfen auf den Gräsern.
Die Tiere waren dadurch nicht gezwungen, ans Wasser zu kommen, wären ja auch blöd, wenn sie es täten.
Die Täler des Auob, die normalerweise zu dieser Jahreszeit voller Tiere sind, mit großen Herden von Springböcken, Gnus und teilweise auch Giraffen, waren gähnend leer.
Hier und da ein Gnu, einige Strauße mit sagenhaft vielen Küken und dann wieder lange Strecken ohne viel Bewegung.
Wir versuchten trotzdem, Kleinigkeiten zu finden. Franz entdeckte in einem großen Kameldornbaum zwei junge Schleiereulen an einem Siedelwebernest, und ich in einem weiteren einen Fleckenuhu, der supernah saß.
Strauße mit Küken · Schwarzbrust-Schlangenadler · Fleckenuhu
Ich versuchte, so oft wie möglich kleine Überraschungen hervorzuholen, aber die Pirschfahrt war, wie man so schön sagt, eher fürn Heino.
Na ja, darf man so nicht sagen, mein lieber Vater hieß so, aber ihr wisst schon, was ick mene :-).
Anschließend mussten wir an der offiziellen Stelle bei Twee Rivieren wieder offiziell nach Namibia einreisen, denn man hatte die Passkontrolle dorthin verlegt.
Mann, war das wieder ein ewiges Hin und Her.
Als der Polizeibeamte dann auch noch verlangte, dass wir online eine Steuererklärung machen sollten, sagte ich nur:
„Come on, just let it be. We don’t have Internet here.“
Er meinte nur: „Ja, ja.“ Und ließ uns fahren, big mistake, denn nun fehlte der Wisch für die Ausreise, und das sollte uns noch viel Geduld kosten.
Er scannte schließlich das Auto und ließ uns weiterfahren.
Gedauert hat das Ganze ungefähr 45 Minuten.
Am Abend erreichten wir die Molopo Lodge, die wir als Zwischenstation nutzten. Wir bezogen unsere kleinen Bungalows, alle waren glücklich mit ihren Zimmern, gingen an den Pool und genossen einen entspannten späten Nachmittag.
Und dann kam das Abendessen.
Was für ein Hammer!
Natürlich merkte man deutlich, auch an den Körperformen des Restpublikums, dass in dieser Gegend Fleisch, und zwar sehr viel Fleisch, gegessen wird. Die Speisekarte war voll mit Fleischgerichten.
Als ich den Kellner fragte, welche Pizza er empfehlen könne, zeigte er auf eine Pizza mit Fleischbelag!
Alle waren glücklich … außer Anita, unsere Vegetarierin.
Sie bekam schließlich einen deftigen Gemüse-und-Pommes-Teller.
Als ich dem Kellner sagte, dass sie Vegetarierin sei, stutzte er und sah mich verblüfft an:
„Oh. Das ist ein Problem. Dann kriegt sie eben einen Salat, aber satt wird sie heute nicht.“
Man merkte ihm an, dass er überhaupt nicht verstehen konnte, wie man Vegetarier sein kann.
10. September 2026 – Rietfontein, Keetmanshoop und die Mesosaurus-Fossilien
Die Rückfahrt nach Namibia verlief streckenmäßig hervorragend. Grenzmäßig eher mäßig.
Am Grenzposten Rietfontein sollte man künftig definitiv gute zwei Stunden einplanen.
Plötzlich verlangte man von mir eine südafrikanische Bestätigung, dass das Auto nicht gestohlen sei und sich rechtmäßig im Land befinde.
Diese Bestätigung könne man 24 Stunden vorher beantragen. Man würde mir aber gerne behilflich sein.
Also warteten wir und warteten und warteten …
Die Bestätigung sollte vom Hauptbüro kommen, ausgedruckt werden, und dann sollte ich weiterfahren dürfen.
Alles schien völlig problemlos zu sein, bis wir gute anderthalb Stunden später immer noch dort standen.
Nach meinen diplomatischen Bemühungen, meinem knorrigen Gesicht und einem zunehmend verzweifelten Gesichtsausdruck wurden wir schließlich vom zuständigen Offizier einfach durchgewunken … Aaaaalter Schwede!
Die Dame meinte noch, man könne es auch online machen, nur toll, wenn man überhaupt kein Internet hat.
Wir fuhren weiter nach Keetmanshoop und checkten im Gessert’s Guesthouse ein.
Dorthin zu kommen ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen. Die Zimmer sind mit viel Gefühl eingerichtet, viel Liebe steckt im Garten, und der Papagei, der mittlerweile schon beim dritten Eigentümer ist, knackt, knallt, spricht und grüßt.
Ich bin zwar kein Fan von Papageien in Käfigen, aber was soll’s? Man kann das Tier ja nicht wegzaubern.
Danach ging es weiter zum Köcherbaumwald.
Wir entschieden uns, noch rund 20 Kilometer weiter zur Farm Spitzkoppe zu fahren, wo Führungen zu den Mesosaurus-Fossilien angeboten werden.
Der Betreiber „Oom Giel“ verkündet stolz, dass der bekannte Köcherbaumwald rund 300 Köcherbäume beherbergt. Auf seiner Farm stehen dagegen mehr als 5.000.
Die Führung zu den Fossilien war großartig. Oom Giel selbst ist schwer in den Achtzigern, eine Koryphäe auf seinem Gebiet, äußerst sympathisch und wirkt gleichzeitig selbst wie eine Hauptsehenswürdigkeit.
Die Mesosaurus-Fossilien sind mehr als 200 Millionen Jahre alt und erstaunlich deutlich zu sehen. Auch als Laie kann man daran Freude haben.
Oom Giel erklärt die Mesosaurus-Fossilien · am Schutztruppengrab
Danach ging es an einem Schutztruppengrab vorbei, bevor wir den Köcherbaumwald bei Spitzkoppe erreichten.
Hier ist die Spielwiese der Riesen mit dem Köcherbaumwald wunderbar vereint. Landschaftlich werden fantastische Fotomotive geboten.
Köcherbäume auf der Farm Spitzkoppe
Überall sah man Felsenagamen, die sich förmlich darum bemühten, vor den Objektiven zu landen.
Als es langsam dunkler wurde, fuhren wir zurück. Wir wollten das goldene Licht des Sonnenuntergangs im Köcherbaumwald erleben.
Felsenagamen
Später trafen wir im Schützenhaus in Keetmanshoop ein, wo sich bereits die Farmer an der Bar versammelt hatten. Laute Musik, die ungefähr 100 Jahre alt war, begleitete den Abend. Anita war ganz mitgerissen und aufgewühlt und sprach verdächtig viel über „tanzen und so“. Ich dachte nur, dass hoffentlich nicht bald das „Ich fand sie irgendwo, allein in Mexiko …“ kommt, ihr wisst schon, denn dann wär alles wahr geworden und der Abend zu spät.
Auf das Essen mussten wir relativ lange warten, da gleichzeitig noch eine weitere Gruppe von rund 30 Personen versorgt wurde.
Als es schließlich kam, war aber jeder mit seiner deftigen, in der Tat Hausmannskost wie angepriesen, Mahlzeit zufrieden.
11. September 2026 – Durch die Karasberge zum Fish River Canyon
Heute standen zwei Möglichkeiten zur Auswahl.
Die direkte Strecke hätte uns in ungefähr anderthalb Stunden zur Canyon Lodge gebracht.
Oder wir nahmen die längere Route weiter südlich durch die Berglandschaften, etwa eine Stunde länger, schätzte ich so in meinem jugendlichen, naja, ok, greisen Leichtsinn …
Die Gruppe entschied sich für die längere Variante.
Ich war froh, denn ich liebe diese Strecke.
Immer wieder hielt ich an, damit die Gruppe die beeindruckende Landschaft in Ruhe auf sich wirken lassen konnte und ich den einen oder anderen Piepmatz rufen konnte: schwarzbraune Doleritrücken, durchzogen von mächtigen Granit- und Sandsteinformationen. Subvulkanische Rücken ziehen sich wie dunkle Bänder durch die Landschaft, dazwischen gewaltige Sandsteinlagen der Namaformation. Dahinter erheben sich weitere, höhere Bergketten, ein faszinierendes Wechselspiel aus dunklem Gestein, warmen Sandsteintönen und bizarren Felsformationen.
Der Horizont war mit den kleinen und großen Karasbergen geschmückt.
Sandaloe
Immer wieder durchquerten wir kleine Flussläufe, die Lebensraum für interessante Vogelarten boten.
Wir hielten für Mausvögel, Bartvögel, Trappen und vieles mehr.
Eine Trappe muss ich allerdings besonders erwähnen: die Namatrappe.
Sie ist eine äußerst gesuchte Art in der ornithologischen Welt, und ich entdeckte tatsächlich eine am Wegesrand.
Die Gruppe wunderte sich natürlich, wie ich so etwas überhaupt entdecken konnte, aber das war Glück, pures Glück.
Sie wussten allerdings nicht, dass ich bislang noch keine wirklich guten Bilder einer Namatrappe hatte und deshalb wie ein Fuchs auf diese Vögel lauerte.
Da saßen sie nun endlich mal in unmittelbarer Nähe.
Zuerst spielte ich ihren Ruf ab. Sie reagierten.
Dann fuhr ich etwas seitlich an sie heran, um den Hintergrund zu verbessern, spielte den Ruf erneut ab, und sie flogen nicht weg, oh yes!
Mein Gott, war ich dankbar.
Und was für Bilder wir machen konnten!
Namatrappe
Ich merkte dann allerdings, dass es innerhalb der Gruppe inzwischen gewisse Unstimmigkeiten wegen der langen Fahrzeit gab. Nicht jeder ist Vogelfotograf, und nicht jeder interessiert sich gleichermaßen für die Vogelwelt.
Und so entstehen in einer solchen Gruppe natürlich Toleranzschwankungen.
Die leichten Hinweise wie „Ich habe Hunger“ oder „Ich freue mich auf einen Salat“ hatte ich geflissentlich überhört … oh weh.
Als wir an der Lodge ankamen, glaubte ich noch, alles sei gut.
Wir checkten ein, und meine Gäste bekamen die wunderbaren Zimmer, für die ich mich im Vorfeld bemüht hatte. Das versuche ich bei meinen Kunden immer so einzurichten: die besten verfügbaren Zimmer!
Um 19 Uhr war Treffpunkt zum Abendessen.
Als wir uns hinsetzten, fragte Heinz:
„Sag mal, müssen wir jetzt schon essen?“
„Ja. Warum?“
„Wir wollten gerne noch ein bisschen draußen sitzen.“
Ich sah ihm an, dass er unzufrieden war.
Also fragte ich:
„Sag mal, was ist los?“
„Heute war es einfach etwas zu viel Vögelei!“
Ich beschloss, mich zu bessern und die Interessengebiete etwas breiter zu fassen. Vorerst also erstmal Gin Tonic draußen auf der Terrasse, mit namibischem Gin von Stillhouse Atlantic Namibia! Hier etwas Schleichwerbung für die liebe Sandy.
Das Abendessen auf der Canyon Lodge findet als Buffet statt. Ich persönlich bin kein großer Freund davon, weil sich dort viele Menschen mit denselben Zangen bedienen und ich bei jedem Husten, Naseputzen und Räuspern inzwischen ziemlich empfindlich bin, wohl ZU empfindlich, denn ich stelle mir dann in meinem geistigen Auge alle Bakterien auf diesen Löffeln und Zangen am Buffet vor … Themawechsel bitte! …
Aber niemand wurde krank, und das Essen schmeckte hervorragend.
Alles war wunderbar.
12. September 2026 – Fish River Canyon
Nach einem gemütlichen Frühstück … ja, so kennt man mich nicht, ich weiß.
Ich bin eher der „Let’s go, let’s go“-Typ am Morgen.
Aber ich habe gelernt, dass ich mich anpassen muss. Es ist schließlich nicht schlimm, einmal eine halbe oder sogar eine Stunde später zu frühstücken, wenn dadurch die Gruppe etwas mehr Ruhe bekommt.
Wir fuhren zum Hauptaussichtspunkt des Fish River Canyon.
Und der überwältigte uns heute besonders.
Fish River Canyon nach gutem Winterregen
Überall wuchsen wunderschöne Pflanzen wie ein violetter Teppich über den Boden: Mesembryanthemum longipetalum, eine kleine sukkulente Eispflanze, gemeinsam mit einer weiteren Art mit weißen Blüten.
Es sah fast unrealistisch aus, als hätte Gott mit einem violetten Pinsel die Landschaft bemalt.
Wir bekamen also nicht nur die gewaltigen Schluchten und Tiefen des Fish River Canyon zu sehen, sondern gleichzeitig eine unglaubliche Farbenpracht.
Mesembryanthemum longipetalum · Didelta carnosa · Gorteria sp. · Südwester Edelweiß · Karoo Violet · Gariep Spikeviolet
Danach ging es zu einem weiteren Aussichtspunkt, wo wir eine kurze Wanderung unternahmen.
Ich ließ die Gruppe am Canyonrand entlangwandern, während ich mit Franz einen Umweg machte. Ich hoffte auf den Zimtbrustsänger.
Der Vogel blieb uns leider verwehrt.
Dafür fanden wir ein Pärchen Langschnabellerchen und wunderschöne Rußnektarvögel auf den jetzt blühenden Aloe gariepensis, einer roten Aloe-Art, die hier in der Gegend vorkommt.
Diese Pflanzen blühend zu sehen, ist ein echtes Vorrecht und „erquickend“, spottete ich. Normalerweise stehen sie hier eher verkümmert herum.
Gariep-Aloe · Steinschrecke
Überall prangten wunderschöne Euphorbien an den Hängen, welche dauernd fälschlicherweise als Kakteen bezeichnet werden. Nach den Regenfällen waren sie zudem sattgrün.
Wir trafen wieder auf die Gruppe, welche pilgernd am Hang auf und zu kraxelte, und gingen gemeinsam zum Auto zurück.
Gegen Mittag waren wir an der Lodge.
Der Nachmittag blieb frei, was sehr gut passte, denn es war ausgesprochen windig, und man hätte ohnehin nicht viel anderes unternehmen können … Shitwetter!
Die Vogelwelt rund um die Canyon Lodge ist übrigens bemerkenswert.
Weißkehlgirlitze saßen überall auf den Besenbüschen. Auf einem Baum sah ich gleichzeitig sieben Rotstirn-Bartvögel.
Dazu Mausvögel und Feueraugenbülbüls, deren musikalische Rufe die Vogelbeobachtung wunderbar begleiteten.
Fahlflügelglanzstare saßen in den Feigenbäumen.
Immer wieder hörte man den Silbersinghabicht rufen.
Dazu kamen hunderte Nektarvögel in den Adenolobus garipensis, diesen kleinen Büschen mit Blättern, die an Bauhinien erinnern.
Rußnektarvögel
Und natürlich der Karoo Thrush mit seinem orangefarbenen Schnabel.
Man könnte sich auf der Canyon Lodge eigentlich mehrere Tage einbuchen und einfach nur Vogelfotografie machen.
Auch das wäre schon ein Ziel.
13. September 2026 – Über den Oranje nach Klein Aus Vista
Viele Wege führen nach Rom, oder eben nach Klein Aus Vista.
Wir entschieden uns heute bewusst nicht für die kürzere Asphaltstrecke, sondern für den weiten Weg hinunter zum Oranje, entlang des südlichen Grenzflusses Namibias bis nach Rosh Pinah und anschließend wieder hinauf auf der Asphaltstraße nach Norden.
Ich wählte diese Strecke bewusst, weil ich wusste, wie extrem wechselhaft die Landschaft hier ist, da die Straße direkt durch das alte Namaqua-Metamorphitgebilde führt.
Die Weiten sind wirklich weit, die Kontraste enorm.
Man kann sicherlich behaupten, dass dies eine der schönsten Strecken Namibias ist.
Eine Pflanze lockt allerdings besonders viele Besucher in diese Gegend:
Pachypodium namaquanum, der sogenannte „Halbmensch“.
Der dicke, meist einzelne, sehr stachelige Stamm steht wie eine menschliche Gestalt in der kargen Landschaft, obenauf eine dichte Krone aus Blättern.
Die Nama verbinden mit dieser eigentümlichen Pflanze eine schöne Geschichte. Der Halfmens soll mit seiner Gestalt nach Norden blicken, in Richtung der alten Heimat der Nama. So erinnert er symbolisch an ein Volk, das seine ursprüngliche Heimat verlassen musste und nach Süden wanderte.
Ob das einfach eine biblische Übernahme der Geschichte von Lots Frau ist, weiß ich nicht.
Ich verstehe die Geschichte auch nicht, denn mir ist nur eine Süd-Nord-Wanderung der Nama bewusst … Albert, do your homework please.
Wir konnten einige dieser Pflanzen entdecken, sogar an Stellen, die ich vorher noch nicht kannte.
Ich stieg aus und ging auf eine Pflanze zu. Gerade wollte ich anfangen hochzukraxeln, als ich zurückschaute.
Niemand folgte mir.
Nur lauter Gesichter, die aus dem Fahrzeug schauten.
Das sah lustig aus.
Ich fragte:
„Na, kommt ihr?“
Kopfschütteln.
Dann kamen die Antworten:
„Ich bin zu alt.“
„Zu heiß.“
„Zu steinig.“
„Zu hoch.“
Stimmt eigentlich.
Man soll seine Grenzen kennen.
Also lief ich etwas am Berghang herum und ließ die Gruppe ein wenig warten.
Ich weiß, unverschämt, aber wenn es nun mal piept im Gebüsch und hier und da was blüht und der eine oder andere Bläuling flattert, darf man eine Minute stehlen.
Vor mir stolzierte ein Nicholson’s Pipit herum.
Ich stellte meinen kleinen Lautsprecher an und versuchte, weitere interessante Arten herauszulocken. Belohnt wurde ich allerdings nicht mit den erhofften Seltenheiten, sondern mit Rostschwanzschmätzer und Erdsteinschmätzer.
Halbmensch · Kapammer
Als ich vermutete, dass sich unser Auto wahrscheinlich gerade in einen Brutkasten verwandelte, ging ich schnell zurück. Man hat zur Strafe die Baseler Leckerli ohne mich gegessen … grrrrr, aber ok, verdient hatte ich es wohl, werd eh zu fett auf Safari …
Die Fahrt führte weiter durch die Berglandschaft, bis wir bei Rosh Pinah wieder auf die Asphaltstraße kamen.
Ich tankte noch kurz, dann ging es weiter Richtung Klein Aus Vista.
Das Wetter war im wahrsten Sinne des Wortes außergewöhnlich shitte.
Dicke Wolken lagen auf den Bergen, der Wind wehte wahnsinnig stark.
Ich sagte zur Gruppe:
„Schweizer Wetter, nur mit mehr Wind.“
Im Bahnhof Hotel in Aus kehrten wir ein. Ich glaube, früher wurden die Kuchen hier noch von den alten Tannies aus der Gegend gebacken. Denn egal, welchen Kuchen ich damals gewählt habe, er war immer lecker.
Dieses Mal war die Kuchenauswahl allerdings nicht ganz so geil wie sonst. Den Karottenkuchen ließ ich ganz bewusst meinen Gästen, denn der ist normalerweise der Beste. Da nur noch zwei oder drei Stück davon übrig waren, nahm ich stattdessen einen Käsekuchen oder zumindest sah er so aus, mit Passionsfrucht obendrauf.
Obwohl ich eigentlich gar keinen Kuchen essen soll und das Zeug überhaupt nicht vertrage, musste ich natürlich trotzdem probieren. Und ich muss sagen: Es hat sich nicht gelohnt. Dieses Mal war die Kuchenfresserei die Sünde einfach nicht wert.
Na ja, dem einen oder anderen aus der Gruppe wird er wahrscheinlich besser geschmeckt haben.
Dafür war der Kaffee wirklich gut und die Bedienung außerordentlich frech. Und frech liebe ich! Frech ist gut, frech ist unterhaltsam, und damit kann ich etwas anfangen.
Wir Südenmenschen sind eben frech. Aber nur, wenn wir es gut miteinander meinen!
Die Eagles Nest Chalets bei Klein Aus Vista liegen an der Westseite der Granitberge und blicken über die endlose Weite der Landschaft.
Die Unterkunft ist rustikal aus Natursteinen gebaut.
Man ist komplett abgeschieden von der heute doch viel zu schnellen Welt.
Und sofort kam wieder die Aussage:
„Warum sind wir hier nur eine Nacht?“
Da dies nun schon das fünfte oder sechste Mal war, dass ich das von Gästen hörte, denke ich, dass ich in Zukunft tatsächlich zwei Nächte hier einbauen werde.
Die Wanderwege sind gut ausgebaut, und es gibt hier genügend Möglichkeiten, die Gegend zu erkunden.
Leider ist Klein Aus Vista selbst inzwischen durch seine Zugehörigkeit zu einer großen Unterkunftsgruppe touristisch stark besucht.
Das kann etwas nervig sein.
Das Essen war allerdings wirklich sehr, sehr gut. Die Küche gehört für mich definitiv zu den besten innerhalb dieser Gruppe von Unterkünften.
Eine kleine Warnung muss ich allerdings aussprechen, an alle, die empfindlich auf Tiere im Zimmer reagieren.
Wir hatten parallel zu unserer Gruppe auch Selbstfahrer, die großen Wert auf gute Unterkünfte legen und die ich als Stammkunden sehr schätze.
Leider gab es dieses Jahr außergewöhnlich viele Feldmäuse, die offenbar auch in den Granitfelsen sehr zahlreich vorkamen. Irgendwie schafften es einige davon bis in die Hütten.
Eine Hütte hatte also unerwünschten Mausbesuch, oder Befall, hah, das Wort ist zwar hart, aber wahr, wenn man Mäuse nicht mag.
Für den einen ist das nicht schlimm.
Für den nächsten ist es verständlicherweise eine Katastrophe.
Wer also empfindlich auf so etwas reagiert, sollte mir das bei der Reisegestaltung unbedingt sagen. Dann können wir entsprechend andere Zimmer auswählen.
Der eine sagt:
„This is Africa, they are so cute.“
Der nächste entdeckt eine Spinne auf dem Bett und ruft um Hilfe.
So hat eben jeder seine eigenen Vorstellungen von Gefahr und Pestilenz, und wir müssen lernen, gut auf unsere Gäste achtzugeben!
14. September 2026 – Tirasberge und Wolwedans
Heute führte die Fahrt am Rand der Namib entlang, über das sogenannte Escarpment und durch die Tirasberge.
Eine der wechselhaftesten und landschaftlich spektakulärsten Regionen Namibias.
Links die krassen Dünenwelten, rechts die Nama-Sedimente des Schwarzrandes, Weißrandes und Rotrandes. Tirasberge, Nubibberge, Zarisberge und später die Naukluft.
Wir umfuhren den Losberg, um in das über 200.000 Hektar große NamibRand Naturreservat zu gelangen.
Hier liegt mit Wolwedans eines der Aushängeschilder Namibias, zumindest für die namibische Wüste.
Zunächst fuhren wir durch die weiten Flächen entlang der Tirasberge und durch die Farmen der Familie Schnebel.
Es war windig, kalt und regnerisch. Grau und trüb lag das Shitwetter über der endlosen Tirasfläche. Und trotzdem entstand genau dadurch eine ganz besondere, fast mystische Stimmung. Einige Strauße versuchten hinter dem Zaun unbedingt auf die andere Seite zu gelangen, obwohl ihnen gegenüber hunderte Kilometer freier Raum zur Verfügung standen.
Die Kombination aus dem grauen Himmel, der endlosen Landschaft und den Straußen im Regen sorgte für eine ungewöhnliche Atmosphäre und für einige richtig tolle, mystische Fotos.
Dann sahen wir wieder eine Gruppe Namatrappen … in dieser Gegend sonst wirklich selten. Sie reagierten sogar auf unseren Ruf, liefen über die Straße und konnten perfekt fotografiert werden.
Strauße am Zaun · Namatrappen
Dann kamen wir an einem gigantischen Konstrukt vorbei.
Es sieht aus wie ein riesengroßes Windrad, eine Wassermühle oder eine Mischung aus einer geisterhaft zusammengeschweißten Windradkonstruktion und einem landwirtschaftlichen Monster.
Der alte Siegfried Schnebel hatte dieses geniale Konstrukt geschaffen.
Es handelte sich um eine hydraulische Pumpe, die theoretisch bis zu neun Monopumpen in verschiedenen Bohrlöchern antreiben sollte, um Wasser aus der Erde zu fördern.
Theoretisch genial.
Praktisch hat es sogar fast funktioniert.
Aber die Konstruktion war nicht perfektioniert, später wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll und blieb schließlich einfach dort stehen.
Damit hat jeder, der vorbeifährt, etwas zum Fotografieren und fragt sich:
Was zum Teufel ist das für ein Teil?
In Wolwedans angekommen, wurden wir am Village freundlich empfangen. Ein sehr gutes Check-in, ein kurzer Blick in den Shop, und dann ging es weiter.
Unser Ziel war das Dune Camp.
Das Dune Camp wurde neu renoviert und ist eine derart wunderbare Unterkunft, dass man sofort merkt, wie viel harte Arbeit, Planung und dauerhafter Einsatz dahinterstecken.
Danke nochmals an Stefan Brückner.
Es gab nur strahlende Gesichter.
Am Nachmittag ging es auf Pirschfahrt.
Die Wolken verzogen sich langsam, die Sonne kam heraus, und ein leichter Wind wehte.
Die Dünen leuchteten in einem satten Rot.
Dünenlandschaft bei Wolwedans
Wir konnten Dünenlerchen im Flug, im Sitzen und beim Zwitschern über uns fotografieren.
Jeder Fotograf stand ständig vor der Frage:
Weitwinkel für die Landschaft oder Zoom für die Vögel?
Denn auch große Gemsbockherden standen in den Dünen.
Gemsbock · Rotdünenlerche
Zum Sundowner gab es Gin Tonic und das landesübliche Biltong.
Nach einem kurzen traditionellen Besuch am Feuer genossen wir ein herrliches Abendessen.
15. September 2026 – Wolwedans
Einfach nur sitzen und schauen.
Es hätte eigentlich gereicht, den gesamten Vormittag damit zu verbringen, Kaffee zu trinken und diese Landschaft aufzusaugen.
Die Gruppe entschied sich auf meine Empfehlung hin jedoch, die morgendliche Pirschfahrt mit einer Village Tour zu verbinden.
Wolwedans produziert nachhaltig einen Teil seiner Lebensmittel selbst, und diese Village Tour ist nicht nur interessant, sondern auch ausgesprochen unterhaltsam.
Danach gab es ein herrliches Mittagessen, locally produced, vom Gemüse bis zum Fleisch, lecker.
Ich selbst blieb anschließend auf der Lodge und ärgerte mich ein wenig über einen französischen Gast.
Ich hatte ebenfalls eine Selbstfahrergruppe dort, die gerade auf der Lodge eingekehrt war. Ich begrüßte sie morgens und sprach fünf Sätze mit ihnen am Tisch.
Da kam ein Franzose freundlich, aber bestimmt zu mir und erklärte mir, dass er sein Frühstück gerne genießen würde, ohne andere Stimmen zu hören. Er wolle ausschließlich die Stille der Natur genießen.
Nun war dies aber der allgemeine Frühstücksraum, und es waren andere Gäste anwesend. Man kann dort natürlich nicht das Sprechen verbieten.
Um jeden Konflikt zu vermeiden, ging ich lieber.
Geärgert hat es mich trotzdem.
Zumal Wolwedans auch Unterkünfte anbietet, in denen man ganz exklusiv und vollkommen abgeschieden wohnen kann.
Das war dem Herrn dann wohl zu teuer.
Dann lieber herummeckern, kein Wunder, dass diesen Typus keiner leiden kann … say no more.
Damit hat man als Reiseleiter eben manchmal zu kämpfen.
Am Nachmittag ging es erneut auf Pirschfahrt durch diese unglaubliche Landschaft. Besonders Franz kam mit seinem Wunsch, den Gleitaar gut fotografieren zu können, voll auf seine Kosten. Er konnte diesen faszinierenden Vogel nicht nur beobachten und fotografieren, sondern hatte gleich mehrfach Gelegenheit, ihn im Flug aus relativ geringer Entfernung sowie ein sitzendes Exemplar aus nächster Nähe fantastisch abzulichten.
Doch der Gleitaar ist natürlich nur eine von unzähligen Besonderheiten dieser Landschaft. Die Gegend bietet eine beeindruckende Vielfalt an unterschiedlichsten Kleintieren, Vogelarten und Reptilien. Dazu kommen die großen Gemsbockherden und die zahlreichen Strauße, die immer wieder durch dieses weitläufige Gebiet ziehen. Hyänen habe ich schon oft hier gesichtet, daher auch der Name Wolwedans. Die Einheimischen nennen die Tüpfelhyäne nämlich Wolf. Und auch eine Falbkatze und ein Leopard, believe it or not!
Am Abend wurde darüber gesprochen, ob sich nicht vielleicht doch drei Nächte hier gelohnt hätten.
16. September 2026 – Sossusvlei und Dead Valley Lodge
Wir ließen uns heute Morgen sehr viel Zeit. Denn ich weiß: Das Sossusvlei ist in der Hauptsaison längst nicht mehr das Aushängeschild Namibias, das es einmal war. Die Menschenmassen nehmen diesem einzigartigen Ort leider vieles von seiner ursprünglichen Magie.
Als ich noch ein Kind war und wir das Sossusvlei besuchten, erinnere ich mich daran, dass die Ohrengeier wie Dominosteine auf den Dünen saßen. Man besuchte das Sossusvlei nicht nur für ein paar Stunden, sondern blieb oft tagelang. Viele Menschen zelteten sogar dort. Und wenn einmal jemand ein Problem hatte, freute man sich beinahe darüber, helfen zu können. Selbstverständlich half man einander.
So vieles hat sich seither verändert. Wir haben uns verändert, ganz sicher. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, mich ein wenig dafür zu schämen, dass unsere Selbstverständlichkeit und Hilfsbereitschaft nachgelassen haben. Aber bei dieser unglaublichen Menge an Tourismus schafft man es irgendwann einfach nicht mehr.
Und auch die Art und Weise, wie manche Touristen den Menschen vor Ort begegnen, hat sich verändert. Auch das muss man ganz ehrlich sagen. Es ist manchmal schwer, diese selbstverständliche Haltung zu verdauen: Wir haben bezahlt, also bekommen wir … und zwar jetzt.
Wir fuhren deshalb ganz gemütlich los und ließen den Morgen einfach auf uns zukommen. Schließlich checkten wir bei der Dead Valley Lodge ein.
Gleitaar · Siedelweber-Nest · Felsenfalke
Auf der Dead Valley Lodge kommt man als Reiseleiter nur sehr ungern an. Die Reiseleiterzimmer sind zwar geräumig und, nennen wir es einmal so, relativ gut genug. Aber die ganze Anlage ist doch ein ziemlicher Bunker. Es ist relativ laut, und man bekommt von der Umgebung eigentlich alles mit. Mit gutem Schlaf hat das also nicht besonders viel zu tun.
Mir wurde diesmal Zimmer Nummer eins zugeteilt. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, schlug mir ein ziemlich übler Geruch entgegen. Muffig, dazu eindeutig etwas in Richtung Gully.
Ich fragte die Dame, die mich einwies:
„Was stinkt denn hier so?“
Sie rümpfte ebenfalls die Nase und musste zugeben, dass es tatsächlich ziemlich eigenartig roch. Vielleicht lag es an der Klimaanlage, die irgendwo tropfte, und darunter war möglicherweise etwas am Faulen.
Also ging ich zum Lodge-Manager und bat ihn, doch bitte einmal mit mir ins Reiseleiterzimmer zu kommen.
Ich erklärte ihm:
„Das Zimmer stinkt nach Gully.“
Er schaute mich entsetzt an und sagte:
„Du weißt doch, wie empfindlich ich bin! Ich, der sowieso ein großes Problem mit zu schnellem Übergeben hat, soll jetzt in ein Reiseleiterzimmer gehen? Igitt, nein! Ich gebe dir Zimmer vier.“
Da musste ich eigentlich schon lachen.
Dann kam glücklicherweise die nette Lodge-Managerin, die ich schon seit Jahren kenne, steckte mir kurzerhand einen Schlüssel zu einem normalen Touristenbungalow zu und sagte sinngemäß: Nimm den.
Ach, das ist doch fantastisch!
Und schon war meine Treue zur Dead Valley Lodge wieder einmal besiegelt. 😄
Am Nachmittag fuhren wir hinaus in die Dünenlandschaft gen Sossusvlei. Ich muss zugeben, dass es durchaus riskant ist, am Nachmittag ins Sossusvlei zu fahren. Eigentlich macht man das nicht. Am Nachmittag kommt meist der Wind auf, und das Licht und die Bedingungen sind längst nicht mehr so schön und ruhig wie früh am Morgen.
Ich nahm dieses Risiko heute trotzdem auf mich, wettermäßig war es tatsächlich ein Grenzfall. Wir hatten wunderschönes Licht auf den Dünen und konnten eine wirklich schöne Wanderung bis ins Dead Valley unternehmen. Natürlich ist das Ganze etwas anstrengend, und leider war der Wind nicht hundertprozentig still, sodass ich nicht behaupten kann, dies sei nun „the perfect moment“ gewesen. Aber es war ein 90-, vielleicht sogar 91-Prozent-Erlebnis. Und alle waren von dieser einzigartigen Landschaft absolut begeistert.
Sehr schön war auch, dass im Sossusvlei tatsächlich noch Wasser stand. Durch den Wind, der über die Wasseroberfläche strich, waren allerdings keine Spiegelungen möglich. Wollte ich aber eigentlich. Mick Jagger hat recht: You can’t always get what you want. Dafür wurden die wenigen abgestorbenen Bäume, die im Dead Valley noch stehen, im warmen Nachmittagslicht wunderschön in Szene gesetzt.
Springböcke am Sossusvlei
Als wir das Gebiet wieder verließen und uns auf den Weg zurück zur Lodge machten, war es bereits dunkel. Genau deshalb hatte ich die Dead Valley Lodge bewusst gewählt: Wir hatten dadurch deutlich mehr Zeit im Vlei und mussten uns nicht nach einer frühen Rückkehr richten. So kamen wir gerade noch rechtzeitig zum Abendessen auf der Lodge an.
Der Küchenchef empfing uns dort mit großem Getöse. Er trommelte, schrie und sang so laut, dass einem beinahe die Trommelfelle platzten. Anschließend „platzierte“ er uns!
Sabina und ich konnten uns dabei ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen, denn der Küchenchef patschte mit seinen Fingern auf die Teller. Diese stehen unten auf einer Art Wärmegerät, mit Federung, und lassen sich dadurch auf- und abdrücken. Der gute Mann hatte sichtlich seinen Spaß daran.
Nun ja, wir sind ja nicht zimperlich. Aber Sabina und ich dachten uns wohl beide dasselbe: Die Finger, die gerade noch allerlei Hände begrüßt hatten, sollten vielleicht nicht unbedingt auf dem Teller landen, den gleich irgendein Gast in die Hand nimmt, um sich sein Abendessen darauf zu laden.
Also wollten wir mal nicht so sein. Wir nahmen einfach nicht den obersten Teller.
Wir griffen beide einen, nein zwei, darunter.
17. September 2026 – Nach Hause: Nomtsas
Heute ging es für mich nach Hause.
Die Farm Nomtsas ist unsere Familienfarm.
Rund 45.000 Hektar groß, nutzen wir sie als privates Refugium und als Rinderfarm. Gleichzeitig haben wir große Flächen der Natur zurückgegeben und schützen diese als Wildnisgebiet.
Unter entsprechenden Bedingungen können wir die Farm unseren Gästen anbieten.
Wir haben einfache, aber komfortable Gästezimmer. Wenn ich selbst die Reise führe oder gerade auf der Farm bin, können wir dort auch Gäste aufnehmen.
Trixi, meine liebe Nachbarin und professionelle Köchin von der Gästefarm Gamis, übrigens ebenfalls sehr zu empfehlen, hatte ich wie schon so oft engagiert, um die Verköstigung meiner Gäste zu übernehmen.
Da meine Frau mit unserem Kind in Swakopmund lebt, war Trixi für uns zuständig und begrüßte uns freudestrahlend mit einem herrlichen Eistee.
Die Zimmer wurden bezogen, und es gab ein leichtes Mittagessen.
Man fühlt sich hier einfach wohl.
Eine Amerikanerin, die einmal bei uns zu Besuch war, sagte:
„This is such a happy place.“
Am Nachmittag fuhr ich mit der Gruppe hinaus.
Wir sahen Impalas und unsere Rappenantilopenherde, die inzwischen auf über 80 Tiere angewachsen ist.
Eigentlich wollten wir einen Sundowner genießen, aber das Wetter war einfach zu kalt und zu windig.
Also kehrten wir nach Hause zurück, machten Feuer, saßen um das Feuer und tranken unseren Gin Tonic dort.
Am Abend wurde gegrillt.
Trixi machte herrliches Cordon bleu auf dem Grill aus Gemsbockfleisch.
Auch Anita bekam als Vegetarierin etwas Tolles vorgesetzt.
Es wurde ein fröhlicher, etwas feuchter Abend.
18. September 2026 – Nomtsas: Wildnis vor der Haustür
Ein gemütliches Frühstück war der Gruppe wichtig! Sagte ich ja bereits, mit Trixi no problem!
Mir war es ganz recht, denn ich war inzwischen selbst etwas reisemüde und konnte morgens länger schlafen.
Das Wetter war ohnehin so, dass man es ruhig angehen lassen konnte.
Wir stiegen in unseren großen offenen Ford und fuhren hinaus ins Wildnisgebiet.
Eine Afrikanische Schwarzente zeigte sich heute endlich einmal nach Jahren so fantastisch, dass wir sie tatsächlich gut vor die Linse bekamen.
Afrikanische Schwarzente
Immer wieder hielt ich an und erklärte den einen oder anderen Baum, von dem, aus welchem die Krone Jesu geflochten wurde, bis zu einem, den Kudus gern fressen, und so weiter.
Ein Wasserbock rannte quer durch das Flussbett.
Ein riesengroßer Großkudubulle starrte uns an, kaum sichtbar, bevor er schließlich davonsprang.
Dann fanden wir die Giraffen.
Ich verließ das Flussbett und fuhr immer wieder um die Herde herum, damit meine Fotografen das bestmögliche Licht bekamen.
Eine schöne Herde mit Bullen, Kühen und einem kleinen Kalb.
Danach fuhren wir weiter bis zum großen Stausee, dem Heinodam.
Dort erzählte ich die traurige Geschichte meines inzwischen verstorbenen Vaters, der diesen Stausee immer wieder aufgebaut hatte.
Wir saßen auf seiner Gedenkbank, tranken etwas und genossen die Landschaft, die blühenden Jamesbrittania-Pflänzchen, eine zahlreiche Springbockherde, welche uns noch nicht bemerkte, und die Ruhe.
Rosapelikan · Zwergstrandläufer · Regenbrachvogel
Anschließend fuhren wir noch an Zebra- und Gemsbockherden vorbei zurück zur Farm.
Alles in allem eine sehr erfolgreiche Pirschfahrt.
Am Abend gab es Wildsteaks aus dem Schüsselflug.
Wer sich jetzt darüber wundert, muss mich halt selbst einmal besuchen kommen.
Ich glaube aber, es hat allen fantastisch geschmeckt.
Großes Interesse bestand daran, die Farm als Ganzes kennenzulernen.
Also machten wir einen Farmrundgang nach alter Manier.
Ich zeigte die Bohrlöcher, Wasserpumpen, die elektrische Versorgung, Photovoltaikanlagen und die Auktionswaage. Ich erklärte, wie und wann die Rinder verkauft werden und warum.
Wir schauten uns meine kleine Tischlerei an und natürlich auch die weiteren Gästezimmer.
Ich freute mich sehr über das Interesse der Gruppe an unserer Farm und an dem Leben, das hier dahintersteht.
Rotkopfastrild · Gelbbauchgirlitz · Ammernlerche
19. September 2026 – Durch die Naukluft nach Swakopmund
Die Fahrt nach Swakopmund war grausam.
Das erste Stück durch die Naukluftberge war zwar landschaftlich wieder einmal wunderschön, aber irgendwann kommt man in den grausamen Touristenverkehr.
Und die Straße war, man kann es nicht anders sagen, zu Schrott und Asche gefahren.
Es rüttelte und schüttelte.
Die gesamte Fahrt bestand eigentlich nur daraus, andere Fahrzeuge vorbeizulassen, an anderen vorbeizufahren, Staub zu schlucken oder selbst Staub zu produzieren.
Irgendwann erreichten wir die besseren Straßenabschnitte nach Kuiseb und Gaub Canyon.
Landschaftlich ist diese Strecke übrigens fantastisch … für Erstbesteiger!
In Swakopmund machte ich eine kurze Express-Orientierungsfahrt durch die Stadt.
Dann checkten wir ein.
Am Abend holte ich die Gruppe ab, und wir gingen im Ankerplatz essen.
Der Kabeljau dort ist sehr gut, wobei der korrekte Ausdruck eigentlich Adlerfisch ist.
Der Service ist nicht unbedingt weltberühmt, aber es hat allen geschmeckt.
Also konnten wir auch hier einen positiven Haken setzen.
20. September 2026 – Wüste und Lisas Galerie
Bereits früh ging es für die Gruppe los.
Sie wurde von Absalon abgeholt.
Ich buche meine Eco Living Desert Tours sehr gerne bei Batis Birding, weil ich weiß, dass in dem Gebiet, in dem sie unterwegs sein dürfen, immer einiges zu sehen ist.
Die Gruppe kam mittags ausgesprochen happy zurück.
Gesehen worden waren Schlangen und Chamäleons, darunter eine gehörnte Puffotter und eine Zwergpuffotter.
Auch ein Palmato-Gecko und eine Schaufelschnäuzige Wüsteneidechse wurden entdeckt.
Am Nachmittag holte ich alle ab, und wir besuchten Lisas Galerie.
Schon das Schild am Eingang „Champagne in the Fridge“ gefiel allen.
Lisa ließ die Korken knallen.
Alle schauten sich ihre Galerie an, und einige kauften sogar das eine oder andere Bild.
Das freute mich natürlich besonders.
Danach ging es in ein kleines Geheimtipp-Restaurant.
Neben einer anderen kleinen Gruppe waren wir dort die einzigen Gäste.
Gut, dass noch niemand weiß, wie fantastisch die Küche dort ist.
Hier gibt es wirklich Essen aus dem obersten Regal, frisch zubereitet, hochwertig und ohne den Touristenstress, der inzwischen in Namibia doch ziemlich markant geworden ist.
Meine Mutter gesellte sich ebenfalls dazu.
Als ich sie fragte, ob sie mitkommen wolle, sagte sie nur:
„Oh ja, da habe ich total Bock drauf.“
Und so wurde es ein schöner Abend.
21. September 2026 – Walvis Bay und die Flamingos
Ich wollte Franz recht früh abholen.
Er war der Einzige, der noch einmal nach Walvis Bay und zur Lagune wollte.
Also fuhr ich mit ihm zur Walvis Bay Lagoon.
Er war sofort hin und weg von der Artenvielfalt und der Menge an Vögeln.
Zurzeit waren noch extrem viele Flamingos zu sehen.
Junge und alte Zwergflamingos, Rosaflamingos, Zigtausende waren über die Lagune verteilt.
Zwergflamingo
Leider kam gerade die Flut herein. Dadurch fehlten uns einige markante Arten wie Wüstenregenpfeifer, Mongolenregenpfeifer und Terekwasserläufer.
Franz war trotzdem nicht unglücklich.
Die Hunderttausenden Limikolen, die sich normalerweise hier versammeln, waren für ihn als Vogelfotografen ohnehin mehr als ausreichend.
Danach fuhren wir auch ins Vogelparadies.
Und hier wurde ich traurig.
Durch Straßenbau, rücksichtslose Müllentsorgung und die immer weiter wachsenden Müllberge ist dieses einstige Naturparadies inzwischen nur noch ein trauriges Refugium.
Zwar halten sich hier noch immer Tausende Flamingos auf, aber man sieht deutlich, dass die Wasserqualität leidet.
Ich bin davon wirklich angekotzt.
Ich wünschte mir, dass die Verantwortlichen endlich aufwachen und dieses wunderbare Naturerbe erhalten.
Irgendwie scheint den Menschen heutzutage vieles wichtiger zu sein als die Natur.
Franz dagegen war extrem glücklich über die vielen Vögel, die er fotografieren konnte.
Man soll ja positiv bleiben.
Wir fuhren zurück nach Swakopmund, um die Gruppe abzuholen, das Auto zu tanken und anschließend Richtung Hohenstein aufzubrechen.
Die Fahrt verlief relativ problemlos, der Verkehr jedoch wie immer recht stressig.
In Hohenstein angekommen, gab es allerdings große Freude.
Ich hatte für meine Gäste die Luxusbungalows gebucht.
Wieder einmal hatte es sich ausgezahlt.
Und wieder einmal kam die Frage:
„Warum sind wir hier nur eine Nacht?“
22. September 2026 – Hohenstein und Okonjima
Bei Sonnenaufgang zwitscherte es bereits ordentlich in den Büschen.
Wir machten eine Wanderung und fanden die üblichen Hornvögel, Schnäpper, Schmätzer, Weber und Lerchen dieser Gegend.
Geisterbaum · Buntastrild
Danach trafen wir uns zum Frühstück und brachen Richtung Okonjima auf.
Heinz hatte einen besonderen Wunsch.
Er wollte unbedingt namibisches Trockenfleisch, Biltong, und vor allem gute Chili Bites kaufen.
Nun ist es aber so: Wenn man einen Namibier nach Chili Bites und Trockenfleisch fragt, reicht es ganz sicher nicht, im Supermarkt einfach irgendeine Packung aus dem Regal zu nehmen.
Es muss gute Qualität sein.
Ich wollte deshalb zunächst in Usakos an einer bewährten Stelle einkaufen.
Ein Straßenbau verhinderte jedoch den Zugang.
Also fuhren wir weiter nach Karibib.
Auch dort war das Gewünschte nicht mehr verfügbar.
Also machte ich einen großen Umweg über Wilhelmstal, wo ich wusste, dass es sehr gute Chili Bites gab und diese auch vakuumiert werden konnten.
Glücklich und mit Chili Bites beladen ging es schließlich weiter nach Okonjima.
Am Nachmittag startete bereits die Leopardenpirsch.
Die Gäste waren allesamt ausgesprochen beeindruckt wegen der großen, modernen und wunderschönen Zimmer.
Okonjima ist zweifellos eine der besten Lodges Namibias, auch wenn man im etwas günstigeren Plains Camp absteigt.
Teuer, aber sehr gut.
Bei der Leopardenpirsch war ich selbst nicht dabei. Später erzählten mir die Gäste, dass der Leopard liegend, sitzend, laufend, eigentlich in jeder Position, hervorragend zu fotografieren war.
Rotwein, Weißwein, Gin Tonic und vielleicht auch ein paar Bier.
Es ist ja schließlich Urlaub.
23. September 2026 – Geburtstag, Vögel und Braune Hyänen
Liebe Anita,
alles herzlich Gute zum Geburtstag!
Ich sang.
Ich kann nicht singen, aber ich war der Einzige, der an diesem Morgen sang. Einmal angefangen, kann man auch nicht mehr aufhören.
Natürlich nicht „Happy Birthday“.
Wo kommen wir denn da hin?
Sondern „Viel Glück und viel Segen“.
Als ich mit meinem Gekrächze fertig war, freuten sich alle über Anitas Geburtstag und wahrscheinlich mehr noch über die Vollendung meines Gesangs.
Die Sektkorken knallten, ein Kuchen wurde aufgetischt, und Anita bekam Geschenke.
Später kam sogar eine Gruppe Sängerinnen der Okonjima Lodge und sang ein fantastisches Geburtstagsständchen. Die können wenigstens singen!
Auch hier gewinnt Okonjima ganz sicher: Die Leute dort können was!
Der Vormittag stand zur freien Verfügung.
Mit Franz ging ich kurz in den großen Garten.
Wir fotografierten einen kleinen Honiganzeiger, einige Erdschnäpper, Goldschwanzspecht, Savannenbogenflügel und noch einige andere Arten.
Eigentlich ist Okonjima ornithologisch fast schon interessanter als nur wegen der Katzen.
Natürlich habe ich bekanntlich einen ziemlich dunklen und zynischen Humor, der von manchen geschätzt, von anderen verachtet und von vielen überhaupt nicht verstanden wird.
Die arme Anita, die ich manchmal etwas aufzog, fragte irgendwann:
„Warum ärgerst du mich immer?“
Dabei tat ich das gar nicht wirklich.
Ich sagte:
„Weil ich dich mag.“
Worauf die anderen natürlich sofort die Augenbrauen hochzogen:
„Aha!“
Natürlich mag ich all meine Gäste.
Am Nachmittag fuhr ich bei der Pirschfahrt mit, denn hier ging es unter anderem um Braune Hyänen.
Ich liebe Braune Hyänen!
Dazu muss ich eine Geschichte erzählen.
Ich hatte einmal einen Stammkunden namens John Wilshin, der dreizehn Mal mit mir auf Safari war.
Das war zu einer Zeit, als die Tiere noch nicht besendert waren und alles noch relativ wild war.
Unser größtes Ziel war immer die Braune Hyäne.
Wir sahen sie nie.
Einmal, auf einer Nachtpirsch, hätte ein Schatten in weiter Entfernung eine Braune Hyäne sein können.
Aber das zählte nicht.
John Wilshin fuhr später im hohen Alter nach Kenia und schrieb mir:
„Albert, I saw a brown hyena. I could take pictures, noted it down, but it doesn’t count, because it wasn’t with you.“
Kann es ein schöneres Lob geben?
Auf Okonjima gibt es viele Braune Hyänen, teilweise mit Sendern versehen. Wir fanden eine tief im Gestrüpp versteckte Hyäne.
Der Guide zeigte uns, wie perfekt sie sich tarnen kann.
Irgendwann kam sie aus dem Gestrüpp heraus, und wir konnten sie zunächst von hinten sehen und fotografieren.
Dank des wirklich guten Guides gelang es uns später auch, einige Aufnahmen von vorne zu bekommen. Er fuhr in verschiedene Richtungen, sodass die Hyäne schließlich gegen den Wind auf uns zulief.
Später fuhren wir zu einem Hyänen-„Den“, in dem sich Junge befinden sollten.
Die Kleinen bekamen wir leider nicht zu Gesicht.
Aber wir sahen die Mutter kommen, mit einem Perlhuhn in der Schnauze.
Schabrackenhyäne mit Helmperlhuhn als Beute
Und auf dem Weg dorthin begegneten wir wiederholt einem Leoparden.
Da wir bereits zu Beginn der Pirsch einen Leoparden nahe der Farmgrenze gesehen hatten, wirkte diese Leopardendichte fast unwirklich.
Auch dieser Leopard hatte sich ein Perlhuhn als Abendessen besorgt.
Leopard mit Helmperlhuhn als Beute
Wir genossen unseren Gin Tonic beim Hyänennest, beobachteten die Hyänenmutter, wie sie das Perlhuhn ins Nest brachte, und fuhren schließlich unter einer blutrot untergehenden Sonne zurück zur Lodge.
Es sah extrem kitschig aus.
Claudia fragte mich später, ob das für mich denn auch ein besonderes Erlebnis gewesen sei.
Ich blieb, glaube ich, etwas zu lange still.
Dann sagte ich:
Natürlich möchte ich meinen Kunden das wilde Afrika zeigen. Das Unverfälschte. Tiere ohne Sender.
Aber wenn selbst John Wilshin dreizehn Mal mit mir auf intensivster Natursuche unterwegs war und nie eine Braune Hyäne sah, dann muss ich auch akzeptieren, dass man manchmal in Gebiete fahren muss, in denen Tiere erforscht werden und dadurch leichter gefunden werden können.
Das ist auch toll.
Aber eben nicht hundert Prozent Natur.
Deshalb hängen für mich persönlich die schönsten Erinnerungen oft eher an den Erlebnissen und Anekdoten als an den tatsächlichen Beobachtungen.
Es ist schwer, das in Worte zu fassen.
Der letzte Abend! Oh weh!
Bei Reisen wie dieser ist der letzte Abend oft ein Abend, über den keiner spricht.
Ein Abend, an dem man nicht über die Reise redet, nicht zurückdenkt, nicht analysiert.
Man isst einfach, lacht ein bisschen, trinkt fröhlich Wein und tut so, als wäre die Reise noch nicht vorbei.
Ich bin gesegnet mit netten Kunden.
Es kommt wirklich sehr, sehr selten vor, dass ich mich mit meinen Kunden oder sie sich mit mir nicht verstehen.
Das liegt natürlich auch an der Art unserer Reisen.
Unsere Individualreisen werden von Menschen gebucht, die besondere Erlebnisse suchen.
Und dadurch stimmt auch die menschliche Ebene meistens.
Wir machen nun einmal keine Beach-Holiday-Bierzelt-Safaris.
So ging der Abend zu Ende.
Und ich freute mich gleichzeitig auch wieder auf meine Familie.
24. September 2026 – Abschied und Heimfahrt
Mich kratzte allerdings, dass die verdammten Schabrackenschakale beim Frühstück und vor allem beim Abendessen bei Okonjima ständig um die Esstische streiften.
Das Personal kam immer wieder und scheuchte die Tiere davon.
Natürlich lag es daran, dass die Gäste die Schakale vom Tisch aus fütterten.
Ich als Farmer kenne die Gefahren, die von Schabrackenschakalen ausgehen können.
Und zwar vor allem dann, wenn irgendwann einmal einer tollwütig werden sollte.
Wenn die anderen Schakale bereits an Menschen gewöhnt und zahm sind, weiß man irgendwann nicht mehr, welcher davon eine Gefahr darstellt und welcher nicht.
Und es kann sehr leicht zu einer Situation kommen, in der jemand von einem tollwütigen Schabrackenschakal gebissen wird.
Als ich dann auch noch von Heinz hörte, dass ein anderer Gast trotz der ausdrücklichen Warnung des Personals weiterhin Schabrackenschakale mit Hühnchen fütterte, wollte ich gerade schon etwas dazu sagen.
Heinz zwang mich jedoch zur Ruhe und sagte beschwichtigend: „Nein, nein.“
Also lasse ich es in den Händen des Lodge-Managements, da etwas zu unternehmen.
Aber am Ende trifft es ja dann sowieso immer die Falschen.
„I wanna go home.“
Wenn mein Auto um die Ecke fährt, höre ich manchmal hinten ein Knacken.
Deshalb bat ich meine Kunden, mir etwas Zeit zu schenken, fuhr direkt nach Windhoek und brachte das Fahrzeug zum Offroad Center zu meinem guten Freund Christian Heydenrych.
Federn, Stoßdämpfer, Achsen, alles wurde kontrolliert, gelöst, gereinigt, neu gebuchst und abgeschmiert.
Denn ein Knacken kann Schwäche bedeuten.
Und Schwäche kann einen Unfall bedeuten.
Diese Gewissenhaftigkeit muss einfach sein, wenn man Menschen transportiert.
Paulus, mein Fahrer, holte uns ab und brachte uns zu Leather Connection in Windhoek, wo alle noch einmal kräftig Schuhe einkauften, Kudu- und Rinderlederschuhe.
Danach ging es zum Wilde Eend Restaurant.
Unsere letzte gemeinsame Mahlzeit.
Ich verabschiedete mich von der Gruppe und tat so, als wäre alles ganz alltäglich.
Aber ganz ehrlich:
In mir war es schwer.
Es pochte ein wenig im Brustkasten.
Ich holte anschließend das Auto ab und fuhr Richtung Swakopmund.
Die Sonne ging langsam unter.
Und ich betete:
„Lasst sie gut zu Hause ankommen.“
