Reisebericht - Avifauna Okavango 2022

Artentreichtum in Norden Namibias

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Reisebericht der artenreichen Birdingtour Avifauna Okavango in den Nordosten Namibias, welche im November 2022 von Leaflove Safari für Birdingtours ausgeführt wurde.

Damit Sie einen sicheren Urlaub haben.

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Wir sind gegen Mittag aus der Hauptstadt gen Nordwesten aufgebrochen. Mich mulmte schon, da wir nun lange unterwegs sein werden, Claudia bestimmt unter Jetlag leidet und ich auf dem Highway wohl kein zufrieden stellendes „Roadside birding“ anbieten konnte. 

Eigentlich war der Plan, am Avis Schutzgebiet einige Wünsche zu erfüllen, aber zu meinem Entsetzen… ich kam ja aus Swakopmund angefahren, dort, wo die bessere Lebensqualität herrscht, musste aber feststellen, dass der gesamte Bereich Opfer eines Feuers wurde und nur noch kahle schwarze Baum- und Buschleichen aus der Erde ragten.

Mir war klar, das nächste Mal fangen wir am besten die Reise in Walvis Bay an, dann können die Kunden über Kapstadt fliegen und  auch dort etwas birden…

Also fand ich die perfekte Lösung und fuhr zu meinem Freund Fritz nach Monte Christo unterhalb der Otjihavera Berge. Mit fast 55 Arten im Sack ging die Fahrt dann endlich los und alle waren sich einig, die Goldschnepfen waren der grosse Hit! 

Wir sahen eine wunderbare Gruppe Pelikane, an die 50 Weißrückengeier, Mangrovereiher und die üblichen Wattvögel.

Begeistert war selbst ich, als Rüppelpapageien sich zufrieden unterhaltend, wer es hört und kennt weiß genau was ich meine, sich vertrauensvoll wunderbar fotografieren liessen. Lautstark konnten wir den Damarabaumhopf in den hohen Winterdorn-Bäumen beobachten und die Damaratokos wurden intensiv besprochen. Unermüdlich trieb die Gruppe meinen Ehrgeiz von einer Art zur anderen und schliesslich musste ich, nach einem Schwalbenschwanz- Bienenfressser, dann Vollgas nach Westen geben.

Spät und müde schafften wir vor der Vogelliste, welch Pein im schlechten Licht, dann auch noch eine Flecken-Nachtschwalbe und drei weitere beim Insektenfang zu beobachten und gingen dann in die first Night.

Der Erongo imponiert, das ist einfach so, da diese gigantischen Hinkelsteine im roten Morgenlicht einfach noch atemberaubend farbreicher als sonst wirken! 

Schon vor Sonnenaufgang hatten wir Hartlaubfrankolin und Klippensänger im Fernglas und selbst die obligatorische Perlzwergkauzruferei lockte recht viele Akazien-Bewohner. Erdschnäpper „en masse“ und die Fahrradpumpe (der Priritschnäpper) hielt alle Ohren und Augen offen. Auch die Klippschliefer präsentierten sich in bester Manier.

Nach dem Frühstück, mit herrlichem Veggie-Omelette und feinem Blue Cheese, fuhren wir noch zu Didi auf die Farm Erongo Rocks. Es war brütend heiß und als wir nach der gesuchten Layardgrasmücke, welche sich dann wie vermutet in den Kletterfeigen beschattete, dann endlich fündig wurden, ging es mit Klimaanlage gen Norden. Fleckentoko zeigte sich, ein Felsenadler saß hoch in einer Höhle, Buntastrilde begeisterten mit ihrem Bunt und alle konnten zufrieden auf der langen Fahrt die Augen etwas schliessen. Bei der Schweizerin, darf man erwähnen, dass ihre dunkle Hautfarbe eher weniger zu ihrem Dialekt passt, gab es noch herrlichen Käsekuchen mit Cappuccino… dann Gewitter, Seglerbeobachtung und Ankunft vor Etoscha. 

Wir nahmen Frühstückspakete mit und waren schon vor Sonnenaufgang am Andersson Tor des Etoschaparks. Das erste Ziel war die Rotschnabellerche… hat etwas gedauert und unsere Augen mussten sich zuerst auf die endlose Salsola-Fäche gewöhnen, aber schliesslich fanden wir zwischen Weißwangen- und einigen Graurückenlerchen dann die ersehnt Art, sogar einige sehr nahe zu fotografieren auf den kleinen Kalksteinen posierend. Die Gruppe genoß das aktive Gezeter der Zirplerche.

Man darf keine Tiere im Park füttern, aber als das Erdhörnchen Brigitte beim Frühstückspicknick förmlich auf Tuchfühlung nahe kam und anbettelte, durfte es eine Rosine haben, denn diese mochte Brigitte eh nicht, also optimal.

Der Halsband-Zwergfalke spielte mit, erhobenen Schwanzes wetterte er dem Regen entgegen und alle fanden es „supercool“.

Wir hielten bei einer Zebraherde, als eine Kapohreule (Marsh Owl) wie von Geisteshand eingeflogen kam und sich Mitte auf die brühwarme Steppe setzte. Mal ging sie hin- mal her, und wir fotografierten uns dumm und dämlich an diesem wunderschön seltenem Geschöpf. Sachen gibts…

In Halali beobachteten wir die obligatorischen Nacktwangen-Drosselhäherlinge in den nun schon herrlich grünen Mopanebäumen. Eine laute Gruppe Brillen-Vangas ließ sich bestaunen, denn die sind ja wirklich wunderschön geschminkt. Magnum Eis in der einen und Fernglas in der anderen Hand, es ist echt ein schweres Leben, das muß mal erwähnt werden. Rostrennvögel sind eigentlich recht selten zu sehen… man freut sich, wenn dieser filigran geschminkte Rennvogel, oft in die Ferne flüchtend, seine kurze Erscheinung macht. Unglaubwürdig wird diese Aussage, wenn man wie wir, gleich mehrere Gruppen findet und sich dann „endlich“ an den normalerweise recht häufigen Doppelband-Rennvögeln freut.

Es gibt Dinge, die kann man als Reiseanbieter garantieren definitiv NICHT zu sehen, aber irgendwie ist Afrika dann doch manchmal gnädig! Eines dieser Dinge wäre eine Gepardenbeobachtung auf 4 Meter hohem Termitenhügel im besten Licht und mit dunklem Hintergrund.

Zuerst sahen wir sie unter einem Baum sitzen, das war schon wunderbar, dann aber zogen die Geparde los, über den Weg, Richtung Zebra- und Gnuherde. Hinter der Herde zog sich eine dunkle Wolkenwand zu und eine schwarze Regengardine besorgte den Hintergrund. Golden schien die Sonne auf die Geparden, als sie den Hügel hochsprangen und die wohl schönste Show der Tierwelt boten. Wir konnten es alle gar nicht fassen… es war phantastisch, unglaublich, einfach nicht möglich… aber es war so, und wir waren dabei!

Die Geparde zogen dann weiter und gingen auf die Jagd. Leider ging es dem Ende des Tage zu und wir mussten den Park verlassen.

Wir waren uns einig, wer schaut schon Vögel, wenn er Geparde sehen kann… oder was ist da grad geflogen?

Auf Mushara schmeckte das Abendessen. Leere Teller sind wohl das höchste Lob an die Küche.

Der frühmorgendliche Spaziergang wurde mit Schopffrankolin, Swainsonfrankolin und recht vielen Bushveld Birds, welche sich in den Tambotibäumen dieses Trockenwaldes über den Perlzwergkauz laut aufregten.

Einen ornithologischen Orgasmus gab es schon um 8h00. Der Amethystrennvogel wurde von mir fast übersehen und als Kronenkiebitz ignoriert, als mich doch dieser anders aussehende Kopf zum Rückwärtsgang trieb. Leider war die Freude nur kurz, da der seltene Nachtaktivist doch lieber das Grasversteck aufsuchte und nie mehr zu sehen war…

Im Namutoni Lager waren wir zu einer kleinen Hochzeit geladen. Ein Blauastrild pflückte sich ein Blatt und tanzte vor seiner Braut … sehr an die „Headbanger“ der 90er Jahre erinnernd. Ob sie sich dann wirklich für den schmucken kleinen blauen Farbtopf entschieden hat, bleibt unklar, da sie unbeeindruckt auf den Boden flog und nach Samen suchte.

Die Fahrt nach Andoni wurde mit ein paar Stops an Wasserlöchern und am artesischen Wasser nördlich der Etoscha mit sehr vielen Limikolen und sogar 14 Paradieskranichen auf der wunderschönen King Nehale Lodge gefeiert. Wir fanden die 5. Goldschnepfe, eine Weißbart-Seeschwalbe und sogar noch eine Graukopfmöwe. Diese Fläche ist Piepernfläche und Zistensänger-Paradies. Hunderte Zimtspornpieper, wenige Braunrückenpieper und auch Vaalpieper sind neben der Kweckgräser zu finden. Der Kalahari Zistensänger (Desert Cisticola) tinkt unaufhörlich und auch Zistensänger (Zitting Cisticola) sind in den feuchteren Gebieten zu sehen gewesen.

Die Lodge war wunderschön und der private Pool eines jeden Zimmers wurde, wenn auch kaum Zeit dafür war, von allen genutzt. Das Essen war zu gut …. Ich hatte Schwedenbitter dabei!

Fahrtag an den Okavango bei Rundu. Als Empfangskomitee standen 4 Temminck Rennvögel am Wegesrand. Da der Garten herrlich schattig war, konnten wir spazierend Senegalliest geniessen, einen Wiedehopf und Trauerdrongo am Nest fütternd fotografieren, den Martin uns übrigens lässig zeigte, und über den Weißbrauensänger staunen, der seinem Namen mit kräftigem Gesang tüchtig Ehre machte. Klaffschnäbel und Blauwangenspint führte zu ebenso viel Begeisterung wie der klitzekleine Senegalamarant, den sein Schöpfer wohl kurz vorher in einen roten Farbtopf getaucht hatte.

Wir liessen die Sonne mit einem Rockshandy, manche wollten eher den süßen Malawishandy,  am Okavango untergehen. Schnell noch Liste machen, alle waren müde, ich war schon fast halb tot, schnell gegessen und ins Bett, denn um 6 war wieder Treff und es war nicht mehr viel Zeit….

Wie immer ging es mit oder erst mit späterem Frühstück los. „Piet my vrou“ „Piet my vrou“ so klang es aus Angola zu uns herüber. In der Tat heisst der Einsiedlerkuckuck in der Afikaansen Sprache so. Ich spielte den Ton laut ab und tatsächlich kam der Kuckuck laut rufend zu uns über den Okavango geflogen und erfreute die Gruppe. 

Es ist natürlich herrlich am Frühstückstisch zu sitzen und gleichzeitig kaffeeschlürfend verschiedene Neuarten, wie Schwarzkielralle, Kupferschwanzkuckuck, Jakobinerkuckuck und Weißbauch-Nektarvogel im Glas zu haben.

Im Garten fand Claudia mit ihren Adleraugen das Nest eines Afrikawiedehopfes. Wir hockten uns alle auf den Rasen und fotografierten die Einflüge ohne den Wiedehopf zu stören. Natürlich wurden wir von einigen Selbstfahrern beobachtet, welche dann nach unserem Abzug das Nest näher inspizierten, sehr zum Fruste unseres Dirks, der sich offensichtlich für das Wohl der Tierwelt einsetzt und solch Gehabe nicht dulden mag.

Als wir paarende  Vögel beobachteten meinte Brigitte höflich: „ok… die werden also vorerst nicht aussterben“.

Die langweilig schwarze Strasse ging schnell vorüber, unterwegs die jahreszeit-üblichen Schmarotzer- und Schwarzmilane und ein paar Insiderthemen und das Ziel naht schon.

Auf dem Ngepi Camp kam nur sehr zögerlich Begeisterung auf. Das Management war offensichtlich eher in eigenem Sinne als dem Wohl unserer unterwegs, aber wir genossen es trotzdem die Natur hier hautnah zu erleben, auch wenn es ungewohnt war.

Auf der Bootsfahrt wurde die Stimmung noch besser und ein sattes Naturverlieben war deutlich an den hinter Ferngläsern versteckten Gesichtern zu lesen. Die Sonne ging in prächtigen Farben unter, Nilpferde prusteten laut in unmittelbarer Nähe und eine phantastisch seltene Beobachtung des Weißrückenreihers, dieser ist übrigens ein scheuer nachtaktiver Vogel, rundete die Fahrt mit viel Dankbarkeit ab. Die beiden Madenhacker-Arten waren auf Nilpferden zu sehen, der Dreifarben-Brillenvanga in der Wasserbirne Syzygium guineense, der Goliathreiher stolzierte am Grasufer, der Grau- und Riesenfischer brachten wie immer die Kameras zu glühen und nach vielen weiteren „Ticks“ flog dann auch noch der Hammerkopf auf… welch Freude.

Das Abendessen wurde müde genossen, es gab auch, für die die wollten, den hier lokal zubereiteten Mahangopap, ein Hirsebrei, zum Fleisch; wie gut, dass es Alternativen gab, aber manchen hat es sogar geschmeckt.

Früh ging es heute auf der Strecke zurück, um ein kleines Waldstück, wohl ein letztes verschontes auf der Rundu-Divundu-Strecke, nach seltenen Arten abzusuchen. Die Hitze trieb uns nach einer wunderbaren Klaaskuckuck-Beobachtung wieder zurück auf die Lodge.

Am Nachmittag ging es dann in den Mahango Park. Wie immer gab es sehr viele Tiere zu sehen und wir freuten uns an Jungtieren der Impala und auch Warzenschweinen, Kudus, Leierantilopen, die vielen Lechwes, Rietböcke und Büffel waren heute das Beobachtungsziel. Natürlich gab es wieder gute Vogelbeobachtungen, da Gaukler und Schreiseeadler recht nahe zu sehen waren. Wir konnten die Drossling-Arten erweitern und Brigitte hoffte auf den Kronenkranich, dabei waren die Klunkerkraniche all zu schön zu sehen… morgen vielleicht.

Nach dem Dinner dann wieder auf Eule. Die Schleiereule zeigt sich im Flug direkt über uns und die Afrika-Zwergohreule hörte auch im Rampenlicht mit ihrem „brut brut brut“ nicht auf. Ein paar Bilder und ins Bett, genug für heute.

In der Nacht stürmte es und es gab wenig Schlaf. Diese Unterkunft werden wir aus dem Programm nehmen. Der Gedanke war zwar, einen Mix aus verschiedenen Unterkünften und etwas mehr „naturnahes“ einzubinden, aber die Lodge bot für einige Teilnehmer schlichtweg zu wenig Komfort und das komplett offene Ambiente der Zimmer war einfach „too much“. Der Verwalterer (das doppelte -er ist übrigens Absicht, denn so nannte er sich selbst) Rudi ratlos, so nannten wir ihn, war etwas überwältigt von der Aufgabe Gäste zu bewirten. Ich freute mich natürlich über die Fähigkeit aller Teilnehmer trotzdem das Positive in allem zu sehen und klaglos trotzdem lächelnd weiter zu birden, aber auch wir lernen dazu und wissen, wann wir eine Unterkunft einfach in Zukunft austauschen müssen… und zwar mit einer besseren!

Der Grenzübergang verlief wunderbar zügig. Der vogelreiche Garten der Drotskys Cabins und die liebe Eigentümerin wirkten Wunder und als uns der gute Otto auch noch den Narina Trogon zeigte, ich von einem ornithologischem Orgasmus sprach, und auch kurze Zeit für den paradiesischen Pool gegeben war, waren alle in  bester Vöglerstimmung. Narina Trogon… geiler geht nicht!

Der „Birdfeeder“ war so gut, dass sich selbst Stummelwida und Braunkehlweber dort satt frassen und wunderschöne Halsband-Nektarvögel in den gelben Blüten ihr glänzend grünes Rückenkleid zur Schau flogen. 

Auf der Bootsfahrt suchten wir die Bindenfisch-Eule, fanden aber statt dessen sehr viele neue Arten. Hagedasch mit Nest und drei Küken, Scherenschnäbel, Fischadler, jagende Schreiseeadler und viele verschiedene Schwalben. Wir wollen morgen früh weiter suchen…

Piet zeigte uns am Abend noch die Moholi-Galagos im Garten, supersüß, diese kleinen Primaten. 

Früh kam der Koch angerannt und erklärte, dass wir auf Campsite 17 erwartet würden. Er zeigte uns den Weg. Man bedenke, dass es schon um 6h00 nach einem solch strammen Gang sehr schwitzig wurde und das schwere Atmen hinter mir entging mir nicht. Wir alle hatten jedoch diese eine große Hoffnung, welche Otto dann mit einem Fingerzeig in den hohen Schakalbeerenbaum in einen puren Glücksmoment verwandelte. Goldgelb mit deutlich schwarzen Flecken schaute die Bindenfischeule mit großen schwarzen Augen auf uns nieder… und flog fort. Otto entdecke sie dann nach einer Weile in einem anderen Baum, wo wir dann auch fotografieren konnten. Ach es war einfach wunderbar!

Auch sahen wir zwei weitere Narina Trogons, bevor wir uns dann zum Frühstück trafen. Hier abzureisen tat allen leid, hier wollte man bleiben! Urlaub machen! Vögel schauen!… aber es ging weiter und bald hatte der Zimtroller uns im Griff, als einige dieser wunderschönen Vögel förmlich durch die Lüfte schossen und uns nur von weitem gute Beobachtungen erlaubten.

Grenzkontrolle zurück, ein Gelbspötter, brauner Schlangenadler und Kampfadler im Flug.

Es schüttete unterwegs, aber die Bootsfahrt am Kwando lieferte dann dennoch viel Freude an Rotnasen-Grüntauben, Purpurreiher und einen Graukopfliest. Ansonsten war das Wetter schlecht, es wurde etwas kühl-windig und es musste mit Gin Tonic getröstet werden, was dann auch funktionierte.

Nach einem guten Frühstück fuhren wir in das Kwando Core Area des Bwabwataparks. Schon am Eingang konnten wir den wirklich umwerfend schönen Scharlachweber mit seinem Weibchen und einige Dreifarben-Brillenvangas anlocken. Im dichten Teak Wald hatten wir dann den erhofften Erfolg, Spatelracke zu finden. Dieser äusserst seltene Vogel ist ein Superhit in der Birdingwelt und wir konnten uns etwas zurücklehnen… stolz war ich schon, denn meine Gruppe hatte innerhalb weniger Tage die Bindenfischeule, Narina Trogon, Weißrückengeier und nun auch Spatelracke gesehen!

Ein Silberadler zog schnell durch die Bäume und wir sahen extrem fotogen einen Schreiadler auf einem nackten Baum sitzen, wie zu einer Fotosession. Wollkopfgeier zwischen einigen Weßrückengeiern und Ohrengeiern, ein Streifenliest… und ein paar andere, zufrieden ging es zum Mittag zurück.

Am Nachmittag dann eine Pirschfahrt im offenen Fahrzeug mit Aldrin, einem lokalen Führer, der groß, stark und sympathisch meinen Gästen die Tierwelt näher brachte. Wir sahen einige Elefanten, mich irritierte jedoch, dass der Guide einfach querfeldein fuhr, einen alten Büffelbullen, einige Lechwe Moorantilopen, viele Impala mit Jungtieren und wenige Großreedböcke. Für mich ist es schwierig die Vögel zu zeigen, wenn ein lokaler Führer fährt, denn ein jeder hat andere Ziele, trotzdem sahen wir gute Vögel wie Rotschwanz Zistensänger und Dominikanerwitwe, hat also Spaß gemacht.

Nach dem Dinner fanden wir noch zwei Afrikakäuze, wovon einer sich sehr schön still und rufend im Rampenlicht zur Schau stellte.

„Ich hab mein Fernglas geputzt und auf einmal war da kein Nebel mehr“… herzlich in der früh zu lachen und Brigitte etwas auf den Arm zu nehmen, da kann der Tag nur super werden.

Die morgendliche Wanderung lief ab 6h00 jedoch etwas langweilig. Ausser einem Weißstirnweber, den üblichen „hatten wir schon“ Vögeln waren, glaube ich, alle froh, dass nun gefrühstückt werden konnte. 

Es ging heute direkt nach Kasane, aber in einem Waldstück waren wunderbare Goldpirol-Beobachtungen ein Geschenk mit gutem Wetter, es war brütend heiß! Oben kreisten Steppenadler und im Baum war ein Fitis fleissig am Laubschwimmen.

Nach den üblichen Verzögerungen an der Grenze, wir mussten über Botswana wieder nach Namibia mit dem Boot übersetzen, genossen wir die individuelle Betreuung des bekannten Peter Visagie. Die Visagie Familie waltet schon seit zwei Generationen am Zambezi und Chobe und Peter, der Eigentümer der Zovu Lodge, führt seine Gäste persönlich durch die Gewässer. Er scheint ein persönliches Verhältnis mit den bis zu 5m langen Krokodilen und den wirklich vielen Nilpferden zu pflegen. Obwohl Vögel nicht ganz so arg sein Thema sind, hielt er artig bei jedem Vogel fotografenfreundlich an und manövrierte das Boot gekonnt in die optimale Stellung zur Beobachtungsmöglichkeit von jedermann (und Frau) auf dem flachen Aluboot.

Hier die ganzen Arten zu erwähnen würde den Rahmen sprengen… aber der Chobe ist überwältigend vogelreich und es macht viel Freude hier im Sekundentakt weitere Arten zu beobachten. 

Unsere Gruppe splittete sich heute… sehr zu meinem Unwohlsein, da die eine Partei immer verpasst, was die andere so erlebt und vice versa. Derweil die Säuger-lover auf Elefantensuche und Löwenpirsch gingen, im offenen Allrad durch den Chobe mit lokalem SeTswana Guide, fuhren wir mit Peter im Kasai Channel Vögel schauen. Ich habe einen Secret Spot, wo ich, zugegebenermassen erst beim 4. Versuch, den Morgenrötel zeigen konnte. Erleichtert meinerseits und begeistert dieser tollen Beobachtung seitens der Birder-Damen sind wir an die Chobe Stromschnellen gefahren, wo wir recht viele Halsband-Brachschwalben auf den Klippen fast schon hautnah, Peter ist ein phantastischer Bootsführer, erleben durften. Natürlich sahen wir auch viele verschiedene Reiher im Brutkleid und sehr sehr viele Krokodile.

Im Kasai Channel ließ Peter sich treiben, bis direkt vor eine winzige voll geschminkte Afrika Zwerg-Ente, welche wir hundertfach ablichteten, der ein Papyrusrohrsänger im Hintergrund unaufhörlich sang. Wer diese Bilder alle sortieren soll, da braucht man echt mehr als ein Leben. Den Papyrusrohrsänger, Luapulazistensänger, Sumpfzistensänger und sehr viele Scherenschnäbel birdeten wir herrlich schrittweise mit Gelassenheit ab… die Wärme kroch uns unter die Klamotten und der von Peter eiskalt servierte Fruchtsaft löste sich förmlich schon in der Kehle auf.

„Egal, ich brauch das jetzt“ kam von vorn, als ich schäkenderweise auf den hohen Zuckergehalt des Saftes verwies.

Auf dem Rückweg noch einen Fischadler, Osprey, sogar kreisend über uns und dann Abflug, auch wir, der Mittagskaffee und die Neugier auf die Erlebnisse der anderen rief uns in die Lodge.

Leider hatten die anderen recht wenig vor die Nase bekommen, schade, wir hatten erwartet etwas neidisch zu sein.

Gewitter! Wind! Sturm! Dann Frieden und frische Luft. Wir sind dann in Hoffnung auf besseres Wetter dennoch auf das Boot geklettert und losgefahren… welch Reinfall, denn es war kalt, windig und nass!

Die Fahrt via mehreren Grenzübergängen an die Vic Falls verlief super. An Unterhaltung fehlte es auf der Rückreise nicht. Barbara, unsere Fahrerin, taute sichtlich auf und ihr Gelächter erinnerte an jenes „einer Hure, welche eine Gerichtssache gewonnen hat“, das sagt man hier übrigens so.

Auch hatte Barbara einen wichtigen ornithologischen Hinweis für uns. Als wir nämlich endlich den Felsentoko sahen und uns mächtig an dieser Beobachtung freuten, erklärte Barbara wie toll diese Vögel in Milch gekocht schmecken würden… willkommen, wir sind in Afrika.

Das Birding an den Falls war übrigens super. Der Schalowturako zeigte sich gleich am Anfang, er wurde uns von einem netten Engländer gezeigt. Streifenkopf-Heckensänger, Braunkopf-Zistensänger, Rotschwingenstar, Tropenwürger, Kappengeier und viele andere waren im dichten saftigen Sprühregenwald der wirklich imposanten Wasserfälle zu sehen.

Der Cappuccino am Cafe war der beste der Reise und wir konnten zufrieden nach der Besichtigung der Batokaschlucht den Heimweg antreten.

Ich hatte Barbara einen Cappuccino ausgegeben, welcher mit einem „kurzen“ Amarula serviert wurde. Natürlich war klar, dass man als Fahrerin gern auf diesen verzichtet, aber da habe ich mich wohl geirrt, denn dieser wurde auf Schlag ge-ext, schneller, als man den Finger aus kochendem Wasser ziehen kann, und ward nicht mehr gesehen. Ob der Cappuccino Ihr wohl auch so gut schmeckte?

Peter empfing uns pünktlich, das Boot fuhr an den bekannten Landungssteg, Flecki der Jack Russel sprang an Bord und begrüßte sein Herrchen und wir kamen nach Hause… so fühlte es sich zumindest an, denn die Zovu Lodge bleibt wirklich „home away from home“, kann man nichts machen, ist so!

So langsam füllte sich die Liste und fast alle waren nun auch schon bei Ebird angemeldet, da die Liste dort online zu pflegen und gestalten freigeschaltet wurde.

An der Grenze stand ein Mangobaum, an dem wir Rotzügel-Mausvögel, einen Halsband-Bartvogel und sogar ein Smiths Buschhörnchen an den reifen Mangos fressen sahen. Sehr zu meiner Verwunderung sahen wir an eine Bushaltestelle und an der Grenze zwei weitere Morgenrötel, dabei ist es normalerweise Mangelware, dieser Vogel, dessen „Spots“ eigentlich kleine Geheimnisse unter der Reiseleitern sind… naja.

Die Fahrt zurück nach Namibia wurde mit einem Besuch bei der Brutkolonie der Karminspinte belohnt. Curti, ein Freund von mir, der übrigens auch den ersten Leaflove in Namibia entdeckt hat, erklärte mir den Weg durch die Floodplain. Natürlich irrte ich vorerst orientierungslos in der Wildnis herum, was aber frohlockenderweise mit einer Schafstelze im Rinderkraal dann für gute Laune sorgte. Von weitem sahen wir sie schon, hunderte Karminspinte Mitten auf der Fläche. Wir staunten und fotografierten was das Zeug hielt, denn viele Spinte hatten dicke Libellen und Wespen im Schnabel und fütterten damit ihre Jungen, tief in den Löchern versteckt. Die Löcher können übrigens 1.5m tief sein. Ein Zwergadler fing sich unter schwärmenden Spinten seine Mahlzeit, nur um dann wiederholt von Schmarotzermilanen mit Flugattacken gepestert zu werden.

Mich freute es sehr, dass die Gruppe dieses wahre Naturwunder so zu schätzen wussten.

Die Bootsfahrt ab dem Mubala Camp, welches übrigens zwischen hohen Bäumen paradiesisch angelegt wurde, war mit Erfolg und Ruhe gesegnet. Den kohle-grauen Braunkehlreiher sah ich schon von weitem. Leider war das seltene Tier recht scheu, aber gut sehen konnten wir ihn schon.

Wir sahen Karminspinten beim Baden zu, sie stürzen sich übrigens ins Wasser, nur um dann erfrischt Körperpflege zu betreiben. So duscht man also wenn man Federn hat… 

Das Licht, die Vögel, der Zambezi, man muss es selbst erleben, denn es bedeutet Ruhe, Gelassenheit und Zufriedenheit.

Heute bekam ich sehr viel Hilfe. Ein superguter Birder, Curt-Ingo Sagell, der Eigentümer der Caprivi Houseboat Safaris Lodge, opferte seinen ganzen Vormittag für uns, obwohl er auch seine eigenen Gäste zu betreuen hatte. Wir gingen zusammen zur Schule, hier also „it’s not what you know, it’s who you know“. 

Den „Yellow-throated Leaflove“, also Gelbkehl Uferbülbül fanden wir  in der dichten Uferbewaldung des mächtigen Zambezi. Diese kann als eine Superart gesehen werden, da dieser Vogel erst kürzlich im südlichen Afrika entdeckt wurde und es wohl im ganzen südlichen Afrika kaum mehr als 20 Individuen geben kann.

Curti machte uns glücklich! Braunkopf-Tropfenvogel, kommt eigentlich in Namibia gar nicht vor, huschte vor unseren Augen durch hohe Schakalbeerenbäume. Nach einer Irrfahrt durch die Sumpflandschaften endeten wir an einen Gewässer, wo mehrere Afrika-Zwergenten zwischen dichten Wasserlilien, hier gibt es übrigens Nymphea nouchali und N.lotus, schwammen und wir laut staunend gleich einige Zwergblatthühnchen beobachten und fotografieren durften. Welch mega-Highlight! 

Als ich schäkenderweise Curti „jetzt bitte auch noch um Rotbauchreiher“ bat, liess er mich an einem kleinen Wetland halten, wo tatsächlich ein Rotbauchreiher abflog und sich vor uns in einen trockenen Baum setzte, frei!

Unterwegs noch Gelbstirn-Bartvogel und dann zu Mittag in den Green Basket, wo wir Cappuccino-geniessend das Kleinelsterchen direkt am „Birdbath“ mit Senegalamarant fotografieren konnten.

Auf der Bootsfahrt am späten Nachmittag hatten wir weitere Birder an Bord. Curti führte uns langsam tuckernd an eine fabelhaft hübsche Kulisse, wo Karminspinte ins Wasser tauchten und sich danach auf hohen Ästen das Gefieder zurecht schüttelten und sich in der untergehenden Sonne wärmten… es war paradiesisch. 

Ich war fest überzeugt, dass es zwei Natalzwergfischer waren, die blitzschnell im Gestrüpp verschwanden. Man konnte auch das, für diese Zwerge recht große, Brutloch sehen. Man braucht einfach mehr Zeit, aber so ist es ja bekanntlicherweise immer.

Als die Binsenralle dann ihre Erscheinung machte, war der Tumult auf dem Boot perfekt und die Kameras ratterten wie verrückt. 

Wir durften, leider schon bei anbrechender Dämmerung, auch noch den Kobalteisvogel bestaunen, der allein auf einem Ast eigentlich schon Feierabend hatte.

Das war ein perfekter Abschluss dieser Tour.

So richtig Freude kann an einem letzten Abend nicht aufkommen, aber es herrschte eine Zufriedenheit und es wurde genügend Bier, Rock-Shandy und Gin-Tonic bestellt…

See you next time!

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