Avifauna - Namib-Zambezi November 2025

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Birdingtours: „Wunder mit Flügeln“

Reisebericht: Avifauna - Namib-Zambezi November 2025

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Reisebericht – Avifauna Nam-Zam November 2025 alias „Wunder mit Flügeln“

Die kleine Regenzeit

Früher gab es sie verlässlich, fast wie ein jahreszeitliches Gesetz. Farmer sprachen nicht nur darüber, sie bauten auf sie, sie rechneten mit ihr. Im Oktober kamen die ersten Schauer, im November war die Landschaft wieder grün. Die kleine Regenzeit gehörte einfach dazu.

Mit gutem Gewissen kann ich sagen, dass sie in den vergangenen dreißig Jahren entweder ganz ausgeblieben ist oder nur sporadisch vorbeischaute. In diesem Jahr kehrte sie zurück. Schon im späten Oktober und Anfang November fielen frühe Regen, und das machte einen gravierenden Unterschied.

Diese Reise, auf der wir erstaunliche 390 Arten beobachten konnten, war dennoch ungewöhnlich. Was die alltäglichen Vogelarten anging, blieb es überraschend still, fast leer. Dafür waren die besonderen Sichtungen umso zahlreicher und eindrucksvoller. Im Großen und Ganzen war ich sehr glücklich mit unseren Beobachtungen und auch mit der Art, wie wir sie erleben durften. Es war eine Ausnahmereise, meteorologisch wie ornithologisch.

Auch die Temperaturen waren bemerkenswert. Nicht besonders warm, nicht besonders heiß, wie man es normalerweise im November erwarten würde. Wer die Verhältnisse kennt, spürte deutlich, dass dies eine ungewöhnlich kühle Reise war.

Unsere Gruppe war ein lebendiger Mix. Alle hatten ein großes Interesse an der Natur, besonders an den Vögeln. Es gab Einsteiger und Profis, Botaniker und Reptilienfans, jene, die am Boden suchten, während wir anderen den Blick in die Baumkronen richteten. Und so war jeder Tag erfüllt mit Entdeckungen, Gesprächen, Austausch und einer gemeinsamen Begeisterung für das, was uns die Natur schenkte.

Tag 1, 10.11.2025 – „welcome to the tropics“

Der Flug landete heute erst kurz nach neun, also hatte ich am frühen Morgen noch Zeit, ein paar Hausaufgaben am Avis-Stausee zu machen. Schon früh hörte ich die Rebhuhnfrankoline (Orange River Francolin) rufen und stiefelte in die Landschaft. Neben recht vielen Klippensängern (Rockrunner) konnte ich dann eine relativ große Familie dieser Frankoline lauthals beobachten und dachte mir, dass ich später mit der Gruppe hierher zurückkomme, um sie ihnen zu zeigen.

Am Flughafen lief alles glatt. Ich wurde in der Empfangshalle angerufen. Mona fand mich zuerst nicht, aber die liebe Dame an der Information lieh ihr das Telefon, um mich kurz anzuklingeln. Es dauerte auch nicht lange, da war die Gruppe gut vereint. So schön der November auch ist für die Vogelwelt, so heiß ist er aber leider auch. Und natürlich schlaucht der lange Flug oft unbemerkt. Nicht zu vergessen, dass wir uns auf einer Höhe von über 1700 Metern über dem Meeresspiegel befinden. So finde ich es doch immer wieder erstaunlich, wie viel Energie meine Gäste haben, wenn sie aus dem Flieger steigen.

Der erste Stopp war dann direkt am Avis-Stausee, wo wir laut meiner eBird-Aufzeichnung gute vier Kilometer gegangen sind und die üblichen Vögel dort gut sehen konnten – vom Mangrovereiher (Striated Heron), dem Schwalbenschwanz-Bienenfresser (Swallow-tailed Bee-eater), über Weißbrustkormorane (White-breasted Cormorant), die vielen Teichhühner (Common Moorhen), bis hin zum Zimtspornpieper (African Pipit), zwei hochkreisenden Akazienadlern (African Hawk-Eagle) und vielen anderen Arten. Extrem nice waren ein paar Weißrücken-Pfeifgänse (White-backed Duck), welche in nicht allzu großer Entfernung im Wasser dümpelten.

Als wir ausstiegen, richteten sich die Blicke nicht etwa nach oben, wie es auf einer Birdingtour eigentlich zu erwarten wäre, sondern zunächst nach unten. Dort zeigte sich eine wunderbar gefärbte Bodenagame (Agama aculeata) mit grellblauem Kopf und leuchtend gelben Augen. Gleich daneben saß eine Streifenmaus, die genüsslich an einem Samen knabberte.

Eigentlich wollte ich die Aufmerksamkeit sofort auf die Weißbraunweber (White-browed Sparrow-Weaver) lenken, die hier überall aktiv waren, aber Natur bleibt Natur.
Die Gruppe war müde, sichtlich erschöpft, und gut, dass dann Andreas Stimme aus der Gruppe laut wurde: „Ich habe Hunger!“ Ich habe die Gruppe dann in mein Lieblingscafé, Wilde Eend, geführt, wo wir unter schattigen Kameldornbäumen herrlich frisch gepressten Fruchtsaft, sehr frischen Salat mit Hühnerstreifen, guten Kaffee und einige sogar Käsekuchen genossen. Das hat sehr gut getan.

Danach haben wir einen weiteren Anlauf am Avis-Stausee gestartet, doch die Mittagshitze war inzwischen so extrem, dass der Spaziergang kaum noch genossen werden konnte. Wir haben die Orange River Frankoline trotzdem noch einmal gesucht, aber nicht gefunden, und mir wurde klar, dass ich nach diesem langen Flug nichts mehr erwarten kann und es wohl zu strapaziös würde.

So fuhren wir nach einem Supermarkteinkauf, bei dem wir uns mit Knabbereien eindeckten, etwa 20 Kilometer gen Westen zur Daan-Viljoen-Lodge im Daan-Viljoen-Nationalpark.

Die Zimmer sind sehr schön, nur beim Essen war, obwohl mir der Fisch sehr gut schmeckte, das Fleisch – die Oryxantilope (Gemsbok) – wohl bei der Jagd zu sehr gestresst. Ich freute mich, dass die Gruppe sich so gut verstand und mittlerweile sogar Essen getauscht wurde und am Ende alle gut und zufrieden satt waren.

Ich war ganz froh, dass das Licht heute Abend etwas zu schlecht war, um die Liste zu machen, denn auch ich war müde und hatte keinen Bock auf Liste. Ich hatte eh alles auf eBird vermerkt und weiß genau, was gesehen wurde. Morgen ist auch noch ein Tag.

Lange Gespräche heute Abend noch über die Welwitschia (Welwitschia mirabilis), wie sie entdeckt wurde, und wer Friedrich Welwitsch, der talentierte, superfleißige Österreicher, war. Interessant waren auch Josefs Gespräche über verschiedenste Orchideen. Und auf dem Heimweg hatten wir – wie die Jäger sagen – guten Anblick: Ein Fleckenuhu (Spotted Eagle-Owl) saß sehr schön offen und deutlich auf einem Baum und schaute uns an. An der Größe und den stark befiederten Beinen konnte ich die Eule auch ohne Fernglas gut erkennen. Leider konnten wir sie nicht fotografieren, sagten Gute Nacht und verabredeten uns für sechs Uhr zum morgendlichen Spaziergang.

 

Tag 2 – 11. November 2025 – „let’s rock ’n roll“

Obwohl die Unterkunft auf Daan Viljoen sehr schön war, schlief ich schlecht. Schon früh spürte ich diesen Wind, der mir den Morgen verderben würde. Als ich mich mit der Gruppe traf, war es allerdings gar nicht so schlimm, und ich konnte gut verstehen, dass es für Neueinsteiger in Daan Viljoen nicht einfach ist, plötzlich mit so vielen neuen Vogelarten konfrontiert zu werden.

Da wir am Vortag keinen Klippensänger gesehen hatten, einen Vogel, der mir besonders wichtig ist und dessen Beobachtung auch der Gruppe am Herzen lag, machten wir uns gleich am frühen Morgen auf die Suche nach diesem halbendemischen „Namibian Special“. Das Daan-Viljoen-Reservat bietet eine wunderbare Aussicht auf den kleinen Stausee, und bald zeigten sich die ersten interessanten Arten: der Kapprohrsänger (Lesser Swamp Warbler), den wir nicht nur hörten, sondern auch schön beobachten konnten, einige typische Wasservögel und dazu die herrliche Aussicht vom oberen Punkt hinab ins Windhoeker Tal.

Doch der Wind nahm zu, und so sehr ich mich bemühte, der Klippensänger ließ sich nicht hervorlocken, obwohl ich ihn in der Ferne hörte. Das machte mich unruhig, fast verzweifelt. Auch wenn wir im Erongo noch Chancen haben würden, wollte ich den Vogel unbedingt „im Sack“ haben. Ich schlug vor, kurzerhand zurück nach Windhoek zu fahren, zu einer Stelle, die ich gut kannte und an der dieser Vogel häufig vorkommt. Auf dem Rückweg hörte ich ihn dann tatsächlich, etwas höher in den Felsen, und nach einigen Versuchen zeigte er sich wunderschön. Die Gruppe atmete erleichtert auf, Mission erfüllt, keiner hatte nämlich Bock auf Verkehr in Windhoek – those who know will understand.

Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns auf den langen Weg Richtung Escarpment und Namib-Wüste. Vogelbeobachtung ist wie Jagen: Das Wetter muss mitspielen, und wenn der Wind geht, bleibt der Jäger zu Hause. Ich war mit dem Morgen nicht ganz zufrieden und überlegte, wie ich die typischen Buschlandarten im weiteren Verlauf der Reise noch zusammenbekomme.

Unterwegs sahen wir noch einige sehr gute Vögel – den Kalahari-Heckensänger (Kalahari Scrub-Robin), wieder die African Hawk-Eagles und noch ein paar andere Arten. Die lange Fahrt ans Escarpment unterbrachen wir gelegentlich, hielten an Brücken und beobachteten die Segler, meist Haussegler, bis wir schließlich den wunderbaren Aussichtspunkt am Spreetshoogte Pass erreichten. Die Gruppe war überwältigt von der atemberaubenden Weite und Schönheit.

Immer wieder hielten wir an, suchten nach weiteren Arten, und als kleine Entschädigung zeigte sich schließlich noch ein Weißkehl-Girlitz (White-throated Canary), eigentlich wollte ich hier mehr, aber wat nich is, is nich!

Kurz vor Nauchas machten wir Halt an einem kleinen Café, angelockt vom großen Schild „The Best Coffee South of the Equator“. Der Kaffee war gut, der junge Mann, vermutlich der Besitzer, hatte einen schlechten Start mit uns. Er wollte Bernd, dem die Zigaretten ausgegangen waren, eine Schachtel zum vierfachen Preis verkaufen, mit der Begründung, er wolle Menschen vom Rauchen abbringen. Ein kleiner Disput blieb nicht aus. Bernd nahm es teilweise gelassen, es war jedoch alles nicht sehr angenehm und es wurde psychoanalytisch Stellung bezogen… doof gelaufen das Ganze. Ich verstand den Kerl auch nicht, aber vielleicht darf man ihm die Torheit der Jugend zugutehalten.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir die Rostock Ritz Lodge. Mona machte es richtig: Statt sich zu beeilen, setzte sie sich auf die Terrasse, bestellte einen kühlen Wein und genoss den Blick über die endlose Namib, während die Sonne unterging. Später trafen wir uns zum Abendessen, führten brav die Liste und gingen früh schlafen, am nächsten Morgen sollte es auf Dünenlerchenjagd gehen.

 

Tag 3 – 12. November 2025 – „desert and dessért“

Cornelia von der Rostock Ritz Lodge verriet mir, dass vor einer Woche Dünenlerchen gesehen worden seien, nämlich von ihr selbst. Ich war zunächst zuversichtlich, aber es kribbelte mir im Bauch, denn der Regen war hier Anfang des Jahres spärlich ausgefallen, und ich hatte schon früher den Verdacht, dass wir diesmal Pech haben könnten. Ich bereitete die Gruppe vorsichtig darauf vor, eventuell einen großen Umweg über Rooibank machen zu müssen, um die Dünenlerche doch noch zu sehen.

Bernd und Josef, beide begeisterte Pflanzenliebhaber, erinnerten mich freundlich daran, dass die Welwitschia mirabilis, die auf unserem Programm stand, auf keinen Fall ausgelassen werden dürfe, was ich selbstverständlich nicht vorhatte.

Noch vor Sonnenaufgang waren wir in den Dünen. Nichts. Keine Spuren, keine Rufe, nicht einmal die sonst üblichen Graurückenlerchen, „wie ich diese Dürre hasse“, ging mir im Kopf herum, aber das hat einen anderen Hintergrund. Nur Mäusespuren im Sand, das Habitat war schlicht zu trocken.
Wir entdeckten dann zwischen den Graspollen ganze Kolonien der Dünenameisen, Camponotus detritus. Ich wusste natürlich, dass die Dünenlerchen genau auf diese kleinen Energiebündel stehen, und wollte schon ansetzen, der Gruppe zu erklären, wie diese Ameisen an den Grashalmen winzige Milben pflegen. Diese Milben, kaum größer als ein Staubkorn, sitzen fest am Halm und sondern einen feinen, zuckerhaltigen Honigtau ab. Die Ameisen besuchen sie nicht nur zum „Ernten“, sondern beschützen und verteidigen sie auch wie kleine Nutztiere. Eine stille, aber erstaunlich enge Symbiose inmitten der trockenen Dünenlandschaft.
Doch irgendwie wirkten all diese Geschichten heute etwas fahl, denn über allem lag die stille Ahnung, dass wir die Dünenlerchen wohl nicht zu Gesicht bekommen würden.

Wir stapften und stapften durch den Sand, bis Bernd genug hatte und ich ihm riet, frühzeitig umzukehren. Wenig wusste ich, dass just dort bald die Lerche einfliegen würde… Das war mein Fehler, ich hätte ihn nicht alleine zurückschicken sollen. Mark und ich gingen weiter, kletterten auf eine höhere Düne, und plötzlich – ein kurzer Flug, eine Silhouette über dem Dünenkamm: eine Dünenlerche! Sie verschwand wieder, wir folgten, doch lange vergeblich.

Auf dem Rückweg dann endlich der erlösende Moment: Andrea hatte etwas gesehen, war sich erst unsicher, dann zeigte sie nach vorn und tatsächlich, da war sie. Etwas tiefer im Gelände flog noch eine zweite auf und verschwand im Gras. Wir näherten uns vorsichtig und konnten sie schließlich wunderbar beobachten.

Ich war überglücklich und dankbar. Es gibt also doch einen Gott für Reiseleiter. Die Dünenlerche war „getickt“, alles gut. Aber mir war klar, dass dieser Ort künftig keine verlässliche Stelle mehr sein würde. Für die nächsten Reisen muss ich mir etwas anderes einfallen lassen.

Über den Gaub Pass, durch das eindrucksvolle Valley of a Thousand Hills und den geologisch faszinierenden Kuiseb Pass erreichten wir die scheinbar endlosen Kiesflächen der Namib. Für viele mögen diese Landschaften öd und leer wirken, doch für uns waren sie erfüllt von Leben und sogar einigen Vogelarten.

So konnten wir mehrere Jungtiere der Falblerche (Stark’s Lark) beobachten, die in kleinen Trupps immer wieder vor uns aufflogen. Besonders gefreut hat mich, dass die letzten Regenfälle offenbar zu einer erfolgreichen Brutsaison beigetragen hatten. Nur die Graurückenlerche (Grey-backed Sparrow-Lark) fehlte, vermutlich war sie in bessere Weidegebiete weitergezogen.
Die Namiblerche (Gray’s Lark) gab uns eine vertraute Show. Da diese Vögel im Wärmeflimmern oft einfach zu weit weg sitzen, war dieser gnädig und saß direkt furchtlos am Strassenrand und warf sich mit flügelstreckendem Vogeljoga in Pose.

Unsere Fahrt führte weiter, und in den Granitlandschaften bei Blutkoppie wartete schon der Langschwanzeremomela (Karoo Eremomela) auf uns. Ich hatte mich darauf eingestellt, diesen kleinen Vogel an mehreren Stellen in der Mittagshitze suchen zu müssen, doch diesmal war uns das Glück hold: Wir entdeckten ihn gleich bei einer Gruppe mächtiger Köcherbäume (Aloe dichotoma). Das feine olivgrüne Gefieder dieses kleinen Vogels hat alle sehr begeistert – nice, wenn die Gäste einen Blick für die kleinen Dinge schätzen können.

Anschließend überquerten wir die Welwitschia-Flächen, wo Aberhunderte zu sehen waren, die besonders von Bernd und Josef geschätzt wurden, und fast schon traditionell konnten wir an der Haupt-Welwitschia-Stelle den Oranjeschmätzer (Tractrac Chat) mit Partner und weiteren Artgenossen beobachten.

Da wir früh dran waren, nahm ich einen kleinen Umweg über Goanikontes und fuhr auf einen Hügel hinauf, wo wir sogenannte „lebende Steine“ (Lithops) sowie weitere interessante Pflanzen aus den Gattungen Aloe und Commiphora entdeckten. Die Gruppe nahm diesen kleinen Exkurs dankbar entgegen.

Unterwegs hielten wir nach dem Rotohrsänger (Rufous-eared Warbler) Ausschau. Zunächst schien es, als wären diese scheuen Vögel nicht anzutreffen, doch dann flog plötzlich einer direkt vor uns über den Weg, genau an einer Stelle, wo ich spontan einen Abzweig genommen hatte. Andrea rief auf einmal: „Dort, ein kleiner Vogel!“ Ich spielte sofort den Ruf ab, und wie auf Kommando zeigte er sich, mit seinem wunderschönen roten Ohrfleck. Von Weitem wirkt der Rotohrsänger wie ein unscheinbarer „LBJ“ (Little Brown Job), doch durchs Fernglas offenbart sich seine ganze Farbigkeit und Schönheit.

Am Nachmittag erreichten wir schließlich Swakopmund und ließen den Tag im „The Old Steamer“ ausklingen, wo es vermutlich das beste Buffet der Stadt gibt. Die Rindersteaks, Rib-eye war zu empfehlen, waren ebenso köstlich wie der Fisch, und allein die Vorspeisen hätten gereicht, um satt zu werden. Ein rundum gelungener Abschluss eines anstrengenden, jedoch großartigen Tages.

 

Tag 4 – 13. November 2025 – „mud and sand“

Um 8 Uhr holte ich eine ausgeschlafene und fröhliche Gruppe im Rapmund Hotel ab, und wir fuhren direkt an den Strand. Mit Allrad ging es durch den tiefen Sand entlang der Küste, inklusive Weißstirn-Regenpfeifer-Küken, die flüchtend in den Fahrrillen verschwanden. Schon bald sichteten wir die üblichen Regenbrachvögel (Whimbrel), den häufigen Kiebitz-Regenpfeifer (Grey Plover), den niedlichen Weißstirn-Regenpfeifer (White-fronted Plover), den Hirten-Regenpfeifer (Kittlitz’s Plover) sowie verschiedene Kormorane, darunter die Kronenscharbe (Crowned Cormorant) und den häufigen Kaptölpel (Cape Cormorant).

Am Dolphin Beach stellten wir erfreut fest, dass der Knutt (Red Knot) bereits eingetroffen war. Außerdem konnten wir mehrere Seeschwalben beobachten, darunter auch die für Namibia typische Damaraseeschwalbe (Damara Tern), die zu dieser Zeit auf den Kiesflächen der Namib brütet. Wir sahen sie mehrfach im eleganten Flug und bei der Jagd, bevor die Fahrt weiterging zum sogenannten Bird Sanctuary bei Walvis Bay.

Ich erzählte der Gruppe, dass ich vor der Reise auf einem Spaziergang in der Wüste ein Nest, welches nur aus dem Ei in der Pampa besteht, inmitten der Pferdeskelette des Pferdefriedhofs gefunden hatte.

Dort bot sich ein überwältigender Anblick: riesige Schwärme von Rosaflamingos (Greater Flamingo) und Zwergflamingos (Lesser Flamingo), die in großen Formationen über uns hinwegzogen. Dazwischen entdeckten wir das prächtige Smaragdhuhn (African Swamphen), verschiedene Entenarten und zahlreiche Teichhühner (Common Moorhen), darunter sogar einige leucistische, also weiße Individuen.

An der Lagune von Walvis Bay richteten wir unsere Spektive auf eine große Ansammlung von Sichelstrandläufern (Curlew Sandpiper), Zwergstrandläufern (Little Stint), Steinwälzern (Ruddy Turnstone) und unzähligen Flussseeschwalben (Common Tern) sowie Trauerseeschwalben (Black Tern). Ganz am hinteren Ende der Lagune sichteten wir zudem dreizehn Große Brachvögel (Eurasian Curlew).

Mit dieser Ausbeute war ich mehr als zufrieden. Die Gruppe wurde langsam müde und hatte sich einen freien Nachmittag redlich verdient. Beim Abendessen im „Ankerplatz“, wo das Essen hervorragend war, hörte ich, wie begeistert alle vom Nachmittag erzählten, von ihren Einkäufen hochwertiger namibischer Handwerkskunst und vom herrlichen Kaffee und der guten Milchtorte im „Village Café“. So konnte dieser erlebnisreiche Tag mit einem großen Dankeschön und heiterer Stimmung ausklingen.

 

Tag 5, 14.11. – „such a happy place“

Es war ein Schönwettertag. In Swakopmund hatte es am Morgen leicht geregnet. Es klingt seltsam, aber Regenwetter in Swakopmund, wenn die Sonne in die völlige Windstille hineinbricht, hat eine geradezu fabelhafte, unvergleichlich schöne Atmosphäre.

Nach dem Frühstück gingen wir kurz an die Promenade spazieren und fanden dort sofort den nötigen Oranje-Brillenvogel (Orange River White-eye).

Gleich danach fuhren wir Richtung Osten zur Spitzkoppe. Ich kenne dort meine eigenen Stellen, wo noch unverdorbene, ungetrübte Namibschnäpper (Herero Chat) leben. Obwohl meine Gäste über Stock und Stein kraxeln mussten, wurden wir schnell fündig und konnten den Namibschnäpper zwar nicht aus nächster Nähe, aber dennoch sehr gut beobachten.

Weiter ging die Fahrt, und ich hoffte, auch die Benguela Langschnabellerche (Benguela Long-billed Lark) zu entdecken. Ich rief sie unermüdlich, doch sie blieb unsichtbar. Fast schon aufgegeben und bereits ein gutes Stück weitergefahren, sagte ich zu Mona, eigentlich müssten wir umdrehen und es noch einmal versuchen. Und sie antwortete nur: „Mach das, fahr zurück!“

Also drehte ich um und fuhr an die Nordseite der Spitzkoppe, in Richtung Westen, und rief in verschiedenen geeigneten Lebensräumen erneut nach dem Vogel. Und irgendwann geschah es tatsächlich. Ein Individuum kam angeflogen und setzte sich, natürlich genau hinter einen Busch. Kurz darauf erschien ein zweiter und setzte sich herrlich frei direkt neben das Auto auf einen Stein, wie ein kleines Denkmal. Eine echte Genussbeobachtung, wie Mona es so schön nannte. Ich schaute in den Außenspiegel und sah, wie alle Objektive nach draußen gerichtet waren. Mark war sowieso schon hinter dem Auto und schoss die besten Fotos.

Danach fuhren wir weiter zu meinen Freunden Terry und Didi auf Erongo Rocks. Zum einen hatte ich Lust auf Kaffee, zum anderen wusste ich, dass Kuchen und Eis dort einfach wunderbar schmecken. Wir ließen es uns also erst einmal richtig gutgehen, bevor wir in das kontrastreiche Gebiet weiterfuhren, eine abwechslungsreiche Landschaft aus Granitfelsen, Geröllfeldern und Akazien.

Schon im Garten sahen wir die ersten Rüppellpapageien (Rüppell’s Parrots). Auf der kurzen Weiterfahrt folgten Vögel wie die Carp-Rußmeise (Carp’s Tit), die Layard-Grasmücke (Layard’s Tit Babbler), ebenso häufigere Arten wie der Feueraugenbülbül (Red-eyed Bulbul), der Weißkehlgirlitz (White-throated Canary), der Angolagirlitz (Black-throated Canary), die Kappammer (Cape Bunting), der Perlkauz (Pearl-spotted Owlet), der Priritschnäpper (Pririt Batis), der Rußnektarvogel (Dusky Sunbird), die Rosenpapageien (Rosy-faced Lovebirds) und auch der schöne Weißbrauen-Heckensänger (White-browed Scrub-Robin). Besonders eindrücklich war zu sehen, wie ein Perlkauz im Baum saß und von mehreren der eben genannten Arten gemobbt wurde.

Die leicht regnerische Witterung sorgte für wunderbar kühle Luft. Ein Novembertag, an dem das Licht so fantastisch war, die Luft so frisch und klar, und alle sichtlich bester Stimmung. Auch der Aschenmeise (Ashy Tit) begegneten wir, die ich oben fast vergessen hätte zu erwähnen.

Mit all diesen herrlichen Eindrücken konnten wir den Tag entspannt ausklingen lassen und erreichten frühzeitig die Lodge im Omandumba Buschcamp, das wirklich ausgesprochen schön hergerichtet ist. Wir freuten uns bereits sehr auf den nächsten Tag. Auf dem Weg saßen Sandfrösche, völlig bewegungslos und rund, die waren wohl nach den Niederschlägen nun auf Jagd nach Insekten. Es handelte sich wohl um Tomopterna tandyi, aber die Art bleibt vorerst unbestimmt… Josef stellte mir seine Bilder zur Verfügung, und ich warte nun auf die cleveren iNaturalisten, mir dies zu bestätigen.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass viele Deutsche nach wie vor die Plattform Ornito.de nutzen, obwohl sie weltweit unterwegs sind. Für global orientierte Beobachter eignet sich eBird viel besser. eBird ist eine riesige, sehr leistungsfähige und kostenlos nutzbare Plattform, auf der weltweit Checklisten, Trip Reports und Beobachtungslisten erstellt werden können. Ich empfehle deshalb dringend, sobald wie möglich auf eBird umzusteigen – denn Vogelbeobachtung ist längst global, nicht mehr nur national.

Neu ist, dass auf eBird inzwischen auch andere Tierarten gemeldet werden können. Zusätzlich empfiehlt sich der Einsatz von iNaturalist zur Identifizierung – ebenfalls eine hervorragende und nützliche Plattform.

 

Tag 6, 15.11.2025 – „rolling rocks and rock ’n roll“

Weil es in Namibia geregnet hat, verändert sich alles. Die Luft wird leichter, die Landschaft wirkt frischer, das Licht klarer, und das Wohlbefinden steigt ganz automatisch. Obwohl wir uns sehr früh trafen, die Sonne war noch nicht aufgegangen, waren alle erstaunlich gut gelaunt und voller Energie für eine kurze Wanderung in die plutonitische Granitlandschaft des Erongo.

Schon beim Anstieg spielte ich kurz den Ruf des Hartlaubfrankolins (Hartlaub Spurfowl) laut ab, und wie auf Kommando standen innerhalb weniger Sekunden drei Hartlaubfrankoline wie Zinnfiguren direkt über uns auf dem Granitgestein. Mann, war das fantastisch. Es ist typisch für Hartlaubfrankoline, dass sie sich kurz zeigen und sich dann wieder in Felsritzen und Spalten zurückziehen. So war es auch diesmal. Erstaunlich war, wie sie an den steilen, blanken Felswänden entlangrennen konnten, um sich vor uns Harmlosen in Sicherheit zu bringen.

Wir gingen weiter hinauf auf das Plateau, und ich stellte den Lockruf noch einmal an. Die Gruppe hatte sich inzwischen geteilt und nur ein Frankolin zeigte sich etwas weiter entfernt. Am anderen Ende des Plateaus sahen wir schließlich in wunderschöner Kulisse ein Frankolin auf dem Felsen stehen und nach seinesgleichen rufen. Ein toller Moment.

Auf dem Rückweg konnten wir noch wunderschöne Priritschnäpper (Pririt Batis) und einige andere Vögel beobachten, bevor wir zum Frühstück zurückkehrten und recht früh aufbrachen.

Unterwegs wusste ich von einer Stelle mit sehr hohen Bäumen und einem gut erkennbaren Flussbett. Ich parkte das Auto im Schatten, ging ein paar Schritte und lockte den einen oder anderen Kuckuck oder Specht. Zunächst passierte gar nichts. Dann ging ich ein Stück weiter, die Gruppe folgte langsam, und plötzlich explodierte das Leben in den Bäumen.

Einige Zeit später waren wir alle komplett euphorisch. Ein Afrika-Kuckuck (African Cuckoo) kreiste die ganze Zeit rufend um uns. Ein Schwarzkuckuck (Black Cuckoo) flog über uns hinweg und stieß sein klagendes Lied „it will raaaaaain“ für die Optimisten und „ich bin kraaaaank“ für die Pessimisten aus. Der Damara Baumhopf (Violet Woodhoopoe) zeigte sich im allerbesten Licht und konnte fantastisch fotografiert werden. Der Elsterdrosselhäherling (Pied Babbler) kam mit seinen zitternden Flügeln neugierig näher und rief. Dann zeigte sich auch noch ein Goldschwanzspecht (Golden-tailed Woodpecker) und ein Bartspecht (Bearded Woodpecker) ausgezeichnet sichtbar in den hohen Akazien. So konnte der Tag definitiv weitergehen, und spätestens jetzt war er vollständig gerettet.

Wir fuhren weiter über Omaruru nach Outjo, wo wir uns herrlichen Kuchen und Kaffee gönnten. Die Kaffeebecher waren gigantisch, wirklich gigantisch, ein guter halber Liter… alter Schwede! Auch die Spinatpastete mit Spinat und Käse war köstlich, und der Kuchen der anderen sah ebenfalls großartig aus.

Am späten Nachmittag erreichten wir das Etosha Safari Camp, wo wir abends bei typischem, lauten Musik-Gemache – Gitarre, Trommel, laute Stimmen usw. – das Buffet relativ zügig einnahmen. Es schmeckt gar nicht so schlecht, aber Buffet eben, mich nervt immer, dass jeder diesen Löffel anlangt, aber der schwierige Albert soll sich mal nicht so anstellen. Danach gingen wir in unsere recht schönen Zimmer, natürlich erst, nachdem wir die obligatorische Liste ausgefüllt hatten.

 

Tag 7, 16.11.2025 – „etota, Etosha, the place of nothing“

Mich hatte es wirklich geplagt, dass wir am Vortag den Nacktohrdrosselhäherling (Bare-cheeked Babbler) nicht gesehen hatten, zumal auch eine Meldung meines Kollegen kam, dass in Etosha keiner zu finden gewesen sei. Ich hatte richtige Sorge, dass ich die Viecher nicht würde zeigen können. So entschieden wir uns, nicht direkt früh in den Park zu fahren, sondern erst einen morgendlichen Spaziergang zu machen.

Wir trafen uns, liefen ein Stück, spielten die Rufe ab, versuchten alles, aber keine Reaktion. Dann stiegen wir ins Auto, fuhren zum Campingplatz, und kaum hatten wir angehalten, tanzten drei Nacktohrdrosselhäherlinge wie bestellt direkt vor uns in den Mopanibäumen herum. Die Sonne war noch gar nicht aufgegangen und schon konnten wir einen namibischen Spezialvogel wunderbar beobachten und fotografieren. Damit war der Morgen gerettet, und wir konnten früh frühstücken und sogar sehr zeitig in den Park aufbrechen.

Im Park begann der Tag wirklich toll. Gleich am Anfang sahen wir Elefanten, und kurz darauf tranken Weißwangenlerchen (Chestnut-backed Sparrow-Lark) in den Pfützen am Straßenrand. Weißwangenlerchen sind Lärchen, die wir häufig überhaupt nicht finden. Diesmal waren viele da, auch zahlreiche Jungtiere. Das freute mich besonders, denn als Sohn eines Farmers bin ich verliebt in gute Bruterfolge.

Dann sah ich den typischen Flug der Wachtelastrilde (Quailfinch) und hörte den typischen Ruf, der mit diesem Turboflug einhergeht. Wachtelastrilde sind fast unsichtbar, und dann auf einmal schießen sie vor einem weg, in der eigenartigsten Turboformation, mit diesem wunderbaren liquiden Geräusch. Ich versuchte verzweifelt, scharf zu erkennen, wo sie sich niederließen, denn jedes Mal, wenn wir näher kamen, flogen sie schon wieder auf. Schließlich merkte ich mir die Stellen, an denen sie sich setzten, und so konnten wir sie dann richtig gut beobachten. Das Fotografieren war etwas schwierig, weil sie im Gegenlicht saßen, aber sie waren da, sie waren sichtbar, alle konnten sie gut sehen, und ornithologisch war das ein absoluter Höhepunkt, anders kann man es wirklich nicht nennen.

Die Fahrt ging weiter, und ich stellte die Gruppe vor die Wahl: links die Westschleife mit Chance auf Triel oder rechts die Strecke in Richtung eines Geparden, der wahrscheinlich längst von Touristenautos belagert wurde. Uns hatte bereits ein Kollege vorgewarnt, dass es dort voll sein könnte. Die Gruppe entschied sich für den Geparden, und wir fuhren die Strecke ab.

Am Ende hatten wir das große Glück, eine Gepardin zu finden, die offenbar niemand vor uns entdeckt hatte. Sie säugte ihre Kleinen und wir hatten sie vollkommen für uns allein. Ein wunderschöner Moment.

Wir fuhren weiter nach Okaukuejo, wo alle noch einmal auf die Toilette konnten und ich die Parkgebühren bezahlte. Danach machten einige noch einen kleinen Spaziergang, um ein paar Vögel zu schauen, fanden jedoch nichts „Neues“. Dann nahmen wir die lange Strecke durch den Park bis zur Onguma Lodge. Es war eine sehr lange und sehr heiße Fahrt, immer wieder anhalten, immer wieder schauen, immer wieder Vögel, vor und zurück, langsam und schnell, und durch die Mittagshitze waren wir am Ende alle gut „ausgebrütet“.

Der Sekretär – ein Schauspieler auf langen Beinen.

Kaum ein Vogel steht bei deutschen Safarigästen so hoch im Kurs wie der Sekretär. Fast jeder wünscht sich ihn, und oft steht er ganz oben auf der persönlichen Wunschliste. Auf dieser Reise durften wir drei, wenn nicht sogar vier Individuen beobachten. Doch der heutige war ein besonderer Höhepunkt.

Er präsentierte sich uns nicht wie so oft mit dem berühmten A-View, wie die Engländer sagen – also nur von hinten. Stattdessen hatte er entschieden, für uns eine kleine Show zu geben. Er kam auf uns zu, stolz und mit erhobenem Haupt, und begann dann sogar zu jagen. Immer wieder breitete er seine Flügel aus, setzte zu kurzen Sprints an, schlug nach vorne, griff nach Beute, stoppte, tänzelte, prüfte den Boden und lief weiter.

Und ich? Ich verpasste natürlich jedes Mal genau den Moment, als die Flügel offen waren. Bitter, ganz ehrlich. Dann überquerte er in aller Seelenruhe direkt vor uns die Straße und verschwand schließlich JWD – janz weit draußen.

Besser kann eine Begegnung mit einem Sekretär eigentlich nicht sein. Und obwohl mein eigenes Foto nur halbwegs gelungen ist, bin ich mir sicher, dass Mark, Andrea und bestimmt auch Josef diesen Vogel in Perfektion festhalten konnten.

Doch eine Krönung kam noch. Kurz bevor wir den Park verließen, fuhr ich kurz über die Fischerpfanne und dort, in einem perfekten Licht, zeigte sich eine Goldschnepfe (Greater Painted Snipe). Es war einfach wunderbar, und alle waren so dankbar. Es ist so schön, mit dieser Gruppe unterwegs zu sein. Man spürt förmlich diese Dankbarkeit, und das ist für mich unglaublich angenehm.

Wir fuhren weiter nach Onguma. Das Onguma Bush Camp ist wirklich sehr schön, klein, idyllisch, und alle fühlten sich sofort pudelwohl. Das Abendessen war einmalig, fantastisch, die Aussicht auf das Wasserloch wunderschön, die Atmosphäre hochwertig. Alle gingen zufrieden ins Bett, natürlich erst nachdem wir die Liste ausgefüllt hatten… die Liste, das is nix für mich, aber wat sein muß, muß wohl sein.

 

Tag 8, 17.11.2025 – „Fischer is a guy, not a job“

Um 5.30 Uhr trafen wir uns zum Frühstück. Der Kaffee schmeckte hier auf Onguma besonders gut und ich bekam sogar meinen heiß ersehnten steifen Haferbrei. Wir brachen früh auf, und schon am Gate wurde ich mit einem Lächeln begrüßt, weil ich heute etwas später als sonst war: „You are late today.“ Ich antwortete gediegen, dass ich es wisse, und weiter ging es in Richtung Namutoni. Dort stellte ich fest, dass ich meinen kleinen Lautsprecher vergessen hatte. Da die Buschfeldvögel rund um Namutoni meist herausgerufen werden müssen und wir ohnehin etwas Zeitdruck hatten, war dieser Stopp nicht besonders erfolgreich.

Auf einem kurzen Spaziergang sahen wir dennoch einen Pirol und konnten einige der häufigen Arten nochmals in Ruhe beobachten, bevor wir weiter rund um die Fischerspfanne fuhren und die Okevis, das sind zwei natürliche Wasserlöcher, absuchten. Im Hinterkopf hatte ich ständig die Paradieskraniche (Blue Crane), da Mona sie unbedingt sehen wollte.

Ich fuhr deshalb hinaus auf die Andoni-Fläche, die oft gut ist für Paradieskraniche, aber auch hier blieben sie aus. So kümmerten wir uns zunächst um die Lerchen und konnten sehr schön die Ostklapperlerche (Eastern Clapperlark), die Rotschnabellerche (Pink-billed Lark), die zahlreichen Rotkappenlerchen (Red-capped Lark) sowie die Graurückenlerchen (Grey-backed Sparrow-Lark) beobachten.

An den Wasserstellen tummelten sich unzählige Tiere, oder zumindest Hunderte: Steppenzebras, also Equus quagga burchellii, viele Warzenschweine, Rotkuh-Antilopen und einige Springböcke. Weiter nördlich erreichten wir die große Quelle, an der das Wasser aus der Erde schießt und an der wir früher immer Erfolg hatten. Doch diesmal war das Gelände stark vermüllt und von Rindern zertreten, zwischen Plastiktüten und Dreck, welcome in Africa. Obwohl dort Hunderte Rotband-Regenpfeifer (Chestnut-banded Plover), viele Zwergstrandläufer (Little Stint), Säbelschnäbler (Avocet), Stelzenläufer (Black-winged Stilt) und auch einige Kampfläufer (Ruff) zu sehen waren, verging mir die Lust auf weitere Seltenheiten. Es war heiß, und mein Appetit auf Birding dahin, ich hasse diesen Dreck!

Wir fuhren zurück nach Andoni, aber wieder keine Paradieskraniche. Ich drehte den großen Loop durch die Grassteppe, den wir kleine Serengeti nennen, wieder zurück nach Andoni, und erneut keine Paradieskraniche. Als mir dann meine gute Kollegin und Freundin Ute von Ludwiger, die hier im Park täglich führt, schrieb, dass die Paradieskraniche wohl nach Norden an einen Stausee im Ovamboland gezogen sind, gaben wir sie endgültig auf.

Auf dem Rückweg sahen wir an der Fischerspfanne noch einige Goldschnepfen sowie ein paar Marabus. Doch es war inzwischen nach zwei Uhr, die Hitze und die vielen Stunden im Auto zerrten an allen, und so freuten wir uns auf einen ruhigen Nachmittag. Ich tauschte noch eine Batterie und stellte fest, dass eine Autobatterie defekt war. Sie muss morgen in Grootfontein ersetzt werden.

Beim Abendessen flog eine Schleiereule (Barn Owl) vorbei. Ich rief sie noch einmal und leuchtete mit der Lampe, sodass wir sie wunderbar beobachten konnten. Damit klang der Tag mit Daumen oben aus.

 

Tag 9, 18.11.2025 – „long way from home“

Obwohl heute ein reiner Fahrtag war und eigentlich kein großes Birding auf dem Programm stand, standen wir sehr früh auf und frühstückten bereits um 5.30 Uhr. So konnten wir vor der langen Strecke noch einen kurzen Spaziergang machen, der außer dem Schopf-Frankolin (Crested Francolin) allerdings keinen großen Erfolg brachte.

Anschließend fuhren wir in ein anderes Gebiet, da ich unbedingt noch den Schwarzgesicht-Drosselhäherling (Black-faced Babbler) suchen wollte. Dieser spezielle Vogel gehört auf jede Beobachtungsliste und sollte sich eigentlich in jedes Beobachtungs-Gehirn dauerhaft einbrennen. Die ersten beiden Anläufe blieben erfolglos, doch ich steuerte schließlich eine andere Unterkunft an, in deren Umgebung ich die Art in der Vergangenheit schon gesehen hatte, und tatsächlich konnten wir sie den Gästen zeigen. Wir mussten noch nicht einmal rufen, wir hatten einfach großes Glück und die Vögel waren plötzlich da.

Dort zeigten sich zudem der Graubrust-Paradiesschnäpper (African Paradise Flycatcher), der alle mit seiner Eleganz und Farbenfreude begeisterte, sowie der Weißbauch-Nektarvogel (White-bellied Sunbird), der sich fototechnisch perfekt in Pose setzte. Und zu guter Letzt thronte auch noch eine Bergammer (Cinnamon-breasted Bunting) wie auf einem kleinen Podest und wartete gefühlt nur auf die Kameras.

Danach konnte die eigentliche Fahrt beginnen und wir fuhren straight nach Grootfontein. Da der Kühlschrank im Auto zuvor die Batterie leergezogen hatte, musste ich diese auswechseln. Während die Gäste in Grootfontein herrlich Kaffee und Kuchen genossen, besorgte ich eine neue Autobatterie, baute sie ein, holte alle wieder ab und weiter ging die lange Strecke über den Veterinärzaun, die rote Linie, die Grenze, hinter der das echte Afrika beginnt, bis hin zur Kayova Lodge.

Die Kayova Lodge ist eine typische Unterkunft des nordöstlichen Namibias. Hier darf man selbstverständlich nicht denselben Standard erwarten wie im restlichen Namibia, denn allein die Zufahrtswege und die infrastrukturellen Möglichkeiten sind deutlich herausfordernder. Dennoch waren die Zimmer schön und sauber, die Moskitonetze sicher, der Wasserdruck perfekt, und selbst ich bekam ein gutes Zimmer. Das Abendessen war ein bestelltes Dreigangmenü, sagen wir, es war vollkommen in Ordnung. Niemand meckerte, und alle gingen satt schlafen.

Natürlich erkundeten wir auch noch den Garten der Lodge. Dort beobachteten wir unter anderem die Aschenmeise (Ashy Tit) sowie einen Kapkuckuck (Levaillant’s Cuckoo) bei der Paarung. Besonders niedlich war, wie das Männchen dem Weibchen währenddessen ein kleines Geschenk brachte, eine Raupe, also Essen und Liebe in einem Moment, sagen wir es etwas eleganter. Dasselbe Schauspiel bot sich uns später beim Jakobinerkuckuck (Jacobin Cuckoo): Männchen mit Geschenk, Paarung, Fütterung – hochinteressant.

Vom Kapkuckuck verpasste ich die Szene knapp, aber Josef hatte die Kamera wie immer im Anschlag. Er ist der Älteste der Gruppe, aber zugleich der Härteste. Ich bewundere diesen Mann dafür, wie er mit eiserner Disziplin und unerschöpflichem Tatendrang eigentlich immer stramm steht, im wahrsten Sinne des Wortes, und nie müde wird. Ihm ist nie zu heiß, nie zu kalt, nie zu weit. Und sein Wissen über die Natur und über physikalische Zusammenhänge ist grenzenlos.

 

Tag 10, 19.11.2025 – „follow me, I’m lost too“

Heute war noch früheres Aufstehen angesagt. Bereits um Viertel vor fünf klingelte der Wecker, obwohl ich gesundheitlich etwas angeschlagen war. Dafür gibt es zum Glück Pillen. Pünktlich um halb sechs fuhren wir los und erreichten um Viertel vor sechs die Miombo-Wälder, wo einige unserer wichtigsten Zielarten auf uns warteten.

Ganz oben auf unserer Liste stand die Rostbauch-Rußmeise (Rufous-bellied Tit), gefolgt vom Miombowürger (Souza’s Shrike). Ebenfalls bedeutend waren die Spatelracke (Racket-tailed Roller) sowie Arnotschmätzer (Arnot’s Chat). Wir wussten, dass dies ein anspruchsvoller, intensiver Tag werden würde.

Um niemanden mit detailreichen Wegangaben zu langweilen, halte ich es kurz. Ich traf eine langjährige Connection, einen einheimischen Kwangali, der sich viel in diesem Gebiet bewegt und mit großer Leidenschaft die Vogelwelt und die Wälder schützt. Ihm gehört ein riesiges Areal, das er aktiv vor Abholzung bewahrt. Gleichzeitig versucht er, die lokale Bevölkerung stärker in den Tourismus einzubinden, um Alternativen zum Holzeinschlag zu schaffen.

Hier wachsen große Bestände von Manketti-, Tamboti-, Zambesi-Teak- und Kiaat-Wäldern. Besonders begehrt ist das sogenannte Rhodesian Teak, das rote Teakholz, das vielerorts verkauft wird und leider stark übernutzt ist. Genau in diesen Wäldern leben die seltenen Arten, die aufgrund zunehmender menschlicher Einflüsse, wie die Engländer sagen, human encroachment, nur noch schwer zu finden sind.

Wir fuhren tief in die Landschaft hinein und wanderten schließlich etwa acht Kilometer durch den Miombo-Wald. Anfangs war die Stimmung etwas mutlos, da die Beobachtungen spärlich und schwierig waren. Doch plötzlich hörten wir die Rostbauch-Rußmeise (Rufous-bellied Tit). Nach mehreren Versuchen reagierte sie schließlich auf unsere Klangattrappe und ließ sich wunderbar beobachten. Ein großartiger Moment, der den Tag eigentlich schon gerettet hätte.

Wir trafen außerdem auf Arten wie den Klaaskuckuck (Klaas’s Cuckoo) und die Gelbbauchammer (Golden-breasted Bunting). Immer wieder hörten wir den Einsiedlerkuckuck (Red-chested Cuckoo). Danach wechselten wir das Gebiet und fanden schließlich auch den Miombowürger (Souza’s Shrike). Es ist immer wieder faszinierend, diese Vögel aus der Ferne zu hören, ihnen näherzukommen, sie zu verfolgen und dann festzustellen, dass der Vogel, den man weit entfernt vermutet hätte, plötzlich in vielleicht 50 Metern Entfernung sichtbar ruft. Ein intensiver Moment, der alle mitriss.

Der tiefe Sand machte uns zwar zu schaffen und die klassischen Gruppensituationen entstanden, in denen die vorderen Teilnehmer den Vogel schon im Blick hatten, während die hinteren noch kämpften, aber ich achtete darauf, dass Mark, der gerne fotografierte, und Josef, der ganz hinten saß, stets gute Sichtpositionen hatten. Ich denke, alle konnten ausgezeichnete Fotos aufnehmen, auch wenn es sicherlich manchmal etwas frustrierend war, wenn man nicht sofort „on the bird“ war.

Kurz darauf berichtete unser lokaler Guide, dass Spatelracken (Racket-tailed Rollers) in seinem Dorf zu finden seien. Und tatsächlich sahen wir sie fantastisch, zwei Tiere, schon fast balzend und rufend. Dann zeigte sich auch noch Arnotschmätzer (Arnot’s Chat) in einer märchenhaften Szene: erst versteckt, dann lockend, und schließlich setzte er sich direkt vor einen Stamm in etwa 30 Metern Entfernung und präsentierte sich mit erhobenem Steiß und einem kleinen tänzelnden Ritual. Unfassbar schön. So viel Glück muß man mal erst verdient haben.

Unsere Touren bei und von Birdingtours finden maximal mit sieben Teilnehmern statt, diesmal waren wir nur fünf. Ich glaube, darin liegt eine unserer größten Stärken: kleine Gruppen, gute Unterkünfte, gut genährte, ausgeruhte Gäste und dadurch intensive Naturerlebnisse. Da sind wir der Konkurrenz deutlich voraus. Das kann ich sehr guten Gewissens sagen.

Nachdem wir alles gesehen hatten, fuhren wir das letzte Stück zur Mahangu Lodge. Nach der Zimmerverteilung entdeckte ich im Garten sofort Hartlaubdrosselhärlinge (Hartlaub’s Babbler) sowie einen Weißstirnweber (Thick-billed Weaver). Josef, der eigentlich gerade sein Zimmer beziehen wollte, griff dann doch lieber zur Kamera und pirschte den Vögeln hinterher.

Ich setzte mich während der zweistündigen Pause auf das Deck, und nach und nach kamen auch die anderen in entspannter Haltung dazu. Auf dem gegenüberliegenden Ufer lagen die Hippos in allen Varianten: groß, klein, trocken, nass, spielend, kämpfend, grunzend, sich liebend. Ein beruhigender, wunderschöner Anblick. Und der Kaffee war hervorragend. Hier ist der Eigentümer deutsch, und das schmeckt man deutlich am Kaffee.

Nach der Pause ging es weiter zur Pirschfahrt in den Mahangu Nationalpark. Auf der Pirschfahrt durch den Mahango Park herrschte eine wahnsinnig schöne Nachmittagsstimmung, wie es dort eigentlich oft der Fall ist. Man hat leider immer nur die letzten zwei bis drei Stunden Zeit und bräuchte eigentlich viele Stunden mehr, um all die Tiere am Ufer des Okavango richtig beobachten zu können. In den Feuchtgebieten und auf den Flutflächen des Okavango weideten Hunderte Lechwe-Moorantilopen sowie Großriedböcke. Wir sahen auch die Chapman-Zebras, eine besondere Unterart des Steppenzebras, Equus quagga chapmani. Einige Chobe-Buschböcke versteckten sich im dichteren Gebüsch. Die Impalas hatten in diesen Tagen gerade ihre Kleinen bekommen, viele Impala-Mütter führten ein Junges an der Seite, und es gab mehrere richtige Kindergärten. Impalas setzen auf synchrone Geburten, denn in der Menge überlebt man leichter.

Das absolute Highlight dieses Tages und für mich persönlich auch eines der schönsten Erlebnisse der gesamten Tour war eine Savannen-Gelenkschildkröte, die Speke’s Hinge-back Tortoise (Kinixys spekii), auf die uns Bernd – danke, liebster Bernd! – aufmerksam machte. Vogeltechnisch war es am Ufer des Okavango natürlich wie immer sehr interessant, mit Weißwangen-Pfeifenten (White-faced Whistling Ducks), Sporengänsen (Spur-winged Goose) und dem Blaustirn-Blatthühnchen (African Jacana). Mona war schon nach einer Stunde ganz enttäuscht, weil diese Pirschfahrt so kurz sein würde, und war sichtlich traurig, dass wir in anderthalb Stunden bereits wieder hinausmussten. Ich versprach ihr jedoch, dass wir am nächsten Tag wieder in den Park fahren würden, und damit war die Stimmung wieder gut.
Auf dem Weg hinaus aus dem Park begegneten wir noch einer kleinen Gruppe Chapman Zebras. Wieder einmal war der Unterschied zum Burchell’s Steppenzebra deutlich zu erkennen. Sie standen auf einem frisch erblühten Feld der Nickenden Sumpflilie, Crinum subcernuum, was der Szene eine beinahe märchenhafte Schönheit verlieh.

 

Tag 11 – 20.11.2025 – „Tswanas and Trees and Water“

Ganz in der Früh trafen wir uns mit einem lokalen Guide der Lodge und gingen einen relativ langen Spazierweg entlang. Wir beobachteten eine Afrika-Zwergohreule (African Scops Owl), viele der üblichen Buschvögel wie den Hartlaubdrosselhäherling (Hartlaub’s Babbler), sehr schön auch den Safranweber (Holub’s Golden Weaver) und einige weitere Arten. Das sonst fast garantierte Zwerg-Blatthühnchen (Lesser Moorhen) war diesmal allerdings nicht aufzufinden. Insgesamt war der Spaziergang – abgesehen von einem wunderbar sichtbaren Zwergsperber (Little Sparrowhawk) am Ende – etwas weniger ergiebig als in manch anderen Jahren. Dabei waren die Bedingungen wegen der guten Niederschläge und der angenehmen Temperaturen eigentlich hervorragend. Aber gut, es kann nicht jedes Jahr alles getoppt werden.

Wir fuhren dann erneut in den Mahango Nationalpark und wählten diesmal die Westschleife, die sich den Flusslauf entlangzieht. Durch den dicken Sand erreichten wir dann wieder die Hauptstraße. Dort entdeckten wir die gelbe Variante des Rotbauchwürgers (Yellow Morph des Crimson-breasted Shrike) und verbrachten eine ganze Weile damit, diesen Vogel ordentlich zu fotografieren. Mark war wie immer schnell und zackig mit der Kamera und erwischte ihn tatsächlich im dichten Gestrüpp.

Im Miombo-artigen Waldstreifen oben auf der Düne hielten wir häufiger an und lockten verschiedene Arten mit Klangattrappen, doch bis auf die Sambesi-Rußmeise (Southern Black Tit) und den Grünbaumhopf (Green Wood Hoopoe) war wenig auszumachen. So fuhren wir zurück auf die Hauptstraße und überquerten gegen Mittag die Grenze. Es war ein guter Zeitpunkt, denn alle Grenzbeamten wirkten sichtlich erschöpft und hatten wenig Interesse an ausführlicher Kontrolle, sodass wir erstaunlich schnell durchkamen.

Im Drotsky’s Cabins erwartete uns eine weniger erfreuliche Nachricht: Am Nachmittag stünde kein Boot für uns bereit. Ich rief kurzerhand auf der Nachbarlodge an, und zu unserem Glück hatten sie ein Boot und sogar einen Guide frei, der sich später als wirklich hervorragend erwies. Wir fuhren hinüber, stiegen ein, und er brauste sofort los zu der Stelle, an der er die Bindenfischeule (Pel’s Fishing Owl) vermutete.

Wir hatten riesiges Glück. Die Eule saß nicht wie sonst hoch oben zwischen den Ästen der Schakalbeerenbäume, sondern diesmal recht nah am Stamm und vollkommen frei sichtbar. Was für ein Anblick. Noch dazu kam eine Grünmeerkatze (Vervet Monkey) von oben herab, rüttelte an Zweigen und rückte der Eule auf die Pelle, sodass diese ihre Augen weit öffnete, geifernd nach oben blickte und sich leicht aufplusterte… yeah, man, für Fotografen ein Traum.

Auf dem Rückweg hielten wir an einer Sandbank, auf der mehrere Scherenschnäbel (African Skimmer) standen, darunter einige Jungvögel, die noch nicht vollständig ausgefärbt waren. Im warmen Nachmittagslicht war es ein wunderbares Erlebnis, diese eleganten Vögel fliegen zu sehen – romantic Africa at its best.

Doch unser Guide setzte noch einen drauf und zeigte uns einen Weißrückennachtreiher (White-backed Night Heron). Es war ein richtiges Hin und Her mit dem Boot, da diese Art sich gern geheimnisvoll verhält und selten gut sichtbar ist. Der Guide manövrierte geduldig, umfuhr schließlich sogar den Baum aus verschiedenen Richtungen, bis wir den Vogel schön frei vor uns hatten. Besser geht wirklich nicht.

Das Boot legte schließlich am Steg der Drotsky’s Cabins an. Die Gäste stiegen aus, ich fuhr mit dem Guide zur Nachbarlodge zurück und dann mit dem Auto heim. Das Management begrüßte mich etwas mürrisch wegen meiner späten Rückkehr, doch alle Anliegen waren schnell geklärt, und jeder ging hoffentlich zufrieden ins Bett.

 

Tag 12 – 21.11.2025 – „Panhandle“

Otto hieß der lokale Guide, mit dem wir heute Morgen auf Narina-Trogon-Pirsch gingen. Der Narinatrogon (Narina Trogon) gehört sicher zu den schönsten Vögeln dieser Erde, mit seiner flammend roten Brust und dem smaragdgrünen Rücken, den er einem allerdings, sobald er Gefahr wittert, sofort zuwendet. So sieht man ihn hoch oben im grünen Blattwerk nur schwer, und oft ist es wirklich eine Herausforderung, ihn überhaupt nur zu sehen. Wir hörten ihn rufen und folgten seinem Ruf, konnten ihn auch einige Male gut sehen, doch mit dem Fotografieren war es wie so oft eine Geduldsprobe.

Und so stiefelten und knackten und kratzten wir im wahrsten Sinne des Wortes durchs Gebüsch, immer in der Hoffnung auf eine bessere Sichtung dieses prachtvollen Vogels. Doch es wurde schnell wärmer. Irgendwann fragte mich Andrea, welchen Vogel sie da auf dem Kameradisplay hätte. Ich erkannte den Natalrötel (Red-capped Robin-chat) und wurde ganz schwach. Den Natalrötel suchen nicht nur ich, sondern auch sämtliche Birding-Guides dieser Gegend. Oft vergeblich, meistens verzweifelt und fast immer ohne Erfolg. Er wird hier nur sehr selten verzeichnet.

Ich sagte wohl etwas unverschämt: „Warum hast Du das nicht gleich gesagt?“ Die Situation war nämlich folgende: Ich hatte den Vogel an der Stelle zwar singen hören, wandte mich an Otto und meinte, das klinge anders. Vielleicht Heuglins Heckensänger (White-browed Robin-chat)? Er nickte und meinte, der Vogel oben könne ein Jungvogel des Heckensängers sein. Und so richteten wir alle unsere Augen nach oben in die Baumkronen, während Andrea unten im Unterwuchs einen der seltensten Vögel dieser Region fotografierte.

Nach einer Weile war es dann wirklich Zeit, zurückzugehen. Bernd sonnte sich abseits, er hatte keinen Bock mehr, und Andrea war schon ganz flau von der Hitze. Also ging es zum Frühstück zurück. Zu guter Letzt deutete Andrea, die wirklich Adleraugen hat, noch einmal über uns und sagte: „Da sitzt er, euer Trogon.“ Und tatsächlich, wir konnten den Narinatrogon noch einmal richtig schön beobachten, von hinten, von vorne, auch seitlich. Ein großartiger Moment.

Nach dem Frühstück machte ich mich nochmals allein auf den Weg, um den Natalrötel (Red-capped Robin-chat) gezielt zu suchen. In der Mittagshitze herumzustiefeln ist wenig motivierend, aber es ließ mir keine Ruhe. Irgendwann war ich nahe daran aufzugeben, doch dann hörte ich ihn und hörte auch, wie er einen Perlkauz (Pearl-spotted Owlet) imitierte. Ich stellte meine Klangattrappe ganz leise mit seinem Lockruf ins Gebüsch. Tatsächlich: Ein Vogel schoss vorbei, dann noch einer, und irgendwann setzte er sich kurz, aber keine zwei Sekunden lang. Ich konnte ein Foto machen, eine Zehntelsekunde später war er wieder im Dickicht verschwunden.

Auf dem Heimweg zeigte sich auch noch ein Kappzwergkauz (African Barred Owlet). Den wollte ich den Gästen ohnehin noch zeigen, und so konnte auch dieser schöne kleine Kauz nun auf die Liste.

Als ich der Gruppe von meinen Erfolgen erzählte, sah ich natürlich einige enttäuschte Gesichter, schließlich hatten sie diese beiden Vögel verpasst. Also machten wir uns später noch einmal auf den Weg und versuchten, die Arten wiederzufinden. Es dauerte nur eine kurze Weile, und tatsächlich gelang es uns: Der Natalrötel ließ sich blicken. Zwar blieb er tief im Gebüsch, doch die Sichtung war eindeutig und gut genug, um alle zufrieden zu stellen.

Und auch der Kappzwergkauz zeigte sich noch einmal, diesmal perfekt für eine, wie Mona so schön sagte, „Genussbeobachtung“. Damit konnten wir dieses Kapitel erfolgreich abschließen und „weiterziehen“.

Am Nachmittag unternahmen wir mit Otto noch eine Bootspirsch, etwas weiter südlich hinaus auf die Floodplains des Okavango. Die Fahrt dorthin dauerte ein wenig, doch schon der Weg war wegen einer jungen Zwergdommel (Little Bittern), dem grad eingezogenem Blauwangenspint (Blue-cheecked Bee-eater) und dem Braunkopfliest (Brown-hooded Kingfisher) ein Erlebnis. Wir machten sogar einen kleinen Spaziergang über die weiten Ebenen, entdeckten hier und da interessante Vogelarten wie Braunbürzelamarant (Brown Firefinch), Kupferschwanzkuckuck (Coppery-tailed Coucal), und eine Weißbart-Seeschwalbe ließ sich wunderbar beobachten, wie sie mit ihren typischen Rufen über uns hinwegzog.

Viel Neues für die Liste gab es zwar nicht, und das soll keinesfalls abwertend klingen. Es war einfach eine schöne, ruhige Nachmittagspirsch, aber halt ohne erwünschte „kick-ass“ Arten wie Bronzesultanhuhn (Allen’s Gallinule), welche ich hier immer sehe… naja, dann eben „common birds“, auch schön!

 

Tag 13, 22.11.2025 – „go-away, actually a name of a bird“

Wir trafen uns früh am Morgen zu einem kleinen Gartenspaziergang. Eigentlich hatte ich gehofft, wieder den Goldrückenspecht (Olive Woodpecker) zu entdecken, den ich hier schon einmal gesehen hatte. Doch diesmal ließ er sich nicht blicken, und der Garten war insgesamt recht ruhig, außer, dass sich der Halsband-Bartvogel (Black-collared Barbet) lauthals blicken ließ und ein Lappenchamäleon (Chamaeleo dilepis) die all-rounder in der Gruppe verzauberte. So kamen wir zügig zum Frühstück und konnten bald losfahren.

Auf dem Weg hinaus sahen wir noch sehr schön die Zimtracke (Broad-billed Roller), ein farbenprächtiger Vogel, der sich wunderbar präsentierte. Die Ausreise aus Botswana und die Einreise nach Namibia verliefen erstaunlich schnell. Ich fuhr anschließend noch ein paar kleine Schleifen, denn im Mahango Park wollte ich unbedingt den Keilschwanzglanzstar (Sharp-tailed Starling) finden. Doch Hitze und Wind machten jede Suche beinahe aussichtslos, und es war auffallend still in der Vogelwelt. Eigentlich genau das passende Wetter für eine lange Strecke, denn heute lagen über 360 Kilometer vor uns. Zum Glück war fast die gesamte Strecke asphaltiert.

Bei White Sands, N//goabaca, hielten wir kurz an, um die Popa-Stromschnellen zu besichtigen. Die Damen nutzten die Gelegenheit und kauften ein oder zwei Körbe bei den dort ansässigen Khwe-Bushleuten im kleinen Souvenirladen. Dann ging es weiter, gen Osten, hinein in den Caprivi-Zipfel, der heute Sambesi-Region heißt.

Natürlich dauert es immer etwas, wenn man anhält, nach einem Vogel schaut und dann noch einem weiteren nachspürt. So erreichten wir die Lodge erst am späten Nachmittag. Man erwartete uns jedoch bereits freundlich, und wenig später durften wir schon auf das Boot der Caprivi River Lodge steigen. Diese Ausfahrt sollte sich als absoluter Höhepunkt entpuppen. Als wir auf der Lodge ankamen und fertig eingecheckt hatten, wollten wir natürlich unbedingt die Leafloves sehen, also den Gelbkehl-Uferbülbül (Yellow-throated Leaflove), der ja leider umbenannt wurde und heute diesen wirklich unsäglichen Namen Yellow-throated Greenbul trägt. Man muss es wirklich einmal deutlich sagen, dass diejenigen, die all diese Vögel so unüberlegt umbenannt haben – etwa wie beim Waffenkiebitz (Blacksmith Lapwing), der seinen alten Namen nun wirklich aus gutem Grunde trug, und aus dem man einen Schmiedekiebitz machte, oder eben aus dem liebevoll klingenden Leaflove einen Greenbul – irgendwann einmal jemanden finden sollten, der ihnen erklärt, warum solche Änderungen schlicht Unfug sind. Es gibt zahlreiche dieser kopflosen neuen Namensänderungen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann… und unser Leben als Guides damit nicht unbedingt einfacher wird!

Auf jeden Fall hatte der lokale Bootsführer sofort verstanden, was wir suchen, und führte uns direkt durch den Garten. Es dauerte nicht lange, da erblickten wir ein prachtvolles Leaflove-Pärchen. Oh ja, bei mir heißt er Leaflove, und so wird er immer heißen. Die Gruppe konnte die beiden nicht nur wunderbar nebeneinander sitzend und flügelstreckend beobachten, sondern sie auch in aller Ruhe fotografieren.

Wir witzelten anschließend weiter über einen unserer Standardwitze, nämlich darüber, wie man den Weißabgleich einer Kamera vernünftig einstellt. Hier muss erwähnt werden, dass Mark ein absoluter Fotoprofi ist und mit Weißabgleich-Einstellungen tatsächlich das Maximum aus jedem Bild herausholt. Ich habe dort unglaublich viel gelernt, und es macht einfach Freude, mit jemandem unterwegs zu sein, der so viel Erfahrung und Leidenschaft mitbringt.

Die Binsenralle (African Finfoot) zeigte sich erstaunlich schnell und stieg sogar aus dem Wasser, um uns ihre leuchtend orangenen Beine zu präsentieren, Männlein sowie Weiblein. Darf man das noch sagen?… Wir sahen außerdem den wunderschönen Graukopfliest (Grey-headed Kingfisher) mit seinen warmen Brauntönen, hellen und grauen Schattierungen sowie dem zarten Blau und Weiß, das seinen Kopf und Rücken ziert. Später begegneten wir noch einem weiteren Männchen der Binsenralle, mehreren Mangrovereihern (Striated Heron), dem eindrucksvollen Riesenfischer (Giant Kingfisher) und einem Nachtreiher (Black-crowned Night Heron).

Doch die Krönung kam in einem ruhigen, fast magischen Moment. Vor uns jagten die Karminspinte (Southern Carmine Bee-eaters) immer wieder über das Wasser, schossen hindurch, tauchten ein und stiegen wieder auf, als würden sie sich abkühlen oder waschen. Die Vögel hatten sichtlich Spaß, und wir versuchten natürlich, diese Szene fotografisch festzuhalten. Dazu braucht man allerdings viel Übung, und ich glaube, niemand von uns hat das perfekte Bild erwischt. Trotzdem war dieser Augenblick unvergesslich und machte den Tag.

Am Abend gab es einen lokalen Fisch, einen Bream, der außerordentlich gut schmeckte. Auch die Vegetarier wurden wie immer bestens versorgt, und ich habe auf der gesamten Reise bisher niemanden über das Essen klagen hören, ganz im Gegenteil, alle waren überall begeistert, naja, fast.… Das liegt auch an unserer sorgfältigen Lodgewahl. Von Birdingtours agieren wir im Auftrag, unsere Gäste stets gut bis sehr gut unterzubringen, und das zahlt sich wirklich aus.

Später am Abend begrüßten wir dann noch JG, der uns versprach, uns am nächsten Morgen ein wenig durch sein Heimatgebiet zu führen. Ein schöner Abschluss eines langen, eindrucksvollen Tages.

 

Tag 14, 23.11.2025 – „diesel and dust“

Um kurz nach fünf standen bereits viele gestiefelt und geschnürt, die Koffer nahezu gepackt, bereit für unseren morgendlichen Spaziergang. Auf der Lodge gab es schnellen Kaffee und kurz darauf machten wir uns auf den Weg, in der Hoffnung, den Braunkopf-Tropfenvogel (Eastern Nicator) zu finden. Doch der Vogel schwieg hartnäckig. Selbst die Klangattrappe brachte keinerlei Reaktion. In der Ferne flogen zwar Trompeterhornvögel (Trumpeter Hornbills) vorbei, aber sie ließen sich nicht blicken. Der Morgen versprach ein eher erfolgsarmer zu werden.

Sehr schön hingegen war die Beobachtung des Graukopfwürgers (Grey-headed Bushshrike) und des Orangebrustwürgers (Orange-breasted Bushshrike), die sich aufmerksam ins Sonnenlicht setzten und auch für die Fotografen ein paar wirklich feine Momente boten. Außerdem war der Weißflankenschnäpper (Chinspot Batis) eine nette Ergänzung. Trotzdem wurde mir schnell klar, dass wir zu viel Zeit verloren, und so gingen wir zurück zum Frühstück.

Nach dem Essen fuhren wir zum Green Basket Café, um die dort zuverlässig vorkommenden Kleinelsterchen (Bronze Mannikins) zu sehen. Charmaine, die Kellnerin, war ehrlich enttäuscht, dass wir keine Zeit für einen Kaffee hatten, und meinte nur mit einem vorwurfsvollen Blick, as if it can take longer than ten minutes to have coffee. Ich werde das wohl beim nächsten Mal wiedergutmachen müssen.

Dann ging es weiter, und hier begleitete uns JG, was mir sehr recht war. Die Lagunen im Osten verändern sich ständig, sowohl in ihrer Vogelvielfalt als auch in ihrer Befahrbarkeit, und da ist es hilfreich, jemanden dabeizuhaben, der dieses Gebiet regelmäßig besucht. Es dauerte nicht lang, bis wir das Zwergblatthühnchen (Lesser Jacana), den Rotbauchreiher (Rufous-bellied Heron) und andere bereits bekannte Arten fanden, die sich vor unsere Objektive wagten.

Anschließend fuhren wir weiter zur Karminspintkolonie, einer großen Ansammlung von bodenbrütenden – naja, sie haben halt ihre Löcher auf ebener Erde statt in Uferbänken – Karminspinten (Southern Carmine Bee-eaters). Die Hunderte von Vögeln beeindruckten die Gruppe logischerweise. Doch wir suchten eine besondere Rarität, den Scharlachspint (Northern Carmine Bee-eater), der hier zuvor gesichtet worden war. Wir standen eine gute halbe, gefühlte zwei Stunden in der knallenden Sonne, aber das Tier wollte einfach nicht erscheinen. Hinter mir wurde die Gruppe immer kleiner, bis schließlich auch Mona, die diesen Vogel unbedingt sehen wollte, zum Auto zurückkehrte, um der gleißenden Sonne zu entkommen. Ich verabschiedete mich von JG, und wir fuhren weiter zu den Chobe Floodplains.

Dort sahen wir zunächst die üblichen Reiherarten und mehrere Limikolen. Die Pünktchenente (Hottentot Teal) zeigte sich, und zuvor auf der Lagune hatten wir sogar eine Zwergschmuckente (Pygmy Goose) entdeckt. Ich mahnte die Gruppe, sorgfältig nach dem Rubinkehlpieper (Rosy-throated Longclaw) Ausschau zu halten. Und tatsächlich, plötzlich saß ein Weibchen ganz nah neben dem Auto, mit einer wunderbar eingefärbten Kehle und Unterseite. Lovely.

Später hatten wir weiteres Riesenglück und fanden zwei Afrikabekassinen (African Snipe) sowie eine Goldschnepfe (Greater Painted Snipe). Damit war für mich das Abenteuer des Tages vollkommen erfüllt, und wir machten uns auf zur Grenze.

Dort jedoch wurde ich richtig wütend. Die namibische Abfertigung war ein Armutszeugnis. In der Halle war es schmuddelig, und wir wurden einfach nicht abgefertigt. Eine halbe Stunde standen wir herum, bis sich der einzige Beamte vom Einreiseschalter losriss, sich endlich an den Ausreiseschalter setzte, jedoch zuerst seine sich vordrängelnden African Ladies bediente. Als ich laut wurde, sagte er nur: „What can I do?“ Ich dachte mir meinen Teil und stand zu meinem Urteil. Der Ärger saß tief, und ich schämte mich für meine Mitbürger. So etwas war wirklich das Allerletzte.

In Botswana dagegen lief alles reibungslos. Wir desinfizierten unsere Schuhe, ich fuhr durch das Giftbad, wir wurden freundlich abgefertigt und fuhren unkompliziert durch den Park zum Hafen. Dort empfing uns schon Peter, und mit dem Boot wechselten wir sofort in eine völlig entspannte Stimmung, vielleicht war es auch der Gin Tonic, welcher obligatorischerweise hier als Welcomedrink serviert wird. Auf der Lodge wurden wir mit Gesang und Klatschen begrüßt, was wirklich erwärmend war. Nach einem Kaffee und herrlichem Bananenbrot wanderten wir – zum Glück lag die Einwanderungsstelle direkt neben der Lodge – ganz unkompliziert wieder nach Namibia ein und fuhren anschließend mit Peter zu einer weiteren Bootsfahrt hinaus. Es war vollkommen entspannt. Das Boot glitt ruhig am Ufer entlang und zog an einer großen Büffelherde vorbei. Wir sahen die üblichen Triele (Water Thick-knees) und zahlreiche andere Wasservögel. Die Fahrt wurde schließlich durch die Beobachtung des seltenen Braunkehlreihers (Slaty Egret) und eines Glockenreihers (Black Egret / Heron) gekrönt, und kurz darauf tauchte eine Elefantenherde vor uns auf, die in der warmen Abendsonne gemächlich am Wasser stand. Ein spektakulärer Sonnenuntergang legte sich darüber und machte diesen Abschnitt zu einem perfekten Abschluss eines langen Tages.

 

Tag 15, 24.11.2025 – „Lumela“

Völlig gesmasht wachte ich heute Morgen um fünf Uhr auf. Es war unglaublich warm, und obwohl ich eigentlich gut geschlafen hatte, war keine Restenergie mehr in meinem Leib, welcher sich eher wie ein nasser Laib anfühlte. Ich hoffte sehr, dass es meinen Gästen besser ging. Peu à peu erschienen jedoch alle zum Kaffee um fünf Uhr dreißig. Nach einem, einem oder zwei Keksen, ein paar netten Worten und zweimal gutem Morgen ging es los zur frühen morgendlichen Bootspirsch.

Gleich zu Beginn sahen wir einen wunderschönen Rubinkehlpieper (Red-throated Pipit). Leider saß er so tief und weit entfernt, dass wir ihn nicht fotografieren konnten. Ich spielte die Attrappe kurz ab, doch statt näher zu kommen, flog der Vogel in hohem Bogen auf eine andere Insel. Schade, aber so ist das manchmal.

Wir fuhren weiter entlang des Botswana-Ufers, und leider musste sich die Gruppe heute meine schlechte Laune und mein Gezicke über den Müll anhören, der dort am Ufer lag. Nur gut, dass uns direkt danach ein Kobalteisvogel (Half-collared Kingfisher) entgegenlachte. Normalerweise ist dieser Vogel schwer zu finden, aber wir hatten ja Andrea dabei. Schon von weitem sagte sie, da sitzt ein Eisvogel – und tatsächlich, er war es. Geduldig blieb der Kobalteisvogel sitzen, bis alle ein gutes Bild hatten, tauchte dann vor uns ins Wasser und flog mit einem kleinen Fisch davon, never to be seen, wo wir ihn aus den Augen verloren.

Danach ging es weiter zu den Chobe-Stromschnellen. Auf den Felsen der Stromschnellen brüteten oder ruhten zahlreiche Halsbandbrachschwalben (Rock Pratincole). Die Nimmersatt-Kolonie (Yellow-billed Stork) war bereits aufgelöst, die Jungvögel saßen aber noch auf den Felsen. In einem Baum konnten wir beobachten, wie alles, was ein weißer Reiher war, noch mitten in der Brutzeit steckte. Besonders schön ist hier am Chobe, dass man den Edelreiher (Yellow-billed Egret), den Silberreiher (Great White Egret), den Kuhreiher (Cattle Egret) und den Seidenreiher (Little Egret) dicht beieinander hat und wunderbar miteinander vergleichen kann.

Weiter ging es in den Kasai Channel. Doch es dauerte nicht lang, bis uns die Lust verließ, denn wir alle hatten eines gemeinsam: Wir hatten Hunger. Peter wollte noch einen kleinen Spaziergang an Land machen, so wie wir es auf anderen Touren gewohnt waren, um dort ein paar Vögel zu schauen. Aber die Begeisterung hielt sich sehr in Grenzen. Wir machten den kurzen Weg trotzdem und sahen das Afrika-Schwarzkehlchen (African Stonechat), einen Senegalkiebitz (Wattled Lapwing) sowie mehrere Schwalben, unter anderem Rotkappenschwalben (Wire-tailed Swallow), Braunkehl-Uferschwalben (Brown-throated Martin), Uferschwalben (Sandmartin) und einen Luapula-Zistensänger.

Doch wenn man Hunger hat, ist die Luft raus, und so fuhren wir – mit einem kurzen Halt bei zwei Schreiseeadlern (African Fish Eagle), die majestätisch oben im Baum saßen – zurück zur Lodge. Dort erwartete uns ein wirklich fantastisches Frühstück mit reichlich frischem Obst, herrlicher Wassermelone und allem, was das Herz begehrt. Der Kaffee war herrlich stark, und trotz der unerbittlich hochkriechenden Wärme waren alle überraschend gut drauf.

Heute hatten wir zum ersten Mal über Mittag richtig lange frei, denn die Nachmittagsbootspirsch sollte erst um drei Uhr losgehen. Ich legte mich aufs Bett und wollte eigentlich noch Bilder sortieren, aber schlief dann komplett reiseerschöpft ein. Ein wenig hatten wir Angst vor Regen, doch der überraschte uns dann doch nicht, und wir hatten einen elefantengesegneten Nachmittag.

Mona wünschte sich schon Tage zuvor Elefanten, die durchs Wasser gehen, und ich sagte ihr: Frag den Peter, der macht’s möglich. Vielleicht.

Zuerst sahen wir eine sehr große Elefantenherde. In allen Größen und Formen tranken sie Wasser. Schon dieser Anblick war überaus unterhaltsam und im fantastischen Licht einfach eindrucksvoll. Eigentlich hatten wir Elefanten dann schon fast abgehakt, als zwei Bullen am gegenüberliegenden Kasika-Ufer langsam Richtung Wasser liefen. Erst rutschten sie mit den Vorderbeinen den Rand hinunter, dann streckten sie die Hinterbeine lang aus, krabbelten seitlich liegend regelrecht hinunter und verschwanden schließlich spielerisch miteinander im Wasser.

Mal war der eine oben, dann der andere. Direkt vor unseren Augen tauchten diese Elefanten immer wieder auf Nimmerwiedersehen in die Tiefe ein, kamen wieder hoch, der eine bestieg den anderen, bis sie schließlich das andere Ufer erreichten. Peter manövrierte das Boot stets so, dass wir die beste Sicht hatten, und ich denke, alle im Boot waren mehr als geflasht von diesem großartigen Erlebnis. Auch ich hatte Elefanten durchs Wasser gehen noch nie in dieser Form gesehen. Das war wirklich ein tiefer Griff in die Seele.

Am anderen Ufer kratzten sie sich an der Ufergeologie, dem einen schien es am Allerwertesten sehr zu jucken, und wir fuhren zufrieden weiter zur anderen Seite der Kasika-Insel, wo wir noch einige Vögel beobachteten. Ich identifizierte einen Star falsch und ärgerte mich kurz darüber, aber eigentlich konnte nichts mehr die Stimmung trüben.

Eine Gruppe Paviane belagerte das Ufer, sehr zum Verdruss des Weißscheitelkiebitz, welcher lauthals schrie, pfiff, whatever. Der eine Pavian lag rücklings „Pimmel in der Höh“ unverschämt unverhohlen und schaute uns schläfrig an… was der wohl hinter sich hatte!? So wie der Mensch sich zur Zeit entwickelt, sind wir dann wohl die Vorfahren der Affen … anderes Thema bitte.

 

Tag 16 – 25.11.2025 – „Ni tumezi“

Eigentlich wollte ich sehr früh frühstücken, aber die Lodge kam uns entgegen, und wir durften bereits um sieben Uhr statt 7h30 essen. Danach reisten wir aus, setzten mit dem Boot über nach Kasane und reisten in Botswana ein. Im Garten der Chobe Safari Lodge suchten wir den Morgenrötel (Collared Palm Thrush) und wurden auch sehr schnell fündig. Zwei Exemplare zeigten sich wunderbar nah. Dazu genossen wir die Anwesenheit eines Weißbrauenrötels (White-browed Robin-chat).

Im Anschluss fuhr ich mit der Gruppe an einen Ort, den ich auf einer früheren Reise bei einem kurzen Pinkelstopp entdeckt hatte, weil ich dort Bandastrilde (Cut-throat Finches) und den Dreiband-Rennvogel (Three-banded Courser) gesehen hatte. Es war allerdings schon sehr heiß, und während die Gruppe mir anfangs noch geschlossen folgte, brannte die Sonne dann doch etwas auf uns herab, und wir verdünnten uns zunehmend beim Suchen nach den Vögeln. Es tat mir ein wenig in der Seele weh, dass nicht mehr alle dabei blieben, aber man kann niemanden zu seinem Glück zwingen!

Und wie der Teufel es wollte, huschte plötzlich etwas unter den Bäumen entlang. Mark machte mich darauf aufmerksam. Wir gingen langsam näher, und da stand er, auf etwa 20 Meter Distanz: ein Dreiband-Rennvogel. Es muss gesagt werden, dass dieser vermutlich der schönste aller Rennvögel ist: die Streifung, die Färbung, das Muster – ein wahrer Genuss, diesen Vogel zu betrachten. Und ja, wie ich gern sage: ein ornithologischer Orgasmus.

Zunächst hielt er uns nur den Rücken hin, doch schon diese Sichtung war enough. Dann aber drehte er sich um und zeigte sich in voller Schönheit. Mona fragte später: War das Dein schönstes Erlebnis dieser Reise? Und ich muss sagen, es kam diesem schon sehr, sehr nahe. Ein echtes Glücksmoment.

Wir liefen noch ein Stück weiter, hörten den einen oder anderen Vogelruf und sahen in einiger Entfernung auch die erwarteten Cut-throat Finches, wenn auch nicht besonders gut. Um die anderen nicht länger warten zu lassen, kehrten wir zurück zum Fahrzeug und fuhren weiter bis zur Grenze, wo wir aus Botswana aus- und nach Simbabwe einreisten. An der Grenze half mir mein „Freund“ Themba bei der Abwicklung, ein Freund, dessen Zuneigung sich sicherlich erkaufen lässt, aber dennoch bin ich dankbar, jemanden zu haben, der den Prozess erleichtert, welcher sich sonst seeeehr ziehen kann.

Bei gutem Wetter erreichten wir die Victoriafälle und verbrachten den Nachmittag in einer Lodge, in deren Garten ich Gelbbrust-Pfeifgans (Fulvous Whistling-Duck), den Graukopf-Sperling (Northern Grey-headed Sparrow) sowie den Rotschwingenstar (Red-winged Starling) kannte – schön zu sehen beim Cappuccino mit einem kleinen Shot Amarula, den wir dort herrlich genossen.

Wichtig zu erwähnen ist vielleicht, dass wir bei der Ankunft gleich ein Helipad ansteuerten, um für Interessierte einen Hubschrauberflug zu organisieren oder gleich zu fliegen. Und tatsächlich: Ein Heli war frei, und nur wenige Minuten später hatten alle entschieden, mitzufliegen. Mona lud mich ein, und ich war unglaublich dankbar. Ich war schon lange nicht mehr geflogen, und es war ein phantastisches Erlebnis, ein wunderbarer erster Eindruck für unsere Gäste.

Danach ging es durch dichtes Gebüsch, und in der Mopane-Savanne machten wir einen kleinen Spaziergang, wo wir die Bandastrilde (Cut-throat Finches) noch einmal ganz hervorragend beim Weiden und Sitzen in den Bäumen beobachten konnten. Wirklich toll.

Den Abend ließen wir im bekannten Lookout Café ausklingen, mit großartiger Aussicht und einem hervorragenden Abendessen.

 

Tag 17 – 26.11.2025 – „Mosi-oa-Tunya“ and „Ni tumezi“

Heute Morgen gab es um sieben Uhr Frühstück, und wir machten uns sofort auf den Weg in den Nationalpark direkt an den Victoriafällen. Natürlich ist der Eintritt nicht ganz günstig – 50 US-Dollar –, aber ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall. Schon wegen des wunderbaren Sprühregenwaldes.

Langsam und bedächtig gingen wir durch den Sprühregenwald des Nationalparks an den Viktoriafällen. Es war bedeckt, kein Sonnenstrahl drang durch das dichte Blattwerk, und in dieser feuchten Stille war es schwierig, überhaupt etwas zu entdecken. Der Sprühregenwald ist ein einzigartiges Biotop, da es hier ständig feinen Niederschlag gibt. Dadurch gedeihen hier eine besondere Pflanzenwelt und natürlich auch interessante Vogelarten.

Ich dachte zurück, wie ich damals hier den Braunrücken-Honiganzeiger (Brown-backed Honeybird), den Schalow-Turako (Schalow’s Turaco) und den Trompeterhornvogel (Trumpeter Hornbill) sah und mir große Mühe gab, irgendwo eine Bewegung auszumachen.

Plötzlich entdeckten wir am Boden eine blühende Orchidee (Eulophia guineensis), die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Sofort beugten sich alle neugierig hinab, fotografierten, verglichen und freuten sich an diesem kleinen Wunder des Waldes. Josef meinte mit vollster Überzeugung, dies sei das absolute Highlight unserer Reise!

Einerseits freute ich mich über diese Entdeckung, andererseits überkam mich eine leise Melancholie. Wo bleiben die Erinnerungen an die Arten, die wir uns so hart erarbeitet hatten? An die Dünenlerche (Dune Lark), an die Damara-Seeschwalbe (Damara Tern), an den Namibschnäpper (Herero Chat), an den tanzenden Sekretär (Secretary Bird), an die Nacktohr-Drosselhäherlinge (Bare-cheeked Babbler), an die Schwarzgesicht-Drosselhäherlinge (Black-faced Babbler), an die Rostbauch-Rußmeise (Rufous-bellied Tit), an den Miombowürger (Souza’s Shrike), an die Binsenralle (African Finfoot) und an die Afrikanische Bekassine (African Snipe). All diese Erlebnisse voller Bewegung und Leben schienen plötzlich in den Hintergrund zu rücken gegenüber einer stillen, beinahe unscheinbar kleinen, wenn auch phantastisch schönen Pflanze.

Doch man muss akzeptieren, dass jeder andere Interessen hat. Was für die einen ein unvergessliches Gefühl auslöst, geht an anderen leiser vorbei. Mark pflichtete also gut dem Gesagten bei: „Also so würde ich das nun nicht im Raum stehen lassen…“ und so schaute ich nun umso angestrengter weiter, in der Hoffnung, bald gewünschte Arten wie den Rotgesicht-Zistensänger (Red-faced Cisticola) zu entdecken.

Es war regnerisches Wetter, aber der Regen blieb meist sanft. Hier und da ein paar Tropfen, doch das störte niemanden. Wir sahen schöne Tiere, wie den bambi-mäßigen Buschbock, schöne Vögel, darunter den Rotgesicht-Zistensänger (Red-faced Cisticola), den Halsband-Bartvogel (Black-collared Barbet) und immer wieder den Weißbrauenrötel (White-browed Robin-chat). Kurz zeigte sich auch der Streifenkopf-Heckensänger (Bearded Scrub-Robin), den wir bereits am Vortag gesehen hatten.

Ich erklärte der Gruppe, wie schade es ist, dass wir die Hornvögel bisher nur aus großer Distanz gehört hatten, obwohl die Feigen reif waren. Ein gutes Zeichen – doch bisher kein Erfolg. Wie hervorragend, dass Andrea immer aufmerksam blieb und gerade dort hinschaute, wo die Feigen wuchsen: an der Ficus sur. Plötzlich sagte sie: „Da ist ein großer dunkler Vogel im Feigenbaum!“ Und wie gut, wie gut, dass sie das bemerkte, da wir schon an dem Baum waren und nur Stare sich dort aufhielten, der Vogel war also kurzzeitig eingeflogen – geil.

Denn zum Abschied zeigte sich dadurch nicht nur irgendein Trompeterhornvogel (Trumpeter Hornbill), nein, ein gigantisch großes, prachtvolles Männchen saß dort und ließ sich in aller Ruhe betrachten. Sogar fotografieren, während es Feigen fraß – ein Geschenk zum Abschied.

Wir tranken noch einen schönen Kaffee, und alle wünschten mir eine gute Heimreise. Mit großer Demut und Dankbarkeit muss ich gestehen, dass Marks liebevolle Abschiedsworte mich sehr rührten, er (oder war es Andrea?) hatte sogar eine kleine Rede vorbereitet. Ich war wirklich tief bewegt von dieser Wertschätzung.

Wir verabschiedeten uns alle herzlich, und man wünschte mir eine gute und sichere Heimreise, welche ab hier gute 1600 km bemisst. Und ich sagte scherzhaft: „Jetzt kann es Euch ja egal sein, ob mir etwas passiert oder nicht.“ Worauf Mona lachend erwiderte: „Nee, nee – wir brauchen noch den Reisebericht!“

… obwohl diese Reise in den vergangenen Jahren überberichtet wurde und mir schlichtweg die Zeit für die Textdrescherei fehlt, habe ich diesen gern noch verfasst :-), war ja auch eine gute Reise!

Albert