Uganda - 2026

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naturkundliche Spezialitäten Ugandas unter fachlicher Führung im Juni 2026

„ Schuhschnabel, Gorilla & Schimpansen “

Ein Reisebericht von Albert Voigts von Schütz

Hier finden Sie die Bilder dieser Reise:

Trip Report auf Ebird ansehen

13. Juni 2026 – Aufstieg aus der Heimatwüste

Gestern bin ich aus Walvis Bay, danke Mama fürs Zum-Flughafen-Bringen, gestartet und im rauchig-staubigen, es brannte überall, Johannesburg gelandet.

Aus Walvis Bay zu starten ist eigentlich ein Erlebnis für sich, da man im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Nichts aufsteigt. Die Wüste umarmt Dich hier, flach… bis auf eine kleine Granitkuppe, Rooikop genannt. Ansonsten gibt es nichts zu sehen.

Heute, der 13. Juni, ist ein ereignisvoller Tag, denn Lisa hatte ihre Finissage, nicht Vernissage, das Ende ihrer Ausstellung, und das soll wohl recht erfolgreich gewesen sein, trotz Kälte und „das es Swakopmund ist“.

Ich hingegen bin aus Johannesburg gestartet gen Uganda. Der Flieger von Uganda Airlines war eine Bombardier und neben mir saß ein Herr, der ein Buch von dem hochaggressiven rassistischen südafrikanischen Revolutionspolitiker Julius Malema las. Ich teilte das kurze übliche freundliche Nicken mit ihm, wie man es halt so macht.

Später konnte ich es mir aber gar nicht verkneifen, ihn zu fragen, ob das Buch denn überhaupt verdaulich sei, im wahrsten Sinne des Wortes. Er meinte nur: „What do you mean with digestible?“

Dann sagte ich ihm, dass ich, so wie ich in meiner Person hier sitze, wohl die Person manifestiere, die dieser Mann dort am meisten hasst. Zum Ersten. Zum Zweiten würde das Buch ja gleich von zwei Autoren geschrieben, da müsste man ja Doppeleinsatz verdauen, und lachte zur Auflockerung des sich heranschleichenden Meinungsschlamassels.

Doch… es entwickelte sich eine wunderbare Unterhaltung. Es stellte sich heraus, dass er zwar für die UNO arbeitete, aber zuzüglich eine eigene kleine Fabrik in Entebbe, eine Kleidungsfabrik für Uniformen, besaß. Er hofft auf Erfolg in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft mit harter Arbeit und dass ihn auch, genau wie mich, die rasante Veränderung in der Weltordnung und die Zukunft Afrikas am Herzen liegen und große Sorgen machen.

“Wer in Entebbe landet, betritt nicht nur Uganda, sondern auch einen der geschichtsträchtigsten Flughäfen Afrikas. Zwischen den Ufern des Victoriasees, den Spuren der Kolonialzeit und der legendären Operation Entebbe ist dieser Flughafen weit mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt.”

Als wir landeten, meinte er nachdenklich: „Wie kann es sein, dass Entebbe einer der ersten Flughäfen Afrikas ist und hier keine Entwicklung? Wie kann es sein? Wahrscheinlich sind die Bananen schuld! Matoke ist schuld! Die Leute haben zu viel zu essen und zu wenig zum Arbeiten.“

Als wir dann vom Flieger aus in einen hochmodernen Bus stiegen, sagte ich ihm: „Schau dir diesen Bus an. Was willst du mehr? Wir fahren auf einer asphaltierten Strecke in eine neu renovierte Flughafenhalle in einem nagelneuen Bus.“
Da musste er dann lauthals lachen und wir gingen als, glaube ich, fast so etwas wie gute Bekannte auseinander.

Am Flughafen hatte ich dann leider eine verfallene Health Declaration und musste das alles noch mit viel Gefiddel auf meinem Telefon neu ausfüllen bis der erwünschte QR Code mein Arrival guthieß. Aber durch die Freundlichkeit der ugandischen Beamten fiel mir alles relativ leicht und ich konnte mit Ibrahim, der mich dann abholte, gut auf das gemütliche Airport Guesthouse fahren, wo ich mich schon aufs Abendessen freute, Kohldampf im Anflug.

14. Juni 2026 – „You can not have what you have not built“

Die Fahrt heute ging von Entebbe über Kampala und Jinja in den Osten, bis wir schließlich zur Sipi Heritage Lodge an den Sipi Falls am Mount Elgon fuhren.

Am Wegesrand zahlreiche Handwerksbetriebe, Fruchtstände und kleine Geschäfte. Überall werden Schweißarbeiten erledigt, Betten verkauft. Viele Blechmanufakturen, in denen Töpfe, Pfannen und Kessel produziert werden. Daneben unzählige Motorradwerkstätten und Verkaufsstände. Immer wieder unterschiedlichste religiöse Einrichtungen, von Moscheen bis hin zu christlichen Kirchen.

Die Straßen sind gefüllt mit den sogenannten Boda-bodas. Kleine Motorräder, die sich hier großer Beliebtheit erfreuen, weil man mit ihnen etwas schneller durch den Verkehr kommt. Ihren namentlichen Ursprung haben sie als von Border to Border fahrenden Schnelltaxis.

Das Leben findet hier wortwörtlich nicht nur neben der Straße, sondern auch auf der Straße statt. Es gilt das Gesetz des Hupenden, des Stärkeren, desjenigen mit den besten Nerven. Wenn dann, obwohl hier eigentlich Winterzeit ist, noch die Wärme dazukommt, werden solche Fahrten durchaus zermürbend und man findet sich ständig in der Situation wieder, noch viele Kilometer vor sich zu haben und gefühlt nur schrittweise voranzukommen.

Unterwegs hielten wir an einer Tankstelle mit einem kleinen Restaurant beziehungsweise Schnellimbiss, wo ich mir ein gebratenes halbes Huhn bestellte, welches „sehr anständig war so gut zu schmecken“, Zitat meines Schwiegervaters. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie hungrig ich eigentlich war, wie gut dass der umsichtige Ibra trotz meines voreiligen Abwinkens hielt.

Wir sprachen unterwegs auch kurz über die Geschichte Ugandas und über die Vertreibung der Inder zu Zeiten von Idi Amin. Dabei erwähnte er den bekannten Ausspruch: „You cannot have what you have not built.“ Er beklagte, dass nach der Vertreibung zwar viele Hinterlassenschaften übernommen wurden, das entstandene Vakuum jedoch nicht durch ausreichend ugandisches Know-how gefüllt werden konnte und es grundsätzlich am Fleiß mangele.

Nichtsdestotrotz sieht man deutlich, dass es in Uganda vorangeht und dass hier etwas passiert. Gerade am Handwerk erkennt man, dass viel produziert und gearbeitet wird. Interessant ist dabei, dass zunächst hergestellt wird und erst danach auf Käufer gehofft wird. Ob Sofa, Stahlbett, Holzbett oder sogar eine komplette Rundhütte, zuerst wird gebaut, dann verkauft. Es lebe die Wirtschaft der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung.

Man sieht übrigens auch immer wieder erstaunlich schöne Schmiede- und Metallarbeiten entlang der Straße. Zwischen den vielen einfachen Werkstätten finden sich durchaus beeindruckend gut gebaute Arbeiten.

Vogeltechnisch beschränkte sich der Tag weitgehend auf typische Arten entlang der Straße. Immer wieder sahen wir Schildraben (Pied Crow), Marabus (Marabou Stork) und Afrikanische Klaffschnäbel (African Openbill). Daneben Bindenlärmvögel (Eastern Plantain-eater), Dreifarben-Glanzstare (Splendid Starling), Rüppell-Langschwanzglanzstare (Rüppell’s Starling), einen Wahlbergadler (Wahlberg’s Eagle), einen Schopfadler (Long-crested Eagle), sehr viele Hagedasch-ibisse (Hadada Ibis) sowie unterschiedlichste Reiherarten. Besonders häufig war auch der Kuckuckshabicht (Lizard Buzzard) zu sehen, der meist aufrecht sitzend auf Beute lauerte.

Wunderschön war, als mich am Wegesrand auf einmal ganz frech ein Nördlicher Hornrabe (Abyssinian Ground Hornbill) anschaute. Wir waren allerdings zügig unterwegs, weshalb ich nicht zum Anhalten genötigt habe.

Spitzschwanzelstern (Piapiac) zeigten sich immer mal wieder. An den Feuchtgebieten waren Dorfweber (Village Weaver), Nimmersatt (Yellow-billed Stork), Afrikanische Klaffschnäbel (African Openbill), Schwarzreiher (Black Heron), Heilige Ibisse (Sacred Ibis), Glanzibisse (Glossy Ibis), Kuhreiher (Cattle Egret) und Schwarzkopfreiher (Black-headed Heron) zu sehen.

Auf den Telefonleitungen saßen wiederholt Rotaugentauben (Red-eyed Dove).

Eigentlich vergeht kein Moment, in dem man nicht irgendetwas Interessantes, Lebendes am Wegesrand entdeckt.

Wir kamen in der Sipi Lodge unter, die sich als Heritage Lodge beschreibt. Eine Heritage Lodge hebt das Kulturelle, die Einbindung in die Natur und das Ökotouristische etwas hervor.

Man ist hier umringt von verschiedensten heimischen Bäumen und Pflanzen, und überall hört man Vogelgezwitscher. Unter anderem ist gerade der Graubrust-Paradiesschnäpper (African Paradise Flycatcher) im vollen Prachtkleid unterwegs, in komplett schwarz-weißer Montur und mit extrem langem Schwanz, welcher beim Abflug wunderschön auffächert.

Kurz vor Sonnenuntergang sind wir runter an die Wasserfälle gegangen und haben ein paar Vögel beobachtet. Unter anderem hatte ich die Langschwanzstelze (Mountain Wagtail) als Lifer, und ein Dunkelschnäpper-Weibchen (African Dusky Flycatcher) fütterte sein Junges. Ein Goldbürzel-Bartvogel (Yellow-rumped Tinkerbird) fing in den Baumkronen Insekten und ich freute mich an der einzigen heimischen Bananenart, welche aber nicht eßbar sein sein.

Der Blauhaubenschnäpper (African Blue Flycatcher) flog mit prachtvollem Blaufederkleid und Schwanzfächern wieder vor uns her, ließ sich aber mal wieder, wie immer, nicht so fotografieren, wie man es will. Auch hier wiederum: Weißabgleich auf Schatten stellen, nie schnell genug sein, immer zu dunkel, immer zu schnell. Tja, wäre ich bloß Farmer geblieben, die Fotografie ist eben für Profis.

Unterwegs hielten wir an einem großen Jackfruchtbaum (Jackfruit Tree), unter dem eine sehr hübsche schwarze Lady in einem blauen Kleid stand. Es war die Frau von Ibrahim. Er wollte ihr kurz etwas Geld übergeben, bevor wir weiterfuhren.

Interessant und erwähnenswert ist hier eine kulturelle Gegebenheit, die man in Teilen Zentralugandas beobachten kann. Frauen knien beim Gruß vor ihren Männern nieder, als Zeichen von Respekt und vermutlich auch einer gewissen Form der Zuneigung. Ich hatte bereits darüber gelesen, dass einige der Völker im zentralen Uganda dieses Brauchtum pflegen. Wohlgemerkt nicht alle Völker, und insbesondere viele Gruppen im Westen Ugandas tun dies nicht.

Nun konnte ich es aber live miterleben. Sie umarmte ihn innig, freute sich offensichtlich wahnsinnig, ihren Mann zu sehen. Ihre Augen strahlten, und ehe man sich versah, war sie auf den Knien und ebenso flink wieder oben. Während sie sprach, blickte sie kurz nach unten, dann wieder auf, und das Leben ging weiter.

Natürlich musste ich dabei unweigerlich an meine super-emanzipierte Frau und meine Schwiegermutter denken, die dazu vermutlich sofort einen kleinen Scherz gemacht hätten, ob wir Männer es denn überhaupt verdient hätten, dass jemand vor uns kniet… würd ich schon behaupten 🙂

15. Juni 2026 – „You are most welcome“

Früh fing dieser Tag an. Um 6 Uhr stand ich wie vereinbart auf der Matte und bekam auch gleich einen, ich darf es feiern und ein Ausrufezeichen setzen, richtig guten Plantagenkaffee. Stark, gut und viel. Dazu eine Schale Obst. Uganda und das Obst… oh yeah!

Ibrahim bestellte ein deftiges Frühstück mit Pfannkuchen sowie Rühreiern. Die Fahrt ging in das Gebiet des Kapkwai Forest im Mount Elgon Nationalpark. Die Straße war schrecklich schlecht, dafür Gott sei Dank nicht so lang, gute 20 Kilometer nur.

Am Eingang stand ein netter, mit AK-47 bewaffneter Ranger, der uns mit den Worten „You are most welcome“ begrüßte.

Am Ende des Tages fragte Ibrahim mich, wie mein Tag denn überhaupt gewesen sei. Und mit wirklich gutem Gewissen kann ich sagen: friedvoll!

Wir waren den ganzen Tag in diesem Wald. Es gab keine anderen Touristen. Gut angelegte Wege, absolut intakte Natur, gigantische Bäume, einheimische Büsche und eine Vogelwelt, die uns immer wieder das Fernglas auf die Augen klebte.

Gleich bei unserer Ankunft musste Ibrahim die Eintrittsgebühren bezahlen. Da kam ein kleiner Anubispavian (Olive Baboon) schnell auf mich zugelaufen. Ich dachte noch: Na ja, dem trete ich jetzt erst einmal eine in den Hintern, damit er weiterläuft.

Aber das Tier sprang auf mich zu. Erst umschlang es meine Beine, und ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Ich erschrak mich gewaltig. Dann kletterte der Pavian wie an einem Pfahl an mir hoch, griff nach meinem Fernglas und saß plötzlich wie ein Baby auf mir drauf.

Ich wusste überhaupt nicht, wie ich mich verhalten sollte, denn der Pavian schien regelrecht zu lachen. Er warf sich nach hinten, hing zeitweise schreiend kopfüber und klammerte sich mit den Beinen zusätzlich an mir fest. Das war verwirrend eigenartig!

Aus Madagaskar war ich gewohnt, dass ein Lemur nach mir greift, um mir illegalerweise eine Banane aus der Hand zu stibitzen. Aber ein Pavian, der auf mich klettert – so etwas habe ich überhaupt noch nie erlebt.

Es ist schwer zu beschreiben, dieses Gefühl, plötzlich eine raue, kleine Pavianhand zu spüren. Irgendwie wirkte das gleichzeitig fremd und doch erstaunlich vertraut. Als hätte man es mit einem kleinen wilden Kind zu tun, das keinerlei Berührungsängste kennt und zu aufdringlich nach Aufmerksamkeit verlangt.

Der Tag sollte übrigens in folgender Konstellation stattfinden: Albert als Mzungu (Mzungu bedeutet der umherirrende Weiße oder so ähnlich) voran, Ibrahim als nationaler Guide nebenher, zwei bewaffnete Ranger, die sich übrigens ebenfalls sehr für die Vogelwelt begeisterten und sich erstaunlich gut auskannten, sowie eine Studentin, die offenbar gerade lernte, dass es über die Natur noch einiges gab, was sie bisher nicht wusste, derweil sie dauernd an ihrem Stift lutschte.

Da sie zudem gut anzusehen war, mit ihren ruden Pobacken dauernd vor den Rangern stolzierte, kann man sich vorstellen, dass diese sich sehr um ihre Studentin bemühten, was manchmal wirklich peinlich lustig wirkte.

Und dann, last but not least, folgte uns dieser kleine Pavian auf Schritt und Tritt. Standen wir, saß er. Setzten wir uns, legte er sich hin, wälzte sich im Staub oder fraß irgendetwas. Ab und zu sprang der kleine Pavian auf irgendjemanden drauf, bekam einen Tritt versetzt, wurde mal weggescheucht und dann wieder nicht. Es war einfach zu köstlich, dieses flexible Vieh zu beobachten.

Gesuchte Vögel des Tages waren der Hartlaubturako (Hartlaub’s Turaco), verschiedene Grünbülbüls (Greenbuls), sowie die hier sehr häufigen Weißkopf-Würgerdrosslinge (White-headed Wood Hoopoe). Ein Riesenturako (Great Blue Turaco) flog ebenfalls laut flatternd über uns hinweg.

Der Vogel, der uns am meisten beschäftigte und mich am meisten reizte, war der Berglaubdrossling (Mountain Illadopsis). Es ist ja so, das man just will was man nicht haben kann. Dieser Vogel war im Kraut an den bewegenden Blättern eigentlich nur zu erahnen, von sehen keine Spur. Konnte ich ihn fotografieren? Eigentlich nicht. Ich habe ein Bild zwischen dem Grünen drin, wo man das Auge ein bisschen sehen kann. That’s it! Das ist immer wie so ein kleiner Wettbewerb mit sich selbst. Schafft man es, in einem dunklen grünen Raum zu fotografieren und dann einen bewegenden, scheuen, unsichtbaren Vogel zu erwischen?

Gegen Mittag kehrten wir ein, mussten unser Mittagessen allerdings eingeriegelt innerhalb des Fahrzeugs einnehmen, da dieser Pavian offensichtlich bereits von Touristen gefüttert worden war und sich mittlerweile völlig ungebändigt ungezogen verhielt.

Während wir aßen, kletterte er hochakrobatisch in einem Affentempo, pun intended, um das Fahrzeug herum. Er schrie, biss in die Scheiben, betrachtete sich im Spiegel, schrie erneut, verbog den Spiegel, zog den Scheibenwischer hoch, sprang wieder auf das Fahrzeug, brüllte uns erneut an und versuchte aber auch wirklich alles hineinzukommen.

Am Nachmittag gingen wir noch einmal auf die Pirsch und spazierten durch den Wald. Alle waren bereit, mit mir noch tiefer in die oberen Hang-Wälder hineinzuziehen. Aber für mich war es genug gewesen. Ich blies zum Aufbruch, und so machten wir uns langsam wieder auf den Rückweg.

Interessante Vögel des Tages waren unter anderem Kappfeinsänger (Black-collared Apalis), das Schwarzkehl-Lappenschnäpperchen (Black-throated Wattle-eye), das sich sogar mehrfach zeigte, der Schwarzschnabelweber (Black-billed Weaver), die Langschwanzstelze (Mountain Wagtail) sowie der Cabanis-Bülbül (Cabanis’s Greenbul).

Wobei bemerkt werden muss, dass Vogelbeobachtung im Wald ohnehin eine schwierige Angelegenheit ist. Es fehlt fast immer an Licht. Die Vögel sitzen hoch oben im Blätterdach, bewegen sich ständig und verschwinden oft schon wieder, bevor man sie richtig im Fernglas hat.

Trotzdem war es eine intensive und schöne Zeit. Unsere Artenliste füllte sich im Laufe des Tages auf über 40 Vogelarten, ging eigentlich.

Zum Abschied kreisten dann noch drei Höhlenweihen (African Harrier Hawk) über uns. Auch das war interessant zu beobachten, denn drei dieser Greifvögel gemeinsam sieht man nicht alle Tage zusammen.

Ich war ganz froh, etwas früher wieder in meinem Zimmer zu sein, damit ich noch etwas Zeit für mich selbst hatte. Mit großem Vergnügen trat ich in mein Zimmer namens „Toben“ ein. Das bedeutet auf Luganda so viel wie „schöne Aussicht“, in diesem Fall direkt auf die Sipi Falls, die sich hoch über mir über die Felsen ergossen und von wunderschönster Waldlandschaft umgeben waren.

Es ist schon etwas Besonderes, nach einem langen Tag voller Eindrücke auf einer Terrasse zu sitzen, die Wasserfälle vor sich zu haben und einfach nur zuzuhören. Das stetige Rauschen des Wassers, die Vogelrufe aus dem Wald und die frische Luft der Berge sorgten dafür, dass der Tag genauso friedvoll endete, wie er begonnen hatte.

16. Juni 2026 – Fox on the run

Treffpunkt 5 Uhr zu einem kurzen Kaffee, dann Abfahrt im Dunkeln. Wir verließen Sipi Falls und kamen in die weiten Flächen des Pian-Upe Wildlife Reserve.

Pian-Upe bedeutet sinngemäß so etwas wie „freundliche Feinde“ oder „feindliche Freunde“. Der Name geht auf die beiden landwirtschaftlichen Volksgruppen der Pian und der Upe zurück, die in dieser Region lebten und über lange Zeit hinweg ein wechselhaftes Verhältnis miteinander hatten.

Wir fuhren im Dunkeln los, und da wir uns am Äquator befinden, gibt es hier fast keine Dämmerung. Plötzlich tauchte das goldene Morgenlicht die Landschaft in ein wunderschönes Gemälde.

Zu unserer Rechten erhob sich der gewaltige Mount Elgon mit seinen 4.321 Metern. Der erloschene Vulkan war einst sogar höher als der Kilimandscharo und gehört zu den ältesten Vulkanen Ostafrikas.

Direkt vor uns ragte der 3.063 Meter hohe Mount Kadam empor. Von Weitem sieht er mit seinem flachen Gipfelaufbau beinahe aus wie eine kleinere Version des Tafelbergs. Der markante Berg der Karamoja-Region wird noch heute von den letzten Sprechern der seltenen Soo-Sprache an seinen abgelegenen Hängen bewohnt.

Dazwischen lag eine endlose Weite aus hohen Grasbeständen und Akazien, die wie sorgfältig platzierte Schmuckstücke in der Landschaft standen. Im ersten Morgenlicht leuchteten die Gräser golden auf, während über der Ebene noch die kühle Nachtluft hing und der neue Tag gerade erst begann.

Mich begeistern diese weiten mit Pfeifakazien Vachellia drepanolobium bewachsene Graslandschaften. Nicht wundern über den Ausdruck Pfeifakazie. Die sehen irre interessant aus, haben nämlich an der Basis der langen weißen Dornen fast schon pingpongballgroße, runde Verdickungen. Diese werden von Ameisen in einem mutualistischen Verhältnis bewohnt und ausgehöhlt. Wenn dann der Wind über die kleinen Öffnungen pfeift, pfeifft es wunderbar.

Immer wieder sahen wir auf dem Hinweg schon am Wegesrand Elenantilopen, Topis, Jackson-Kuhantilopen. Am Hauptquartier mussten wir, wie das in Uganda so üblich ist, einen bewaffneten lokalen Ranger mitnehmen, welcher auch gleich Guide war, naja, oft selbsternannt, aber meist sympatisch und gut.

Tagesziel war heute Fuchs-Weber. Karamoja-Apalis stand auch auf der Liste. Um ehrlich zu sein, hätte ich bereits im Hauptquartier bleiben können, denn ich fotografierte mich an der Vogelwelt, die allein rund um das Camp war, schon dumm und dämlich.

Die Fahrt ging dann los und es dauerte auch nicht lange, als wir am Wegesrand Husarenaffen (Patas Monkey) sahen. Eine Gruppe Strauße, die von mir sonst ignoriert worden wäre, war hier auf einmal plötzlich sehr eindrücklich. Sie hatten, anders als unsere, sehr helle Hälse und ein markant schwarzes Federkleid. Wie wunderschön sie waren. In der Ferne waren auch Nubische Giraffen zu sehen.

Wir hielten dann in der friedlichen Morgenstimmung. Das Licht war fantastisch und wir fanden auch sehr bald die Karamoja-Apalis, artig fototechnisch perfekt auf der Whistling Thorn sitzend und kurze Zeit später auch den Fuchs-Weber. Hier war deutlich zu sehen, dass die Webervögel bereits aus dem Brutkleid heraus mausern. Die Suche nach einem männlichen Fuchs-Weber im Prachtkleid blieb daher erfolglos, aber wir sahen genug Weibchen oder eben Männchen im Wechsel- oder eben Schlichtkleid.

Verdammt schwierig, diesen Weber zu finden, da er eine sehr weit verstreut lebende Art ist. Er lebt nicht in Kolonien und ist sich auch nicht zu schade, sehr schnell zu flüchten, wenn ein Eindringling in sein Gebiet kommt.

Erwähnenswert waren auch die Gelbkehlpieper (Yellow-throated Longclaw), die immer wieder von der Straße aufflogen, Baumklapperlerchen (Flappet Lark), Strichelzistensänger (Croaking Cisticola) und viele andere lieferten non-stop birding. Immer wieder machte auch der wunderschöne laute Ruf des Senegaltschagra (Black-crowned Tchagra) diesen Morgen zu einem intensiven hundertprozentig individuellen Naturerlebnis.

Mich wundert es, dass es in dieser fantastischen Landschaft mit diesen echt vielen Tieren, mit diesen farbenfrohen Giraffen und Straußen, keinen einzigen anderen Touristen gab außer mir. Es ist ja logisch, dass sich nicht jeder für die Vogelwelt interessiert. Aber trotzdem. Unfassbar, diese üppige Natur, nach der im südlichen Afrika ein jeder sehnsüchtig sucht. Und ich darf es hier ganz allein genießen. Ein ganz großes Geschenk, Danke mein Uganda, Du hast gestern viel bezahlt heute so friedlich zu sein.

Da wir heute eine sehr, sehr weite Fahrtstrecke wieder zurück nach Entebbe haben, wo mich meine Gäste hoffentlich schon erwarten, brachen wir um kurz nach zehn diesen morgendlichen Nature Drive ab und machten uns auf den Weg über Kampala nach Entebbe.

Der Rückweg war eine harte, lange Fahrt, gesegnet mit viel Verkehr. Der arme Ibrahim musste auch eine verzwickte Situation bewältigen, als ein Boda-Boda-Fahrer, das sind diese kleinen Motorräder, ausrutschte und gegen ihn knallte. Die Frau kullerte über die Straße, gut, dass sie so rundlich war, und zeterte natürlich böse auf, wenn Blicke töten könnten! Der dagegen dünn geratene schmächtige Fahrer schaute etwas verwirrt, das Boda-Boda lag seitlich von uns, und ich nötigte Ibrahim sofort weiterzufahren. Es war nicht seine Schuld, er konnte nichts dafür, und wir hätten den Verkehr nur noch weiter behindert, „let’s go, just go!“

Gegen sechs Uhr trafen wir an der Unterkunft ein. Ich war heilfroh, dass die mörderische Fahrt vorbei war, und ich glaube, neben mir auf der rechten Seite saß jemand, der noch viel froher war. Ich grüßte Ibrahim freundlich und durfte gleich nach dem Einchecken meinen Gästen Cornelia und Hans-Peter guten Tag sagen. Es ist schön, wenn man auf Leute trifft und sofort miteinander gut reden kann. Dass wir auf dieser Reise gut miteinander auskommen würden, war offensichtlich.

Wir trafen uns dann auch zum gemeinsamen Abendessen, und freuten uns auf den morgigen Tag.
Leider waren zwei aus der Gruppe nicht mitgekommen, was auch absolut nachvollziehbar war. Trotzdem trübte es die Stimmung ein wenig und wir sprachen darüber.

Wir konnten die kurzfristige Absage aber total nachvollziehen, da es wohl eine verzwickte Lage ist, wenn man selbst Virologin ist und dann in ein Land reist, welches wegen Ebola grad Schlagzeilen macht. Nicht, dass etwas passieren muss, die Wahrscheinlichkeit ist vermutlich sogar eher null. Man weiß aber nie! Und falls doch irgendetwas passieren sollte, sich dann als Virologin hinzustellen und zu sagen: „Ich habe es trotzdem getan“, ist sicherlich nicht sonderlich praktisch.

Verdammte Krankheit! Armes Land!

17. Juni 2026 – relaxed birding

Der Kaffee schmeckte weich und gut. Nach dem Frühstück kam Crammy Wanyama, der Eigentümer von Avian Safaris, und holte uns persönlich ab. Crammy und ich kennen uns gut, und ich vertraue ihm voll und bin froh, einen solchen Partner in Uganda zu haben, denn die Zuverlässigkeit ist neben der Pünktlichkeit eine Revolution!

Crammy führte uns in den Botanischen Garten bei Entebbe, und der morgendliche Spaziergang dort war mit fast schon aberwitzig guten Vogelbeobachtungen gesegnet. Riesenturakos (Great Blue Turaco) flogen über uns hinweg und setzten sich gruppenweise in die Bäume. Bindenlärmvögel (Eastern Plantain-eater) waren gut zu sehen. Graupapageien (African Grey Parrot) glucksten, knacksten und schrien. Leider setzten sie sich nicht wie so oft nebeneinander und knutschten. Das heißt, das erwünschte Knutschbild ist heute nicht gemacht worden, next time.

Früh schon zankten sich Rossturakos (Ross’s Turaco) in den Bäumen mit den Bindenlärmvögeln (Eastern Plantain-eater). Eine Afrikadrossel (African Thrush) flog vor uns durch die Landschaft. Verschiedenste Nektarvögel wie Zweiband-Nektarvogel (Purple-banded Sunbird), Bindennektarvogel (Marico Sunbird), Rotbrust-Glanzköpfchen (Scarlet-chested Sunbird) und Olivbauch-Nektarvogel (Olive-bellied Sunbird) ernährten sich immer wieder an den schmucken Blüten.

Im Garten am Ufer hatten wir herrliche Begegnungen mit dem sehr seltenen Königsweber (Orange Weaver). Das Plätschern des Wassers wirkte äußerst beruhigend. In den Bäumen oben saßen große Gruppen von Prachtglanzstaren (Splendid Starling). Immer wieder schrie der Hagedaschibis (Hadada Ibis) über uns hinweg.

Dann auch noch eine Topbeobachtung des Fledermausaars (Bat Hawk), einmal fliegend und zweimal nebeneinander sitzend. Ein Schneescheitelrötel (Snowy-crowned Robin-Chat) flog vor uns vorbei.

Es war also eine vielfältige und vor allem unglaublich bunte Beobachtungssession heute Morgen. Ich war auch sehr happy, einige schöne Libellen zu sehen, darunter Banded Groundling, Männchen und Weibchen, sowie Red-veined Dropwing und Blue Lady.

Als ich hochschaute, entdeckte ich dann einen Graubrustspecht (African Grey Woodpecker). Wir spielten den Ruf des Vogels ab, und netterweise kamen Männchen und Weibchen herbei. Schön, wenn man ein männliches und weibliches Tier zugleich fotografieren kann.

Und dann wurden wir auch noch von einem Grauwangen-Hornvogel (Black-and-white-casqued Hornbill) verwöhnt. Wiederum konnten wir Männchen und Weibchen beobachten und sogar Paarungsverhalten fotografieren. Geil, echt!

Das Mittagessen nahmen wir in der Entebbe Mall zu uns. Da ich mich nicht entscheiden konnte, bestellte ich eine Kombination aus allem, quasi einen Teller für Unentschiedene. Ein bisschen Fisch, ein bisschen Curry, ein bisschen Hühnchen, ein bisschen Reis, und das in einer derart großen Portion, dass ich gefühlt drei Tage nichts mehr essen brauche.

Dann war eine Weile nichts los. Irgendwann müssen die ganzen Bilder ja auch verarbeitet werden.

18. Juni 2026 – das Urtier

Viertel nach sechs, Frühstück mit gutem Omelett, mit etwas Käse und Tomate, und der Kaffee schmeckte auch. Danach kurzes Warten auf Crammy, und die Fahrt ging sofort los in die Mabamba-Sümpfe. Anderthalb Stunden hin und her geschleudert werden. Die Straße war fürchterlich schlecht.

An den Mabamba-Sümpfen angekommen, sind wir auf diese langen, motorisierten Holzkanoes gestiegen, und unmittelbar danach glitten wir durch die stillen Gewässer der Kanäle dieses Sumpfgebietes. Gelbschnabelenten (Yellow-billed Duck), Smaragdhühner (African Swamphen), Blaustirn-Blatthühnchen (African Jacana), Haubenzwergfischer (Malachite Kingfisher), Langzehenkiebitze (Long-toed Lapwing), Papyrusrohrsänger (Greater Swamp Warbler) und Glanzenten (Knob-billed Duck) zogen an uns vorbei.

Es dauerte gar nicht lange, bis wir im Ried eine kleine Ansammlung von circa zwei bis drei anderen Booten sehen konnten, in denen einige Touristenköpfe, behutet, glatzköppig und bekappt, aus dem Schilf ragten. Dort musste also einer der gesuchten Schuhschnäbel sein.

Unser Angriffswinkel war falsch, und der junge Guide, der mit uns dabei war, erkannte sofort, dass das Licht nicht korrekt war. Wir stießen zurück und fuhren einen großen Bogen. Der Motor wurde ausgeschaltet und gerudert, bis wir eine Stelle erreichten, wo wir tatsächlich auf einmal dieses majestätische Tier aus der Ordnung der Pelikanvögel mit einem Schnabel, korrekterweise wie ein Schuh, deswegen Schuhschnabel genannt, vor uns hatten.

Grau und mächtig, mit seinen tief durchdringlichen gelben Augen, erblickte er uns, huschte zwei, drei Schritte weiter, stellte sich hin und putzte sich eine gute Dreiviertelstunde lang. Das gab natürlich viele Fotomotive. Das Licht war perfekt, es war ruhig, friedlich. Uganda I love you so much.

Ich hatte gehofft, dass der Schuhschnabel hungrig wird und dann wieder anfängt zu jagen. Aber irgendwann fragte Crammy, ob wir weiter auf das Jagen warten sollen oder ob wir nach weiteren Vogelarten wie zum Beispiel Zwergblatthühnchen (Lesser Jacana) suchen sollten. Hans-Peter nickte dies ab und wir fuhren ein Stück tiefer in dieses Feuchtgebiet hinein.

Zwergblatthühnchen sind hier zwar zu finden, aber sie sind relativ scheu. Immer wieder flog hier einer oder da einer gerade in dem Moment auf, als wir ihn entdeckt hatten. Irgendwann gab auch Crammy auf und sagte: „So, Ihr hattet den gesehen, reicht Euch das?“ Und dann meinte ich: „Lass uns es noch einmal versuchen.“

Daraufhin drehten die Kerle das Boot um und stachen noch tiefer in dieses Feuchtgebiet hinein, wo wir dann tatsächlich sogar zwei direkt nebeneinander auf den Lilienblättern umhertrottend sehen konnten.

Und ganz hoch in den Lüften kreiste dann wieder ein Schuhschnabel (Shoebill), während eine Froschweihe (African Marsh Harrier) von einem Langzehenkiebitz (Long-toed Lapwing) in der Luft angegriffen wurde. Das war Action-Birding.

Danach fuhren wir wieder nach Entebbe zurück über die Hoppelpiste, hatten wieder in diesem Restaurant in der Mall herrlich gegessen, scherzten über die riesengroßen Teller mit wunderbarem Essen, die uns vorgesetzt wurden, tranken noch einen Espresso und einen Kaffee, kauften die besten Ingwerkekse der Welt und ruhten uns am Nachmittag aus.

19. Juni 2026 – alles schweigt, Albert quatscht

Viertel nach sechs Frühstück, danach Abfahrt. Heute war das Tagesziel der Lake Mburo Nationalpark. Wir hatten auf der Rwakobo RockLodge keinen Platz für zwei Nächte bekommen, obwohl wir gut ein Jahr im Voraus gebucht hatten, und sind deswegen heute auf der Hyena Hill Lodge für die erste Nacht und danach auf der Rwakobo Rock Lodge für die zweite Nacht eingecheckt.

Während der Fahrt hielten wir noch am Äquator, wo uns ein lokaler Lehrmeister anhand von drei Schüsseln die Corioliskraft der Erde erklärte. Dabei floss das Wasser auf der einen Seite rechts herum, auf der anderen links herum und genau auf der Äquatorlinie gerade nach unten ab. Nach einer kleinen technischen Diskussion über dieses Phänomen machten Crammy und ich natürlich noch das traditionelle Foto am Äquator. Er lehnte sich gen Norden, ich gen Süden, und in der Mitte trafen wir uns wieder – ein schönes Sinnbild für unsere gute Zusammenarbeit. Danach ging die Reise weiter.

Unterwegs hielten wir beim Katovu Wetland schlagartig an. Warum? Direkt am Straßenrand stand ein Schuhschnabel (Shoebill, Balaeniceps rex). Wo gibt es denn so etwas? Es soll sich hier in der Gegend ein Pärchen angesiedelt haben, und eines davon zeigte sich mit Rinderherden im Hintergrund und wunderschönen Farmanlagen auf einem riesengroßen Wetland, wo auch viele andere Storch- und Reiherarten zu sehen waren.

Irgendwann musste Crammy uns dann zur Weiterfahrt anpfeifen, und wir fuhren das längere Stück noch bis zur Hyena Hill Lodge. Eine recht schöne Lodge. Obwohl einfach gehalten, waren die Zimmer schön und schlicht mit Holz ausgestattet, und man hatte alles, was man brauchte. Auch der Empfang war sehr freundlich. Kaffee gab es wie bei allen Lodges, oder zumindest bei den meisten, zum freien Ausschank. Dieser hier war sehr dick angemacht! Mir gefällt das natürlich, wenn ein Kaffee stark ist. Zum Empfang gab es aber auch ein großes Glas frisch gepressten Ananas Saft, köstlich.

Ich habe über Mittag im Expressverfahren versucht, noch ein paar Bilder zusammenzusortieren, denn man fotografiert ja grundsätzlich zu viel und braucht viel Zeit dafür, löschen inklusive. Ich versuchte, den Hunden dieser Lodge etwas näherzukommen. Interessant ist aber: Egal wo ich in Uganda bin, wenn ich Hunde freundlich rufte oder mich nähere tun sie so, als ob ich gar nicht existiere. Ich glaube, das liegt an meiner weißen Hautfarbe. Ich glaube, die Hunde sehen mich gar nicht. Egal wie ich sie rufe, sie reagieren einfach nicht. Naja, wahrscheinlich auch gut so.

Nachmittags fuhren wir zu einer Stelle, wo neben der Straße etwas Wasser stand, und setzten dort mit dem Ruf des Perlzwergkauzes (Pearl-spotted Owlet) einen Warnruf ein, um Vögel anzulocken. Das hat auch fantastisch geklappt. So habe ich zum Beispiel den Akaziensänger (Buff-bellied Warbler) sowie auch die Rotzügelsylvietta (Red-faced Crombec) zum ersten Mal ordentlich ablichten können.

Abends auf der Lodge sind wir beim Dunkelwerden noch hinausgestiefelt und haben eine Gartennachtschwalbe (Square-tailed Nightjar) gesehen. Bereits bei der Ankunft an der Lodge flog aber schon eine Schleppennachtschwalbe (Long-tailed Nightjar) vor uns auf. Leider landete sie so, dass man sie nicht weiter beobachten konnte.

Am Abend habe ich wahrscheinlich ein bisschen zu viel über Farmerei, über meine Arbeiter auf der Farm, über Crammy und meinen Zukunftstraum, Kaffee zu exportieren, gesprochen. War trotzdem ein lustiger Abend, und alle sind happy mit dem Tag ins Bett gegangen.

20. Juni 2026 – eine Bootsfahrt, ein Traum…

Auch heute wieder ein sehr früher Start. Wir fuhren durch den Park, um um acht Uhr beim Boot zu sein. Eine Bootsfahrt, die keine zwei Stunden dauerte und dermaßen beeindruckend war, dass ich regelrecht in eine ruhige Ekstase verfiel, wer mich kennt weiß, dass das selten ist.

Unter einem Ägyptischen Flusshanf (Sesbania sesban) sahen wir einen Weißrückenreiher (White-backed Night Heron). Nein, es war sogar ein Pärchen Weißrückenreiher mit Nest und Küken darin. Das Nest war zwar tief verborgen, aber man konnte die kleinen strubbeligen Geschöpfe darin erkennen.

Dann hielten wir an einer Stelle, die direkt am Papyrus lag, fast schon lagunenartig. Crammy spielte ein paar Vogelstimmen ab. Auf einmal zeigte sich ein Carruthers-Zistensänger (Carruthers’s Cisticola) deutlich sichtbar, ein wirklich guter Vogel, wie wir in Birding-Kreisen sagen. A good bird in good light. Normalerweise sagt man ja eher scherzhaft: Good bird, bad light. Aber dieses Mal war das Licht fantastisch und der Vogel ebenso.

Kurz danach kam auch der Weißflügel-Rohrsänger (White-winged Swamp Warbler) und zeigte sich zwar nur sehr kurz, aber doch deutlich.

Und dann kam der ornithologische Orgasmus. Ein Papyruswürger (Papyrus Gonolek) tanzte durch das Ried, schlich sich durch die Blätter und hüpfte direkt offen zur Beobachtung auf einen äußeren Papyrusstängel. Er ließ sich nicht nur ablichten und beobachten, sondern fing auch noch an, lauthals zu rufen. Mann, war das ein Erlebnis! I love these birds!

Wir sahen auch noch sehr viele andere Wasservögel, aber diese Bootsfahrt, das war der absolute Oberhammer. Krokodile, Nilpferde en masse, am Ufer immer wieder Warzenschweine, die zum Wasser trinken herunterkamen. Eine Landschaft wie im Märchenbilderbuch.

Auf der Weiterfahrt haben wir dann einen Impala gesehen mit gigantischen Hörnern. Ich sagte zu Crammy, dass es hier wohl keinen Phosphat- und Nahrungsmangel geben kann. Mineralien muss es hier noch- und nöcher geben, denn die Hörner der Tiere hier wachsen ja geradezu unermesslich groß.

Die Defassa-Wasserböcke (Defassa Waterbuck) waren immer wieder am Wegesrand zu sehen, immer wieder in schönen hügeligen Landschaften. Daneben Topis. Der Topi gehört übrigens nach manchen Auffassungen als Unterart zum Tsessebe, während andere Autoren ihn als eigenständige Art ansehen. Je nachdem, wem man glaubt.

Dann saßen zwei Graurückenwürger (Gray-backed Fiscal) und ein Sattelstorch (Saddle-billed Stork) immer so, dass was sie fraßen, nicht sichtbar war. Das war äußerst frustrierend. Die Graurückenwürger hatten eine Maus im Schnabel, und das wäre das perfekte Foto gewesen, wenn die verdammten Viecher nicht immer mit dem Rücken zu mir gesessen hätten. Der Sattelstorch hatte einen riesigen Lungenfisch gefangen und fraß ihn genau so, dass immer Gras vor ihm war. Und so fokussierte meine Kamera ständig aufs Gras und nicht auf den Sattelstorch. Ha, habe ich vielleicht laut geflucht, natürlich auf die Kamera.

Übrigens sind überall im Park Grant-Zebras (Equus quagga boehmi), also auch Böhm-Zebras genannt, zu sehen. Fantastisch gestreift, deutlich kleiner als die Zebras im südlichen Afrika und mit ihrer schwarzweißen Kontrastzeichnung stechen sie wunderschön kontrastreich aus der Landschaft hervor.

Ebenso sind die Nubischen Giraffen (Nubian Giraffe), oft auch Rothschild-Giraffen genannt, hier im Park zu sehen. Sie bieten ein farbenprächtiges Bild zwischen den verschiedenen Akazien, die hier wie Schirmakazien in der grünen Landschaft stehen.

Der Manager der Lodge lief mittags mit uns einen großen Bogen durch das Dickicht, etwas abseits der Lodge, und zeigte uns die Nachtschwalben. Man kann kaum in Worte fassen, wie gut diese Vögel getarnt sind. Wir reden von einer Situation, in der er mit dem Finger unter einen Baum zeigt und unsere Augen die Nachtschwalbe aufgrund ihrer fantastischen Tarnung einfach nicht erfassen können. Der Aha-Effekt, wenn man die Nachtschwalbe dann endlich entdeckt hat, ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn sobald man das Objektiv vor die Augen nimmt, muss man sie schon wieder suchen.

So sahen wir die Kurzschleppennachtschwalbe (Slender-tailed Nightjar), die Gartennachtschwalbe (Square-tailed Nightjar) sowie die Pfeifnachtschwalbe (Fiery-necked Nightjar). Fliegend konnten wir am Abend dann noch die Fleckennachtschwalbe (Freckled Nightjar) beobachten.

Am Nachmittag ging es dann noch einmal in den Lake Mburo Nationalpark, wo wir viele interessante Vögel anschauten, wieder häufig für Defassa-Wasserböcke, Zebras und vor allem Topis anhielten, aber auch fotogen gut den Vogel des Nachmittags, den Taborazistensänger (Long-tailed Cisticola), auf die Speicherkarten beförderten.

Abends bemerkte Hans-Peter dann, dass das Essen auf der Lodge fantastisch sei und dass das Essen auf dieser Reise im Allgemeinen wesentlich besser sei, als er es sich ausgemalt hatte.

21. Juni 2026 – a walk in Uganda

Die morgendliche Wanderung wurde erstens vom Nubienspecht (Nubian Woodpecker) abgesegnet. In der aufgehenden Sonne präsentierte sich eine malerische Landschaft mit Bäumen voller Nektarvögel, darunter Bindennektarvogel (Marico Sunbird), Zweiband-Nektarvogel (Purple-banded Sunbird), Rotbrust-Glanzköpfchen (Scarlet-chested Sunbird) und Grünkopf-Nektarvogel (Green-headed Sunbird).

Bei der Abfahrt waren dann Grant-Zebras zwischen den gigantischen Kandelaber-Euphorbien (Euphorbia candelabrum) zu sehen. Dieses Landschaftsbild kann man wohl als eines der einzigartigsten Afrikas abhaken.

Heute sollte es bergauf gehen, rauf in den Bwindi Impenetrable Forest nach Ruhija. Die Fahrt verlief angenehm und glatt.

Unterwegs sahen wir einen Augurbussard. Aufgrund seiner Größe verwirrte er mich zunächst komplett und ich hielt ihn erst für einen Gaukler. Ein großer Flüchtigkeitsfehler. Natürlich stritt ich, so wie ich charakterlich veranlagt bin, erst einmal vehement dagegen, bis mich Crammy eines Besseren belehrte und auf die Farbe des Schwanzes hinwies. Da wusste ich es natürlich sofort, nur war es mir in dem Moment einfach nicht eingefallen… klar 🙂

Unterwegs sahen wir einige Ansammlungen von Grauhals-Kronenkranichen (Grey Crowned Crane) sowie einen Farnzistensänger (Chubb’s Cisticola), der sich gut zeigte.

Mittagessen gab es dann unterwegs in einem Restaurant, wo ich sah, dass meine Gäste mit dem Buffet etwas zauderten, da die traditionelle Kochweise des Hühnchens wohl nicht ganz dem kulinarischen Anblick entsprach, den man von zu Hause gewohnt war. So war auch relativ viel Fett am Fleisch verarbeitet, was in vielen Ländern durchaus als Delikatesse gilt. Trotzdem hat es recht gut geschmeckt, so halb.

Vor dem Restaurant stand ein gigantisches Monument, bestehend aus sehr vielen, wohl geschnitzten menschlichen Figuren, die einen Pfeiler hinaufkletterten und alle etwas anderes symbolisierten. Ein fantastisches Denkmal war das. Ich schickte Lisa gleich ein Foto davon und sie schrieb nur zurück: „Das ist Kunst!“

Wir erreichten dann die Grenze des Waldes und es knackte auch schon in meinen Ohren, denn wir befanden uns inzwischen auf etwa 2.500 Metern Höhe. Kurz darauf erreichten wir das Gorilla Mist Camp in guter Verfassung.

Unterwegs gab es noch ein kurzes Treffen mit einigen L’Hoest-Meerkatzen, die über die Straße rannten und anschließend oben durch die Bäume sprangen. Es gelangen uns sogar einige schöne Fotos von ihnen.

Im Gorilla Mist Camp gab es dann noch ein Rwenzori- oder Johnston-Dreihornchamäleon (Johnston’s or Rwenzori Chameleon) zum Ablichten und anschließend etwas Zeit zum Chillen.

22. Juni 2026 – „in the mist“

Die Gorillas zu sehen, erfordert einen ziemlichen Auftakt. Nach einem frühen Frühstück fuhren wir an die Stelle, wo alle Touristen gebrieft werden, und setzten uns wie in einem Klassenraum, artig in großer Abwartung zum Briefing.

Dann kam erst das sogenannte Entertainment. Eine große Gruppe einheimischer Frauen aus dieser Gegend gab dann ohrenbetäubend laut ihren rhythmischen Gesang, teils auch Geschrei, Gestampfe, Getanze und Gehopse von sich. Vor uns saß ein junges Pärchen, bei dem das Mädel ganz viel Freude hatte. Na ja, dachte ich, wenn sie Freude hat, dann hat das alles hier auch sein Gutes. Nur schien es überhaupt nicht mehr aufzuhören…

Dann aber, nach vielen Dankesreden und nachdem viele Körbe durch die Gegend geschickt wurden, damit man, und auch …frau vor mir, dort etwas hineinfüllte, fand schließlich das eigentliche Briefing statt und wir wurden unseren Gruppen zugeteilt. Leider waren wir in einer sehr großen Gruppe von ganzen 9 Personen, da es wohl irgendeinen Zuteilungsfehler gab. Egal, wir lassen uns unsere Laune nicht vermiesen.

Wir fuhren zu einem Punkt, von dem aus die Wanderung zu den Gorillas losging. Cornelia nahm sich einen Träger, Hans-Peter trug seinen Rucksack selbst und ich nahm mir ebenfalls einen Träger, auch wenn ich ihn nicht wirklich brauchte. Aber Crammy hatte mir nahegelegt, die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Im Nachhinein war ich sogar ganz froh darüber, denn so konnte ich besser mit meiner Kamera hantieren und hatte jemanden, der mir die Kamera beim Objektivwechsel hielt.

Die Wanderung zu den Gorillas ist echt eine Herausforderung! Man muss sich das so vorstellen: sehr steil und kein befestigter Weg. Die Leute vorne treten die Pflanzen platt, und tritt man auf diese niedergetretenen langen Pflanzenstängel, kann es sein, dass sie wie Schmierseife so glatt sind und man ziemlich schnell auf dem Po landet.

Es ist unheimlich anstrengend, denn jeder Schritt kann der Schritt sein, bei dem man ausrutscht. Es ist sehr steil, schwierig zu gehen und extrem stressig, weil es konstant unentspannt ist. Man hat permanent Angst vor dem Hinfallen.

Irgendwann kamen wir an die Stelle, an der wir unseren Mundschutz aufziehen mussten. Unsere Führerin, ich habe sie lauthals Teacher getauft, weil sie uns wie Kinder behandelte und mit ihrem belehrenden Ton ständig Anweisungen gab, deutete uns dann an, dass wir genau jetzt die Masken aufsetzen sollten. Danach konnten wir uns den Gorillas nähern.

Leider hielten sich die Gorillas an einem sehr steilen, dicht bewachsenen Hang auf, und wir sahen sie immer nur kurz, bruchstückhaft und teilweise. Es war also wirklich herausfordernd, schöne Bilder zu machen, da die Gorillas meist entweder vom Blattwerk oder von anderen Touristen aus unserer Gruppe verdeckt waren. Ich war nervös, denn man konnte das Unglück auf Hans-Peters Gesicht sehen, da er Rücksicht nahm und deshalb nie zum Zug kam, die Tiere vor sich zu haben.

Als wir ankamen, machte der Silverback erst einmal einen Mock Charge. Mit lautem und gewaltigem Getöse kam er durch das Gestrüpp auf uns zugestürmt. Die Ranger und Tracker blieben jedoch völlig ruhig stehen und redeten beruhigend auf ihn ein. Tatsächlich beruhigte er sich sofort wieder. „Ey, ja, ich hatte voll Schiss, zugegeben!“

Leider konnte man ihn nie richtig sehen, und ich konnte überhaupt kein Foto von ihm machen, da er immer vom Blattwerk verdeckt war. Ein paar weibliche Tiere waren dagegen deutlich besser zu sehen und boten uns immerhin einige schöne Beobachtungen.

Natürlich gab es dann doch noch bessere Momente. Ich zog mich etwas zurück und gesellte mich zu dem Tracker, der bei Hans-Peter und Cornelia stand. So konnten wir dann drei weiblichen Tieren sehr schön und aus nächster Nähe beim Fressen zuschauen. Das eine Weibchen räkelte sich an einem Stamm und chillte dort ganz entspannt. So gelangen uns gute Fotos von fressenden Gorillas, aber auch von in der Nase popelnden Gorillas oder Gorillas, die sich die Augen ausrieben. Diese Situation rettete das Gorilla Adventure dann doch noch erheblich.

Ich wagte es dann, etwas Blattwerk zur Seite zu drücken, damit ich das eine Weibchen besser fotografieren konnte. Dabei brach ich allerdings wohl einen Zweig ab, den sie eigentlich selbst noch fressen wollte. Sofort kam Futterneid auf und sie attackierte mich. In Sekundenbruchteilen war ein anderes Weibchen zur Stelle, um ihr beizustehen, denn diese Tiere unterstützen sich untereinander sehr stark. Gott sei Dank passierte mir nichts, aber sie machte mir sehr deutlich lauthals klar, dass hier mit ihrer Nahrung nicht herumgepfuscht wird, ich bitte meine Distanz halten soll, dieser Wald ihr gehört und dieses Blattwerk von ihr gefressen wird und nicht von mir. Na ja, dachte ich, keine Angst, ich fresse Dir das schon nicht weg. Meine Hose blieb denk ich trocken… Glücksache!

Mich stach eine Wespe in den Hals und ich schlug mir die Brille im hohen Bogen fliegend von der Nase. Warum nur stechen die immer mich? Kleine Sünden… sofort, Ihr wisst schon! Der eine Tracker gab mir eine Salbe, die vielleicht half, vielleicht.

Den Silverback konnten wir dann auch noch sehen, wie er durch das Blattwerk lugte. Es gab außerdem eine Mutter mit einem kleinen Jungtier, das ganz niedlich für einen kurzen Moment zu sehen war.

Irgendwann sagte dann unsere Teacher, die übrigens eine sehr sympathische junge Frau war, sie meinte ja wirklich alles nur gut, dass wir nun bereits eine Stunde und fünfzehn Minuten bei den Gorillas gewesen seien und die vorgesehene Zeit bereits überschritten hätten. Deshalb müssten wir die Tiere jetzt wieder in Ruhe lassen und den Rückweg antreten.

Auf dem Rückweg wurde es dann sehr warm. Gerade Cornelia hatte wirklich zu kämpfen und sie tat mir sehr leid. Sie hatte vorher schon ihre Bedenken geäußert, ob diese Wanderung in der Hitze nicht vielleicht doch zu anstrengend werden würde. Aber ich muss sagen: top, was die Frau geleistet hat. Nachfolgenden Generationen ganz sicher zur Nachahmung empfohlen!

Bevor wir zur Lodge zurückfuhren, wurde sich noch einmal groß verabschiedet. Wir bekamen alle sogar eine Urkunde. Lustig war, dass uns Teacher sagte, wir sollten diese Urkunde unbedingt gut aufheben, denn sie sei mehr wert als alle anderen Urkunden, die wir vielleicht hätten, selbst wenn wir Professoren oder Doktoren wären. Erstens sei das Gorilla Tracking VERY EXPENSIVE und zweitens etwas ganz Besonderes. Anschließend zählte sie noch auf, wo wir die Urkunde bloß nicht vergessen dürften: nicht im Hotel, nicht im Auto und nicht im Flugzeug, sondern bitte zu Hause einrahmen und aufhängen.

Nach der Trinkgeldgeberei fuhren wir schließlich zurück zur Lodge. Dort verspeisten wir unsere Lunchpakete, tranken einen guten Kaffee und hatten den Nachmittag zur freien Verfügung.

Am späten Nachmittag, gegen fünf Uhr, trafen wir uns noch einmal zu einer kleinen Vogelbeobachtungswanderung. Dabei konnten wir unter anderem die Oliventaube (Olive Pigeon), mehrere Bülbülarten, den Ruwenzori-Apalis (Rwenzori Apalis), den Ugandarötel (Equatorial Akalat), den Olivbauchbülbül (Kikuyu Mountain Greenbul), den interessanten Braunwangen-Laubsänger (Red-faced Woodland Warbler) sowie einige Brillenvögel u.v.m. beobachten.

Am Abend führten wir noch einige Gespräche über Landrechte, Grundbesitz, korrupte Politiker und Genossenschaften. Dazu gab es ein Stroganoff-ähnliches Gericht, thematisch passend, welches mal wieder von der guten Küche Ugandas zeugte.

 

23. Juni 2026 – diesel and dust

Regen kann seine Vorteile haben. Es gibt wohl einige, die den Regen wegwünschen, aber es wäre ganz praktisch gewesen, den einen oder anderen kleinen Schauer zu haben, den Staub von der Straße zu waschen.

Wir gingen nämlich auf der School Road, so heißt der Weg auch auf e-bird tatsächlich, entlang, um den Wald, die Canopy auf der linken Seite und den Hang auf der rechten Seite nach Vögeln abzugrasen. Immer wieder kamen jedoch Autos sowie auch Boda Bodas an uns vorbei. Glaubt ja nicht, dass ein Boda Boda schmaler ist als ein Auto, denn es werden hinten Schweine auf großen Bottichen transportiert, querliegende Stangen, Bananen, Käfige mit Hühnern oder auch vier bis fünf Personen gleichzeitig geladen, und dann wird vorbeigeprescht, gerollt, getuckert, je nach Zustand und Alter des Boda Boda.

Oft ziemlich gefährlich, wenn man an einem abschüssigen Hang steht, da die Boda Bodas dann den Motor ausmachen und lautlos herunterrollen, ohne dass man sie wirklich hört, zumindest nicht bis zum letzten Moment. Wir wurden regelmässig in eine Staubwolke gehüllt, die man dann wohl oder übel bis in die letzte Ohrmuschel und natürlich auch überall auf der Kamera sitzen hat. Das war schon lästig.

Aber die Vogelwelt hatte es in sich. Und Crammy deutete maschinengewehrmäßig auf die reiche Vogelwelt. Sehr schön war, dass sich Blaue Meerkatzen (Blue Monkey) durch die Bäume hangelten und oft viele, viele Meter weit durch die Luft sprangen. Etwas frustrierend zu fotografieren, aber eine Freude, ihnen zuzusehen.

Auch konnten wir das Carruthers-Bergstreifenhörnchen (Carruthers’s Mountain Squirrel) und Böhms Buschhörnchen (Boehm’s Bush Squirrel) sowie bei der Abfahrt das weltberühmte Johnston-Dreihornchamäleon (Johnston’s Three-horned Chameleon) fotografieren. Gefunden haben wir es zwar nicht selbst, der Gärtner brachte es uns, dennoch kann man ja so tun als ob…

Ich möchte im Reisebericht nicht jeden Vogel aufzählen, den wir gesehen haben. Dennoch darf man den Kivufeinsänger (Mountain-masked Apalis), Gelbstreifen-Bülbül (Yellow-streaked Greenbul), Braunwangen-Laubsänger (Red-faced Woodland Warbler), Waldraupenfänger (Grey Cuckooshrike), Bergspint (Cinnamon-chested Bee-eater), die Oliventaube (African Olive Pigeon), den Ruwenzori-Batis (Rwenzori Batis) mit seinen kleinen hellen Spotlights auf der Stirn sowie den Braunscheitelwürger (Lühder’s Bushshrike) erwähnen, welche deutlich bessere Beobachtungsmöglichkeiten boten und immer wieder Freude auf die Gesichter meiner lieben Gäste zauberten.

Die Fahrt ging dann weiter, und wir kamen an eine verengte Stelle, die hier „The Neck“ genannt wird. Dort steht man auf der Brücke und kann auf den Felsen den Cassin-Schnäpper (Cassin’s Flycatcher) beobachten. Erst auf dem Foto habe ich gesehen, dass sich der Schnabel bereits öffnet, lange bevor der Vogel eigentlich losfliegt. Und ich hatte tatsächlich ein Bild gemacht, auf dem die kleine Motte direkt vor dem Vogel fliegt. Ganz toll.

Am eigentlichen The Neck sahen wir außerdem die Schwarzente (African Black Duck), und hoch oben in den Bäumen flog ein Schwarzschnabelturako (Black-billed Turaco). Mann, war das wunderschön, wie er mit seinen leuchtend roten Flügelschwingen immer wieder den Himmel kreuzte.

Der Gewinner des Tages? Eindeutig der Purpurspint (Black Bee-eater). Leider weit oben, kaum durchs Fernglas geschaut, knallen die Farben ins Auge.

Hoch oben in den Bäumen sahen wir außerdem den Grünkehl-Nektarvogel (Green-throated Sunbird), den Rotkopf-Malimbe (Red-headed Malimbe) sowie den Dunkelrückenweber (Dark-backed Weaver) und noch einige andere Arten. Leider war alles sehr weit entfernt, sehr hoch oben und entsprechend schwierig zu beobachten.
Zum Trost und um den Nacken etwas zu entspannen, tänzelte eine Zebraprinie (Banded Prinia) im niederen Kraut.
Danach kehrten wir in der Buhoma Haven Lodge ein, einer Community Lodge, die wirklich gut geführt war. Die Zimmer waren großzügig und praktisch eingerichtet, modern und sehr sauber.

 

24. Juni 2026 – rain and runs

Auf dieser Reise sehen wir den Bwindi Impenetrable Forest in verschiedenen Höhenlagen. Mit Absicht haben wir die Gorillas in der höheren Ebene besucht, wo wir über 2.500 Meter waren. Nun sind wir auf circa 1.500 Metern. Interessant an der Vogelwelt ist ja, dass die Höhenmeter bei der Artenverbreitung eine sehr große Rolle spielen.

Heute Morgen, nach einem frühen Frühstück, ging es zuerst in den sogenannten Secondary Forest. Das sind zurückerworbene Gebiete, wo man den Einheimischen den Wald zurückgekauft hat und ihn wieder dem Nationalpark zugeschlagen hat. Davon profitieren letztlich auch die Menschen vor Ort, indem Community Projekte, Community Rest Camps und Community Lodges entstehen. Wir wohnen ja auch in einer solchen und würden es auch nur so machen, da für LeafLove Safari die Gemeinschaften immer eine große Rolle spielen.

Anschließend besuchten wir zu Fuß den Primary Forest. Der Weg war leicht und gut zu gehen, die Vogelwelt dafür umso üppiger. Über 62 Arten. Ganz toll war die Suche nach dem Bergtrogon (Bar-tailed Trogon). Ich konnte einen fotografieren. Meine Gäste waren leider immer einen Tick zu spät und haben den Trogon nur noch fliegend gesehen. Das tut mir sehr leid.

Aus der Vogelliste wird man entnehmen können, dass wir unzählig viele verschiedene Bülbülarten gesehen haben. Hier gibt es, soweit ich weiß, über 17 dieser Familie. Eine wunderbare Beobachtung waren neben den Schmetterlingen am Wegesrand auch ein Rwenzori-Rotducker (Rwenzori Red Duiker), der einmal über den Weg lief. Ich konnte ihn sogar kurz recht nah neben dem Weg stehen sehen. Aber wie das immer so ist: Man schaut sich in die Augen, ich voller Ehrfurcht, der Ducker voller Angst. Ich ziehe die Kamera hoch und der Ducker ist weg.

Auch ein Boehms Baumhörnchen (Boehm’s Tree Squirrel) tanzte durch die Äste, und die L’Hoest-Meerkatzen (L’Hoest’s Monkey) brummten und riefen laut durch den Wald, über den sich heute wie ein Mantel dichter Nebel zog und dem Regenwald etwas Schleierhaftes, fast Geisterhaftes verlieh.

Wie bereits gesagt: Vogelfotografie im tiefen Wald, immer im Gegenlicht, immer hoch oben, immer weit weg. Dabei habe ich spöttischerweise eine Regel aufgestellt: keine Neigungen über 30 Grad, keine Vögel weiter als zehn Meter und keine Lichteinflüsse von vorne. Genau das Gegenteil ist natürlich immer der Fall.

Crammy spielte den Schwarzscheitel-Breitrachen (African Broadbill) ab. Ich zeigte dazu eines meiner Filme, wie dieser Breitschnabel fliegt. Immer in kleinen hüpfenden Kreisen, begleitet von einem lauten „Brüupp“, setzte er sich anschließend wieder auf seinen Ast und stellte die weißen Rückenfedern auf. Wunderschön anzusehen.

Salomon, unser lokaler Führer, entdeckte diesen Breitrachen Er hat ebenso wie Crammy Adleraugen. Ich fühle mich neben diesen Kerlen, muss ich ehrlich sagen, wie ein Krüppel. Was die sehen können, ist unfassbar. Wir beobachteten den Schwarzscheitel-Breitrachen sogar bei seinem Balzflug. Das war, wie immer, eine absolute Ausnahme Natursituation. Lovely.

Außerdem sahen wir sehr schön den Einsiedlerkuckuck (Red-chested Cuckoo), den Smaragdkuckuck (African Emerald Cuckoo), den Gelbfleck-Bartvogel (Yellow-spotted Barbet), den Borstenbrust-Bartvogel (Hairy-breasted Barbet), den Zwerghoniganzeiger (Least Honeyguide), den Petitkuckuck (Petit’s Cuckoo), den Grüncrombec (Green Crombec), die Weißkinnprinie (White-chinned Prinia), die Rußmeise (Dusky Tit), den Strichelkehl-Feinsänger (Bar-throated Apalis), den Schmalschnabelbülbül (Slender-billed Greenbul), den Rotschwanzbülbül (Red-tailed Greenbul), die Grünhylie (Green Hylia) und noch sehr viele weitere Arten.

Am Nachmittag gingen wir gegen fünf Uhr noch einmal hinaus. Gerade einmal zehn Arten hatten wir beobachten können, als uns der Regen mit einem krachenden Donnerschlag regelrecht aus dem Wald vertrieb. Rennend schafften wir es zurück zum Auto und fuhren zur Lodge. Als wir vor dem Regen auf die Lodge flüchteten, saß oben in einem Eukalyptusbaum ganz betrübt ein Schopfadler (Long-crested Eagle). Als ich anschließend aufs Zimmer ging, sah ich, dass die Tamburintaube, die mittags gegen meine Scheibe geflogen war und der ich etwas Wasser gegeben hatte, nachdem ich sie zur Erholung auf den Rasen gesetzt hatte, nicht mehr da war. Ich hoffe nicht, dass die Katze sie gefressen hat. Scheißkatze! Trotzdem!

Von der Lodge schauten wir noch einmal auf den riesigen Bwindi Wald hinaus. Da die Lodge hoch über dem Tal liegt, konnten wir tief in dieses gewaltige Waldgebiet hineinschauen. Faszinierend war zu beobachten, wie die Wolken regelrecht aus dem Wald herauszuwachsen schienen. Cornelia meinte ganz treffend: „Gorillas in the Mist, genau so sieht es aus.“ Es wirkte gespenstisch schön.

 

25. Juni 2026 – durch den Park der Königin

Heute gab es sogar ein etwas entspannteres Aufstehen, beziehungsweise erlaubte uns Crammy, eine halbe Stunde später zu frühstücken. Die Fahrt ging dann in den Queen Elizabeth Nationalpark. Dieser hat die Eigenart, dass er beginnt, ohne dass man durch ein Tor fährt. Lediglich ein Elektrozaun grenzt den Park auf einer Seite von den Privatländereien ab, wohl um Elefanten fernzuhalten. Die Nationalstraße führt jedoch quer durch den Park.

Wir fuhren natürlich mit Bedacht und schauten am Wegesrand immer wieder nach unterschiedlichsten Vögeln und blickten regelmäßig in die Bäume, um nach den bekannten Baumlöwen Ausschau zu halten, die es hier gibt.

Gegen Mittag fuhren wir zur Enjojo Lodge mit wunderbarem Ausblick auf einen kleinen See, auf dem sich Blaustirn-Blatthühnchen (African Jacana) und Graureiher (Grey Heron) aufhielten. In den Bäumen saßen unzählige Senegallieste (Woodland Kingfisher). Wer sie kennt, weiß, wie laut es sein kann, wenn ihr trillernder Pfiff immer wieder von verschiedenen Seiten ertönt.

Nach einem Kaffee ging es dann weiter zur Queen Elizabeth Bush Lodge. Ganz eindrücklich interessant war ein riesengroßes, hervorragend gefärbtes Männchen der Blaukopf-Baumagame (Blue-headed Tree Agama).

Am Nachmittag kamen wir schließlich auf der Lodge an und konnten unsere Chalets beziehen. Die Queen Elizabeth Bush Lodge gehört zu den bekannten Nature Lodges, die sich dort angesiedelt haben, wo der Tourismus etwas stärker ist, und bietet eine gute Qualität. Vor allem die Außenduschen sind toll. Elefanten und Nilpferde laufen durch den Garten, beziehungsweise wird man abends zu den Zimmern begleitet, damit einem nichts passiert.

Es ist zwar etwas touristischer, als wir es bisher gewohnt waren, macht aber nichts. Das Gespräch der plappernden Touristen kann durchaus auch sehr entertaining sein.

Obwohl wir auf der ganzen Strecke nicht wahnsinnig viele Tiere sahen, hier und da einmal Elefanten und Büffel, konnten wir dennoch gute 65 Vogelarten beobachten. Das war für das Ende des Tages schon eine beachtliche Liste. Das coolste Vogelerlebnis waren die Rosstturakos (Ross’s Turaco), die eine wunderbare Show ablieferten. Crammy sagte auch: “They put on a good show.” Vier bis sechs Vögel flogen zwischen den Bäumen hin und her, riefen laut und boten mir die Möglichkeit, auch im Flug gute Fotos von ihnen zu machen. Wir hielten uns dort eine ganze Weile auf und fotografierten anschließend noch einen sehr schönen Gelbkehlpieper (Yellow-throated Longclaw), der im perfekten Licht saß, aber die sind easy.

 

26. Juni 2026 – shit happens

Der Tag fing im wahrsten Sinne des Wortes beschissen an. Abgesehen davon, dass ich überhaupt nicht pennen konnte, da ich in einem Zimmer eingeteilt war, das auf derselben Plattform wie ein anderer Bungalow lag und die Dame nebenan fürchterlich schnarchte, wurde ich abends auch noch von Siebenschläfern heimgesucht, die sich zankten und an meinem Zelt herumkratzten und knasterten. Die Hippos grunzten die ganze Nacht herum und ein Elefant brach immer mal wieder Gras und Äste ab. Ich konnte überhaupt nicht schlafen.

Abgesehen davon fuhren wir gerade los, als ein Weißbrauenkuckuck (White-browed Coucal) auf der Straße saß, den wohl jemand angefahren hatte. Er lebte aber noch. Ich sagte zu Crammy: „Nimm ihn von der Straße. Sei nur vorsichtig, wenn Du ihn berührst. Denk an die Vogelgrippe. Oder soll ich es machen?“ Er meinte nur: „Nee, mach Du das.“

Ich nahm den Vogel von unten auf, schöpfte ihn regelrecht in meine Hände und legte ihn vorsichtig an den Straßenrand, wo er in weichem Gras lag und sich hoffentlich von dem harten Schlag erholen konnte. Ich glaube, er wird überleben.

Zufrieden stieg ich wieder ins Auto, desinfizierte mir die Hände, merkte aber nicht, dass meine Hände voller Vogelscheiße waren. Die schmierte ich dann auch noch an meiner Hose ab. Der Gestank durchzog das Auto penetrant wie eine gesamte Hühnermistanlage. Der Weißbrauenkuckuck frisst schließlich Insekten und dieser Schiss stinkt wahnsinnig.

An der Rangerstation stieg ich erst einmal aus, wusch mir gründlich die Hände, zog meine Hose aus und fuhr zunächst in Unterhose weiter. Die Hose wusch ich auf der Toilette aus. Die Rangerin bot dann sogar an, sie für mich aufzuhängen, damit ich sie auf der Rückfahrt wieder abholen konnte. Der Gestank ging allerdings nicht heraus. Ich musste meine Hände mehrfach waschen und zusätzlich desinfizieren.

Leider haben wir bis jetzt die baumkletternden Löwen noch nicht gesehen. Dafür fanden wir einige sehr interessante Vögel, darunter auch Lerchenarten, die ich vorher noch nicht kannte. Außerdem diskutierten wir über einen Adler, der sehr hoch kreiste. War es ein Zwergadler oder doch ein Habichtsadler? Sicher waren wir uns nicht.

Relativ früh kehrten wir zum Mittagessen ein.

Wichtig zu erwähnen sind die wahnsinnig vielen Uganda-Kobs, die man hier sehen kann. Der Kob ist eine Antilopenart, die für diese Gegend besonders typisch ist. Wir konnten sogar einen sogenannten Lek beobachten, auf dem sich die männlichen Tiere versammeln, um ihre Rivalität gegeneinander zu behaupten. Es war faszinierend zuzusehen, wie sie sich gegenseitig anpfiffen und zum Teil auch leicht angriffen. Dazu die vielen Weibchen mit ihren Jungtieren, einfach wunderschön.

Ebenso eindrücklich waren die vielen Büffel in den wasserreichen Senken, auf deren Rücken Kuhreiher saßen. Hier und da sahen wir auch Elefanten, allerdings ausschließlich Bullen.

Und dann diese wahnsinnige Landschaft: weite, grasbewachsene Ebenen, aus denen riesengroße Baumeuphorbien herausragen, die wie gewaltige Kakteen aussehen. Es handelt sich um die echte Kandelaber-Euphorbie (Euphorbia candelabrum), in deren Kronen die Löwen häufig ruhen.

Gleich nach dem Mittagessen ging es dann wieder direkt los auf Pirschfahrt und anschließend zur Bootsfahrt.

Auf der Pirschfahrt entdeckte Adlerauge Crammy sie: eine Löwin in einer großen Kandelaber-Euphorbie. Ich fragte mich: Wie kann man da drin liegen? Wie kann es zwischen diesen Ästen gemütlich sein? Hinter ihr lag auch noch ein männlicher Löwe, der allerdings leider nicht richtig zu sehen war. Sie blinzelte uns immer wieder an, mal ein Auge auf, mal ein Auge zu. Crammy meinte nur: “It’s the breeze. The breeze is very important in this heat.”

Dabei musste ich an die brütende Hitze im Etosha Nationalpark denken und daran, dass die Bäume dort wohl meist gar nicht zum Hochklettern geeignet sind. Wobei ich persönlich auch im Buffalo Park in Namibia, im Caprivi, schon häufig Löwen in Akazien liegen gesehen habe. Uganda ist mit seinen Baumlöwen also zwar etwas Besonderes, aber in dieser Hinsicht nicht völlig einzigartig.

Die anschließende Bootsfahrt war dann der absolute Oberhammer. Wir sahen Elefanten in Massen, Nilpferde in Massen, Büffel im Schlamm zwischen den Wasserpflanzen, mit Kuhreihern auf dem Rücken, mit Madenhackern auf dem Rücken, dazwischen Nilpferde und im Hintergrund wieder Elefanten. Spielende Elefanten, tobende Elefanten, Elefanten, die sich gegenseitig mit Wasser bespritzten, und dahinter der Eduardsee. Fantastisch.

Die Vogelwelt war mit über 60 Arten ebenfalls überwältigend. Vom Goliathreiher über Rötelpelikan (Pink-backed Pelican) und Rosapelikan (Great White Pelican) bis hin zu Hunderten Graufischern, die in den Sandbänken brüteten. Dazu Hunderte Afrikascherenschnäbel (African Skimmer), Spornkiebitze (Spur-winged Lapwing) mit Küken und Senegalkiebitze (Wattled Lapwing) am Wegesrand.

Dazu kamen die vielen Farben der Menschen im Kasinga Fishing Village mit ihren bunt bemalten Booten.

Es war eine Bootsfahrt, die hinsichtlich Tier- und Vogelwelt, glaube ich, in Afrika kaum zu übertreffen ist.

Cornelia spricht nicht viel, aber wenn sie etwas sagt, dann hat es Gewicht. Nach der Bootsfahrt sagte sie nur, ausdrucksstark auf Schweizerdeutsch: „Es isch schön gsi.“ Hans-Peter nickte anerkennend. Mehr musste eigentlich gar nicht gesagt werden.

Es war aber auch eine Wahnsinnskombination: Ein Teichrohrsänger (Common Reed Warbler) hüpft neben einem Büffel durchs Geäst, während ein Kuhreiher oder ein Madenhacker auf dem Büffel nach Nahrung sucht, daneben grunzt ein Nilpferd und im Hintergrund tröten die Elefanten. Solche Szenen vergisst man nicht.

Übrigens sahen wir einen Elefantenbullen mit Stoßzähnen, bei denen sich wohl früher jeder Trophäenjäger die Lippen geleckt hätte. Die Stoßzähne überkreuzten sich vorne sogar. Fotografisch natürlich ein absoluter Traum.

Auf der Rückfahrt deutete Crammy auf einen Bandschlangenadler (Western Banded Snake Eagle). Und ich, typisch Albert, schaute nur ganz kurz hin und sagte: “Looks more like a Brown Snake Eagle to me.” Natürlich sah ich dann ziemlich schnell, dass er recht hatte, genoss aber trotzdem seine Erklärung, warum und weshalb.

Außerdem sahen wir noch Graufalken (Grey Kestrel) und mehrere Graukopflieste (Grey-headed Kingfisher) am Wegesrand.

Meine Frau hatte sich noch ein Foto von einem Marabu gewünscht, zum malen, und diesen Wunsch konnte ich pflichtbewusst ebenfalls noch erfüllen.

Was für ein Tag. Ganz, ganz toll.

 

27. Juni 2026 – let’s get this out of the way

In den frühen Morgenstunden trafen wir uns, um bei einem kleinen Spaziergang noch ein paar Vögel zu erledigen. Crammy hatte dafür einen schönen englischen Ausdruck. Er sagte immer: “To get these out of the way.” Das fand ich sehr sympathisch. Man merkte, dass er systematisch dachte, Art für Art. Das gefiel mir sehr.

Wir sahen Schneescheitelrötel (Snowy-crowned Robin-Chat), Graukappensänger (Grey-capped Warbler), Schwarzkopfweber (Black-headed Weaver), Savannenbogenflügel (Grey-backed Camaroptera) und Grünmantelsylvietta (Green Crombec).

Ich musste mich dann kurz verabschieden, denn später meinte ich, dass sich der Koch wohl beim Zubereiten meines Essens in der Nase gepopelt haben musste, denn mein Magen begann sich deutlich zu beschweren. Ich hoffte natürlich, dass sich das nicht weiterentwickeln würde.

Als ich zurückkam, saßen alle bereits am Frühstückstisch und nach dem Frühstück konnte der Fahrtag in Richtung Kibale beginnen.

Unterwegs legten wir noch einen Stopp im Kibale Forest ein, wo wir mehrere Uganda-Mangaben (Uganda Mangabey) beobachten konnten. Die Tiere ließen sich erfreulicherweise ganz artig fotografieren und boten ausgezeichnete Fotomöglichkeiten.

Das Kibale Forest Camp ist eine sehr schöne Lodge, umgeben von einem wunderbaren Garten, in dem uns zur Begrüßung bereits Olivbauch-Nektarvögel (Olive-bellied Sunbird) umhertanzten.

Gegen fünf Uhr gingen wir hier im Gelände noch einmal hinaus. Crammy kannte sich hervorragend mit den verschiedenen Lebensräumen aus und schaffte es tatsächlich, uns eine Perlenralle (White-spotted Flufftail) sowie ein Männchen des Senegalparadiesschnäppers (Red-bellied Paradise Flycatcher) mit seinem schwarzen Kopf zu zeigen.

Außerdem konnten wir Braunbauch-Laubdrossling (Brown Illadopsis), Grauwangen-Laubdrossling (Pale-breasted Illadopsis) und, über den Waldboden schleichend, Schuppenbrust-Laubdrossling (Scaly-breasted Illadopsis) beobachten. Weit in der Entfernung zeigte sich schließlich noch ein Samtglanzstar (Purple-headed Starling).

Sechs fantastische Vogelarten auf einer kurzen Wanderung hier im Gebiet. Das Kibale Forest Camp ist wirklich ein kleines Paradies.

 

28. Juni 2026 – affengeil

Was war das für ein Tag. Würde man mich fragen, was sich mehr lohnt, das Schimpansen Tracking oder das Gorilla Tracking, würde ich vermutlich das Schimpansen Tracking bevorzugen.

Wir gingen tief in den Kibale Wald. Allein die Geräuschkulisse von knackenden, singenden, tönenden und quiekenden Graupapageien, hier und da pfeifenden Laubdrosslingen und in der Ferne einem Rotbrust-Zwergkauz (Red-chested Owlet) brachte ein enormes Wertschätzungsgefühl hervor.

Auf dem Boden große Elefantenstapfen, in denen Abdrücke von Knöcheln zu sehen waren. Unser Guide deutete darauf und sagte: „Chimpanzees are knuckle walkers.“ Schimpansen laufen auf ihren Knöcheln.

Wir suchten jedoch eine ganz besondere Art, die Grünbrustpitta (Green-breasted Pitta). Zuerst glaubten wir, ganz sicher keinen Erfolg zu haben. Wir gingen und gingen und gingen, bis irgendwann Gordon sagte, er habe entfernt eine Pitta gehört. Also gingen wir dorthin, aber es schien schier unmöglich, diesen Vogel überhaupt zu Gesicht zu bekommen.

Irgendwann deutete Crammy dann durchs Gehölz. Dort saß sie tatsächlich, immer hüpfend, flatternd und dabei ein leichtes „Brupp“ erzeugend, bevor sie sich wieder auf denselben Ast setzte. Dieser farbenfrohe Vogel blieb für uns jedoch zunächst nur eine dunkle Silhouette. Immer wieder Richtungswechsel, immer wieder flog der Vogel ab, immer wieder war er verschwunden. Ich befürchtete schon, dass es wie beim letzten Mal eine hoffnungslose Aktion werden würde.

Währenddessen krabbelten, trotz der Chaps, die ich mir extra eng geschnürt hatte, winzige Ameisen wieder einmal an mir hoch. Ich spürte sie sogar schon am Rücken. Immer auf mich, den anderen passierte das nicht.

Dann aber tatsächlich: Als wir uns durch das Gestrüpp hangelten, konnten Hans-Peter und ich die Pitta endlich sehen. Und tatsächlich blieb der Vogel kurz sitzen, flog dann auf einen anderen Ast. Wir mussten uns erneut durchs Geäst hangeln und da saß sie, bereit für die Fotografie.

Wir hatten gute zehn Sekunden Zeit, Fotos von diesem Vogel zu machen. Leider war es sehr dunkel, sodass die Farben nicht so prächtig zur Geltung kamen. Aber für das eine oder andere halbwegs gute Bild hat es definitiv gereicht.

Wir waren euphorisch vor Birding Happiness.

Gleich im Anschluss sollte es dann weitergehen auf das Schimpansen Tracking. Ich fragte Cornelia, ob sie noch Energie hatte. Sie sagte ja, tough woman, und so fuhren wir noch ein kleines Stück höher hinauf in den Kibale Wald, wo wir sofort versuchten, die Schimpansen zu finden.

Unser Guide, schwer bewaffnet mit einer AK-47, erklärte uns, dass es bis zu drei Stunden dauern könne, bis man die Schimpansen findet, manchmal aber auch nur zwanzig Minuten. Scherzend sagte ich zu ihm, wir würden die Zwanzig-Minuten-Variante nehmen. So sollte es dann im Endeffekt auch sein.

Interessant waren die großen Elephant Beer Bäume / Balanites wilsoniana / Uganda Greenheart or Wilson’s Desert Date, wie sie genannt werden, und wie kahl und sauber das Gelände um diese Bäume herum war. Elefanten lieben diese Früchte, und anscheinend gären sie sogar im Magen der Tiere. Ich kenne diesen Mythos auch von der Marulafrucht im südlichen Afrika und kann nicht ganz bestätigen, ob Elefanten tatsächlich betrunken werden. Vermutlich haben sie einfach einen enormen Energieüberschuss, wenn sie diese gut riechenden, nach selbstgebrautem Bier duftenden Früchte fressen.

Wir sahen auch das eine oder andere Schimpansennest hoch oben in den Bäumen. Ja, Schimpansen bauen Nester, in denen sie nachts schlafen.

Es dauerte nicht lange, da deutete der Guide nach rechts. Und auf dem Boden lagen sie herum wie die Leichen. Zuerst waren wir komplett enttäuscht. Schimpansen mit geschlossenen Augen. Ab und zu ging einmal ein Auge auf, dann fotografierte jemand, und schon fiel das Auge wieder zu. Hans-Peter meinte später auch, dass er zuerst dachte, das könne ja nicht alles gewesen sein.

Doch es dauerte nicht lange, da wurden wir zu einer anderen Stelle gerufen, wo ein sitzender Schimpanse vor sich hin döste. Also machte ich erst einmal Bilder von einem sitzenden Schimpansen.

Dann aber ging die Action los. Die Schimpansen wachten auf, jagten sich. Vieles sah man gar nicht richtig, denn der Wald war dicht und voller Gestrüpp. Doch nach und nach wurden immer mehr aktive Schimpansen sichtbar, die schließlich in ihre gemütliche Gruppenpflege wechselten. Mal saß einer beim anderen, mal bildeten sich kleine Grüppchen, mal größere, mal saßen nur zwei zusammen, mal wurde herzhaft gegähnt, mal saß einer hoch oben im Baum. Es war eine großartige Show.

Ich konnte sogar Fotos von gähnenden Schimpansen machen. Das ist schon eine ganze Ecke schöner, als gähnende Löwen zu fotografieren, sage ich jetzt einfach einmal. Vielleicht auch, weil es einfach seltener ist.

Zum Abschluss sahen wir sogar noch Narinatrogons (Narina Trogon). Beziehungsweise sah ich sie, als der Guide nach oben deutete und wir hinter ihm herstiefelten. Leider waren sie genau in dem Moment, als Hans-Peter und Cornelia dazukamen, schon wieder in den Kronen weit über uns verschwunden.

Am Nachmittag gingen wir dann noch einmal hinaus, einfach an den Straßenrand, wo es eine schöne Überflugschneise für verschiedene Vogelarten gab. Dort sahen wir noch Spitzschwanzstar (Narrow-tailed Starling) und einen Graukopfschwärzling (Grey-headed Nigrita). Tatsächlich zauberte der kompetente liebe Crammy dann ganz zum Schluss auch noch einen wunderbar frei sitzenden Narinatrogon (Narina Trogon) für meine Gäste hervor, what a guide!.

Das war ein perfekter Abschluss eines außergewöhnlich erfolgreichen Tages.

 

29. Juni 2026 – Dampfplauderer

Als wir heute Morgen unterwegs waren, hielten wir an einer Stelle, an der die Bäume regelrecht von Rotschwanzaffen belagert waren. Auf der Straße tummelten sich unzählige Anubispaviane. Während wir Motorrädern, Vögeln und vorbeifliegenden Tauben zuschauten, ereignete sich plötzlich eine Szene, die wir so schnell nicht vergessen werden: Ein Pavian riss einem vorbeifahrenden Motorradfahrer im Vorbeifahren die Einkaufstüten vom Fahrzeug. Sofort entstand großes Gelächter, begleitet von ebenso großem Drama und Tumult.

Die Straße war heute erstaunlich gut, und die Reise führte weiter durch die Teefelder Ugandas. Über weite Strecken erstreckte sich diese Monokultur und bot wunderbare Bilder von Frauen und Männern, die den Tee nicht nur schnitten, manche von Hand, manche mit Maschinen, sondern ihn auch in großen Körben auf dem Rücken trugen. Ich habe es etwas bereut, dass ich hiervon keine Fotos gemacht habe, aber wir reden hier von hektarweiten Teeplantagen. Sehr eindrücklich.

Mittags kehrten wir in einer recht schönen Lodge ein, wo uns sogar der Eigentümer persönlich begrüßte. Wieder bekamen wir eine wunderbar deftige Mahlzeit vorgesetzt. Also hier in Uganda werde ich fett!

Mein Kollege Volker Sthamer, der hier als Profi-Reiseleiter unterwegs ist, isst nur noch eine Mahlzeit am Tag, wenn er hier ist, genau aus diesem Grund.

Im Garten der Lodge ließen sich der Blauhaubenschnäpper (African Blue Flycatcher) und das Kleinelsterchen (Bronze Mannikin) wunderbar fotografieren.

Später kehrten wir dann im Masindi Hotel ein, einem Hotel, das sich rühmt, das älteste und berühmteste Hotel Ugandas zu sein. Es lehnt sich dabei stark an die Tatsache an, dass sogar Ernest Hemingway hier unterkam.

Ich, in diesem Sinne weniger informiert, fragte daraufhin meinen sehr belesenen und klugen Schwiegervater, ob er die Bücher von Hemingway denn gelesen habe. Er meinte nur „natürlich“, Hemingway sei ein alter Dampfplauderer gewesen, der lediglich zweimal in Afrika war, gerade einmal drei Stück Wild geschossen und vor allem zu viel getrunken habe. Stattdessen empfahl er mir lieber ein paar andere Bücher zu lesen. OK, das war deutlich!

Das Hotel selbst war allerdings eher mäßig bis schlecht und deutlich in die Jahre gekommen, obwohl es uns zuvor sehr empfohlen worden war. Hier müssen wir für zukünftige Reisen definitiv eine Alternative finden.

Da der Eigentümer des Masindi Hotels ein Inder ist, gab es auf der Speisekarte auch indische Gerichte. Wir bestellten Chicken Tikka und ich zusätzlich ein Chicken Tikka Masala. Das Essen wurde traditionell indisch angerichtet und schmeckte, das muss ich zugeben, fantastisch.

Der Empfang war auch ein Abenteuer im Ohrensessel, da der Manager ohne Ende über die Geschichte des Hotels plauderte, jedoch so leise und undeutlich, dass niemand auch nur ein Wort verstand. Wir nickten höflich und hofften auf ein baldiges Ende der Laberstunde. Die Kellnerin versuchte ihn zu unterbrechen, aber er streckte ihr die Handfläche als Stoppschild hin und meinte: „I am not yet through“ und sprach unbeirrt weiter. Im Nachhinein hätte ich gern gewusst was er so erzählt hatte, aber der Tag war zu lang diesen Weg auch noch zu gehen.

Anschließend versuchte ich noch, unabhängig von Crammy, der es allerdings ebenfalls probierte, ein paar Eulen zu finden, da diese hier schon einmal gesichtet worden waren. Doch der Hotelhof blieb an diesem Abend leider leer.

 

30. Juni 2026 – skylarking about

Schon sehr früh ging es los. Wir trugen unsere Koffer diesmal selbst, da kein Kofferträger auffindbar war, und machten uns auf den Weg zur berühmten Royal Mile. Diese schnurgerade Piste führt durch den Budongo Forest und erhielt ihren Namen, weil sie einst dem Omukama, dem König des Bunyoro-Königreiches, als Rückzugs und Jagdgebiet diente. Später, während der britischen Kolonialzeit, verlor das Königreich seinen Einfluss und der Omukama wurde von den Briten abgesetzt und ins Exil geschickt.

Ich wusste aus vergangenen Reisen, dass die Royal Mile zwar überall hochgelobt wird, aber ein anstrengendes Birding Revier ist. Sehr hohe Bäume, sehr viel Gegenlicht, sehr kleine Vögel, sehr viel Schatten und alles spielt sich hoch oben in den Baumkronen ab.

Der Weg dorthin jedoch ist gesäumt von vogelreichen Feldern. Wir hielten regelmäßig am Wegesrand an und konnten vom Monteiroastrild (Brown Twinspot) bis zum Natalspötter (Dark-capped Yellow Warbler) zahlreiche Arten beobachten. Hinzu kamen Gelbschnabelfrankoline (Heuglin’s Spurfowl), Stahlflecktaube (Blue-spotted Wood Dove), Blaukopfspornkuckucke (Blue-headed Coucal), ein überfliegender Afrikanischer Höhlenweih (African Harrier-Hawk), ein Silberadler (Wahlberg’s Eagle) sowie der Hartlaubheckensänger (Brown-backed Scrub Robin). Besonders schön waren die Sudandrosselhäherlinge (Brown Babbler) mit ihren knallgelben Augen.

Außerdem zeigten sich ein Ziernektarvogel (Variable Sunbird), ein Kupfernektarvogel (Copper Sunbird), die wunderschönen Dotterweber (Vitelline Masked Weaver), Schwarzkopfweber (Black-headed Weaver) und Brauenweber (Compact Weaver). Hinzu kamen Feuerweber (Northern Red Bishop), Flammenweber (Black-winged Red Bishop) und Bischofsweber (Black Bishop). Der Schildweber (Red-collared Widowbird) zeigte sich sogar im prachtvollen Brutkleid. Besonders freuten wir uns auch über den Weißwangenastrild (Grey-headed Oliveback).

Unterwegs huschte außerdem ein Streifenerdhörnchen (West African Ground Squirrel – Xerus erythropus) über den Weg, und mehrere Tantalus-Grünmeerkatzen (Tantalus Monkey) ließen sich ebenfalls schön beobachten.

Und doch sahen wir noch viele weitere kleine Vogelarten, bevor wir schließlich in die Royal Mile selbst hineinfuhren.

Die Royal Mile gehört zum Budongo Forest Reserve und ist ein wunderbar naturbelassenes Stückchen Erde. Sie umarmt den Besucher regelrecht mit einer gut begehbaren, fantastischen Waldlandschaft.

Eigentlich hatten wir auch noch einen lokalen Führer dazu gebucht, aber Crammy hatte diesen großzügigerweise an einen anderen Reiseleiter abgegeben. Das machte uns überhaupt nichts aus, denn Crammy war sowieso der Beste!

Im Vergleich zu den vergangenen Besuchen sahen wir diesmal ausgesprochen viele und richtig tolle Vögel. Gleich am Anfang zeigte sich ein Natalzwergfischer (African Pygmy Kingfisher). Anschließend überflogen uns Weißschenkel-Hornvögel (White-thighed Hornbill), und Scheitelfleckspechte (Yellow-crested Woodpecker) waren immer wieder zu sehen. Crammy entdeckte dann zusammen mit seinem Kollegen zwei Schokoladenlieste / Kastanienlieste (Chocolate-backed Kingfisher) hoch oben in einem Baum. Eigentlich konnten wir sie nur anhand ihrer großen weißen Brust erkennen. Wenigstens sah man noch einen kleinen Teil des schokoladenbraunen Kopfes.

Kurz darauf flogen einige Fleckenbülbüls (Spotted Greenbul) ein, die eine fantastische Fotoshow für uns abhielten und uns mit ihrem Flügel-hochgeziehe total begeisterten.

Hans-Peter ist, glaube ich, sehr begeistert, zeigt seine Begeisterung allerdings nicht besonders. Er ist ja schließlich Schweizer :-). Als ich ihn scherzend aufforderte, seine Freude etwas deutlicher zu zeigen, meinte er nur: „Soll ich hier noch einen Tanz aufführen vor Freude?“ Herrlich!

Übrigens sahen wir in den Bäumen auch das winzige Alexanders Buschhörnchen (Alexander’s Bush Squirrel), aber auch das riesige Riesenwaldhörnchen (Forest Giant Squirrel) sowie einen Westlichen Baumschliefer (Western Tree Hyrax). Ich muss ehrlich sagen, diese Beobachtungen haben mich ziemlich begeistert. Vor allem den Baumschliefer einmal zu sehen, fand ich
ausgesprochen interessant, da ich die verwandten Arten aus dem südlichen Afrika logischerweise bereits gut kannte.

Ein Vogel, der ebenfalls unbedingt erwähnt werden muss, ist das Gelbbrust-Waldrötel (Forest Robin, gelbbrüstige Form). Dazu kamen Rotkappen-Spreizschwanz (Chestnut-capped Flycatcher), der Budongo-Laubsänger (Uganda Woodland Warbler) sowie die Gelbsteiß-Sylvietta (Lemon-bellied Crombec).

Danach fuhren wir weiter in den Murchison Falls National Park. Ich musste unterwegs noch mit dem Laptop auf dem Schoß etwas LeafLove Safari Büroarbeit erledigen und hatte deshalb nur wenig Zeit, aus dem Fenster zu schauen. Doch jedes Mal, wenn ich aufsah, bot sich ein fantastischer Anblick: die hier besonders schönen Rothschildgiraffen im warmen Licht, Blaugesicht-Hornraben (Abyssinian Ground Hornbill) am Straßenrand, in der Ferne einige Elefanten und große Büffelherden.

Schließlich erreichten wir die Fort Murchison Lodge. Hier stimmt wirklich alles. Große, geräumige Zimmer, ausreichend Platz, funktionierendes Wasser, sehr guter Service und am Abend ein wirklich gutes Stück Fleisch.

 

1. Juli 2026 – Nil, du Fluß voller Geheimnisse

Um 5.30 Uhr brachte mir der Kellner den Kaffee. An dieser Stelle darf man ruhig erwähnen, dass der Service in Uganda dermaßen freundlich und, ja, man muss das Wort einfach benutzen, „lieb“ ist. Das sind wirklich liebe Menschen, und man fühlt sich menschlich sehr aufgehoben.

Heute geht es los auf Pirschfahrt und Vogelpirsch. Am meisten freue ich mich auf die farbenprächtigen Nubischen Giraffen, auf Piapiacs, die auf Büffeln mitreiten, und auf die herrlichen Farbenspiele der Landschaft. Heute Nachmittag soll es dann noch auf eine Bootsfahrt gehen.

Das frühe Aufstehen scheint meinen Gästen überhaupt nichts auszumachen. Ich habe mir den Luxus erlaubt, mich von der Lodge mit Kaffee wecken zu lassen. Auf den Nature Lodges ist es nämlich so, das ist eine Kette, die in Uganda einen sehr guten Standard bietet, dass man sich morgens einen Kaffee aufs Zimmer bestellen kann. Und das ist natürlich purer Luxus.

Ich trank also meinen Kaffee, trat nach dem Waschen hinaus und sah in der Dämmerung den Albert-Nil vor mir. Scherzenderweise musste ich denken: Was für ein schöner Name. Der Albert-Nil ist der Abfluss des Albertsees und fließt von dort weiter nach Norden.

Nach einem kurzen Frühstück, hier gibt es übrigens auch, so wie überall in Uganda, immer herrlichstes Obst am Morgen, stopfte ich mir erst einmal kräftig Ananas, Mango, Papaya und Passionsfrucht hinein. Und natürlich noch ein, zwei, drei Kaffee. Bis es dann losging auf die Pirschfahrt im Murchison Falls Nationalpark.

Ich sage immer wieder, dies ist einer meiner absoluten Lieblingsparks überhaupt. Es gibt Jahreszeiten, da müssen wir in Namibia wirklich dankbar sein, wenn wir überhaupt Elefanten sehen. Hier stehen die Elefanten überall in der Landschaft herum. Meine Kunden haben nachher gar nicht mehr bemerkt, dass hier und dort noch Elefanten standen. Wir hielten eigentlich nur noch nach Elefanten Ausschau, auf denen Spitzschwanzelstern saßen.

Es gibt Gegenden hier, wo die Borassuspalme (Borassus aethiopum) zu Zigtausenden wächst und die Landschaft mit ihrem satten Olivgrün schmückt. Dazwischen stehen dann die allerschönsten Giraffen Afrikas. Es ist die Rothschild-Giraffe oder auch Nubische Giraffe. Ich kann mich an diesen Giraffen einfach nicht sattsehen. Vor allem haben die alten Bullen die interessante Besonderheit, dass sie nicht nur das dritte Horn auf der Stirn besitzen, welches sehr ausgeprägt ist, sondern hinter den beiden Hörnern noch zwei weitere. Das heißt, sie haben eigentlich fünf Hörner. Dazu ein extrem kontrastreiches Fell und sehr helle Beine. Wie malerisch das im wahrsten Sinne des Wortes aussieht, kann man sich kaum vorstellen. Ich spotte immer und sage, wenn ich hier ein normales Foto mache, muss ich mich wahrscheinlich rechtfertigen, dass ich das Bild übersättigt bearbeitet habe.
Überall standen wieder in großen Mengen Uganda-Kobs herum. Wunderschöne Böcke, oft mit erhobener Nase, weil sie flehmten. Viele weibliche Tiere mit ihren Lämmern. Und immer wieder sah man Huserenaffen (Patas Monkey) spielen oder einfach nur dasitzen. Wir haben diese eine ganze Weile beobachtet. Für die Naturfotografie sind diese Huserenaffen (Patas Monkey) wie gemacht. Mal zähnefletschend, mal spielend, mal springend, mal rennend, mal sich umarmend, mal sich gegenseitig die Hände reichend. So unglaublich niedlich.

Und dann, in ihrem eigenartigen Gang, immer wieder die Kuhantilopen. Crammy meinte allerdings, Jackson’s Hartebeest sei eigentlich der falsche Name. Sie würden Lelwel Hartebeest heißen. Im Grunde stimmt beides. Jackson’s Hartebeest wird heute meist als Lelwel Hartebeest bezeichnet.

Unterwegs sahen wir auch eine Gruppe Mangusten. Die habe übrigens ich entdeckt. Erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier, dann fünf. Zunächst dachte ich, dass dies Zwergmangusten wären. Aber nach längerer Diskussion sowie einigem Nachschlagen und Nachschauen haben wir uns auf die Listige Manguste geeinigt. Die Pousargues-Mongoose (Dologale dybowskii), eine Mangustenart, die nur selten dokumentiert wird, hier aber offenbar recht häufig vorkommt.

So richtig genießen konnte ich meine allerletzte Pirschfahrt in Uganda leider auch nicht, weil ich mich immer wieder mit Flugumbuchungen beschäftigen musste. Uganda Airlines hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und meine Flugzeiten verändert. Dadurch konnte ich meine Anschlussflüge nach Namibia nicht mehr erreichen. Aber Gott sei Dank habe ich meine Rückflüge bei Anja Badenhorst von TripTravel gebucht. Eine äußerst hilfsbereite, schnelle und zudem sehr freundliche und liebe Frau, die mir diese Flüge inzwischen bereits zum vierten Mal umgebucht hat. Danke, Anja!

Auf einem trockenen Ast musste ich dann einmal vom Buchungshandy hochschauen und sah eine farbenprächtige Finsch-Agame. Sie sieht unserer namibischen Felsenagama sehr ähnlich, ist aber eine andere Art. Natürlich, wie fast alles hier in Uganda, wesentlich farbenreicher. Wieder einmal scheint die Natur den Kontrastregler hochgedreht zu haben.

Mittags hatten wir wie immer reichlich im Lunchpaket zu essen, bis es am Nachmittag auf das Boot ging, den Victoria-Nil hinauf zu den Murchison Falls.

Auf einmal erklang wunderschöne Musik. Einige Musiker saßen dort und spielten auf traditionellen Instrumenten eine ganz tolle Melodie. Ich habe das natürlich sofort gefilmt und auch gepostet. Ja, auch ich kann posten. Ich stand dort eine ganze Weile, hörte zu und gab ihnen anschließend ein wohlverdientes, großzügiges Trinkgeld. Wohl auch deshalb, weil ich weiß, dass Musiker für das, was sie leisten, grundsätzlich viel zu wenig bezahlt werden.

Die Paviane an diesem Parkplatz machen übrigens alle verrückt. Sie klettern in Autos hinein, öffnen Fensterscheiben oder Dachluken und klauen jedes frei herumliegende Stück Banane oder jedes Lunchpaket, das sie erwischen können. Eigentlich zum Totlachen, wie sehr sie sich inzwischen an die Menschen gewöhnt haben.

Auf der Bootsfahrt sahen wir Elefanten in Massen und noch mehr Flusspferde. Große Hippos, kleine Hippos, Hippos an Land, Hippos im Wasser, schnorchelnd oder dösend, aber alle erstaunlich friedlich.

Am Ufer entdeckten wir dann eine Nil-Weichschildkröte (Nile Soft-shelled Turtle), eine riesengroße Schildkröte mit weichem Panzer und spitzer Schnauze. Solche Beobachtungen mag ich ganz besonders.

Dann endlich der Elefant am Ufer mit Spitzschwanzelstern (PiaPiac) auf dem Rücken. Hier konnten wir fotografieren, was das Zeug hielt. Leider, oh leider, waren auch die Tsetsefliegen ahlreich vertreten. Wir konnten deshalb nie lange am Ufer verweilen. Es dauerte nicht lange und wir wurden von Tsetsefliegen umschwirrt. Also mussten wir klatschend und wedelnd mit dem Boot weiterfahren, damit sie uns nicht allzu sehr auf den Sack gingen.

Die Murchison Falls sieht man auf dieser Bootsfahrt von unten. Man fährt regelrecht von der Flussseite aus relativ nah an sie heran. Natürlich möchte ich immer noch näher heran, aber irgendwann ist Schluss.

An einem Punkt halten die Boote vor einer kleinen Insel mit einem großen Baum, der voller Afrikanischer Schlangenhälse (African Darter) ist, die dort auch brüten. Dazwischen sitzen zahlreiche Weißbrustkormorane, und ich entdeckte dort sogar einen Dorfweber. Hier halten die Boote an, sodass man die Vögel frontal beobachten kann. Das ist wirklich sehr eindrücklich.

Auch die anderen Touristenboote lagen dort. Wir hatten natürlich eine individuelle Bootsfahrt, auf der nur wir unterwegs waren. Wie so oft machte ich dann meine Scherze über die „Rosy-faced Sun Worshippers“ und die „Red-breasted Mattress Thrashers“, meine augenzwinkernden „wissenschaftlichen Namen“ für die sonnenverbrannten Touristen auf den anderen Booten.

Auf dem Rückweg sahen wir schließlich noch einen Afrikanischen Fischadler (Osprey), der seinen frisch gefangenen Fisch direkt vor unseren Augen in Sicherheit bringen wollte.

Die coolen Vögel, die Crammy uns am Ufer gezeigt hat, möchte ich natürlich nicht unerwähnt lassen. Neben den vielen verschiedenen Reihern, dem Sattelstorch, den Afrikanischen Schreiseeadlern, den immer wieder auftauchenden Malachit-Eisvögeln, sogar einem Riesenfischer sowie den zahlreichen Graufischern waren auch die Doppelzahnbartvögel im Baum zu sehen. Am reizensten fand ich heute aber den Rotflügel-Grausänger (Red-winged Grey Warbler).

Auf dem Weg zurück zur Lodge ging es das letzte Stück wieder über die Schotterpiste, die wirklich sehr, sehr holprig ist. So sehr, dass ich, als wir an der Lodge ankamen, gleich zum sogenannten Empfangskomitee sagte: „Sagt mal, habt Ihr keinen Straßenhobel? Wisst Ihr nicht, was ein Grader ist? Verdient Ihr hier nicht genug, um einen Grader zu finanzieren?“ Da blitzten die weißen Zähne auf, und er sagte nur: „Sir, it is a process!“ Ich musste herzlich lachen. Was für ein guter Ausdruck, der eigentlich alles sagte. Stimmt, es ist eben ein Prozess. Kostet schließlich alles Geld. Und so schlimm war die Straße nun auch wieder nicht.

Am Abend gab es dann noch interessante Gespräche über die Kaffeeproduktion. Anschließend verabschiedete ich mich von Cornelia, denn wir wollten noch kurz nach Nachtschwalben suchen, und ich wusste, dass sie lieber ins Bett wollte.

Für mich war dies der letzte Safaritag. Durch meine Flugverschiebungen liegt nun eine dreitägige Heimreise vor mir. Lästig, aber machbar. Mein Fahrer für den nächsten Morgen war auch bereits angekommen.

Auf der nächtlichen Suche nach Nachtschwalben blieben wir leider erfolglos. Als mich dann die Moskitos unaufhörlich stachen, wurde ich zu einem echten Meckerpott und sagte zu Crammy: „Mir reicht’s jetzt. Ich will nach Hause. Außerdem ist mir langweilig.“

Unterwegs sahen wir dann noch ein Bunyoro-Kaninchen (Bunyoro Rabbit). Das war noch einmal ganz interessant und ein schöner Abschluss.

Dann kamen die traurigen Abschiedsworte. Was soll man sagen, wenn eine Reise so schön, so erfolgreich und so reibungslos verlaufen ist?

 

2. Juli 2026 – heimwärts für die schwachen

Am nächsten Tag stand für meine Gäste noch ein schönes Sightseeingprogramm auf dem Programm. Gemeinsam mit Crammy fuhren sie mit einem Boot in das Nildelta. Crammy ließ mich wissen, dass sie neben dem Schuhschnabel auch viele weitere hervorragende Vogelarten entdecken konnten.

Außerdem gelangen ihnen Beobachtungen von Gestreiften Mangusten (Banded Mongoose), Schlankmangusten (Slender Mongoose), einem Schlanken Chamäleon (Slender Chameleon) und einer Afrikanischen Felsenpython (African Rock Python). Den Fotos nach zu urteilen, hatten sie eine richtig gute Zeit.

Nach der Besichtigung der Murchison Falls von oben aus ging es anschließend zurück nach Entebbe, von wo aus sie am Abend ihren Heimflug antraten.

Der lange Gang zum Flieger, ich war traurig. Traurig weil ich meine Familie so wenig sehe, traurig weil ich hier weg musste… die Wärme drang in mich ein, die Sonne trug mich regelrecht die Treppen zum Bomber hoch.
Unten stand ein Steward und checkte die Bordkarten. Ich blieb bei ihm stehen und sagte:“ I miss my wife, my sons, my mother, but I don’t want to go home. I love this place so much“.
Er nur: „Sir, you will be back, come home to Uganda soon.“

Wie recht er hoffentlich hat!