„Avifauna Jane’s Initiative“
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Reisebericht durch 3 Länder Afrikas
Reisebericht einer geführten Individualreise / Birdingreise mit naturkundlichen Schwerpunkten Namib, Etoscha, Okavango, Chobe bis Victoriafälle:
Guide: Albert Voigts von Schütz
Aufgrund der langen Anschlussverspätungen und Flugunterbrechungen aus Kanada und den USA kamen Jane und Paul bereits am 7. an, während George und Maryanne Windhoek erst am 8. erreichten. Aus diesem Grund kam ich etwas früher nach Windhoek, einfach um unnötige Taxi-Logistik für gemeinsame Abendessen zu vermeiden und allen einen sanften, entspannten Einstieg in die Reise zu ermöglichen.
Am Abend gingen wir gemeinsam im Stellenbosch Wine Bar essen. Ich habe das Restaurant bewusst gewählt, da ein Großteil der Sitzplätze im Freien liegt, die Atmosphäre lebendig und überwiegend von Einheimischen geprägt ist und die Speisekarte eine wunderbare Vielfalt bietet. Es stellte sich als ausgezeichnete Wahl heraus, voller Bauch und gute Laune.
Am nächsten Morgen entschieden wir uns für einen frühen Start mit einem kurzen Birding-Spaziergang zum Sonnenaufgang. Da für Jane und Paul alles neu war, gingen wir es ruhig an und konzentrierten uns zunächst auf die häufigeren, für die Gegend typischen Arten. Am Ende verbrachten wir fast zwei Stunden mit Birding, legten kaum mehr als etwa 300 Meter zurück und konnten dennoch fast 40 Arten notieren.
Gar nicht schlecht für eine kleine Exkursion vor dem Frühstück.
Oryxweber (Southern Red Bishop) waren sehr aktiv im Schilf, während sich Elfenastrilde (Black-faced Waxbill) in frischem Brutkleid wunderschön zeigten. Außerdem begegneten wir typischen Arten der Gegend wie Reichsvogel (Crimson-breasted Boubou), Rotscheitel-Zistensänger (Rattling Cisticola), Didrik-Kuckuck (Diederik Cuckoo) und Jakobinerkuckuck (Jacobin Cuckoo), dazu verschiedene Taubenarten und viele Rosenköpfchen (Rosy-faced Lovebird).
Damarabindensänger (Barred Wren-Warbler) und Priritschnäpper (Pririt Batis) zeigten sich im prachtvollen Brutkleid, und wir hatten mehrere ausgezeichnete Beobachtungen des Klippensängers (Damara Rockrunner). Was mir an diesem Morgen besonders gefiel, war, wie ruffreudig die Klippensänger waren und voller Energie aus den Felsen heraus riefen.
Über uns zogen große Zahlen von Bradfieldsseglern (Bradfield’s Swift), Hausseglern (Little Swift) und Mauerseglern (Common Swift) durch den Himmel.
An einer Stelle spielte ich kurz den Ruf eines Perlkauzes (Pearl-spotted Owlet) ab. Nicht nur reagierten sofort mehrere Vögel darauf und kamen neugierig näher, auch der Perlkauz selbst zeigte sich und bescherte uns eine sehr schöne Beobachtung.
Mary Ann und George trafen später am Tag ein und waren nach ihrer langen Reise aus Amerika verständlicherweise noch ziemlich müde und vom Jetlag gezeichnet. Deshalb beschlossen wir, es ruhig angehen zu lassen. Ein Teil von uns fuhr noch kurz in die Stadt, erledigte einige Dinge und besuchte einen bekannten Birding-Spot nördlich von Windhoek, in der Hoffnung, dort den Bergzistensänger (Grey-backed Cisticola) zu finden, bevor wir uns um 15:30 Uhr zu einer nachmittäglichen Birding-Exkursion wieder trafen.
Ich musste sorgfältig überlegen, ob ich die folgenden Ereignisse überhaupt in diesen Reisebericht aufnehmen sollte. Letztlich bin ich jedoch der Meinung, dass Ehrlichkeit wichtig ist und auch negative Erfahrungen erwähnt werden sollten, damit ein Bericht die Dinge so widerspiegelt, wie sie sich tatsächlich zugetragen haben:
Am Nachmittag fuhren wir in ein raues, felsiges Gebiet in den Hügeln unmittelbar außerhalb der Stadt, nahe der Residenz des Präsidenten. Ironischerweise würde man annehmen, dass ein solcher Ort gut bewacht ist. Zu diesem Zeitpunkt wirkte das Gebiet jedoch völlig verlassen und ruhig. Nachdem wir sorgfältig geschaut und niemanden gesehen hatten, stiegen wir aus dem Fahrzeug, um einem Schwalbenschwanzspint (Swallow-tailed Bee-eater) und einem Sichelhopf (Common Scimitarbill) zu folgen, die sich durch das Buschwerk bewegten. Ein besonders schöner Moment war die Entdeckung einer sehr ruffreudigen Kapbeutelmeise (Cape Penduline Tit), die uns ausgezeichnete Ansichten bot.
Was dann geschah, passierte innerhalb von Sekunden.
Zu meinem Schock und völligen Unglauben sah ich plötzlich zwei junge Männer hinter unserem Fahrzeug auftauchen. Bevor wir überhaupt reagieren konnten, sprangen sie ins Auto, starteten den Motor und fuhren direkt auf uns zu. Wir rannten und schrien, doch die Männer zeigten ganz offensichtlich keinerlei Sorge darum, ob sie uns hätten anfahren können. Als das Fahrzeug an uns vorbeifuhr, gelang es mir, an das Fahrerfenster zu springen, Hollywood here I come, und den Schlüssel aus dem Zündschloss zu ziehen.
Das machte die kriminellen Arschgeigen nur aggressiv und wütend!
Sie sprangen aus dem Auto, hoben Steine auf und begannen, uns aggressiv zu bedrohen. Die Situation eskalierte schnell und endete damit, dass wir ausgeraubt wurden. Die Männer nahmen unser Geld, unsere Handys, Janes Ringe und meine Kamera.
Der Schock dieses Moments saß tief.
In dem Durcheinander verschwanden die Autoschlüssel, wohl von den Kerlen mitgenommen, und wir konnten das Fahrzeug nicht mehr bewegen. Also mussten wir zu Fuß Hilfe suchen. Glücklicherweise half uns ein besorgter und recht resoluter Nachbar und fuhr uns zurück zum Ort des Geschehens. George und Mary Ann blieben währenddessen im Haus, und ich konnte meinen Freund Andrew anrufen, der die beiden freundlicherweise abholte und sicher zum Hotel brachte.
Die folgenden Stunden waren geprägt von Polizeiberichten, Aussagen und Ermittlungen. Dank Apples „Find My iPhone“ konnten wir sogar das Haus lokalisieren, in dem die gestohlenen Telefone gelandet waren. Die Polizei entschied jedoch, den Standort zunächst nur zu überwachen, anstatt sofort einzugreifen, und die Erfahrung zeigt leider, dass am Ende oft wenig dabei herauskommt. Später kam dann noch die Touristenpolizei zum Haus, um nach meinen Gästen zu sehen und einen zusätzlichen Bericht aufzunehmen.
Trotz dieses ganzen Albtraums gelang es uns schließlich, uns wieder im Stellenbosch Wine Bar zum Abendessen zu treffen, wo wir einfach nur dankbar waren, zusammen sitzen zu können und nach einem sehr schwierigen Nachmittag wieder etwas Ruhe zu finden.
Zum Glück wurde niemand von uns ernsthaft verletzt. Paul hatte ein paar Prellungen, Jane war während der Auseinandersetzung geschlagen worden, und ich blieb mit einer schmerzhaften Schulter zurück von dem Gerangel, als ich den Schlüssel aus dem Zündschloss zog. Am Ende verloren wir Dinge, die ersetzt werden können, die Ringe natürlich ausgenommen, auch wenn der emotionale Eindruck erheblich war.
Was mich am meisten beeindruckte, war die Widerstandskraft und die positive Haltung von Jane und Paul. Trotz allem waren sie fest entschlossen, die Reise fortzusetzen. Zwei bewundernswerte und bemerkenswert starke Charaktere.
Meine Frau Lisa reagierte derweil schnell aus Swakopmund und schickte uns einen Ersatzschlüssel für das Fahrzeug. Mein treuer Fahrer Paul bewachte das Auto, Andrew half beim Transfer, und schon bald konnten wir das Fahrzeug wieder übernehmen und zum Restaurant zurückkehren. Ihre schnelle Reaktion und ihr Mitdenken machten die Situation sehr viel leichter handhabbar.
Im Rückblick muss ich eingestehen, dass ich einen Fehler gemacht habe, als ich davon ausging, dass genau dieses Gebiet sicher sei. Es war eine wertvolle Lektion. Von nun an werden alle Birding-Ausflüge rund um die Stadt sofort nach außerhalb führen, anstatt innerhalb des Stadtgebiets zu bleiben.
Letztlich prägen uns solche Erfahrungen, so schwierig sie auch sind, auch als Profis. Sie erinnern uns daran, wie wichtig Aufmerksamkeit, Vorbereitung und Vorsicht sind, wenn man Gäste in unbekannten Gegenden führt. Über die Jahre haben wir gelernt, dass nicht nur wunderbare Sichtungen und schöne Landschaften Erfahrung aufbauen, sondern manchmal eben auch die schwierigen Momente.
Auch wenn dieser Vorfall ohne Zweifel beunruhigend war, hat er unseren Entschluss gestärkt, unsere Gäste in Zukunft noch besser zu schützen. Jede Erfahrung, ob positiv oder negativ, erweitert das Wissen und das Bewusstsein, das es uns ermöglicht, als verantwortungsbewusstes und professionelles Safari-Unternehmen zu arbeiten. In diesem Sinne wurde selbst dieser schwierige Tag Teil eines Lernprozesses, der uns letztlich zu stärkeren Guides und besseren Gastgebern für jene macht, die mit uns reisen … dies soll auch als Versprechen gelten!
Am nächsten Morgen standen wir früh auf und begannen noch vor Tagesanbruch mit dem Birding in den felsigen Hügeln oberhalb des Ti Melen Guesthouse. Es dauerte nicht lange, bis ich die markant metallisch knirschenden …Ich will Kaffee …Ich will Kaffee… Rufe des so begehrten Rebhuhnfrankolins (Orange River Francolin) durch die Berge hallen hörte. Damit sich nach den Ereignissen des Vortages wirklich alle wohl fühlten, nahmen wir Walter, einen jungen Mitarbeiter der Lodge, mit.
Das Birding war sofort lohnend. Wir hatten sehr gute Beobachtungen des Klippensängers (Damara Rockrunner), der immer wieder eine Freude ist, wenn er zwischen den Felsblöcken umherspringt. Während wir uns langsam den Hang hinaufarbeiteten, begann das Rebhuhnfrankolin (Orange River Francolin) erneut zu rufen. Wie so oft bei diesen Vögeln klangen sie ganz nah, blieben aber frustrierenderweise unsichtbar.
Wir umrundeten die Felsen und entdeckten sie schließlich. Walter kletterte vorsichtig von einer anderen Seite hinauf, und ich bat ihn, sich langsam nach vorne zu bewegen. Seine Bewegung lenkte die Vögel sanft in unsere Richtung. Drei Vögel brachen plötzlich auf und flogen hoch, sodass wir kurze, aber klare Blicke auf sie werfen konnten, bevor sie wieder hinter den Felsen verschwanden. Ein Vogel jedoch blieb zurück und schenkte uns einige wunderbare Sekunden der Beobachtung, bevor auch er… oder sie… davonflog.
Wir konnten mit gutem Gewissen sagen, dass wir ausgezeichnete Beobachtungen eines ganz besonderen und sehr begehrten Vogels gehabt hatten.
Nach einem ausgezeichneten Frühstück im Ti Melen Guesthouse fuhren wir zum Avis-Damm für eine entspannte Runde Birding am Vormittag. Später am Avis-Damm hatte der Wind jedoch deutlich zugenommen, und das Birding war nur noch mäßig anstatt wirklich produktiv.
Auf dem Rückweg zum Auto entschieden wir uns, die Stadt hinter uns zu lassen und etwa dreißig Kilometer nördlich zu einer Farm eines Freundes von mir zu fahren, wo einige höhere Akazienbestände interessantes Vogelleben versprachen. Ich hatte große Hoffnungen für dieses Gebiet. Zwar fanden wir ein oder zwei interessante Arten, doch der starke Wind ließ die Vogelaktivität stark absinken, und mehrere Arten, die ich meinen Gästen gern gezeigt hätte, blieben aus. Der Busch war ungewöhnlich still, und der Wind ließ nicht nach.
Schließlich beschlossen wir, den Tag zu beenden, zum Gästehaus zurückzukehren, zu duschen und anschließend im Cape Town Fish Market essen zu gehen, was sich als ausgezeichnete Wahl erwies. Das Restaurant servierte ein wirklich fantastisches Essen und wir hatten einen guten Tisch. George und Mary Ann bestellten einen großen Teller Seafood-Paella, und auch alle anderen Gerichte sahen ausgesprochen verlockend aus. Es war ein wunderbarer Abschluss des Tages.
Am folgenden Morgen arrangierte ich erneut ein sehr frühes Frühstück. Obwohl im Reiseplan lediglich die Fahrt zur Dead Valley Lodge vorgesehen war, beschloss ich, unterwegs noch einen kleinen Umweg zu machen. Wir fuhren an meiner Farm Nomtsas vorbei, Heimat des LeafLove-Schutzgebiets.
Wir hielten für etwas Birding am Springbokhaar-Damm, der normalerweise voller Vögel ist. Leider machte erneut ein sehr starker Ostwind die Bedingungen schwierig. Doch wie so oft hat jede Situation ihre gute Seite. Plötzlich hörte ich den Ruf eines Rotohrsängers (Rufous-eared Warbler). Ich spielte den Ruf kurz ab, und der Vogel reagierte sofort, flog hoch, setzte sich gut sichtbar auf einen Busch, rief laut und zeigte sich prachtvoll. Wir hatten herrliche Blicke auf ein perfekt befiedertes Männchen, wirklich eine denkwürdige Beobachtung.
Wir kontrollierten auch die schlammigen Ränder des Damms, wo sich noch einige Wasservögel aufhielten, darunter Zwergstrandläufer (Little Stint), Hirtenregenpfeifer (Kittlitz’s Plover), Fahlenten (Cape Teal) und Rotschnabelenten (Red-billed Teal). In der Nähe zeigte ich der Gruppe zudem einen charmanten kleinen natürlichen Seerosenteich, der sich am Rand des Damms gebildet hatte. Dieser blühte prächtig und schmuck schwamm eine Rotschnabelentendame mit 12 Küken durch die dichten Blätter.
Anschließend hielten wir auf der Farm selbst. Ich zeigte ihnen das Haus und die Umgebung, während ich rasch versuchte, nach dem Überfall noch einige Bankangelegenheiten am Computer zu regeln.
Bald darauf setzten wir unsere Reise zur Dead Valley Lodge fort und fuhren durch die dramatische Landschaft der Naukluftberge. Die Gegend dort ist schlicht atemberaubend. An einer Stelle musste ich das Fahrzeug anhalten, damit wir Fotos von der Landschaft machen konnten. Der Blick wirkte fast wie ein Ölgemälde, mit sanftem Licht über den schroffen Bergen und den weiten Ebenen.
Wir kamen am späten Nachmittag in der Lodge an und genossen ein gutes Abendessen. Unsere Ankunft wurde von einem ziemlich enthusiastischen Koch begleitet, der uns trommelnd zu unserem Tisch führte, während er laut das spielte, was er stolz als traditionelle Musik bezeichnete. Ob die Musik nun wirklich traditionell war oder nicht, blieb fraglich, aber unterhaltsam war es allemal, und wir mussten alle herzlich lachen, besonders über George, der mit einem kleinen „good mood dancing sidestep“ rhythmisch in Richtung unseres Tisches tanzte.
Ein besonders lustiger Moment hatte sich bereits früher an diesem Tag ereignet, als George mir beim Öffnen eines Farmtores half. Als er aus dem Fahrzeug stieg, ließ er die Autotür sperrangelweit offen. Mary Anne lachte und bemerkte, dass er das zu Hause auch immer so mache. Ich fuhr mit der offenen Tür durch das Tor, und als George zum Wagen zurückkam, rechnete er offensichtlich bereits mit Kritik. Doch bevor jemand etwas sagen konnte, erklärte er schlicht:
„Ich habe die Tür offen gelassen, um die Scharniere zu schonen und ihre Lebensdauer zu verlängern!“
Dieser Kommentar löste sofort eine neue Lachrunde aus.
Langsam, aber sicher begannen die Anspannung und die Erinnerungen an den Vortag nachzulassen. Wir fanden allmählich wieder in den Rhythmus der Reise und konzentrierten uns endlich wieder auf das, weswegen wir alle hier waren, die Vögel, die Landschaften und die Freude am gemeinsamen Unterwegssein.
Der erste wichtige Vogel des Tages war die Rotdünenlerche (Dune Lark), auch wenn sich die Taxonomie kürzlich geändert hat und die südlichen Populationen in Namibia und dem Nordkap heute oft mit der Barlowlerche (Barlow’s Lark) zusammengefasst werden. Wie auch immer man es taxonomisch einordnet, diese Art bleibt eine der begehrtesten Arten für Besucher Namibias.
Trotz ihres Rufes ist die Dünenlerche (Dune Lark) nicht immer leicht zu finden. Die Vögel wechseln recht häufig ihre Standorte, und es kann ziemlich unberechenbar sein, wo genau sie sich gerade aufhalten.
Wir beschlossen, zunächst das touristische Programm am frühen Morgen zu machen. Wir standen um fünf Uhr auf, tranken einen schnellen Kaffee und verließen die Lodge früh, um die Dünen von Sossusvlei bei Sonnenaufgang zu Fuß zu erleben. Die Landschaft war überwältigend. Nach mehreren Tagen mit starkem Wind hatten wir außerordentliches Glück, einen vollkommen windstillen Morgen mit strahlendem Sonnenschein und wunderschön farbigen Wolken am westlichen Himmel zu erleben.
Wir gingen in Richtung Deadvlei, wo ich für die Gäste einen Kläffgecko (Barking Gecko) ausgrub und einige der faszinierenden Wüstenpflanzen erklärte, etwa die berühmte Nara-Pflanze (Acanthosicyos horridus), die in der Kultur und traditionellen Wirtschaft der indigenen Menschen der Namib eine wichtige Rolle spielt.
Nachdem wir die Landschaft genossen und das gemacht hatten, was wir scherzhaft einen „japanischen Stopp“ nennen, also sehr viele Fotos, gingen wir weiter in ein Gebiet, in dem ich ziemlich sicher war, Rotdünenlerchen finden zu können. Anfangs hatte ich meine Zweifel, weil ich keinerlei Spuren im Sand sehen konnte. Doch dann tauchte das erste, das zweite und das dritte Spurenpaar auf.
Ich versuchte, den Ruf der Rotdünenlerche abzuspielen, aber das half überhaupt nicht. Zu dieser Jahreszeit reagieren sie schlicht kaum auf Playback. Also liefen wir langsam weiter durch geeigneten Lebensraum und fanden schließlich drei Vögel.
Sie waren fantastisch kooperativ. Die Vögel waren ausgesprochen zutraulich und suchten direkt in unserer Nähe Nahrung, sodass wir perfekte Beobachtungen und wunderbare Fotomöglichkeiten hatten.
Außerdem begegneten uns mehrere Schaufelnasen-Eidechsen (Shovel-snouted Lizard), die das Erlebnis noch bereicherten. Nachdem wir einige Zeit mit den Vögeln verbracht hatten, verließen wir das Gebiet sehr zufrieden.
Auf dem Rückweg fanden wir noch zwei weitere namibische Spezialitäten. Zunächst standen einige Rostrennvögel (Burchell’s Courser) direkt neben der Straße. Wie Rennvögel es eben tun, lassen sie einen anhalten und einen Moment lang beobachten, bevor sie langsam davonlaufen. Naja, gesehen, abgehakt, hätte besser sein können… Rennvögel halt.
Später begegneten wir der Rüppelltrappe (Rüppell’s Korhaan), herrlichen Vögeln, die sehr zutraulich waren, touristisch freundlich laut quakten, ja, korrekt, sie rufen wie mega-Frösche, und ausgezeichnete Fotogelegenheiten boten.
Nach diesem erfolgreichen Morgen fuhren wir noch für etwas Sightseeing zum Sesriem Canyon, bevor wir zur Lodge zurückkehrten.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich in über dreißig Jahren Tourismus zuvor noch nie in der Barkhan Dune Lodge übernachtet hatte. Man kann eben nicht alles kennen. Ein Freund von mir hatte mir den Ort empfohlen, und ich muss sagen, was für eine wunderschöne und liebevoll gepflegte Lodge das ist.
Sie liegt völlig abgeschieden und wunderbar privat, mit charmanten einzelnen Bungalows und exzellentem Service. Die Zimmer sind großzügig und sehr komfortabel, schlicht ein wunderbarer Ort zum Übernachten.
Ich war besonders froh darüber, dass meine Gäste den Rest des Tages entspannt in dieser schönen Lodge verbringen konnten.
Der Garten war voller Leben. Der große Baum direkt vor der Lodge war voller Vögel, darunter Rosenköpfchen (Rosy-faced Lovebird), Kapsperlinge (Great Sparrow), Weißkehlgirlitze (White-throated Canary) und mehrere andere Arten, die sich durch die Zweige bewegten.
Es war der perfekte friedliche Abschluss eines sehr erfolgreichen Tages in der Namib.
Früh am Morgen in Barkhan Dune Retreat machten wir uns an den Aufstieg den Hang hinauf. Bei LeafLove Safari wählen wir ganz bewusst nur gute bis sehr gute Unterkünfte für unsere Gäste, denn es ist ein Grundprinzip unseres Unternehmens, dass ein jeder Gast während seiner Safari gut ausgeruht und sehr komfortabel untergebracht sein soll, wer billig bucht, schläft schlecht. Alle schienen mit der hervorragenden Qualität der Unterkunft in Barkhan Dune Retreat ausgesprochen zufrieden zu sein, und als am frühen Morgen alle zum Birding-Spaziergang erschienen, waren sie lächelnd, gut gelaunt und offensichtlich bestens erholt.
Wir hörten einige KLippensänger aber sie waren zu weit oben, um sich ihnen zu nähern. In der kleinen Schlucht wurde eine große Pantherschildkröte gesehen, und während wir den Vögeln etwas mehr Aufmerksamkeit schenkten, ging George zurück, um seine Kamera zu holen und ein Foto der Schildkröte zu machen. Eigentlich schien es kaum denkbar, dass das Tier in so kurzer Zeit eine solche Strecke hätte zurücklegen können, aber als wir zurückkamen, fanden wir sie tatsächlich nicht mehr und scherzten, sie müsse davongaloppiert sein.
Paul ist ein bemerkenswert talentierter Maler. Seine Werke erinnern an die großer Künstler, so sehr, dass man fast meinen könnte, er sei ein berühmter Künstler, der es nur nie erwähnt habe. Er ist ganz offensichtlich auch ein begabter Autor und hat kürzlich ein Gedicht mit uns geteilt, das, wie er selbst sagte, mich als Person beschreibe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich einem solchen Lob wirklich gerecht werden kann, aber ich empfand das Gedicht als tief ausdrucksstark und besonders bedeutsam für jemanden, der in der komplexen Welt lebt, die wir hier in Namibia erleben:
Zwischen zwei Welten
Ich gehe auf der Linie, wo zwei Welten sich treffen,
beanspruche keine von beiden,
verleugne keine von beiden,
sondern trage weiter, was jede mich gelehrt hat.
Ich stehe nicht im Kreise der ersten Menschen,
denn dieser Kreis gehört ihnen.
Und ich stehe auch nicht unter den Siedlern, die glauben, das Land sei stumm.
Stattdessen gehe ich neben ihnen,
und spreche leise von Flüssen, die sich erinnern,
von Wäldern, die trauern,
von Erde, die die Namen derer kennt, die sie liebten.
Ich bin nicht hier, um irgendjemanden zu retten.
Ich bin hier, um die jüngeren Menschen dieses Kontinents daran zu erinnern,
dass das Land älter ist als ihre Geschichten,
und dass Zugehörigkeit durch Fürsorge verdient wird,
nicht durch Besitzanspruch.
Meine Aufgabe ist einfach und lebenslang:
mich um das kleine Stück Erde zu kümmern, das mir anvertraut wurde,
auf die Stimmen zu hören, die Maschinen übertönen,
die Wesen zu ehren, die mein Zuhause mit mir teilen,
und anderen zu helfen, den Unterschied zu verstehen
zwischen Besitz und Beziehung.
Das ist der Weg zwischen den Welten,
kein Leeraum,
sondern eine Art des Gehens
mit Demut,
mit Erinnerung
und mit dem Land selbst als meinem Lehrer.
Während wir durch die großartige Landschaft des Gaub Pass und des Kuiseb Pass fuhren, ließ ich ein wenig Geschichte und Erzählung in die Fahrt einfließen. Ich erzählte den Gästen von den beiden deutschen Geologen Henno Martin und Hermann Korn, die während des Zweiten Weltkriegs zwei Jahre in der Namibwüste überlebten, weil sie mit dem Krieg nichts zu tun haben wollten. Die Geschichte faszinierte alle, und sie bildete die perfekte Kulisse für Weitwinkel-Landschaftsfotografie in dieser dramatischen Wüstenlandschaft.
Als wir die Schotterebenen der Namib erreichten, hielt ich an einigen bekannten Stellen, an denen die Namiblerche (Gray’s Lark) gewöhnlich häufig ist. Es dauerte nicht lange, bis wir sehr gute Blicke auf diesen eigentlich unscheinbren, jedoch beim näheren betrachten recht schlicht-schönen Wüstenspezialisten bekamen. Während wir weiterfuhren, begegneten wir auch dem Karooschmätzer (Karoo Chat), und als wir uns den Tinkas Plains näherten, begann ich nach dem Langschwanzeremomela (Karoo Eremomela) zu suchen und rufen, einem der schwierigeren Vögel in diesem granitisch film-kulissen-mondlandschafts Gebiet.
Leider blies der Wind, und es war extrem heiß, wirklich extrem heiß, was die Chancen, die Art zu sehen, stark verringerte. Trotzdem versuchte ich es. An jedem geeigneten Lebensraum hielt ich an, stieg in die Hitze hinaus und versuchte es erneut, indem ich den wohlbekannten, aber eher monotonen Gesang des Vogels abspielte. Jeder Ort, an dem ich die Art im Laufe der Jahre schon einmal gefunden hatte, wurde sorgfältig überprüft. Nach einer Weile ging das allen ein wenig auf die Nerven. Es war vermutlich fast ebenso unerquicklich, dass ich es immer und immer wieder versuchte, wie das ständige Hören dieses repetitiven Gesangs.
George wurde schließlich ein wenig frustriert, und als ich ihn fragte, ob alles in Ordnung sei, sagte er nur, er könne nicht ganz erkennen, welchen Sinn es habe, so lange nach einem einzigen Vogel zu suchen. Aber da dies der einzige wirklich seltene und besondere Vogel war, den ich in diesem Lebensraum realistisch hätte anbieten können, blieb ich dran, leider ohne Erfolg. Die Eremomela wurde daraufhin scherzhaft zur „rare mo mela“, was am Ende tatsächlich ein ziemlich passender Spitzname war.
Unterwegs lernte ich übrigens auch eine neue englische Redewendung. Mehrmals hatte ich angefangen, etwas zu erklären, ohne das Mikrofon einzuschalten, sodass die Leute auf den Rücksitzen mich nicht richtig hören konnten. Mary Anne sagte daraufhin, ich würde „spitting in the wind“, also meine Energie mit Reden vergeuden.
Als wir die endlosen Ebenen der Namib durchquerten, hielt ich entlang des Welwitschia Drive und machte einen kurzen Abstecher zur größten bekannten Welwitschia in diesem Gebiet. Ich hoffte, dort vielleicht auch den Oranjeschmätzer (Tractrac Chat) zu finden, der häufig bei diesen uralten Pflanzen vorkommt, aber in der intensiven Mittagshitze zeigte sich nicht einmal der übliche Standvogel. Stattdessen nahmen wir uns Zeit, die nun blühenden Welwitschien zu bewundern, und ich erzählte der Gruppe die Geschichte von Friedrich Welwitsch, Thomas Baines und David Livingstone, wobei ich auch auf den Blog verwies, den ich über diese bemerkenswerten Wüstenpflanzen geschrieben hatte.
Nach einer langen, aber faszinierenden Fahrt durch die Namib waren schließlich alle sehr froh, schon am frühen Nachmittag in Swakopmund anzukommen.
Bei der Ankunft wurden wir mit einer schönen Sichtung von Wellenastrilden (Common Waxbill) und Oranjebrillenvögeln (Orange River White-eye) begrüßt. Nach dem Einchecken im Brigadoon Guesthouse hatte jeder noch etwas Zeit, sich frisch zu machen, bevor wir uns später wieder zum Abendessen trafen.
Für den Abend gingen wir an einen kleinen, fast geheimen Ort, den wir in Swakopmund kennen. Wir hatten das Glück, den Innenhof ganz für uns allein zu haben, in einer absolut traumhaften und entspannten Atmosphäre, bei dem besten Wetter, das man sich nur vorstellen kann. Der Koch dort zaubert schlicht sensationell. Von Muscheln über Seezunge bis hin zu anderen Delikatessen wird die kleine, aber sehr feine Speisekarte mit viel Liebe und Sorgfalt zubereitet.
Der Ort heißt Charming House, und tatsächlich ist es ein charmantes Haus. Ich war auch sehr froh, dass meine Frau Lisa mit uns zu Abend essen konnte, was den Gesprächen einen schönen frischen Ton gab und dem Abend eine besonders persönliche Note verlieh.
Früh nach dem Frühstück am nächsten Morgen holte ich alle bei Brigadoon ab, und wir machten uns auf den Weg zur Lagune der Walvis Bay.
Ich war ziemlich zuversichtlich, dass wir unterwegs bei Dolphin Beach die kleine Population von Knutt (Red Knot) finden würden, doch offenbar hatten der starke Ostwind und die Hitze diese Vögel von der Küstenlinie verdrängt.
Trotzdem hatten wir bei herrlichem Wetter einige ausgezeichnete Beobachtungen, darunter Eilseeschwalben (Swift Tern), Flussseeschwalben (Common Tern), Brandseeschwalben (Sandwich Tern), Kronenscharben (Crowned Cormorant) und natürlich viele Sanderlinge (Sanderling) und Steinwälzer (Ruddy Turnstone), bevor wir weiter zur Lagune von Walvis Bay fuhren.
Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn der Lagune einen kleinen Schreck bekam, da es so wirkte, als wären alle Vögel aus dem vorderen Bereich verschwunden. Zum Glück hatten sich die meisten Vögel jedoch auf die westliche Seite der Lagune verlagert, wo wir schließlich genau das fanden, wonach wir gesucht hatten.
Zu den Highlights gehörten wunderschöne Beobachtungen von Weißflügel-Seeschwalben (White-winged Tern) und Trauerseeschwalben (Black Tern), sowie natürlich Hunderttausende von Flussseeschwalben (Common Tern), unter die sich immer wieder auch einige Raubseeschwalben (Caspian Tern) mischten. Zudem waren zahlreiche Watvögel vertreten, darunter Sandregenpfeifer (Common Ringed Plover), Zwergstrandläufer (Little Stint), Rotband-Regenpfeifer (Chestnut-banded Plover) und Weißstirn-Regenpfeifer (White-fronted Plover).
Besonders schön war auch die Beobachtung eines Großen Brachvogels (Eurasian Curlew), dazu viele Rosapelikane (Great White Pelican), einige Flamingos sowie mehrere Afrikanische Austernfischer (African Oystercatcher), auch wenn sich die meisten Flamingos noch an ihren Brutplätzen im Inland aufhielten.
Der etwas traurige Teil war, dass wir eigentlich zu einer hervorragenden Jahreszeit für viele dieser Watvögel unterwegs waren und ich deutlich mehr Specials erwartet hatte. Leider schienen Wetter und Hitze viele Arten aus dem Gebiet verdrängt zu haben, was etwas enttäuschend war.
Dennoch hatten wir eine fantastische Beobachtung einer Damaraseeschwalbe (Damara Tern), einer der Zielarten hier. Außerdem sahen wir hervorragende Zahlen von Schwarzhalstauchern (Black-necked Grebe), und im Hintergrund zog ein riesiger Schwarm Pfuhlschnepfen (Bar-tailed Godwit) vorbei, vermutlich bereits auf dem Weg Richtung Norden.
Anschließend besuchten wir Bird Paradise, östlich von Walvis Bay. Leider ist ein Teil dieses Gebiets inzwischen zu einer Müllablagerungsstelle geworden, was mich ehrlich gesagt ziemlich aufgeregt und auch wütend gemacht hat. Es ist einfach schwer zu verstehen, wie man einen so schönen Ort derart behandeln kann, die Menschheit ist leider nicht lernfähig, traurig!
Trotzdem hatten wir einige schöne Beobachtungen, darunter Pünktchenenten (Blue-billed Teal), Afrikaruderenten (Maccoa Duck) sowie verschiedene Taucher, Teichhühner und Blässhühner. Die vielen Watvögel, die ich mir erhofft hatte, waren jedoch auch hier aufgrund von Hitze und Wind kaum vertreten.
Innerlich hoffte ich bereits, dass wir diese Lücken später auf der Reise Richtung Etosha-Pfanne würden ausgleichen können.
Der Nachmittag stand allen zur freien Verfügung. Ich hatte Paul und Jane versprochen, ihnen beim Geldwechsel zu helfen, was sich jedoch als kleines, unerwartetes Afrika-Abenteuer entpuppte.
Wir gingen zunächst Geld ziehen und gingen dann zum Wechselbüro. Die Dame fragte nach den ATM-Belegen, die ich ihr zusammen mit dem Pass und den erforderlichen Dokumenten gab, nur um dann zu erfahren, dass sie überhaupt keine US-Dollar mehr hatte. In diesem Moment schaute Paul mich mit einem herrlichen „What?“ an, und wir mussten beide einfach lachen und gingen kopfschüttelnd zur nächsten Wechselstube.
Dort konnten sie uns ganze 100 US-Dollar anbieten. In diesem Moment fiel mir glücklicherweise ein, dass ich eventuell noch etwas Bargeld zu Hause haben könnte. Ich sagte Paul und Jane, sie sollten es mir überlassen, ich würde das klären.
Zu Hause rief ich zusätzlich meinen Freund Themba an der Grenze zu Zimbabwe an, der bestätigte, dass man dort auch Euro in bar für die Fahrzeugeinreise akzeptiert. Damit war das Problem elegant gelöst. Ich entschied, die Fahrzeuggebühren in Euro zu zahlen, ein kleiner Aufpreis, und machte für meine Gäste einen kleinen privaten Geldtausch, sodass sie ausreichend US-Dollar für Zimbabwe hatten. Am Ende funktionierte alles problemlos.
Am Abend gingen wir gemeinsam ins Ankerplatz Restaurant, ein Ort, der eher von Einheimischen als von Touristen besucht wird. Das Essen war ausgezeichnet. Besonders der Kabeljau dort ist deutlich besser als in vielen der üblichen Touristenrestaurants. Ich weiß nicht genau, was der Koch anders macht, aber er versteht sein Handwerk wirklich hervorragend.
Kaum war Swakopmund im Rückspiegel verschwunden, klingelte plötzlich mein Telefon. Es war David, der Manager von Brigadoon, der uns mitteilte, dass meine Gäste ihre Medikamente vergessen hatten. Also mussten wir umdrehen und sie holen. Ich spürte schon, wie die Hitze anstieg, also beeilte ich mich danach, Richtung Spitzkoppe zu kommen, um noch rechtzeitig für den Namibschnäpper (Herero Chat) dort zu sein.
Paul erklärte an diesem Tag die Bedeutung der Redewendung „at sixes and sevens“. Als wir umdrehen mussten, befand ich mich genau in so einer Situation. Ich musste entscheiden, ob wir unterwegs noch Stopps für Langschwanzeremomela (Karoo Eremomela) einlegen oder direkt durchfahren sollten, um den Namibschnäpper (Herero Chat) nicht zu verpassen. Ich wusste, dass die Chancen mit zunehmender Hitze rapide sinken würden.
Der Namibschnäpper (Herero Chat) ist bei Hitze und Wind schwierig, und es wurde bereits früh sehr warm. Es war erst 8:30 Uhr, fühlte sich aber wie Mittag an. Also fuhr ich direkt zu einer Stelle, an der ich ein Paar kannte. Ich ging ohne Zeit zu verlieren direkt ins Gebiet und begann erst dann mit der Suche.
Zum Glück reagierte der Vogel recht schnell, und wir hatten sehr schöne Beobachtungen. Nicht extrem nah, aber gut genug für Fotos und klare Sicht.
Weitere Arten zeigten sich ebenfalls, darunter Priritschnäpper (Pririt Batis), Rußnektarvogel (Dusky Sunbird), Weißkehlgirlitz (White-throated Canary), Feueraugenbülbül (Red-eyed Bulbul), Sabotalerche (Sabota Lark), Graurücken-Sperlingslerche (Grey-backed Sparrow-Lark) und mehrere Falblerchen (Stark’s Lark).
Danach fuhren wir zur wunderschönen Hohenstein Lodge, wo ich für meine Gäste Superior-Chalets gebucht hatte, da ich wusste, dass sie sich dort sehr wohlfühlen würden.
Insgesamt war es ein erfolgreicher Tag, und ich war wirklich zufrieden für meine Gäste.
Obwohl der März normalerweise nur warm ist, war dieser März außergewöhnlich heiß. Dennoch hielten wir es nicht davon ab, um vier Uhr morgens aufzubrechen und entlang des trockenen Flussbettes unterhalb der Lodge zu birden, zwischen Schirmakazien, Rotrindenakazien und Kameldornbäumen.
Wir fanden zwei Spechtarten, den Kardinalspecht (Cardinal Woodpecker) und den Goldschwanzspecht (Golden-tailed Woodpecker), sowie typische Buschvögel wie die Priritschnäpper (Pririt Batis).
Doch schon bald wurde es Jane und Paul zu heiß, und sie kehrten zur Lodge zurück. Wenig später sahen wir Jane entspannt am Pool, im Bikini mit Sarong, einen Drink bestellend, sichtlich zufrieden mit einer Pause von der Hitze.
Mary Anne, George und ich gingen noch ein Stück weiter. Plötzlich sagte George: „Da ist irgendetwas Interessantes, vielleicht ein Rennvogel.“ Und tatsächlich entdeckten wir kurz darauf vier Temminck-Rennvögel (Temminck’s Courser), die über die offene Fläche liefen. Eine fantastische Beobachtung.
Als ich später Mary Anne in der Hitze sitzend deutlich erschöpft pausieren sah, war klar, dass es Zeit war, zurückzugehen. Wir kehrten zur Lodge zurück und entspannten uns vor dem Abendessen.
Das Abendessen fand draußen auf der „Stoep“ statt, wie wir hier sagen. Die warme Luft, die Geräusche des Busches und die entspannte Atmosphäre machten es zu einem wunderbaren Tagesabschluss. George bestellte sich einen Pink Gin Tonic, was natürlich einige Kommentare hervorrief und für viel Gelächter sorgte.
Eigentlich hatten wir einen frühen Birding-Spaziergang geplant, aber da ich nichts Besonderes hörte, entschied ich mich für ein frühes Frühstück und die direkte Weiterfahrt zu Didi Rusts Farm, Erongo Rocks.
Das stellte sich als hervorragende Entscheidung heraus.
Wir begannen sofort mit dem Birding, und der Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: ein Paar Hartlaubfrankoline (Hartlaub’s Spurfowl). Wir fanden das Weibchen auf einem großen Granitfelsen, wo es sich wunderbar beobachten ließ.
Kurz darauf fanden wir Erdschnäpper (White-tailed Shrike), Carprußmeisen (Carp’s Tit) und schließlich auch ein Layard-Meisensänger (Layard’s Tit-Babbler).
Natürlich hielten wir auch bei Didi für Kaffee und Kuchen. Dattel- und Karottenkuchen mit lustiger lebhafter Unterhaltung, einfach hervorragend.
Danach ging es weiter zur Ondudu Safari Lodge. Die Landschaft dort ist spektakulär, riesige Granitformationen, die wie aufgeblasen wirken.
Die Chalets sind großzügig, rustikal und komfortabel, mit wunderbaren Ausblicken.
Am Vogelbad zeigten sich wieder Rosenköpfchen (Rosy-faced Lovebird), ein schöner Abschluss des Tages.
Die Hitze machte uns nun wirklich zu schaffen, und der Tag wurde zunehmend brütend heiß. Um die Stimmung ein wenig aufzulockern, erzählte ich der Gruppe eine Geschichte über meinen Großvater. Ein Tourist kam einmal auf ihn zu und beklagte sich, dass es im Schatten bereits 45 Grad habe. Mein Großvater antwortete nur trocken: „Dann müssen Sie wohl ein Idiot sein, warum stehen Sie denn im Schatten?“
Dabei fiel mir noch eine weitere Geschichte ein, von einem kurzen Treffen mit meinen Arbeitern draußen im Feld. Ich sagte zu ihnen: „Kommt, wir hören auf, in der Sonne herumzustehen, und gehen lieber in den Schatten. Nur Esel und Touristen stehen mittags im Schatten.“ Isaac, einer meiner Arbeiter, entgegnete sofort: „Nein, nein, das stimmt so nicht ganz. Esel suchen sich tatsächlich den Schatten.“
Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich direkt nach Etosha fahren, machten aber noch einen kurzen Birding-Stopp. Statt des erwarteten Damarabaumhopfes (Violet Woodhoopoe) sahen wir einen Bartspecht (Bearded Woodpecker).
Auf dem Weg fanden wir Zwergrötelschwalbe (Lesser Striped Swallow), später auch Nacktwangen-Drosselhäherlinge (Bare-faced Babblers), Maronenweber (Chestnut Weaver) und Blutschnabelweber (Red-billed Quelea).
Wir übernachteten im Etosha Village der Taleni Gruppe, was in Wahrheit trotz ihrer Größe eine sehr angenehme Lodge ist. Die Bungalows stehen weit auseinander, sehr privat und eingebettet in relativ dichte Vegetation. Das sorgt nicht nur für einen ruhigen und abgeschiedenen Aufenthalt, sondern bringt auch erstaunlich viel Vogelwelt direkt in die Umgebung. Es kommen hier oft sehr viele Touristen unter, und normalerweise bevorzugen wir kleinere, exklusivere Häuser, doch diese hier ist so durchdacht und schön angelegt, dass wir immer wieder gern dort einkehren.
Am Nachmittag fuhren wir hinaus auf die Ebenen entlang des westlichen Randes der Pfanne, ein Gebiet, das wir die Larks Plains nennen. Unser Hauptziel dort war die Rotschnabellerche (Pink-billed Lark). Diese Art kann erstaunlich schwierig zu finden sein. Zunächst war die Suche ziemlich frustrierend, nicht nur das Auffinden der Vögel an sich, sondern auch das Erklären ihrer genauen Position in dieser offenen Landschaft, in der es praktisch keinerlei Orientierungspunkte gibt. Nach einiger Zeit und mehr als nur ein paar Flüchen, wenn vorbeifahrende Fahrzeuge die eben erst gefundenen Vögel wieder aufscheuchten, hatten wir schließlich Erfolg, und alle konnten diese besondere sehr kleine Lerche gut sehen und sich an ihrem schau mal wie pink Schnabel erfreuen.
Wir setzten unsere Fahrt fort und stießen auf zwei Löwen, wobei „sehen“ fast schon übertrieben ist. Die Löwin lag völlig flach am Boden, während das Männchen im Gebüsch verborgen blieb und uns kaum mehr als die Rückseite seiner eindrucksvollen Mähne zeigte. Doch die Szenerie um sie herum war schlicht spektakulär: buchstäblich Tausende Zebras zogen und ästen über die Ebenen und schufen ein Bild voller Bewegung und Leben. Die Löwen mussten sich kaum rühren, sondern nur auf den richtigen Moment warten, um hervorzutreten und zu jagen. Es war ein außergewöhnlicher Anblick, und Paul brachte es perfekt auf den Punkt, als er sagte: „Wer braucht die Serengeti, wenn man all das hier direkt vor sich hat?“
Anstatt uns dem immer größer werdenden Pulk an Fahrzeugen anzuschließen, beschlossen wir weiterzufahren, eine Entscheidung, die sich schon bald auszahlte, als ich zwei Wachtelastrilde (Quailfinch) entdeckte. Ganz ihrem Ruf entsprechend warteten sie, bis die Kameras endlich bereit waren, bevor sie aufflogen, doch die Beobachtung war trotzdem ein echter Genuss.
Viele fragen mich immer wieder, wie ich es schaffe, solche besonderen Tierfotos zu machen. Ob ich stundenlang ansitze, geduldig warte und alles bis ins Detail plane.
Am Ende ist die Antwort jedoch viel einfacher.
Es geht darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, manchmal zufällig, manchmal mit ein wenig Erfahrung und Gespür. Und dann zählt nur noch eines, schnell reagieren, den Moment erkennen und ein kleines bisschen Glück haben.
Genau das ist die Wahrheit!
Ebenso eindrucksvoll war ein großer Trupp Abdimstörche (Abdim’s Stork), der über die Ebenen strich und sich an der Fülle frisch geschlüpfter Insekten gütlich tat. Dies ist die schönste Zeit Etosha zu besuchen, die Landschaft üppig grün, voller unterschiedlichster Gräser, Kräuter, Samen und Blüten, dazu ein endloses Spektrum verschiedenster Grüntöne. Unter solchen Bedingungen durch den Park zu fahren, war pures Glück.
Den obigen Satz jedoch bitte mit Vorsicht genießen! Es gibt viele, die gerade in dieser Zeit extrem unzufrieden mit den Sichtungen in Etosha sind, weil sie nicht mit „Tieren an den Wasserlöchern“ ich kann diesen Ausdruck inzwischen schon kaum noch hören, da es Wasserstellen, Quellen, Tränken und offene Wasser sind, überschüttet werden.
Wer also viele Tiere am Wasserloch sehen möchte, eine gewisse Garantie braucht, sehr viel Wild zu sehen, und wem es nicht so wichtig ist, die Natur in ihrer Gesamtheit als etwas Schönes wahrzunehmen, der sollte dann doch lieber in der Hochsaison kommen, wenn jeder wie verrückt durch den Park rast.
Ein besonders reizvoller Moment ergab sich, als wir ein Paar Rotkopfamadinen (Red-headed Finch) gemeinsam auf einem Zweig sitzen sahen, beinahe wie ein frisch verheiratetes Paar. Schließlich machten wir uns rechtzeitig auf den Weg zum Gate hinaus und ließen den Tag bei einem entspannten Buffetabendessen in der Lodge ausklingen.
Heute war von Anfang bis Ende ein echter Gute Laune Tag. Wir standen sehr früh auf, trafen uns bereits um 5.30 Uhr zum Frühstück und hatten damit einen perfekten Vorsprung für die Einfahrt in den Park. Alles lief reibungslos, und wir wurden den ganzen Tag über mit einer unglaublichen Zahl fantastischer Beobachtungen belohnt.
Ich werde hier nicht jede einzelne Art im Detail aufzählen, obwohl es viele Höhepunkte gab, von der Königswitwe (Shaft-tailed Whydah) über verschiedene Falken und Adler bis hin zur Kapbeutelmeise (Cape Penduline Tit), der Brustbandprinie (Black-chested Prinia), dem Kalahariheckensänger (Kalahari Scrub Robin), dem Gelbbauchgirlitz (Yellow Canary), der Bergammer (Cinnamon-breasted Bunting) und vielen weiteren.
Der wahre Höhepunkt kam jedoch, als ich kurz an einem Nest des Siedelweber (Sociable Weaver) anhielt, um nach einem Zwergfalken (Pygmy Falcon) Ausschau zu halten. Den Falken fanden wir zwar nicht, doch stattdessen wurden wir Zeugen einer der bemerkenswertesten Beobachtungen überhaupt. Durch eine große Öffnung im Nest konnten wir mehrere Schleiereulen (Barn Owl) im Inneren sehen, offensichtlich sehr beunruhigt, während sich ein Höhlenweih (African Harrier-Hawk) an der gigantischen Neststruktur entlang-angelte, mit gespreizten Flügeln und verzwickten Beinen. Mit seinen außergewöhnlich langen Beinen tastete der Greifvogel tief in die Kammern des Nestes hinein, auf der Suche nach einem Jungvogel. Es war ein intensives und akrobatisches Schauspiel, rohe Natur direkt vor unseren Augen. Schließlich hatte der Höhlenweih Erfolg, zog ein Junges heraus, flog mit ihm auf einen nahen Ast, zerrupfte das hilflose Wesen und zog weiter, wohl satt!
Wusstest Du, dass der Höhlenweih (African Harrier-Hawk) bemerkenswert spezialisierte Beine hat, die dafür geschaffen sind, tief in Höhlen und um Ecken herumzugreifen? Sein Intertarsalgelenk kann sowohl nach vorn als auch nach hinten gebogen werden, eine außergewöhnliche Fähigkeit unter Greifvögeln. Genau diese Anpassung erlaubt es ihm, in Höhlen, Nestern und Spalten nach Beute wie Nestlingen, Geckos und sogar Fledermäusen zu suchen, was ihn zu einem der vielseitigsten und raffiniertesten Jäger im afrikanischen Busch macht.
Als wäre das nicht schon genug gewesen, beobachteten wir kurz darauf einen Rotkopffalken (Red-necked Falcon) und einen Gabarhabicht (Gabar Goshawk) im selben Baum, offensichtlich in einen Streit verwickelt. Die Stimmung im Fahrzeug hätte kaum besser sein können.
Alle waren bester Laune, und George begann zu singen: „Come a little bit closer and you will be my kind of bird“, oder so ähnlich. Ich habe seine spontanen kleinen Vogellieder sehr genossen, sie sind zu einem herrlich charmanten Soundtrack dieser Reise geworden.
Auf dem Weg nach Halali wurden wir noch mit einer weiteren besonderen Sichtung belohnt, einem Paar Paradieskraniche (Blue Crane) mit einem wohl schon teenager-mässigem, man sah es an der Frisur, Jungvogel, der neben ihnen über die offenen Salzkraut-Ebenen von Salvadora lief.
Als wir Halali erreichten, hatte die Hitze bereits deutlich zugenommen, doch wir unternahmen trotzdem noch einen kurzen Spaziergang. Und er lohnte sich, denn wir fanden Damaratoko (Damara Red-billed Hornbill) mit ihren auffallend dunklen Augen, daneben Mopanetokos (Southern Red-billed Hornbill) mit deutlich anderem Kopfzeichnungsmuster und leuchtend gelben Augen. Eine Gruppe Sambesi-Rußmeisen (Southern Black Tit) mit ihren gräulichen Unterseiten, klar von der Carprußmeise (Carp’s Tit) zu unterscheiden, zog durch das Gelände, gemeinsam mit einem lebhaften Trupp Nacktwangendrosslinge / Nacktwangen-Drosselhäherlinge (Bare-cheeked Babbler).
Und der Tag lieferte weiter. Als wir uns Namutoni näherten, stießen wir auf eine kleine schlammige Pfütze voller Leben, Weißwangenlerchen (Chestnut-backed Sparrow-Lark) und Rotkappenlerchen (Red-capped Lark) kamen dort zum Trinken und Fressen zusammen. Das geschah kurz nachdem wir bereits früher am Tag ausgezeichnete Beobachtungen von Zirplerchen (Spike-heeled Lark) gehabt hatten.
Auf der Teerstraße auf unserem Weg hinaus entdeckte ich dann noch eine schöne Gruppe Mopanetokos (Southern Red-billed Hornbill), immer wieder eine Freude. Nur Augenblicke später huschte ein Swainsonfrankolin (Swainson’s Spurfowl) ins Gebüsch. Ich setzte ein kleines Stück zurück und machte die anderen darauf aufmerksam, ohne allzu viel Reaktion zu erwarten. „Seht Ihr sie?“, fragte ich. Plötzlich brach auf den Rücksitzen große Aufregung aus: „Da sind sie, da sind sie, sie kommen direkt auf uns zu!“ Und genau so war es. Eine Henne des Swainsonfrankolins (Swainson’s Spurfowl) mit ihren Küken lief ganz ruhig direkt am Fahrzeug vorbei und bescherte allen absolut fantastische Blicke.
Wow, was für ein perfekter Abschluss eines so außergewöhnlichen Tages, ein „leckra“ Tag, wie wir Namibier sagen würden, abgeleitet vom Afrikaans Wort lekker, also herrlich, köstlich oder einfach rundum gut.
Mushara Outpost, was für ein wunderbarer Ort. Es war ganz klar, dass es allen ausgesprochen gut gefiel, dort zu sein, und als wir uns zum Barbecue Dinner versammelten, konnte ich die vielen zufriedenen Gesichter meiner Gäste sehen. Mushara, ganz gleich ob im Outpost, das mein persönlicher Favorit ist wegen seines intimen und hochwertigen Charakters, oder im Bush Camp oder in der Mushara Lodge, liefert konstant hervorragenden Service, exzellentes Essen und wunderschöne Unterkünfte. Die Onguma Lodges mag ich allerdings ebenfalls sehr gern.
Genug gesagt.
Nach einem frühen Frühstück und der Abfahrt von Mushara fuhren wir direkt in den östlichen Teil Etoshas. Ein ganzer Chor von Schopffrankolinen (Crested Francolin) begrüßte uns, als wir auf dem Parkplatz zum Wagen gingen… zugegeben, ich hatte mit dem call etwas nachgeholfen, derweil ich auf alle wartete.
In Namutoni machten wir einen entspannten Morgenspaziergang über das Gelände. Die Vogelwelt war klein aber fein, mit Beobachtungen von Gelbspöttern (Icterine Warbler), Gelbbrust-Feinsänger (Yellow-breasted Apalis), Rotgesicht-Mausvögeln (Red-faced Mousebird) und mehreren weiteren typischen Waldarten. Ein großer Nest-Ball afrikanischer Honigbienen sorgte zusätzlich für ein wenig Insektenleben.
Als wir Namutoni verließen, entspann sich eine lebhafte Diskussion über die Beschreibung der Schwarzkielralle (Black Crake), die als „nippy“ bezeichnet worden war. Verschiedene Theorien machten die Runde, bis uns später klar wurde, dass „nippy“ einfach ihre schnellen, wendigen, huschenden Bewegungen beschreibt, also eigentlich perfekt zu dieser quirligen kleinen Art passt, wenn sie am Wasserrand entlangflitzt.
Bevor wir über Klein Okevi weiter nach Norden fuhren, hielten wir an einem kleinen Wasserloch, an dem Sumpfschildkröten sonnten. Ein besonders schöner Moment war, als eine kleinere Schildkröte auf dem Rücken einer größeren saß, ein herrlich verspieltes Bild. Fleckenflughühner (Burchell’s Sandgrouse) kamen zum Trinken und boten jenen ganz klassischen Etosha Anblick.
Danach machten wir uns auf den Weg zur Fischer’s Pan, wo sich eine Fülle von Wasservögeln aufhielt. Zu den Höhepunkten gehörten Sporengänse (Spur-winged Goose), Rosapelikane (Great White Pelican), Glanzibisse (Glossy Ibis) und eine Reihe weiterer typischer Arten solcher flachen Pfannenlandschaften, die alle das Wasser nutzten.
Von dort aus fuhren wir weiter nach Norden auf die Andoni Ebenen, wo uns eine echte Überraschung erwartete. Nicht nur ein, sondern gleich drei Graubruststrandläufer (Pectoral Sandpiper), ein ausgesprochen seltener und spannender Nachweis für dieses Gebiet, ließen sich hervorragend beobachten. Ich dokumentierte die Sichtung sofort und gab sie an die zuständigen Stellen weiter, die genauso begeistert waren, wenn auch vor dem obligatorisch eingereichtem „Beweismaterial“ eher skeptisch.
Die Ebenen waren voller Vögel. Hunderte Hirtenregenpfeifer (Kittlitz’s Plover) waren über die Flächen verstreut, dazu einige Kampfläufer (Ruff). Bei weiterer Suche fanden wir auf den nördlichen Ebenen erfolgreich die Klapperlerche (Eastern Clapper Lark), ein sehr befriedigender Fund. Weitere Sichtungen umfassten Bartseeschwalben (Whiskered Tern) und mehrere Rotschnabellerchen (Pink-billed Lark)…. Hätte ich gewusst, dass diese jetzt so easy sind (ich dachte, dass wegen der höheren Vegetation diese Art hier „verschwindet“), hätte ich mich auf den Lark Plains eher um Kaptriel (Spotted Thick-knee) bemüht.
Als wir uns auf den Rückweg zur Lodge machten, waren wir tief zufrieden mit einem wirklich lohnenden Tag im Feld. Müde, aber glücklich, freuten wir uns auf nur noch wenige, aber wohlverdiente Stunden Ruhe und Erholung.
Namibia wird durch einen veterinärmedizinischen Sperrzaun, die sogenannte Red Line, in ein südliches kommerzielles Farmlandgebiet und eine nördliche kommunale Region geteilt. Und wie wir Namibier oft sagen: Sobald man sie überquert, kommt man nach Afrika!
Heute lag eine lange Fahrt von der Etosha Region in den nordöstlichen Sambesi an, eine Strecke von ungefähr fünf Stunden. Aufgrund der massiven Überschwemmungen konnten wir die Hakusembe River Lodge nicht direkt erreichen. Starke Regenfälle in Angola im vergangenen Monat hatten die Wasserstände weit über alles Erwartete steigen lassen. Selbst große Gebiete wie das Okavango Delta, einschließlich Moremi und der Khwai Region, waren mittlerweile vollständig für den Tourismus geschlossen. Dieses Hochwasser drückte durch die kleineren Kanäle und machte Hakusembe faktisch zu einer Insel.
Wir mussten daher über Mupiri, einem Kaff mit typisch vergammelter Afrika-Klinik (ich bin mittlerweile sehr direkt und unverhohlen anzudeuten, dass die modernen Regierungen Afrikas ihre Menschen nahezu misshandeln, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht) ausweichen und ein kurzes Bootstransfer von etwa zehn Minuten nehmen, um die Lodge zu erreichen. Dort angekommen, beobachteten wir ganz entspannt an der Lodge selbst Vögel, was sich als sehr lohnend erwies.
Leider wurden wir wieder einmal Zeuge wie eine Hauskatze, welche von der gesamten Gondwana-Kette wohl häufig und gern gehalten werden, eine Rotaugentaube (Red-eyed Dove) bejagte. Auf der letzten Reise musste ein Rotscheitel-Zistensänger (Rattling Cisticola) dran glauben.
Wir fanden Drosslinge, Fliegenschnäpper und nun, in einem völlig anderen Lebensraum, auch mehrere neue Taubenarten. Der Nachmittag war ruhig und angenehm, bis auf die scheiß Katzen natürlich!
Das Abendessen hingegen war eher mittelmäßig und es blieb einiges auf den Tellern… Das Essen war sagen wir mal so: vorhanden, aber eben nicht mehr als das und nicht ganz auf dem Niveau, das man von namibischen Lodges normalerweise erwartet.
Wir brachen früh auf, kurz vor 6 Uhr, noch in völliger Dunkelheit. Nach einem kurzen Bootstransfer zurück aufs Festland fuhren wir direkt weiter zu einem Gebiet, in dem man gewöhnlich den Miombowürger (Souza’s Shrike) findet. Wir kamen gut in der Zeit an, mussten jedoch trotzdem ziemlich hart arbeiten, dies bedeutet durch den dicken Sand stiefeln und dauernd Spinnennetze aus dem Gesichte wischen :-), um ihn zu finden. Der Spaziergang selbst war nur etwa 1,6 Kilometer lang, doch im tiefen Sand und bei feuchtwarmer Luft fühlte es sich deutlich anstrengender an.
Der Miombowürger (Souza’s Shrike) sitzt normalerweise eher niedriger, doch dieses Individuum war eine Ausnahme, saß hoch oben in einem Baum und bot uns gute Fernglasansichten. Der Arnotschmätzer (Arnot’s Chat) war deutlich leichter zu finden und zeigte sich ausgezeichnet. Ich hörte in der Ferne die Rufe von Keilschwanz-Glanzstaren (Sharp-tailed Starling) und wir gingen in diese Richtung, doch leider flogen sie ab, bevor wir sie richtig zu Gesicht bekamen.
Danach nahmen wir unser Frühstückspaket, welches wir von Hakusembe mitnahmen, zu uns, das erneut nicht besonders professionell war und ebenfalls nicht ganz dem Standard entsprach, den man in Namibia erwartet. Es hielt uns zwar eine Weile auf den Beinen, aber ich hatte ausdrücklich für Jane um ein gluten-freies Frühstückspaket gebeten, und obwohl bestätigt worden war, dass dies erledigt sei, war leider gar nichts entsprechend vorbereitet worden. Arme Jane, Gondwana, wach auf! Ich überlege mir in Zukunft was anderes… das geht so nicht weiter!
Anschließend überquerten wir die Grenze nach Botswana, was auf der botswanischen Seite ein wenig Geduld erforderte. Die Dame bei der Immigration schien im Nebenraum mehr mit ihrem Handy beschäftigt zu sein als mit uns, also mussten wir warten, lange, aber schließlich kam die edle lady dann freudig grüßend, stempelte artig und wir waren durch. Das Wort „Phlegmatismus“ hat plötzlich eine sehr viel tiefere und intensivere Bedeutung bekommen.
Wir erreichten Drotsky’s Cabins gut in der Zeit, sahen unterwegs eine Zimtracke (Broad-billed Roller) und machten uns dann am Nachmittag zu einer Bootsfahrt auf. Die Vogelwelt war hervorragend. Obwohl wir uns ernsthaft um die Bindenfischeule (Pel’s Fishing Owl) bemühten, blieb sie uns zunächst verborgen. Dafür wurden wir mit wunderbaren Beobachtungen verschiedener Bienenfresser, Eisvögel und Schwalben belohnt. Ein riesiger Schwarm Rotnasen-Grüntauben (African Green Pigeon) stob beim Eintreffen wie eine Wolke auf, ein spektakulärer Anblick.
Wir sahen auch den sehr seltenen Weißrückenreiher (White-backed Night Heron), der sich still in der Ufervegetation verborgen hielt, und hatten gute Beobachtungen vom Papyrusrohrsänger (Greater Swamp Warbler). Paul meinte: „genau so stelle man sich Birding eigentlich vor“! Auf einem Boot unterwegs zu sein, verleiht dem Ganzen noch einmal eine ganz eigene und sehr angenehme Dimension und man glaubt fast Urlaub zu haben.
Das Abendessen in Drotsky’s Cabins war ausgezeichnet. Es gab zunächst eine sehr gute Suppe, gefolgt von einem Buffet, das zwar nicht riesig war, aber wunderbar zubereitete Speisen bot. Besonders der Fisch war hervorragend, dazu sehr gutes Gemüse und im Grunde alles, was man sich wünschen konnte. Auch für Dessert war bestens gesorgt, und ich glaube, alle gingen sehr zufrieden schlafen.
Nach so vielen Besuchen in dieser Gegend muss ich sagen, dass dies einer der enttäuschendsten Tage war, die ich in über dreißig Jahren erlebt habe.
Wir starteten früh mit einem Morgenspaziergang auf der Suche nach dem Narinatrogon (Narina Trogon). Mir ist völlig klar, dass er im März weit weniger ruft als früher in der Saison, da die Vögel dann meist mit dem Füttern von Jungvögeln beschäftigt sind. Trotzdem war ich sicher, dass wir zumindest einen kurzen Blick auf einen bekommen würden. Leider erwies sich der bewaldete Bereich um Drotsky’s als unheimlich still.
Sogar der Natalrötel (Red-capped Robin-Chat), den ich auf der vorigen Reise noch gesehen hatte, reagierte überhaupt nicht auf Playback. Normalerweise ist der Wald hier erfüllt vom Gesang der Weißbrauenrötel (White-browed Robin-Chat), doch diesmal war es, als sei alles verstummt. Man hätte buchstäblich eine Stecknadel fallen hören können. Nichts, nichts, nichts.
Nach einer Stunde ergebnislosen Suchens beschlossen wir zu frühstücken und uns dann auf die Bindenfischeule (Pel’s Fishing Owl) zu konzentrieren. Da ich diese Art hier bisher noch nie verfehlt hatte, war ich weiterhin zuversichtlich. Der Plan war einfach, eine kurze Bootsfahrt, eine schnelle Beobachtung des Uhus und dann ein entspannter Rest des Vormittags.
Otto, unser Guide, den ich ausdrücklich als hartnäckig und als ausgezeichneten lokalen Kenner bezeichnen muss, führte die Suche an. Wir kontrollierten systematisch praktisch jeden hohen Schakalbeerenbaum entlang des Flusses. Der Aufwand war zehrend. Als wir gegen ein Uhr fertig waren, waren wir erschöpft, irgendwo tief drin noch etwas belebt vom Draußensein, aber unbestreitbar enttäuscht.
Ich bin gar nicht sicher, ob die Gruppe dieselbe Enttäuschung empfand. Sie schien an den häufigeren Arten entlang des Flusses große Freude zu haben. Besonders die Bienenfresser waren sehr aktiv und boten eine schöne Vorstellung mit Jungtierfütterung und so. Wir sahen auch einen entfernten Schopfadler (Long-crested Eagle), während Hunderte, wenn nicht Tausende Rauchschwalben auf einer einzigen Leitung über dem Fluss saßen. Große Trupps von Braunkehlschwalben (Brown-throated Martin) zogen durch das Gebiet und boten beeindruckende Bilder.
Zu sehen und zu genießen gab es also durchaus reichlich. Doch für mich als Guide stieg der Druck. Die Bindenfischeule (Pel’s Fishing Owl) hier nicht zu finden, war etwas, das ich nicht gewohnt war. Otto schlug vor, später zu Fuß weiterzusuchen und Bereiche zu kontrollieren, in denen der Uhu noch ruhen oder sich bewegen könnte, und ich war noch nicht bereit aufzugeben. Dennoch sanken meine Erwartungen, und meine Energie ließ ebenfalls nach, man wird dann fast philosophisch so nach dem Motto, wie wichtig ein solches Tier denn wohl im Uhrwerk des Lebens sein kann. Usw. usw.…
Nach den intensiven vergangenen Tagen brauchte die Gruppe eine Pause. Wir beschlossen daher, den Nachmittag frei zu nehmen und allen etwas Zeit zur Erholung zu geben, zumal es ohnehin den gesamten Nachmittag regnete.
Frühstück um sieben Uhr. Der Plan war weiterhin, noch einmal nach dieser Bindenfischeule (Pel’s Fishing Owl) zu suchen. Ich konnte diese Lodge einfach nicht verlassen, ohne meinen Gästen diese Art gezeigt zu haben. Der Pel’s war eine Schlüsselspezies, die wir einfach sehen mussten.
Plötzlich kam eine Dame aus der anderen Gruppe angerannt und erzählte uns, dass ein Paar Narinatrogone (Narina Trogon) in der Nähe der Lodge gesehen worden sei. Wir schnappten uns Ferngläser und Kameras und gingen sofort zu der Stelle, an der sie die Vögel gesehen hatte. Als wir dort ankamen, spielte sich die ganz typische Birding Szene ab: „Sie waren eben noch hier, genau dort, bis vor wenigen Sekunden, dann sind sie weggeflogen, aber ich habe noch ein schönes Foto gemacht“, und die Dame versuchte Mary Anne das Bild zu zeigen. Ich musste ein wenig grinsen, denn Mary Anne war überhaupt nicht daran interessiert, das Foto zu sehen, sie wollte den Vogel live sehen, in Echtzeit, und zwar unbedingt, so wie wir alle in diesem Moment.
Wir hörten den Ruf des Narinatrogons (Narina Trogon), und ich sah ihn nach links wegflattern. Ich ging um das Gebüsch herum, doch dort war nichts mehr zu sehen. Zum Glück hörte der Guide der anderen Gruppe den Ruf weiter unten an der Straße, und wir gingen in zügigem Tempo dorthin. Er muss Adleraugen gehabt haben, denn er konnte den Vogel durch das Laub ausmachen. Ich bin mir nicht einmal ganz sicher, ob er ihn zunächst wirklich sah, aber plötzlich flog ein Narinatrogon (Narina Trogon) über uns hinweg und landete für alle frei sichtbar. Er saß zwar hoch oben, war aber dennoch sehr schön zu sehen. Wir waren außer uns vor Freude.
Nach dem Frühstück hätten wir eigentlich direkt wieder aufbrechen sollen, doch Donovan, der Lodge Manager, wies Otto an, zunächst noch eine andere Stelle zu kontrollieren, bevor er uns abholen sollte. Wir mussten ziemlich lange warten, bis Otto schließlich ankam. Leider hatte er den Uhu nicht finden können. Wir stiegen ins Boot und fuhren schnell hinauf nach Shakawe, um erneut die Bäume abzusuchen. Zunächst schien alles vergeblich. Ein paar Regentropfen fielen bereits, und nach den ersten erfolglosen Minuten hatte ich dieses ungute Gefühl, dass wir vielleicht unsere Zeit vergeudeten.
Dann sagte Otto plötzlich: „There! I got one!“ Tief in einem hohen Schakalbeerenbaum saßen die Bindenfischeulen (Pel’s Fishing Owl). Otto manövrierte das Boot vorsichtig in die Schilfzone hinein, und wir alle hatten einen wunderschönen, klaren Blick auf den Uhu. Paul entdeckte anschließend noch einen zweiten, doch dieser war völlig verdeckt.
Mit großer Erleichterung kehrten wir zurück zur Anlegestelle, packten zusammen und brachen auf.
Auf unserem Weg nach Osten mussten wir durch den Mahango National Park fahren, und wir nahmen eine längere Schleife am Fluss entlang. Dabei sprachen wir über den riesigen Riesenglanzstar (Burchell’s Starling) im Vergleich zum schlankeren Mevesglanzstar (Meves’s Starling) sowie über die Unterschiede zwischen Grünschwanz-Glanzstar (Greater Blue-eared Starling) und Rotschulter-Glanzstar (Cape Starling). Wir sahen den erhofften Teichwasserläufer (Marsh Sandpiper) und genossen ausgezeichnete Beobachtungen der häufigeren Arten des Parks.
Viele Tiere standen direkt an der Straße, buchstäblich Hunderte Impalas, zahlreiche Moorantilopen, einige Wasserböcke, einen Großriedbock, ein paar Giraffen sowie viele Paviane und Grünmeerkatzen.
Dann, als wunderbare Überraschung, stand mitten im Wasser, das wegen der starken Regenfälle in Angola immer noch weiter anstieg, ein riesiger alter Ahnenbaum, vielleicht auch der skeletöse Rest eines Jackalberry, dessen abgestorbene Aäste markant aus der Überschwemmungsebene ragten. Oben darauf saßen Schmuckzwergenten (African Pygmy Goose), oh ja, es gibt einen Grund für diesen Namen, es sind wahrlich bunte kleine Schmuckstücke. Was für ein wunderschöner Anblick, wie kleine Edelsteine auf dem Stamm. Offensichtlich brüteten sie dort, nutzten die Spalten und Höhlungen des alten Baumes, verschwanden in den Löchern und kamen wieder hervor, flogen kleine Kreise und landeten erneut. Es war wirklich eine selten schicke Birding Szene, diese wahrscheinlich edelste aller kleinen Enten so zu beobachten.
Auf der langen Teerstraße erwartete uns dann heftiger, heftiger Regen, der das Fahren schwierig machte, die Schlaglöcher waren mit Wasser gefüllt. Es war nicht besonders angenehm, doch wir erreichten den Kwando Bereich des Bwabwata Nationalparks trotzdem gut in der Zeit. Als wir bei einem meiner Secret Spots aus dem Fahrzeug stiegen, wurden wir sofort mit dem spektakulären Schauspiel balzender Spatelracken (Racket-tailed Roller) belohnt.
Eigentlich hatte ich für einen ganz anderen Vogel angehalten, nämlich Dreifarben-Brillenvanga (Retz’s Helmetschrike) als ich sie plötzlich in der Ferne hörte. Ich spielte das Band kurz ab, und sie kamen sofort angeflogen, gleich zwei Paare, die eine wunderbare Vorstellung gaben, steil in die Luft stiegen, dann in scharfen Kurven wieder herabsausten und dabei laut riefen. Was für eine Vorführung, vier Spatelracken (Racket-tailed Roller) auf einmal.
Eine Rotschnabeldrossel (Kurrichane Thrush) zeigte sich ebenfalls, und wir waren nahezu vogelsatt. Unterwegs flogen so viele Vögel von der Straße auf, Senegalkiebitze (Wattled Lapwing) liefen auf der Fahrbahn entlang, und das Buschland war voller Hornvögel, graue, gelbschnäblige und rotschnäblige, nech schlecht Herr Specht.
Als wir die wunderschöne Nambwa Tented Lodge erreichten, waren alle völlig beeindruckt, wie romantisch-rustikal-jedoch-edel-schön sie war. George meinte, er fühle sich wie in einer Filmszene aus den fünfziger Jahren und könne kaum glauben, dass solch ein Ort mitten im Busch existieren könne, voll geflasht. An diesem Abend waren beim fantastischen Abendessen alle sehr glücklich über die Qualität des Essens und das Erlebnis, inmitten der Wildnis unter gigantischen Leberwurstbäumen mit Blick auf den Kwando zu speisen, während direkt neben uns im Baum eine Zwergohreule (Scops Owl) leise rief.
Die morgendliche Bootsfahrt begann sehr produktiv. Wir konnten alle Schwalbenarten sehen, Braunkehl-Uferschwalbe (Brown-throated Martin), Weißbrauen-Uferschwalbe (Banded Martin) und Uferschwalbe (Sand Martin). Darüber hinaus versuchten Zwergrötelschwalben (Lesser Striped Swallow) wiederholt, während der Fahrt ein Nest im Dach unseres Bootes zu bauen, was ausgesprochen amüsant zu beobachten war, und Rotkappenschwalben (Wire-tailed Swallow) zeigten sich in wunderschönem Licht.
Ganz nah am Boot sahen wir einen prachtvollen Grillkuckuck (Black Coucal) rufend im perfekten Fotolicht. Dann erschien ein gelbes weibliches Nektarvögelchen. Zunächst war ich mir nicht sicher, doch dann kam auch das Männchen hinzu, und der Kupfernektarvogel (Copper Sunbird) entpuppte sich als glasklare und sehr schöne Beobachtung. Leider war er ziemlich weit entfernt, aber dennoch etwas Besonderes.
Außerdem hatten wir einige Kupferschwanzkuckucke (Coppery-tailed Coucal) und viele Graufischer (Pied Kingfisher) beim aktiven Fischen. Die Stimmung auf dem Boot war ganz entspannt, besonders nachdem ein Malachiteisvogel (Malachite Kingfisher) mit seinen intensiven Farben allen den Tag versüßte.
Nach der Bootsfahrt frühstückten wir ausgiebig und unternahmen anschließend noch eine schöne Pirschfahrt im Park. Während wir am Morgen auf der Bootsfahrt gute Beobachtungen von Sumpfzistensänger (Chirping Cisticola) gehabt hatten, brachte die Nachmittagsfahrt vor allem Rotscheitel-Zistensänger(Rattling Cisticola). Dennoch hatten wir wunderbare Sichtungen von Klunkerkranichen (Wattled Crane) und Spornkuckucken (Senegal Coucal) sowie verschiedene Stare, Tauben und Silberreiher (Great Egret).
Wir fuhren geradewegs durch die Mittagszeit und bemerkten schnell, dass dies nicht die optimale Tageszeit zum Beobachten war. Daher kehrten wir gerade rechtzeitig zum High Tea in die Lodge zurück, wo wir eine interessante Diskussion darüber hatten, woher dieser Begriff eigentlich stammt. Historisch bezeichnete „high tea“ nämlich eher eine gehaltvollere frühe Abendmahlzeit, die an einem hohen Esstisch eingenommen wurde, während „afternoon tea“ die leichtere, feinere Teezeit der Oberschicht in niedrigen, bequemen Sitzmöbeln war. Im Laufe der Zeit ist der Begriff jedoch viel lockerer verwendet worden, und viele Lodges nennen heute auch den eleganten Nachmittagsimbiss einfach high tea.
Zurück in der Lodge kontrollierten wir noch das Wasserloch und fanden dort direkt am Teich eine wunderschöne Zwergteichhuhn (Lesser Moorhen), die uns die Optik an die Augen zwang, während wir Kaffee tranken und uns ein paar Drinks gönnten.
Nach einem guten Frühstück verließen wir die Lodge bester Dinge und fuhren in die östlichen Bereiche von Katima Mulilo. Allerdings war ich bereits vor der außergewöhnlich hohen Sambesi Flut in diesem Jahr gewarnt worden. Viele Einheimische behaupteten, es sei das größte Hochwasser der letzten zwanzig Jahre, naja, nachweislich nicht, aber ok, und tatsächlich waren die meisten meiner üblichen Birding Plätze komplett überflutet.
Trotzdem genossen wir eine entspannte Fahrt hinaus aus dem Bwabwata Nationalpark und sammelten unterwegs einige hervorragende Arten ein. Zu den Höhepunkten gehörten Silberadler (Wahlberg’s Eagle), Kardinalspecht (Cardinal Woodpecker), Bennettspecht (Bennett’s Woodpecker), Pirol (Eurasian Golden Oriole) und Afrikanischer Pirol (African Golden Oriole). Ein lebhafter Trupp Dreifarben-Brillenvanga (Retz’s Helmetshrike) und Weißschopf-Brillenvanga (White-crested Helmetshrike) saß gemeinsam in einem Baum, wie so oft, und eine zutrauliche Rotschnabeldrossel (Kurrichane Thrush) rundete den Morgen wunderbar ab.
Die große Menge an Elefanten, die man normalerweise von August bis zum Jahresende sieht, blieb diesmal aus, höchstwahrscheinlich wegen der starken Regenfälle. Stattdessen erfreuten wir uns an wunderschön gefärbten Chobe Buschböcken, großen Zahlen Moorantilopen, einigen Wasserböcken, und sogar einer Sichtung von Sitatunga. Dazu kamen etliche Kudus und große Herden Impalas. Große Trupps Chacma Paviane hielten alle am Ufer bestens bei Laune, während die Luft erfüllt war vom tiefen Grunzen der Flusspferde.
Schließlich erreichten wir die Hauptstraße und fuhren direkt weiter zur Caprivi River Lodge. Nach dem Einchecken machten wir uns noch einmal auf den Weg, diesmal in Richtung der westlichen Pfannen. Dort begegneten wir Arten wie der Weißrücken-Pfeifgans (White-backed Duck) und dem Zwergteichhuhn (Lesser Moorhen), doch die Hitze war wieder einmal heftig.
Wie George so treffend bemerkte: „Only mad dogs and Englishmen go out in the midday sun“.
In diesem Sinne beschloss ich, den Tag an dieser Stelle zu beenden und für ein paar Stunden Ruhe zurückzukehren, bevor wir zu unserer spätnachmittäglichen Bootsfahrt aufbrachen. Wie JG es so schön formuliert hatte, würden wir hinausfahren und in den tieferen Lagunen ein wenig herumkratzen, auf der Suche nach weiteren besonderen Vögeln.
Der Sambesi hatte sich in ein riesiges Binnenmeer verwandelt. Bereiche, die ich einst als Inseln mit dichter Vegetation und verlässlichen Birding Plätzen kannte, waren nun vollkommen überflutet. Der Fluss lag mehr als sieben Meter über seinem niedrigsten Stand, ein außergewöhnlicher Anblick.
Trotz dieser Bedingungen wurde die Bootsfahrt mit JG außergewöhnlich gut. Ich habe noch nie so viele Zwergdommeln (Little Bittern) im Flug gesehen. Es ist schwer zu sagen, wie viele es genau waren, aber sicherlich vier oder fünf Individuen, die ständig durch die überfluteten Schilfbestände zogen.
Noch besonderer waren mehrere Sichtungen des Bronze Sultanshuhns (Allen’s Gallinule). Wir begegneten mindestens drei verschiedenen Vögeln und hatten das Glück, einige ausgezeichnete Fotos machen zu können, ein echtes Highlight.
Es war ein großes Vergnügen, Rahmbrustprinien (Tawny-flanked Prinia) dabei zuzuschauen, wie sie an ihren wunderschön gebauten Nestern im Schilf hin und her flitzten, etwas, das ich nur selten beobachten darf. Obwohl diese Art häufig ist und man sie oft sieht, ist es doch nice, sie aktiv beim Nisten zu erleben.
Ihre Nester unterscheiden sich stark von denen der Webervögel, feine, aus Gräsern zusammengenähte Gebilde, sorgfältig versteckt in Schilf und niedriger Vegetation. Das Maß an Detail und handwerklicher Raffinesse ist wirklich bemerkenswert, besonders für so einen kleinen und rastlosen Vogel.
Und dann erschien zu unserer großen Freude in einem hohen Uferbaum ein Gelbkehlbülbül (Yellow-throated Leaflove), der aktiv rief. Ich weigere mich ja weiterhin, seinen neueren Namen zu übernehmen, aber ganz gleich, wie die Taxonomie gerade lautet, es war eine wunderbare Beobachtung, die allen Auftrieb gab.
Vor einigen Jahren hatte ich in Drotsky’s Cabins das Glück, einen Olivspecht (Olive Woodpecker) zu sehen, womöglich den ersten und vielleicht auch den letzten Nachweis dieser Art so weit im Westen. Tatsächlich gibt es in der Sambesi Region eine kleine, isolierte Population von Olivspechten, und wir hatten das Glück, ein Paar, ein Männchen und ein Weibchen, regungslos an einem Baumstamm sitzen zu sehen.
Alles in allem war es eine fruchtbare Bootsfahrt, trotz des hohen Wassers und trotz unmöglicher Binsenrallen-Beobachtung (Finfoot observation). Zurück im Camp war das Essen wie immer ausgezeichnet, besonders der wunderbar zubereitete lokale Bream (Fisch).
Am Abend rief ich nach Afrikanischem Waldkauz (African Wood Owl), und sie antworteten sofort. In Wahrheit antworteten sie fast zu gut. Sie zeigten sich nicht nur voll entblößt, sondern riefen gefühlt die ganze Nacht weiter und hielten uns viel länger wach, als eigentlich nötig gewesen wäre, um es mal nett auszudrücken, selbst schuld!
Nach einem frühen Frühstück brachen wir direkt auf und fuhren über den Ngoma Grenzübergang, denn wir wollten Stone treffen. Stone ist ein lokaler Birding Guide aus der Gegend um Muchenje, der sein Handwerk versteht. Ich bin mir meiner eigenen Grenzen beim Finden von Vögeln sehr bewusst, sei es altersbedingt der Gleitsichtbrille wegen oder einfach, weil ich in diesem Teil des Sambesi nicht dauerhaft vor Ort bin, und ich schätze einen guten lokalen Guide sehr.
Obwohl er zunächst nicht ganz dort war, wo wir uns ursprünglich verabredet hatten (er war fischen…. Same old story in Africa), trafen wir bald zusammen, und der Aufwand inklusive etwas deutlicherer Worte lohnte sich. Wir hatten ausgezeichnete Beobachtungen von Wienerastrilden (Orange-winged Pytilia), Sumpfrohrsängern (Marsh Warbler) und versuchten es außerdem mit dem Schlagschwirl (River Warbler). Unterwegs kamen noch etliche gute Beifunde dazu, darunter Jakobinerkuckuck (Jacobin Cuckoo) und Kapkuckuck (Levaillant’s Cuckoo).
Der Marsch durch das dichte Buschland begann behindernd an den Kräften zu zehren. Die Luftfeuchtigkeit war hoch, und es wurde deutlich, dass die Gruppe müde wurde, auch wenn das Birding weiterhin ausgesprochen produktiv war und wir eine beeindruckende Zahl von Arten notierten. Daher verabredeten wir uns für den nächsten Morgen noch einmal früh mit Stone und machten uns anschließend auf den Weg zum Chobe Elephant Camp.
Dort wurden wir mit einem erfrischenden Mittagessen empfangen und bezogen bald unsere komfortablen Zimmer. Am Nachmittag fuhren wir nach dem High Tea zu einer Pirschfahrt hinaus. Es wurde ein sehr lohnender Ausflug mit ausgezeichneten Sichtungen sowohl von Vögeln als auch von Säugetieren, darunter Elefanten und verschiedene Antilopen wie Kudu, Impala und Wasserbock. Besonders interessant waren die Rotschnabel-Madenhacker (Red-billed Oxpecker), die aktiv auf diesen Tieren nach Nahrung suchten.
Auch Greifvögel und Zugvögel waren gut vertreten, mit Amurfalken (Amur Falcon), Rotfußfalken (Red-footed Falcon) und dazu auch viele Rötelfalken (Lesser Kestrel).
Wir begegneten außerdem etlichen Tauben, die unseren Blick auf hohe Baumkronen lenkten, oft gemeinsam mit zahlreichen Neuntötern (Red-backed Shrike), die in diesem Jahr besonders zahlreich zu sein scheinen. Während ich gerade erklärte, wo ein Rotscheitel-zistensänger (Rattling Cisticola) rief, bemerkte Paul scherzhaft, der Vogel sitze nicht im Baum, sondern „zitte“ darin. Ob er sich damit über meine Aussprache lustig machen wollte, bleibt offen, aber wie ich immer sage, habe ich als Deutscher natürlich überhaupt keinen Dialekt, andere hingegen ganz sicher. Der Kommentar sorgte für großes Gelächter in der Gruppe, gern auf meine Kosten.
Eine besonders erinnerungswürdige Sichtung war eine kleine Gruppe Harlekinwachteln (Harlequin Quail), die ich aus niedriger Vegetation aufscheuchte, während ich nach wildem Basilikum suchte, um meinen Gästen zu zeigen, woher dieser wunderbare Duft in der Luft kam. Diese Vögel hielten uns eine ganze Weile beschäftigt, als wir vorsichtig um sie herum manövrierten, um ein paar gute Fotos zu bekommen.
Der Sundowner war schlicht magisch. Während wir unsere Gin Tonics genossen, liefen Elefanten an uns vorbei und tranken in kaum fünfzehn Metern Entfernung Wasser, ein absolut großartiger Moment.
Gerade als wir es uns gemütlich machen wollten, hörte ich den tiefen, resonanten Ruf eines Rotgesicht-Hornraben (Southern Ground Hornbill) durch die Landschaft schallen. Sofort sagte ich zu Lee, unserem Guide, dass wir losmüssten, aber zack-zack. Ohne zu zögern packte er alles zusammen, und wir fuhren los. Das Glück war auf unserer Seite, denn wir fanden diese eindrucksvollen Vögel bald darauf hoch oben in einem abgestorbenen Baum aufgebaumt in der Ferne sitzend, eine wirklich spektakuläre Beobachtung.
Mary Anne sagte nur: „Well, this is really nice“, was es perfekt zusammenfasste 🙂
Was ich am Chobe Elephant Camp sehr mag, ist, dass die Pirschfahrten schon lange vor Sonnenaufgang beginnen. Wir trafen uns bereits um 5.30 Uhr auf einen schnellen Kaffee, bevor wir bei erstem Licht in den Park hinausfuhren.
Unser Guide Lee erhielt bald von anderen Guides die Nachricht, dass an einem Wasserloch, das wir gerade passiert hatten, Löwen im Anmarsch seien. Also drehten wir um und fuhren rasch zurück, und was wir fanden, war schlicht selten: zwei Löwenpaare, zwei gewaltige Männchen und zwei ebenso eindrucksvolle Weibchen, die ruhten, miteinander interagierten, sich gerade so viel bewegten, dass sie sich im schönsten Morgenlicht perfekt präsentierten. Sie taten wirklich alles für Tourismus und Fotografie, gähnten genau im richtigen Moment, und ich drückte, ebenso wie meine Gäste, unentwegt auf den Auslöser. Besser hätte eine Löwensichtung kaum sein können.
Lee erwies sich als ausgezeichneter und sehr rücksichtsvoller Guide, der das Fahrzeug stets so positionierte, dass jeder perfekte Sicht hatte. Das machte einen echten Unterschied und wurde sehr geschätzt.
Während der frühen Morgentour begegneten wir einem Schwarzrückenfalken (Dickinson’s Kestrel), was ein echtes Highlight war, ebenso einem jungen Kampfadler (Martial Eagle), Akazienadler (African Hawk-Eagle) einem Fischadler (Osprey), mehreren Bienenfressern und einer guten Vielfalt an Wasservögeln entlang des Ufers.
Einer der absoluten Höhepunkte für mich war jedoch die Fülle an Rötelfalken (Lesser Kestrel), die gemeinsam mit Rotfußfalken (Red-footed Falcon) und sogar vereinzelten Amurfalken (Amur Falcon) flogen. Diese Vögel im Flug zu beobachten, ihre eleganten Silhouetten und charakteristischen Schwänze zu sehen, war einfach aus dieser Welt und ein seltenes Nach-Regen-Bild. Es ist eine herrliche Abwechslung im Vergleich zu den Turm- und Steppenfalken, die wir in Namibia sonst meist sehen.
Außerdem notierten wir einen weiteren Afrikanischen Habichtsadler (African Hawk-Eagle) und erneut den Höhlenweih (African Harrier-Hawk), dazu große Zahlen von Neuntötern (Red-backed Shrike), Männchen wie Weibchen, oft direkt am Straßenrand sitzend, laut rufend und mit fantastischen Fotomöglichkeiten im weichen Morgenlicht.
Es gab auch zahllose Madenhacker, besonders Gelbschnabel-Madenhacker (Yellow-billed Oxpecker), die leuchtend auf Kapbüffeln saßen und aktiv fraßen. Rotschnabel-Madenhacker (Red-billed Oxpecker) waren ebenso zahlreich und durchkämmten die Felle von Kudus und Impalas. Manche Kudus waren buchstäblich übersät mit ihnen, ich zählte bis zu zwölf Madenhacker auf einem einzigen Tier. Es sah wirklich aus wie eine komplette morgendliche Wellnessbehandlung, bei der jede Zecke sorgfältig entfernt wurde.
Vor der Abreise hatte Jane sehr deutlich gemacht, dass sie nicht einfach nur Arten abhaken wollte. Natürlich wollte sie viele Arten sehen, aber noch wichtiger war ihr, die Vögel wirklich zu beobachten, sie zu verstehen und ihr Verhalten zu studieren. Genau das versuchte ich während unserer gesamten Zeit im Feld ganz bewusst umzusetzen.
Ein perfektes Beispiel für diesen Ansatz war ein Glockeneiher (Black Heron), der am Wasserrand jagte. Wir verbrachten eine ganze Weile damit, diesen faszinierenden Vogel zu beobachten, wie er mit seinen Flügeln seine typische Schirmform bildete und damit einen beschatteten Bereich schuf, in dem er Fische leichter entdecken und erbeuten konnte. Es war ein wunderbarer stiller Beobachtungsmoment und genau die Art von Erlebnis, die Jane sich erhofft hatte.
Am Nachmittag lief das Ganze in ähnlicher Weise weiter. Wir fuhren erneut in den Park hinaus und tauchten noch einmal in den Tier-Reichtum des Chobe ein.
Wir bestaunten Elefanten, Giraffen und große Herden Moorantilopen, dazu ebenso beeindruckende Zahlen von Impalas. Die Wilddichte entlang des Flusses ist dort immer wieder bemerkenswert.
Danach machten wir eine langsame und sehr bewusste Screening Fahrt entlang des Chobe Ufers, kontrollierten sorgfältig jedes Stück Vegetation und jede offene Wasserfläche und kehrten schließlich zum Camp zurück.
Genau deshalb planen wir bei LeafLove Safari ganz bewusst, sollten unsere Gäste den Aufpreis bewilligen, vier Nächte in der Chobe Region, davon zwei Nächte im Upper Chobe, um die abgelegeneren Buschcamp Bereiche zu nutzen. Pirschfahrten in diesen Gegenden sind nicht nur ausgesprochen produktiv, sondern auch weit weniger überlaufen, was ein viel intimeres und authentischeres Safari Erlebnis ermöglicht.
Die Landschaft selbst trägt enorm zu diesem Gefühl bei. Der Upper Chobe ist dichter bewachsen, vielfältiger und besonders im März, wenn alles satt grün ist. Mächtige Baobabs säumen die Ufer und schaffen eine Kulisse, die sich als märchenhaft beschreiben lässt. Diese Riesen zusammen mit Elefanten, Antilopen und der reichen Tierwelt inmitten blühender Vegetation zu sehen, erzeugt eine Kinderbuch-Atmosphäre.
Besonders auffällig sind die blühenden wilden Hibisken, darunter vor allem der hanfblättrige Hibiskus. Diese Pflanzen bringen Farbe und Struktur in die Landschaft und eröffnen unendlich viele fotografische Möglichkeiten.
Die anderen beiden Nächte verbringen wir dann im Lower Chobe, wo der Fluss deutlich mehr Wasser führt und das Erlebnis noch einmal völlig verändert. Hier sind Bootsfahrten die ideale Art, sich der Tierwelt zu nähern, und ermöglichen unglaublich nahe und intime Begegnungen.
Diese Kombination aus landgestützten und wassergebundenen Aktivitäten schafft ein wunderbar vielseitiges Safari Erlebnis. Vom Fahrzeug aus gewinnt man Überblick und Vielfalt, vom Boot aus taucht man aus einer völlig anderen Perspektive in die Welt der Tiere ein. Das Ergebnis ist eine überwältigende Fülle an Wild, nicht nur Hunderte, sondern oft Tausende Tiere, was Chobe zu einem der lohnendsten und dynamischsten Safari Ziele in ganz Afrika macht.
Nach einem gemütlichen Frühstück um sieben Uhr packten wir unsere Sachen zusammen, beluden das Auto und holten Stone ab. Ich dachte mir, zwei zusätzliche erfahrene Augen können nur hilfreich sein, und so machten wir uns in Richtung Kasane auf.
Wir konnten einen Sprosser (Thrush Nightingale) finden, eine ausgesprochen heimliche Art, die bekanntermaßen sehr schwer vernünftig zu beobachten ist, da sie sich tief in dichtem Dickicht aufhält. Zwar konnten wir sie nicht längere Zeit in Ruhe betrachten, doch wir erhaschten einige kurze Blicke auf sie in der Vegetation, und einmal flog sie sogar an uns vorbei. Keine lange Beobachtung, aber durchaus befriedigend, so halb, vielleicht doch, egal, you know what I mean.
Am Vortag hatte ich an derselben Stelle allein gute Beobachtungen von Blassstirn-Beutelmeisen (Grey Penduline Tit) gehabt, also versuchten wir es dort natürlich erneut. Leider zeigten sie sich diesmal nicht.
Unterwegs schlug Stone eine sehr verlässliche Stelle für die Grünkappen-Eremomela (Green-capped Eremomela) vor, was sich als ausgesprochen produktiv erwies. Die Vögel bewegten sich lebhaft und beinahe tänzelnd durch das Laub und boten einige sehr schöne Fotomöglichkeiten direkt an den lila Blüten des Zambezi Teak.
Dann versuchten wir noch die Bindenrennvögel (Three-banded Courser) zu finden, doch das verwandelte sich schnell in einen ziemlich anstrengenden Marsch in der Hitze ohne Erfolg. Ich entschied daher, die Suche früh abzubrechen, und an diesem Punkt trennten sich Stone und ich. Ich bezahlte ihn für seine Zeit, und wir fuhren allein weiter.
Stattdessen brachte ich die Gäste zum Campinggelände der Chobe Safari Lodge, wo wir Schatten und entspanntes Birding genießen konnten.
Das erwies sich als gute Entscheidung. Wir hatten weitwinkelverdächtige Beobachtungen von Morgenröteln (Collared Palm Thrush) und Schalowturakos (Schalow’s Turaco), die direkt vor uns von den Bäumen herunterkamen, um zu fressen. Diesen schimmernden grünen Vogel mit seinen satten Farbtönen und den rötlich aufblitzenden Flügelfedern so nah zu sehen, war neu für mich, denn sonst hocken die immer nur weit oben im Gegenlicht.
Ganz in der Nähe sang ein Weißbrauenrötel (White-browed Robin-Chat) lautstark und lieferte die perfekte Klangkulisse dazu. Auch ein Brillenweber (Spectacled Weaver) erschien. Auf den ersten Blick erinnerte er an einen Goldweber, doch sein rötlicher Schnabel verriet ihn sofort. Nachdem wir sie hier im November des vergangenen Jahres noch beim Brüten gesehen hatten, war es schön, nun einen Jungvogel in der Gegend herumziehen zu sehen. Solche Momente, in denen man merkt, dass die Vögel erfolgreich gebrütet haben und durchgekommen sind, sind gut für meine halb-deutsche halb-afrikanische Seele.
Schon früher an diesem Morgen waren wir mit einer Zufalls-Sichtung belohnt worden. Während der Fahrt entdeckte ich plötzlich direkt an der Straße einen Geparden. Wir hielten sofort an, und zu unserer Freude hatte er überhaupt keine Absicht zu verschwinden. Stattdessen markierte er spritzend, bewegte sich erhobenen Schwanzes ruhig um einen Baumstumpf, lief ein paar Mal hin und her und kam sogar ein wenig näher, sodass wir fantastische Fotomöglichkeiten hatten, bevor er schließlich wieder im Busch verschwand. Das war mal leider geil!
Am kleinen Hafen nahe der Immigration wartete Peter von der Zovu Elephant Lodge bereits auf uns. Wir erledigten schnell die Passformalitäten, stiegen ins Boot und genossen die entspannte Fahrt über das Wasser, Gin Tonics inklusive. „Now that’s a welcome drink!“, meinte Paul dazu.
Bei der Lodge angekommen, wurden wir herzlich vom singenden Personal empfangen, eine wirklich schöne und sehr persönliche Geste. Nach einem leichten Mittagessen ruhten wir uns etwas aus, bevor wir zu unserer ersten Bootsfahrt auf dem Chobe River aufbrachen.
Da der Fluss extrem hoch stand, viel höher, als wir alle erwartet hatten, waren sämtliche Inseln, die ich normalerweise nach Bekassinen, Braunkehlreihern (Slaty Egret) und anderen interessanten Arten absuche, nicht nur überschwemmt, sondern vollständig unter Wasser verschwunden. Peter von der Zovu Elephant Lodge war verständlicherweise ziemlich nervös, denn das Wasser hatte bereits die Bungalows erreicht. Er befürchtete, dass bei weiterem Anstieg das gesamte Sanitärsystem überflutet werden könnte. Wir selbst hatten zum Glück keinerlei Probleme und konnten unseren Aufenthalt in der Lodge noch genießen, denn der Pegel stieg.
Die Bootsfahrt selbst wurde dennoch sehr angenehm. Wir fuhren lange den Fluss entlang, flussaufwärts oder flussabwärts, je nach Perspektive, Jahreszeit und Fließrichtung, denn der Chobe ist bekannt dafür, in beide Richtungen fließen zu können. Wenn der Sambesi Wasser zurückdrückt, kehrt sich die Strömung um, und wenn er sich wieder zurückzieht, fließt der Fluss wieder in seiner gewohnten Richtung.
Zu unseren besseren Sichtungen gehörte neben Witwenpfeifgänsen (White-faced Whistling Duck) auch eine Gruppe Gelbbrust-Pfeifgänse (Fulvous Duck), die am Boot vorbeiflog und ausgezeichnete Fotomöglichkeiten bot. Ein kurzer Spaziergang auf einer der letzten noch freiliegenden Inselstellen bescherte uns sehr schöne Beobachtungen eines Paares Rostnackenlerchen (Rufous-naped Lark), das umherflog. Leider verschwanden sie bald wieder, und es wurde schwierig, sie weiter zu verfolgen, weil uns die Ameisen buchstäblich auffraßen, schon mal hüpfende Touristen gesehen? Sie quälten wirklich jeden auf dieser winzigen Insel, also zogen wir uns schnell zurück ins Boot und setzten unsere Fahrt fort.
Nahe der Grenze ließen wir uns langsam den Fluss entlang treiben und genossen die vielen Langzehenkiebitze (Long-toed Lapwing), Weißscheitelkiebitze (White-crowned Lapwing) und natürlich die allgegenwärtigen Schmiedekiebitze (Blacksmith Lapwing), dazu Blaustirn-Blatthühnchen (African Jacana), zahlreiche Afrika-Schwarzkehlchen, sowie verschiedene Reiher. Besonders schön war, dass wir Mittelreiher (Yellow-billed Egret), Silberreiher (Great Egret) und Kuhreiher (Cattle Egret) aus nächster Nähe miteinander vergleichen konnten. Alles in allem war es ein sehr gelungener Ausflug, der durch die verschiedenen Eisvögel, darunter Malachiteisvogel (Malachite Kingfisher), Braunkopfliest (Brown-hooded Kingfisher) und Graukopfliest (Grey-headed Kingfisher), noch aufgewertet wurde. Außerdem hörten wir am Elephant Bay ein Paar Tropenwürger (Tropical Boubou) bei einem handfesten Streit, genossen einen herrlichen Sundowner mit Gin Tonics und kehrten in sehr guter Stimmung zurück.
Zum Glück waren die Wasserstände zwar sehr hoch, aber eben zu hoch für brütende Mücken. Während des gesamten Aufenthalts sah ich nur eine einzige Mücke, die vielleicht eine Anopheles gewesen sein könnte, was mich sehr beruhigte. Ich möchte wirklich weder meine Gäste noch mich selbst irgendeinem Malariarisiko aussetzen. Ich selbst entschied mich ebenfalls gegen eine Prophylaxe, da deren ständige Einnahme auf so häufigen Reisen langfristig auch nicht gerade gesund ist. Umso glücklicher war ich also, von diesen Biestern nicht geplagt zu werden.
Das Abendessen an diesem Abend war sehr persönlich und wirklich wunderschön und rundete einen großartigen Tag perfekt ab.
Am nächsten Morgen standen wir sehr früh auf und machten uns nach einem schnellen Kaffee zu einer sanften Bootsfahrt in die aufgehende Sonne auf. Wir befuhren die Kanäle des Impalila Rivers, was sich als sehr lohnend erwies. Entlang des Ufers hatten wir eine schöne Sichtung eines Schopfadlers (Long-crested Eagle) sowie verschiedener Rohrsänger, darunter eine ausgezeichnete Beobachtung eines Schilfrohrsängers (Sedge Warbler). Außerdem fanden wir einige Graurücken-Camaropteras (Grey-backed Camaroptera) sowie einige Luapulazistensänger (Luapula Cisticola) und natürlich die allgegenwärtigen Sumpfzistensänger (Chirping Cisticola).
An einer Stelle sah ich etwas, das wie ein Braunkehlreiher (Slaty Egret) direkt auf uns zuflog. Meine Aufregung stieg sofort, aber leider drehte der Vogel ab, bevor wir ihn richtig bestätigen konnten, also konnten wir ihn nicht zählen. Wirklich schade.
Ich bat Peter, das botswanische Ufer sorgfältig abzusuchen, und plötzlich rief er: „Riesenfischer!“, eine Art, die uns noch auf der Liste fehlte. Ein wunderschönes Weibchen des Rieseneisvogels (Giant Kingfisher) flog niedrig am Ufer entlang und setzte sich in einen Baum. Zunächst taten wir uns schwer, sie zwischen den dunklen Ästen wiederzufinden, aber George bekam sie dann ins Glas. Kurz darauf flog sie wieder hinunter und weiter am Ufer entlang, wobei Peter ihrer Bewegung gekonnt folgte. Schließlich hatten wir ausgezeichnete Beobachtungen. Ich spielte sogar kurz den Ruf ab, worauf sie erneut erschien, sich ein paar Mal frei zeigte und uns zudem noch einen schönen Vorbeiflug schenkte. Eine wirklich wunderbare Begegnung mit diesem eindrucksvollen Eisvogel.
Danach suchten wir weiter das Ufer ab, diesmal nach dem Kobalteisvogel (Half-collared Kingfisher), den ich tatsächlich recht leicht entdeckte, ruhig auf Wurzeln tief in einem Uferbusch sitzend. Diese Vögel können notorisch schwer zu sehen sein, da sie meist sehr versteckt sitzen, aber diesmal hatten wir Glück. Tatsächlich fanden wir sogar ein Paar, was uns reichlich Gelegenheit gab einige sehr gute Fotos zu machen. Wirklich kooperative Vögel.
Am Nachmittag beschlossen Peter und ich, die überfluteten Bereiche hinter der Lodge zu erkunden. Wir beide hatten dort ausgezeichnetes Vogelleben erwartet, doch ehrlich gesagt erwies sich der Ausflug als eher enttäuschend und ziemlich zeitaufwendig. Der Propeller verfing sich immer wieder im unter Wasser stehenden Gras, was uns deutlich ausbremste und das Vorankommen unerquicklich machte… das war ein scheiß!
Abgesehen von ein paar lohnenden Beobachtungen, einer schönen Sicht auf Papyrusrohrsänger (Greater Swamp Warbler) und Kaprohrsänger (Lesser Swamp Warbler), einem Braunkehlweber (Brown-throated Weaver), unzähligen Rahmbrustprinien (Tawny-flanked Prinia) und mehreren Blaustirn-Blatthühnchen (African Jacana) gab es nicht viel mehr zu holen. Obwohl unsere Reiseartenliste bereits über 400 Arten hinausgegangen war, hoffte ich noch immer, einige besondere Vögel für meine Gäste hinzufügen zu können, aber das war offenbar nicht der richtige Ort dafür.
Schließlich drängte ich Peter, wieder zum botswanischen Ufer zurückzufahren, wo wir zuvor besseres Birding gehabt hatten. Zum Glück ist das Boot schnell, wenn es sein muss, und wir waren rasch dort. Doch trotz erneuter Anstrengung brachte die Fahrt diesmal keine besonders aufregenden Begegnungen mehr.
Auf dem Rückweg übernahm George das Steuer und hatte sichtlich Freude daran, das Boot mit einem breiten Grinsen fachkundig zurück zur Lodge zu lenken.
Letztlich machten ein gutes Abendessen und angenehmes Abendwetter den eher zähen Nachmittag mehr als wett. Und obwohl das Birding selbst nicht spektakulär war, genossen wir den Ausflug dennoch.
Ich hatte in der Zovu Lodge ein frühes Frühstück erbeten, da wir so früh wie möglich nach Botswana hinüberwollten. Unterwegs hielten wir an einer Stelle, an der ich früher schon Bindenrennvögel (Three-banded Courser) gefunden hatte, in der Hoffnung auf eine weitere Begegnung. Das Gebiet war jedoch durch die guten Regenfälle und die weitreichenden Überschwemmungen inzwischen stark zugewachsen, und trotz aller Bemühungen konnten wir die Art nicht wiederfinden. Dennoch lohnte sich der Stopp, denn wir hatten schöne Beobachtungen von Bandastrilden (Cut-throat Finch) und einem jungen Diederikkuckuck (Diederik Cuckoo).
Danach fuhren wir weiter über die Grenze nach Zimbabwe und machten uns direkt auf den Weg nach Victoria Falls. Da ich wusste, dass die Sichtbedingungen vom Boden aus wegen des hohen Wasserstandes und der gewaltigen Gischt schwierig sein würden, organisierte ich für meine Gäste an einem Platz etwas außerhalb der Stadt einen Helikopterflug. Der „Flight of Angels“ bot eine spektakuläre Perspektive aus der Luft und war absolut die richtige Entscheidung, denn die immense Gischt verdeckt derzeit von unten einen großen Teil der Fälle. Von oben hingegen waren die dramatischen Zickzack Linien der Schlucht und das gesamte Ausmaß der herabstürzenden Wassermassen vollständig zu sehen, und alle waren tief beeindruckt.
Nach dem Einchecken machten wir uns zu einem Bird Walk an den Victoriafällen auf. Dort fanden wir den gesuchten Rotgesicht-Zistensänger (Red-faced Cisticola) sowie gute Beobachtungen von Brillenwebern (Spectacled Weaver). Ein Streifenkopf-Heckensänger (Bearded Scrub Robin) gab eine absolut wunderbare Vorstellung, saß offen sichtbar, fächerte den Schwanz und sang laut. Leider war das Donnern der Fälle so überwältigend, dass wir seinen Gesang trotz voller Sicht auf den Vogel nicht gut hören konnten. Die sonst zuverlässigen Rosenamarante (Jameson’s Firefinch) fehlten diesmal leider, höchstwahrscheinlich wegen der extremen Gischtbedingungen.
Nach einem kurzen Frischmachen, oder bei manchen auch einem etwas ausgedehnteren, in der Nkozi Guest Lodge, die in Victoria Falls nahezu dem perfekten Aufenthalt gleichkommt, moderne, funktionale Unterkunft, charmantes Personal, gutes Essen und für mich ganz wichtig: exzellenter Kaffee, fuhren wir am späten Nachmittag zum Lookout Café hinaus.
Von dort hatten wir einen atemberaubenden Blick über die Batoka Gorge und beobachteten viele laut schnatternde Kapsegler (Black Swift), die über uns durch die Luft schossen. Tief unten in der Schlucht konnten wir einige Rostkehlschwalben (Red-throated Rock Martin) ausmachen. In weiter Ferne entdeckte George plötzlich Trompeterhornvögel (Trumpeter Hornbill). Zunächst waren sie weit weg, doch dann flogen sie, wie auf ein Stichwort hin, quer über die Schlucht.
Alle waren sofort begeistert, und ich sagte unverzüglich: „Los, wir gehen ihnen nach.“ Wir liefen in Richtung Zipline, und was dann folgte, waren die herrlichsten Beobachtungen von zwei Weibchen und einem Männchen, die nicht nur völlig frei saßen, sondern auch laut riefen, ihre laut trompetenden Rufe hallten durch die Schlucht. Es war eine absolut faszinierende und unvergessliche Beobachtung.
Das war wirklich ein außergewöhnlicher Abschluss einer großartigen Safari mit wunderbaren Menschen.
Am nächsten Morgen verließ ich Victoria Falls früh, während der Rest der Gruppe zum Flughafen für die jeweiligen Heimflüge gebracht wurde. Alle kamen sicher an, und ich denke, wir können diese Reise mit gutem Gewissen als sehr erfolgreich und sehr genussvoll bezeichnen, auch wenn sie einen ziemlich ruppigen Anfang hatte.
